Sport und die Migrations- und Integrationspolitik

Welche politischen Interessen vertreten deutsche Sportverbände bezüglich der Migrations- und Integrationspolitik?


Hausarbeit, 2016

10 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sportverbände als politische Verbände
2.1 Funktionen und Aufgaben
2.2 Lobbyismus

3. Sportverbände und die Migrations- und Integrationspolitik
3.1 Integration durch Sport
3.2 Sporthallen als Unterkünfte für Flüchtlinge

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Sport [ist] ein wichtiges Instrument zur Integration, zur Gesundheitsförderung und zur Prävention und somit wichtiger Baustein einer aktiven und integrativen Bürgergesellschaft. […] Die Verwirklichung sportpolitischer Ziele lässt sich nicht mehr allein durch eine enge fachlich versierte Sportpolitik erreichen, sondern ist vielmehr eine Querschnittsaufgabe, die Gesundheits-, Bildungs-, Umwelt-, Jugend- und Familien-, Wirtschafts- und Sportpolitik einbezieht.“[1]

Immer mehr beeinflussen Verbände in Deutschland die sogenannten „Megatrends“. Also die Trends, die letztlich zu einer großen Veränderung in unserer Gesellschaft führen, wie z.B. die Europäisierung oder die Globalisierung.[2] Bereits 2011 führte die Bundeszentrale für politische Bildung Migration, im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel in Deutschland, als einen der Megatrends auf. In dem Bericht wurde festgestellt, dass bereits im Jahr 2060 die Einwohnerzahl in Deutschland von 77 Millionen auf 62 Millionen Einwohner sinken soll, weshalb jährlich etwa 27000 Fachkräfte einwandern müssten, um einen Fachkräftemangel in Deutschland zu vermeiden.[3]

Diese Erkenntnisse führten dazu, dass im Folgenden der Frage nachgegangen werden soll, welche politischen Interessen deutsche Sportverbände hinsichtlich der aktuellen Migrations- und Integrationspolitik, die aktuell von großer Bedeutung ist, vertreten. Dafür werden zunächst deutsche Sportverbände als politische Verbände mit ihren Funktionen und Aufgaben betrachtet und diesbezüglich dann auch, in einem weiteren Schritt, Lobbyismus thematisiert, um letztlich der Eingangsfrage nachzugehen. Hierbei sollen, aufgrund der Aktualität der Thematik, hauptsächlich aktuelle Artikel herangezogen werden. Abschließend folgt dann noch ein kurzes Fazit.

2. Sportverbände als politische Verbände

2.1 Funktionen und Aufgaben

Allgemein bezeichnet man als Verband den Zusammenschluss von mehreren Personen mit gemeinsamen Interessen, welche gemeinsam gewisse Ziele verfolgen. Verbände können dabei sehr unterschiedlich organisiert sein, z.B. als Massenorganisation, Gewerkschaft oder auch als Interessenverband, wie der ADAC. Desweiteren gibt es dann noch Fachverbände, Berufsverbände und Standesorganisationen.[4] Ein Sportverband ist ein „organisatorischer Zusammenschluss mehrerer Sportvereine zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen.“[5] Dabei haben die Sportler selbst allerdings nur sehr wenige Möglichkeiten, aktiv mitzubestimmen. Nur die wenigsten Funktionäre sind noch aktive Leistungssportler.[6] Mitgliedsstärkster Sportverband war im Jahr 2015 der Deutsche-Fußball-Bund (DFB) mit ca. 6,9 Millionen Mitgliedern, gefolgt vom Deutschen-Turner-Bund mit ca. 5 Millionen Mitgliedern und dem Deutschen-Tennis-Bund mit ca. 1,4 Millionen Mitgliedern. Insgesamt waren 62 Spitzenverbände, sowie 20 Verbände mit besonderen Aufgaben aufgelistet.[7]

