Dies ist eine Analyse der von Platon in "Der Staat" aufgeführten Kunsttheorie und eine kritische Hinterfragung des Ideals einer ethischen Verpflichtung von Kunst in der Gesellschaft.
Platons Kunsttheorie weist der Kunst eine eindeutig ethische Rolle in der Gesellschaft zu und hätte einer Zensur von Bukowskis Skandalliteratur nur zugestimmt. Dass Platons Theorie jedoch nicht frei von Unstimmigkeiten ist, soll nach der Rekonstruktion in einer kritischen Auseinandersetzung erörtert werden.
Abschließend werden die gesammelten Erkenntnisse noch einmal zusammengefügt.
Inhaltsverzeichnis
1. Über die Instrumentalisierung von Kunst
2. Rekonstruktion der Kunsttheorie Platons
2.1 Verbindungen zur Ideenlehre
2.2 Drei Arten von Künsten und ihre Meister
2.3 Schlechtigkeit nachahmender Kunst
3. Kritik an Platons Kunsttheorie: Wie vernünftig muss Kunst sein?
3.1 Einbezug der empirischen Perspektive
3.2 Die ethische Rolle von Kunst
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch Platons Kunsttheorie und deren Forderung nach einer ethischen Instrumentalisierung von Kunst. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Platons Abwertung nachahmender Künste im Vergleich zu einer moderneren, erfahrungsorientierten Perspektive auf das künstlerische Schaffen.
- Platons Ideenlehre als Fundament seiner Kunstauffassung
- Klassifikation der Künste nach ihrer Distanz zur Wahrheit
- Die ethische Erziehungsfunktion von Kunst nach platonischem Verständnis
- Gegenüberstellung von Vernunftideal und künstlerischem Ausdruck
- Kritik an der metaphysischen Starrheit gegenüber empirischen Realitäten
Auszug aus dem Buch
3. Kritik an Platons Kunsttheorie
Platons Kritik und Beurteilung von Kunst ist strikt und kompromisslos an seine Ideologie der Vernunft gebunden und dürfte, aufgrund seiner streng metaphysischen Betrachtungsperspektive, auf Widerstand mit der erlebten Rolle von Kunst in unserer Welt stoßen. Im Folgenden sollen ein paar Aspekte seiner Theorie kritisch betrachtet werden.
Betrachtet man die ganze aktuelle Diskussion, die rund um die ethische Rolle von Kunst geführt wird, fällt im Vergleich zu Platons Theorie auf, dass die Frage, nach der Charakterisierung von Kunst selbst völlig außen vor gelassen wurde. Bis heute scheint man sich nicht darüber einigen zu können, was das eigentlich ist, was wir als Kunst bezeichnen, doch für ihn scheint sich diese Frage überhaupt nicht gestellt zu haben. Man kann nur aufgrund seiner Einteilung der Künste in jene drei Kategorien vermuten, welche Ansicht er dazu vertreten haben könnte. Dennoch fehlt eine klare Stellungnahme zu seiner Definition des Kunstbegriffs und dem Leser wird damit die Möglichkeit entzogen sich kritisch mit Platons Behauptungen auseinander zu setzen. Die Theorie präsentiert dem Leser einfach jene drei Kategorien von Künsten und Künstlern, die er dann auch hinzunehmen hat. Die Erklärung der Zusammenstellung dieser Kategorien ist auch eher unbefriedigend: Der Handwerker schafft all das, was nicht schon von Natur aus gegeben war, Gott ist der Meister von allem und der Rest fällt unter die Nachahmungen. Ist ein Musiker etwa auch ein niederer Künstler, da er nichts davon verstehen muss, wie ein Klavier funktioniert, sondern es nur bedienen können muss? Es fehlt die eindeutige Definition von dem, was Platon unter Kunst versteht, um alle existierenden Kunstarten adäquat beurteilen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über die Instrumentalisierung von Kunst: Das Kapitel führt in die Debatte über die ethische Rechtfertigung von Kunst ein, kontrastiert Charles Bukowskis Verständnis ehrlicher, unzensierter Kunst mit Platons philosophischem Anspruch und bildet die Grundlage für die spätere Auseinandersetzung.
2. Rekonstruktion der Kunsttheorie Platons: Hier wird Platons Kunstbegriff basierend auf der Ideenlehre und dem Höhlengleichnis hergeleitet, wobei Kunst als bloße Nachahmung dritter Ordnung vom wahren Sein distanziert wird.
3. Kritik an Platons Kunsttheorie: Wie vernünftig muss Kunst sein?: Dieser Abschnitt hinterfragt die Strenge und Einseitigkeit Platons, indem er die empirische Perspektive einnimmt und die Bedeutung von Emotionen sowie die Intention des Künstlers gegen Platons Rationalitätsgebot stellt.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Platons Theorie für den heutigen Kunstdiskurs zu starr ist, betont jedoch, dass die Frage nach der Rolle und Wirkung von Kunst weiterhin von hoher Relevanz bleibt.
Schlüsselwörter
Platon, Kunsttheorie, Ideenlehre, Nachahmung, Ethik, Vernunft, Instrumentalisierung, Ästhetik, Schattenbilder, Wahrheit, Idealstaat, Kunstkritik, Empirie, Ausdruck, künstlerisches Schaffen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch Platons Kunstauffassung und untersucht die ethische Rolle, die er der Kunst im Kontext seines Idealstaates zuschreibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die platonische Ideenlehre, die Klassifizierung von Künsten, die ethische Erziehungsfunktion der Kunst und die Konfrontation dieser antiken Theorie mit modernen künstlerischen Ansätzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin möchte aufzeigen, inwiefern Platons Kunsttheorie durch ihre metaphysische Starrheit den heutigen Kunstbegriff verfehlt und warum die rein rationale Bewertung von Kunst hinterfragt werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer philologischen Rekonstruktion und anschließenden kritischen Auseinandersetzung mit primären Quellen (Platons „Der Staat“) im Kontext ethischer und ästhetischer Fragestellungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Rekonstruktion von Platons Hierarchie der Künste und eine kritische Gegenüberstellung, die Aspekte wie Motivation, Emotion und die Grenzen der rationalen Erfassbarkeit von Kunst diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen gehören Ideenlehre, Nachahmung, Wahrheit, Vernunft, ethische Erziehung und der Konflikt zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlicher Kontrolle.
Wie unterscheidet Platon die verschiedenen Arten von Künsten?
Platon differenziert zwischen der verwendenden, der herstellenden und der nachahmenden Kunst, wobei die nachahmende Kunst (Malerei/Dichtung) als am weitesten von der Wahrheit entfernt und somit als minderwertig eingestuft wird.
Welches Gegenargument führt die Autorin gegen Platons Kunstauffassung an?
Die Autorin argumentiert, dass Emotionen und Irrationalitäten nicht zwangsläufig das ethische Handeln behindern, sondern essenzielle Motivatoren für das künstlerische Schaffen und die Welterkenntnis sein können.
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- Isabella Wächter (Author), 2015, Kritische Auseinandersetzung mit der ethischen Rolle der Kunst nach Platons Kunsttheorie. Die Sichtbarmachung der Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337896