In der folgenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Möglichkeiten und welche Grenzen bei der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule am Beispiel der Geschichte der deutschen Einheit deutlich werden. Dafür soll zunächst die Begrifflichkeit der „Zeitzeugenbefragung“ und ihre Besonderheiten erläutert und eine Abgrenzung zur „Oral History“ erstellt werden. Um sich der Kernfrage zu nähern, ist es im Anschluss daran unabdingbar, in einem kurzen Exkurs auf das historische Lernen in der Grundschule einzugehen. Es wird geklärt, welche Kompetenzen SuS in einem historischen Unterricht in der Grundschule erlernen sollen, da dies eine Voraussetzung ist, um den Einsatz von Zeitzeugenbefragung in der Grundschule beurteilen zu können. Folgend wird die Verwendung von Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule näher beleuchtet und Möglichkeiten und Grenzen der Methode herausgestellt. Schließlich wird explizit der Einsatz von Zeitzeugenbefragung im Rahmen der Thematik der deutschen Einheit erörtert. Eröffnen sich dabei spezielle Lernchancen oder ergeben sich potentielle Grenzen? Die Arbeit schließt ab mit einem Fazit.
Bisher gibt es kaum empirische Studien, die sich mit dem Einsatz von Zeitzeugen beschäftigen, weshalb diese Arbeit kaum auf empirische Ergebnisse zurückgreifen kann, um Aussagen zu belegen. Insbesondere gibt es keine Studien, die sich mit Zeitzeugenbefragung in der Grundschule beschäftigen. Aus diesem Grund wurde eine intensive Literaturrecherche betrieben und die Ergebnisse der vorhandenen Studien (Bertram o.A./Bertram 2016/Galda 2013/Obens/Geißler-Jagodzinski 2008) miteinbezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund: Zeitzeugenbefragung
2.1. Ursprung und Entwicklung des Begriffs Zeitzeugenbefragung
2.2. Was ist ein Zeitzeuge?
2.3. Was ist Zeitzeugenbefragung?
3. Historisches Lernen
4. Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule
4.1. Didaktisch-methodische Vorteile von Zeitzeugenbefragung
4.2. Grenzen von Zeitzeugenbefragung
4.3. Zeitzeugenbefragung am Beispiel der Geschichte der deutschen Einheit
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Methode der Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule. Ziel ist es zu klären, wie durch den Einsatz von Zeitzeugen im Unterricht, insbesondere am Beispiel der Geschichte der deutschen Einheit, historische Kompetenzen bei Grundschulkindern angebahnt und gefördert werden können, wobei methodische Herausforderungen und didaktische Voraussetzungen kritisch reflektiert werden.
- Grundlagen des historischen Lernens in der Grundschule
- Konzeptualisierung der Zeitzeugenbefragung als Unterrichtsmethode
- Didaktische Chancen für den Erwerb historischer Kompetenzen
- Methodische Grenzen und Risiken der Befragung im Grundschulkontext
- Anwendung der Methode am Beispiel der deutschen Einheit
Auszug aus dem Buch
4.3. Grenzen von Zeitzeugenbefragung
Die Möglichkeit im Rahmen einer Zeitzeugenbefragung Methodenkompetenz zu erlernen, bietet auch gleichzeitig das Risiko, dass Zeitzeugenbefragungen aufgrund unzureichender Kenntnisse nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden, da die Kompetenzen Kinder überfordern können (vgl. Henke-Bockschatz 2014, S. 13). Ebenso sei auf eine mögliche inhaltliche Überforderung von Grundschulkindern in selbst durchgeführten Interviews verwiesen. Die Befragung erfordert immer Grundkenntnisse des Rahmenthemas, um geeignete Fragestellungen für das Interview zu finden.