Politische Verbände sind Organisationen oder Vereinigungen, in denen sich ebenfalls mehrere Personen zusammengeschlossen haben, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Ihre Aufgabe ist es, die jeweiligen Interessen ihrer Mitglieder zu repräsentieren, indem sie diese öffentlich machen und versuchen, sie in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen. Dies bezeichnet man auch als Lobbyismus. Da Verbände also gesellschaftliche Interessen gegenüber der Regierung und den Parteien vertreten, werden sie als essenziell für die Funktion des demokratischen Systems angesehen.[8]

Laut der Pluralismustheorie liegt die Bedeutung von Verbänden darin, die gesellschaftliche Vielfalt zu repräsentieren und somit einen grundlegenden Aspekt der Volkssouveränität zu realisieren. Verbände haben hierbei vier primäre Aufgaben: Die Aggregation, die Selektion, die Artikulation und die Integration politischer Interessen. Hinzu kommen dann noch sekundäre Verbandsfunktionen, wie die Partizipation, die Legitimation, sowie die sozioökonomische Selbstregulierung.[9] Die Aufgaben sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

Als Interessenaggregation bezeichnet man einen Prozess, der nicht nur bei Verbänden zu finden ist. Auch in Parteien oder Bürgerinitiativen bezeichnet man als Interessenaggregation die Aggregation, also die Komprimierung, von vielen verschiedenen Forderungen zu einheitlichen, politischen Zielen und Aussagen. Die Aggregation wird, laut Straßner, in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Es ist wichtig, dass Verbände sich darauf konzentrieren, nur Interessen zu vertreten, welche realistisch durchsetzbar sind. Deshalb wird bei der Interessenselektion eine Vorauswahl getroffen und Extrem- oder Minderheitsmeinungen ausgeschlossen. Sie entwerfen Prioritätenlisten und formulieren kurze, mittel- und langfristige Ziele. Interessenartikulation ist dann die Umformung von latenten Interessen oder Aussagen in konkrete Interessen oder Aussagen. Die Interessenartikulation ist zwar ein sehr komplexer Vorgang, er ist aber dennoch am ehesten beobachtbar, auch aufgrund der wachsenden Bedeutung von medialer Inszenierung. Bei der Integration geht es letztlich um die langfristige Integration von Bürgern und Bürgerinnen in den Staat, indem Sie diese z.B. in Vermittlungsprozesse einbeziehen. Neben den primären und sekundären Integrationsinstanzen, also der Familie oder „Peer-Group“, sowie der Schule, bilden Parteien, Kirchen und eben auch Verbände eine dritte Integrationsinstanz.[10]

Die Partizipation, als eine der sekundären Aufgaben von Verbänden, schließt an die Integration an. Verbände bieten ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich zu informieren und zu kommunizieren, also zur politischen Teilhabe. Dabei gibt es verschiedene Formen der Partizipation: Mitglieder eines Verbandes können z.B. innerhalb der Verbandshierarchie aufsteigen, Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern aufbauen, sowie ehrenamtliche Aufgaben übernehmen. Zu bedenken ist hierbei allerdings, dass nur die wenigsten Mitglieder wirklich partizipieren wollen. Die Legitimation des Handelns, als eine weitere sekundäre Aufgabe, gilt als die „Generalfunktion“ von Verbänden und ist dabei eng mit der Transparenz von Entscheidungsprozessen verknüpft. Verbände erfüllen diese Funktion, indem stets alle Entscheidungen durch demokratisch legitimierte Mandatsträger beschlossen werden müssen. Die sozioökonomische Selbstregulierung beinhaltet letztlich, dass der Staat, in gewissen Bereichen, Aufgaben bzw. Regulationsfunktionen an Verbände erteilt hat, wie z.B. in den Bereichen Wirtschaft oder Gesundheit. Somit entlasten Verbände in diesen Bereichen den Staat.[11]

2.2 Lobbyismus

Möchte man Lobbyismus näher analysieren, so ist zu beachten, dass es sehr viel Literatur über Lobbyismus gibt und dass Lobbyismus auf sehr unterschiedliche Art und Weisen betrachtet werden kann. Im Wesentlichen sind es aber vier Aspekt die analysiert werden müssen: Die Organisationsform, die Adressaten, die Inhalte und die Ideologie. Verbände gelten dabei als die klassische Organisationsform von Lobbyismus.[12]

