Bedeutung des kollektiven Erinnerns für Gegenwart und Zukunft (Ethik, 9. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2013

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thematik
2.1 Gegenstand
2.2 Ziele der Stunde
2.2.1 Hauptintention
2.2.2 Teilintentionen

3. Didaktische Analyse
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Sachanalyse
3.3 Begründungszusammenhang
3.3.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3.3.2 Exemplarizität
3.3.3 Struktur
3.3.4 Zugänglichkeit
3.4 Einordnung in den Lehrplan
3.5 Didaktische Reduktion
3.6 Kurzentwurf

4. Materialien

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese fachwissenschaftliche Arbeit zeigt einen Unterrichtsentwurf für eine Unterrichtsstunde im Fach Ethik für die Jahrgangsstufe 9 zum Thema Bedeutung des kollektiven Erinnerns für Gegenwart und Zukunft. Diese kann in die Unterrichtsreihe Heimat und Tradition eingegliedert werden. Die geplante Unterrichtsstunde und die Schüler sind fiktiv und stützen sich nur auf gesammelte Erfahrungen in Praktika. Der Aufbau des Unterrichtsentwurfs richtet sich nach der Vorgabe der Dozentin Frau Dr. Xxxxx, sowie nach der in Praktika gelernten Art und Weise einen Unterrichtsentwurf aufzubauen.

Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der geplanten Unterrichtsstunde und mit dessen Lehr- und Lernzielen. Danach folgt die didaktische Analyse. In dieser wird die aktuelle Situation im Kurs beschrieben, das Thema analysiert und der Begründungszusammenhang geklärt. Danach folgt die Einordnung des Themas in den aktuellen Lehrplan und die didaktische Reduktion. Schließlich wird die Unterrichtsstunde anhand eines Verlaufsplans skizziert.

Das Thema des kollektiven Erinnerns ist für die SchülerInnen womöglich in weitere Ferne gerückt, da die historischen Ereignisse sehr weit von der heutigen Generation entfernt sind. Deshalb ist es der heranwachsenden Generation zunehmend erschwert, einen Bezug zu den vergangenen Geschehnissen aufzubauen. Die Unterrichtsstunde soll den SchülerInnen ermöglichen sich in die Opfer des Nationalsozialismus hinzuversetzen, aber auch Verständnis für die Freude über den Mauerfall aufbringen. Die SchülerInnen sollen ferner dazu angeregt werden politische Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Es soll ihnen bewusst gemacht werden, dass keine Entscheidung einfach nur hingenommen werden sollte.

Mit dem Thema Erinnerung beschäftigen wir uns täglich, egal ob auf geschichtlichem oder privatem Hinblick. Wichtig ist, dass die Schüler erkennen, dass uns die Vergangenheit geprägt hat und auch weiterhin prägen wird. Diese Stunde fördert also nicht nur das sachlich-fachliche Wissen zu diesem Thema, sondern trägt auch zur Entwicklung des sozialen Verständnisses bei.

2. Thematik

Unterrichtsreihe:

- Heimat und Tradition

Thema der vorangegangenen Stunde:

- Abschluss der Reihe Einflüsse in die persönliche Entwicklung

Stundenthema:

- Kollektive Erinnerung

Thema der nachfolgenden Stunde:

- Annäherung an andere Kulturen (Islam)

2.1 Gegenstand

Aktuelle Unterrichtsstunde:

- Bedeutung des kollektiven Erinnerns für Gegenwart und Zukunft

Texte:

- SPIEGEL ONLINE: Mehr Entschädigung: Deutschland zahlt 800 Millionen Euro an Holocaust-Überlebende
- ZEIT ONLINE: Holocaust-Gedenktag: "Nur ein Ziel, nur ein Zweck: den Tod"

2.2 Ziele der Stunde

2.2.1 Hauptintention

Die SchülerInnen sollen erkennen, dass die Vergangenheit zu unserer Identitätsbildung beiträgt.

2.2.2 Teilintentionen

Ich möchte erreichen, dass die SchülerInnen

im Lernbereich „Sachkompetenz“ …

- den Text inhaltlich erfassen können.
- den BegriffHolocaust kennen und erklären können.
- den geschichtlichen Hintergrund des 2. Weltkrieges und des Mauerfalls kennen.
- sich über die Bedeutung der Gedenktage bewusst werden.

im Lernbereich „Methodenkompetenz“…

- mit einem Partner zusammenarbeiten können.
- die Fähigkeit zur Urteilsbildung verbessert wird.

im Lernbereich „persönlichkeitsbezogene- und soziale Kompetenz“…

- sich in die Lage der Opfer des Nationalsozialismus hineinversetzen können.
- hinterfragen, warum an bestimmten Tagen ein Feier- oder Gedenktag ist, anstatt es so hinzunehmen.
- sollen die Gefährlichkeit einer extremistischen/ ideologischen Haltung erkennen.