Deshalb sollte ein Zeitzeugengespräch nie am Anfang einer Unterrichtssequenz stattfinden, sondern eher in der Mitte oder zum Abschluss, damit die SuS über genügend Sachkompetenz verfügen (vgl. Mebus 2009, S. 65). Ist dies nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass SuS die vom Zeitzeugen erzählten Fakten und Ereignisse nicht in die Unterrichtsthematik einordnen können (vgl. Bertram 2012, S. 22). Henke-Bockschatz widerspricht in diesem Zusammenhang Kaminsky (2007, S. 455), der Zeitzeugenbefragungen als Chance für lernschwache SuS sieht, und ist der Meinung, dass der hohe Grad an Eigenaktivität und die erforderten methodischen Kenntnisse insbesondere für schwächere Lerngruppen zu einem Problem werden können (vgl. Henke-Bockschatz 2014, S. 13). Wierling empfiehlt, Zeitzeugeninterviews immer durch erfahrene Lehrkräfte zu begleiten und zu betreuen. Das nötige Fachwissen, um die SuS hinreichend auf Zeitzeugeninterviews vorzubereiten wird jedoch gewöhnlich in der LehrerInnenausbildung nicht erlernt (vgl. Wierling 1997, S. 239).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz historischen Lernens in der Grundschule und führt in die Methode der Zeitzeugenbefragung als einen möglichen Ansatz ein, um historische Kompetenzen zu fördern.
2. Theoretischer Hintergrund: Zeitzeugenbefragung: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung der Oral History, definiert Zeitzeugen und klärt, was unter einer Zeitzeugenbefragung im pädagogischen Kontext zu verstehen ist.
3. Historisches Lernen: Hier werden die Grundzüge des historischen Lernens im Sachunterricht und die spezifischen Kernkompetenzen wie historische Frage-, Methoden-, Sach- und Orientierungskompetenz vorgestellt.
4. Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule: Das Kapitel beleuchtet didaktische Vorteile, diskutiert methodische Grenzen und führt die Anwendung der Zeitzeugenbefragung am konkreten Beispiel der deutschen Einheit aus.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Methode bei sorgfältiger Vorbereitung und methodischer Einbettung ein hohes Lernpotential für Grundschüler bietet.
6. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Zeitzeugenbefragung, Sachunterricht, Grundschule, Historisches Lernen, Oral History, Deutsche Einheit, Methodenkompetenz, Historische Kompetenzen, Zeitgeschichte, Geschichtsbewusstsein, Quellenarbeit, Lernchancen, Didaktik, Reflexion, Zeitzeugen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz der Zeitzeugenbefragung als Unterrichtsmethode im Sachunterricht der Grundschule, um historische Lernprozesse zu initiieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einbettung des historischen Lernens, der Definition von Zeitzeugen, didaktischen Möglichkeiten und Grenzen sowie der praktischen Anwendung am Beispiel der deutschen Einheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen der Methode aufzuzeigen und zu begründen, wie durch Zeitzeugeninterviews historische Kompetenzen bei Grundschülern systematisch angebahnt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine intensive Literaturrecherche und die theoretische Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Konzepten, da kaum empirische Studien für diesen Altersbereich vorliegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen des historischen Lernens, die Vorteile und Risiken der Befragung sowie eine spezifische Erörterung zur Thematik der deutschen Einheit dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zeitzeugenbefragung, Sachunterricht, Historisches Lernen, Kompetenzorientierung und der reflektierte Umgang mit Quellen.
Warum sollte ein Zeitzeugengespräch laut Arbeit nicht am Anfang einer Unterrichtsreihe stehen?
Laut Arbeit müssen Schüler zunächst über ausreichend Sachkompetenz verfügen, um die Informationen des Zeitzeugen einordnen und kritisch hinterfragen zu können.
Welche Gefahr besteht bei einem unreflektierten Umgang mit Zeitzeugenberichten?
Es besteht das Risiko, dass Schüler Aussagen von Zeitzeugen als unumstößliche Wahrheiten hinnehmen, anstatt deren subjektiven Charakter und Konstruktivität zu erkennen.
Warum eignet sich die deutsche Einheit gut als Beispiel?
Da das Ereignis noch nicht weit in der Vergangenheit liegt, stehen heute noch zahlreiche Zeitzeugen zur Verfügung, was die Anwendung der Methode in der Praxis ermöglicht.
- Citation du texte
- Dana Swillims (Auteur), 2016, Zeitzeugenbefragung im Sachunterricht der Grundschule am Beispiel der Geschichte der deutschen Einheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337942