Ausgehend von dieser Organisationsform versteht man, wie zuvor bereits erwähnt, unter Lobbyismus, dass Verbände Interessen und Bedürfnisse der Gesellschaft gegenüber der Regierung, Parteien und staatlichen Institutionen vertreten. Anzumerken ist dabei, dass dies als die idealtypische Definition gilt.[13]

Die politische Einflussnahme kann auf verschiedene Arten stattfinden, wie z.B. durch personelles Eindringen von Verbandsmitgliedern und -vertretern in Parteien, das Parlament und die Regierung. Die Veröffentlichung von exklusiven Informationen oder eben auch durch Informationsentzug, sowie persönliche Gespräche mit Abgeordneten. Weitere Vorgehensweisen können z.B. die Veröffentlichung der eigenen Meinung und Interessen durch die Medien, Demonstrationen, politische Streiks und Boykottaktionen oder auch der Entzug von finanzieller Unterstützung sein.[14] In der Lobbyliste des Bundestages waren im Jahr 2007 ca. 2000 Verbände registriert, davon stammte etwa ein Viertel aus dem Bereich der Gesundheitspolitik.[15]

Der Begriff „Lobbyismus“ stammt daher, dass früher die Vertreter von Verbänden, Unternehmen und Organisationen, also die Lobbyisten, in der Vorhalle des Parlaments, also der Lobby, auf die Parlamentarier warteten, um diese dann anzusprechen und sie von ihren Interessen zu überzeugen.[16]

Aber Lobbyismus hat heutzutage auch mit erheblichen Vorurteilen zu kämpfen. Denn Lobbyismus wird nicht nur als demokratische Interessenvertretung, sondern auch als organisierte Einflussnahme, oder sogar als Korruption, wahrgenommen.[17] Denn politische Einflussnahme kann auch durch finanzielle Zuwendungen, nicht nur in Form von Spenden, sonder auch als Bestechung, stattfinden. Desweiteren werden hohe Positionen in den Verbänden an Politiker vergeben und es soll sogar Bedrohung und Nötigung stattfinden.[18] Da kommt natürlich Skepsis auf. Andererseits hat aber auch die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement deutlich abgenommen und das Phänomen des „Trittbrettfahrers“ hat sich somit immer mehr durchsetzt. Es gibt also auch immer mehr Menschen, die ohne eigenes Engagement von dem Kollektivgut der Verbandsarbeit profitieren möchten.[19]

[...]


[1] Deutscher Bundestag (2016).

[2] Vgl. Lösche (2007).

[3] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2011).

[4] Vgl. Schubert/ Klein (2011).

[5] Duden (2016).

[6] Vgl. Sebaldt/Straßner (2004).

[7] Vgl. Deutscher Olympischer Sportbund (2016).

[8] Vgl. Schubert/Klein (2011).

[9] Vgl. Straßner (2006).

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Straßner (2006).

[12] Vgl. Von Alemann/Eckert (2006).

[13] Vgl. Schubert/Klein (2011).

[14] Vgl. Sebaldt/Straßner (2004).

[15] Vgl. Lösche (2007).

[16] Vgl. Lösche (2007).

[17] Vgl. Von Alemann/Eckert (2006).

[18] Vgl. Sebaldt/Straßner (2004).

[19] Vgl. Straßner (2006).

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Sport und die Migrations- und Integrationspolitik
Untertitel
Welche politischen Interessen vertreten deutsche Sportverbände bezüglich der Migrations- und Integrationspolitik?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Soziologie)
Veranstaltung
Seminar: Sport, Medien, Politik
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V337956
ISBN (eBook)
9783668273665
ISBN (Buch)
9783668273672
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Sport, Medien, Politik, Sportpolitik, Migrationspolitik, Integrationspolitik, Lobbyismus, Verbände, Sportverbände, Integration, Flüchtlinge
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Anonym, 2016, Sport und die Migrations- und Integrationspolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337956

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