3. Didaktische Analyse

3.1 Bedingungsanalyse

Der Ethikkurs der Jahrgangsstufe 9 am Gymnasium inXxxxxx, setzt sich aus acht Jungen und zwölf Mädchenzusammen. Es ist ein einstündiger Kurs, den ich bisher neun Stunden seit dem Beginn des neuen Halbjahres unterrichtet habe. Die meiste Zeit arbeiten die SchülerInnen diszipliniert und interessiert mit, obwohl das Fach nur einstündig die Woche unterrichtet wird und somit ein schnelles Anknüpfen an Gedanken der vorangegangenen Stunden erschwert ist.

Für die aktuell geplante Unterrichtsstunde ist es notwendig mit dem Banknachbarn zusammenzuarbeiten. DiePartnerarbeit und das gemeinsame Arbeiten an einerAufgabe fördert das Zusammenarbeiten der SchülerInnen untereinander. In der darauf folgenden Stunde möchte ich mich auf andere Kulturen und deren Traditionen und Gedenktage beziehen. Als Beispiel soll an dieser Stelle der Islam behandelt werden.

3.2 Sachanalyse

Die Gedenktage 27. Januar und 9. November sind bewusst gewählt, um den SchülernInnen das Gedenken als Nation, also im Kollektiv näher zu bringen. Der 27. Januar gilt als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Dieses Datum kommt durch die Befreiung der Menschen aus dem Konzentrationslager in Auschwitz durch die sowjetische Rote Armee im Jahr 1945 zustande. Die Befreiung dieses Konzentrationslagers dient als Erinnerung für die Ermordung von europäischen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten und politisch Andersdenkenden durch Nationalsozialisten.

Der 27. Januar, soll uns an unsere Geschichte erinnern und uns diese nicht vergessen lassen. Olaf Karitzki ist der Meinung, dass ein Merkmal einer Nation die kollektive Haftung für die Vergangenheit, die Erinnerung daran und die Übernahme von Verantwortung, ist.[1] Im Hinblick auf die immer größer werdende biographische Distanz der heutigen Generationen zum historischen Ereignis ist es wichtig, dass dem Thema eine gewisse Präsenz zugeschrieben wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und die Konfrontation mit Menschen mit Migrationshintergrund nicht zu vermeiden ist, aber auch durch die Entstehung eines gesamteuropäischen Kulturraumes, ist es von Bedeutung über die Zukunft dieses Gedenktages nachzudenken. Dieser Gedenktag ließe sich auch auf andere radikale Vereinigungen, wie aktuell auf den „Islamischen Staat“, anwenden. Eskönnte im Hinblick darauf an diesem Tag auch an die Menschen erinnert werden, deren Menschenrechte nicht beachtet wurden und die aufgrund dessen sterben mussten.

Der 9. November erinnert hingegen sowohl an negative als auch an positive Ereignisse. Am 9. November 1918 fand die Novemberrevolution statt, die die Ausrufung der Weimarer Republik zufolge hatte. Dies ist als eines der positiven Ereignisse zu betrachten, an das am 9. November gedacht werden kann. Zum ersten Mal in der Geschichte war Deutschland eine Republik.

Die darauf folgenden Ereignisse lassen den 9. November als mahnendes Datum erscheinen. Am 9. November 1923 versuchte Hitler durch einen Putsch die Regierung in Berlin zu stürzen, er wurde von der Polizei in Bayern gestoppt und die NSDAP wurde verboten. In der Reichspogromnacht, am 9. November 1938, nachdem Hitler bereits an der Macht war, brannten hunderte Synagogen und Geschäfte von Juden. Die Nationalsozialisten setzen diese anlässlich eines Aufrufes von Goebbels in Brand. Die Rechtfertigung der Brandstiftung durch die Nationalsozialisten berief sich auf die Ermordung des Diplomaten Ernst Eduart von Rath durch den Juden Herschel Grynszpan am 7. November 1938.

Allerdings fiel auch am 9. November 1989 die Berliner Mauer, somit war Deutschland wieder vereint. Ein positives Ereignis, das am 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit gefeiert wird. Dass die Wiedervereinigung nicht am 9. November gefeiert wird, lässt sich darauf zurückführen, dass erst am 3. Oktober 1990 die rechtliche Wiedervereinigung in Kraft trat.

Es ist von Bedeutung, dass wir auf bewältigte Situationen und auf gesetzte Meilensteine wie den Ausruf der Weimarer Republik zurückblicken, denn die Erinnerung daran ruft das Zusammengehörigkeitsgefühl in der gegenwärtigen Nation hervor.[2]

3.3 Begründungszusammenhang

3.3.1 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung

„Erinnerung ist ein praktisches Selbstverhältnis, in dem wir nicht nur ein Verständnis unseres Lebenszusammenhanges herstellen, sondern uns darüber klar werden, was für Personen wir nicht nur al zukünftige, sondern als vergangen sein wollen“[3]

Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen wer wir sind und woher wir kommen. Dazu zählt sowohl die positive als auch die negative Geschichte unseres Landes. Die praktische Erinnerung an das Gewesene ist nach Lotz ein identitätsbildender Prozess.[4] Die Vergangenheit spielt in der Gegenwart und auch in der Zukunft eine wesentliche Rolle, vor allem im politischen Sinne. Für die SchülerInnen ist die Auseinandersetzung mit den geschehenen Ereignissen unabdingbar, um beispielsweise verstehenzu können, warum Deutschland noch immer Zahlungen an Überlebende des Holocaust leistet. Deutschland verpflichtete sich 2013 zu einer Zahlung an Holocaust Überlebende von 800 Millionen Euro bis 2017.[5] Den Bezug zur Vergangenheit herzustellen ist Sinn bildend und bietet Orientierung in der Welt für die SchülerInnen.[6]

Diese oben erwähnten Gedenktage sollen den Menschen bewusst machen, dass so etwas wie z.B. die Reichspogromnacht nicht wieder vorkommen darf. Dass wir gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland leben, gegenüber politisch extremen Gruppen sensibilisiert sind. Dass wir uns als Einheit fühlen, nachdem Deutschland einst in BRD und DDR geteilt war. Außerdem führen die Erinnerungen an eine graue Vergangenheit zur Formulierung ethischer Grundsätze beispielsweise dass jedes Leben lebenswert ist, egal ob man mit oder ohne eine Behinderung lebt.

3.3.2 Exemplarizität

Das Thema des kollektiven Erinnerns am Beispiel der Gedenktage soll den SchülerInnen die Bedeutung und den Einfluss der Vergangenheit in unserer Gegenwart und auch in der Zukunft verdeutlichen. Die Thematik der Gedenktage dient als exemplarisches Beispiel für andere extreme politische Entscheidungen oder Rassentrennung. An dieser Stelle könnte zum Beispiel die Apartheit in Afrika oder

Des Weiteren soll die Thematik verdeutlichen, dass Andersartigkeit aufgrund einer anderen Religion oder einer anderen Herkunft, nicht negativ zu bewerten ist. Außerdem soll die Unterrichtsstunde den SchülerInnen darstellen, dass wenn eine Nation zusammen hält, etwas erreicht werden kann (bezüglich des Mauerfalls).

3.3.3 Struktur

Das Thema der Unterrichtsstunde knüpft an Vorwissen bezüglich des Geschichtsunterrichtes an. Die SchülerInnen sollten mit der Thematik der Judenverfolgung, des 2. Weltkrieges und der Wiedervereinigung durch den Geschichtsunterricht vertraut sein.

Die Informationen über die Gedenktage erarbeiten sich die SchülerInnen zunächst in Einzelarbeit anhand des ausgeteilten Textes. Danach soll mit dem Banknachbarn über den bearbeiteten Gedenktag gesprochen werden, um herausgeschrieben Informationen zu vergleichen. Schließlich werden die Informationen über beide Gedenktage auf einer OHP-Folie durch den Lehrer aufgeschrieben und die Bedeutung der Gedenktage und des kollektiven Erinnerns im Allgemeinen im Plenum besprochen. Die abschließende Diskussion dient dazu, dass allen SchülernInnen die Bedeutung und deren Wichtigkeit der Gedenktage klar ist. Es soll gemeinsam über die Konsequenzen des Vergessens dieser Tage reflektiert werden um einen Transfer des Gelernten zu ermöglichen.

3.3.4 Zugänglichkeit

Die aktuelle Situation in der Welt, in der viel Aufruhe und Krieg herrscht beschäftigt die SchülerInnen zunehmend. Radikale Gruppen, wie die Vereinigung „Islamische Staat“ (IS), die keine außer die eigenen Ansichten und die eigene Religion tolerieren, sind dauerhaft präsent in den Medien. Die kollektive Erinnerung an das Vergangene soll den SchülerInnen Lehren zukünftig bedacht zu Handeln und Entscheidungen zu treffen. Die SchülerInnen sollen darauf sensibilisiert werden politische Vorschläge und Entscheidungen kritisch zu hinterfragen, anstatt diese einfach anzunehmen. Um das gewährleisten zu können ist es von Bedeutung, dass die SchülerInnen wissen warum wir an diesen Tagen gedenken.

[...]


[1] Vgl.Karitzki, Olaf, S. 199.

[2] Vgl. Karitzki, Olaf, S. 202.

[3] Lotz, Christian, S. 148f.

[4] Ebd. S. 149.

[5] Vgl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/deutschland-zahlt-772-millionen-euro-fuer-pflege-von-holocaust-opfern-a-902481.html.

[6] Kühberger, Christoph, S. 39.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bedeutung des kollektiven Erinnerns für Gegenwart und Zukunft (Ethik, 9. Klasse)
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Philosophie)
Veranstaltung
Theorien der Erinnerung
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V337806
ISBN (eBook)
9783668271654
ISBN (Buch)
9783668271661
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, erinnerns, gegenwart, zukunft, ethik, klasse
Arbeit zitieren
Michelle Klein (Autor), 2013, Bedeutung des kollektiven Erinnerns für Gegenwart und Zukunft (Ethik, 9. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337806

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