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Barrierefreie Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Gesetzliche Hintergründe und gesellschaftliche Modelle

Title: Barrierefreie Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Gesetzliche Hintergründe und gesellschaftliche Modelle

Academic Paper , 2010 , 38 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Linda Winter (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Der Begriff der Teilhabe ist in seiner Bedeutung sehr facettenreich. Er impliziert u.a. Mitbestimmung, Mitwirken sowie Teilnahme und dies nicht nur auf politischer Ebene, wie lange Zeit angenommen, sondern auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Laut der World Health Organisation (WHO) kann Teilhabe in den Lebensbereichen „Lernen und Wissensanwendung“, „allgemeine Aufgaben und Anforderungen“, „Kommunikation“, „Mobilität“, „Selbstversorgung“, „häusliches Leben“, „interpersonelle Interaktionen und Beziehungen“, „bedeutende Lebensbereiche“ sowie „gemeinschafts-, soziales und staatsbürgerliches Leben“ stattfinden. Teilhabe kann somit als ein freiwilliges und aktives Involviertsein in diese Lebensbereiche verstanden werden.

In einer demokratischen Gesellschaft dient Teilhabe als eine „Sicherung der Demokratie und auch als ein Kriterium der Transparenz und der Gerechtigkeit von Machtsystemen [...].“ (Pluto 2007, 18) Eine Gerechtigkeit bezüglich der Machtsysteme wäre prinzipiell jedoch erst dann gewährleistet, wenn für jede Person die Möglichkeit einer Entscheidungsbeteiligung bestünde. Ein diesbezüglicher Blick auf den Personenkreis „Menschen in marginalen Positionen“ verdeutlicht, dass diesem die Möglichkeit einer Mitbestimmung häufig verwehrt bleibt und sich somit der Begriff der Teilhabe grundsätzlich nicht von dem des „Ausschlusses“ trennen lässt: Häufig stehen daher bei der Teilhabethematik die Aspekte der „Machtherrschaft“ und der „ungleichen Ausgangsvoraussetzungen“ im Vordergrund, weshalb der Teilhabe-Begriff u.a. als „Motor sozialer Integration“ verstanden werden kann.

Abschließend lässt sich festhalten, dass es letztendlich keine einheitliche Definition des Teilhabe-Begriffs geben kann, da dieser in sehr vielen Bereichen (Wirtschaft, Politik, etc.) gebraucht wird und sich dadurch jeweils unterschiedlich gestaltet. Eine Befähigung und Ermächtigung zur Teilhabe, kann also als Auftrag aller in der Gesellschaft Lebenden aufgefasst werden.

Wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Begriff „Teilhabe“ verwendet, geschieht dies vor dem Hintergrund der hier dargelegten Begriffsklärung.

Im Folgenden soll der Teilhabebegriff nochmals in Bezug auf die Thematik „Behinderung“ betrachtet und erörtert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Begriffsklärung „Teilhabe“

2 Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten - Dabei sein ist nicht alles

3 Gesellschaftliche Modelle von Behinderung und ihre Auswirkung auf Teilhabe

4 Gesetze zur Teilhabe

4.1 Zum Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik

4.2 Das Behindertengleichstellungsgesetz

5 Barrierefreie Teilhabe

5.1 Von der Barrierefreiheit zum „Design für alle“

5.2 Barrierefreie Information und Kommunikation

6.Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld der Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten in unserer Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Modelle die Möglichkeiten zur Partizipation beeinflussen und warum insbesondere die Barrierefreiheit in der Kommunikation sowie im Alltag einen entscheidenden Schlüssel zur Ermächtigung darstellt.

  • Begriffsdefinition und facettenreiche Bedeutung von Teilhabe im gesellschaftlichen Kontext.
  • Analyse der verschiedenen Modelle von Behinderung und deren Einfluss auf Partizipationschancen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Gesetzgebung, insbesondere dem Behindertengleichstellungsgesetz (BGG).
  • Bedeutung von „Design für alle“ und Leichter Sprache als Voraussetzung für echte soziale Integration.
  • Notwendigkeit einer aktiven Mitgestaltung durch Betroffene („Experten in eigener Sache“).

Auszug aus dem Buch

Spannungsfeld Teilhabe

Eine Realisierung des Rechts auf und der Forderung nach Teilhabe sollte im Bereich der Behindertenhilfe an oberster Stelle stehen. Eine Umsetzung ist gerade in Bezug auf Menschen mit Lernschwierigkeiten bisher jedoch noch nicht gewährleistet: „[...] viel mehr begegnen wir einer ambivalenten Praxis der Partizipation, in dem Machtverhältnisse zwischen Professionellen und Betroffenen unverändert bleiben.“ (Theunissen 2006, 29) So werden Behindertenpolitik und Organisationen der Sonderpädagogik von Gesellschaften, staatlichen Organen sowie Wohlfahrtsverbänden oder Dienstleistungsanbietern zumeist so autoritär gestaltet, dass eine Mitentscheidung über strukturelle Gegebenheiten, die Bestimmung der eigenen Unterstützung sowie eine Förderung von Autonomie für Menschen mit Lernschwierigkeiten kaum möglich ist (vgl. ebd. 2009, 48). Es geht demnach nicht um eine alleinige Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Bezug auf gesellschaftliche Bezüge, wonach den Professionellen die Bestimmung über Beteiligungsoptionen obliegt, sondern „um Prozesse, bei denen Betroffene selbst im Hinblick auf ihre personale Lebensgestaltung und unmittelbare soziale Lebenswelt Entscheidungen treffen sollen.“ (ebd., 46f.) Hierzu bedarf es einer Bereitschaft all derjenigen, die mit Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeiten, deren getroffenen Entscheidungen zu akzeptieren und zu unterstützen.

Erfahrungen zeigen zudem, dass eine stärkere Beteiligung von Betroffenen an Prozessen eine Entlastung darstellt (vgl. Pluto 2007, 281; Theunissen 2006, 30). Die Förderung einer Entscheidungsautonomie bzw. die Akzeptanz dieser kann also als ein „positiver Nebeneffekt“ von Teilhabe für Unterstützer gesehen werden. Menschen mit Lernschwierigkeiten durch Kommunikation „in Mimik, Gestik, Sprache, Schrift, Bild oder Ton, Medien, Über- tragungs oder Speichertechniken zur ,Sprache‘ kommen“ (Wacker 2005a, 338) zu lassen und hierdurch u.a. eine Beteiligung oder Entscheidungsfindung zu erreichen, ist demnach eine der wichtigsten Aufgaben von Unterstützungspersonen, um den Teilhabegedanken zu verwirklichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Begriffsklärung „Teilhabe“: Dieses Kapitel erläutert die vielschichtige Bedeutung des Begriffs Teilhabe als aktives Involviertsein in gesellschaftliche Lebensbereiche und betont die Notwendigkeit von Entscheidungsbeteiligung.

2 Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten - Dabei sein ist nicht alles: Hier wird die spezifische Rolle der Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten untersucht, wobei die Problematik von Vorenthaltungen und der Kampf um aktive Mitbestimmung im Vordergrund stehen.

3 Gesellschaftliche Modelle von Behinderung und ihre Auswirkung auf Teilhabe: Das Kapitel vergleicht verschiedene Betrachtungsweisen von Behinderung, vom medizinischen Modell bis zum fortschrittlichen bio-psycho-sozialen Modell der ICF und dem sozialen Modell der Disability Studies.

4 Gesetze zur Teilhabe: Hier werden die rechtlichen Grundlagen wie das Grundgesetz und das BGG analysiert und die Entwicklung hin zu einem Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik nachgezeichnet.

5 Barrierefreie Teilhabe: Dieses Kapitel beleuchtet Barrierefreiheit als umfassendes Konzept („Design für alle“), das weit über bauliche Maßnahmen hinausgeht und Informationstechnik einschließt.

6.Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Leichten Sprache zusammen und fordert eine konsequente Weiterentwicklung der Teilhabemöglichkeiten unter Einbeziehung der Betroffenen als Experten.

Schlüsselwörter

Teilhabe, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Behinderung, Partizipation, Barrierefreiheit, Inklusion, Behindertengleichstellungsgesetz, Leichte Sprache, Selbstbestimmung, Design für alle, Disability Studies, soziale Integration, Empowerment, Kommunikation, Unterstützungsbedarf.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Lernschwierigkeiten und den Barrieren, die sie in ihrem Alltag erfahren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Definition von Teilhabe, die Auswirkung gesellschaftlicher Behinderungsmodelle, die rechtliche Situation sowie die Bedeutung von barrierefreier Information und Kommunikation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Teilhabe durch Abbau von Barrieren und eine verständlichere Kommunikation für Menschen mit Lernschwierigkeiten realisiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Fachliteratur, Gesetze und Modelle der Behindertenpädagogik und der Disability Studies.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit Behinderungsmodellen, eine Analyse relevanter Gesetze (wie dem BGG) sowie eine tiefgehende Betrachtung barrierefreier Teilhabe durch „Design für alle“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Teilhabe, Barrierefreiheit, Leichte Sprache, Inklusion und Selbstbestimmung.

Warum spielt das „Zwei-Kanal-Prinzip“ eine so wichtige Rolle?

Das Prinzip unterstützt die Teilhabe, da durch die Anregung mehrerer Sinne die Informationsaufnahme verbessert wird und somit Informationen für ein breiteres Spektrum an Nutzern, inklusive Menschen mit Lernschwierigkeiten, zugänglich werden.

Inwiefern ist das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) für die Arbeit relevant?

Das BGG wird als „Herzstück“ des Gleichstellungsrechts betrachtet, das insbesondere Vorgaben zur Barrierefreiheit macht, wenngleich es in seiner praktischen Anwendung noch Defizite bezüglich der speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten aufweist.

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Details

Title
Barrierefreie Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Gesetzliche Hintergründe und gesellschaftliche Modelle
College
University of Erfurt
Grade
1,0
Author
Linda Winter (Author)
Publication Year
2010
Pages
38
Catalog Number
V337870
ISBN (eBook)
9783668268333
ISBN (Book)
9783668367760
Language
German
Tags
barrierefreie teilhabe menschen lernschwierigkeiten gesetzliche hintergründe modelle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Linda Winter (Author), 2010, Barrierefreie Teilhabe für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Gesetzliche Hintergründe und gesellschaftliche Modelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337870
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