Ertragswertverfahren und DCF-Methode

Ein kritischer Vergleich


Hausarbeit, 2016
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

1 Discounted Cash Flow-Verfahren
1.1 Beschreibung
1.2 Methoden
1.2.1 Entity- Methode (WACC-Ansatz)
1.2.2 Equity-Methode
1.3 Vorteile des DCF-Verfahrens
1.4 Nachteile des DCF-Verfahrens

2 Ertragswertverfahren
2.1 Beschreibung
2.2 Grundsätzliches Vorgehen
2.2.1 Ermittlung der Ertragsüberschüsse
2.2.2 Berechnung des Kapitalisierungszinssatz
2.2.3 Diskontierung des zukünftig erwarteten Gewinns
2.3 Vorteile des Ertragswertverfahren
2.4 Nachteile des Ertragswertverfahren

3 Praxisbeispiel
3.1 Hintergrundinformationen
3.2 Bewertung anhand der DCF-Methode
3.3 Bewertung anhand der Ertragswertmethode

4 Vergleich von Ertragswert- und DCF-Verfahren
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Berechnung EBIT

Tabelle 2: Ermittlung Netto Cash Flow

Tabelle 3: Kennzahlen aus der Bilanz

Tabelle 4: Diskontierung auf den Barwert

Tabelle 5: Berechnung Unternehmenswert

Einleitung

Sowohl das Discounted Cash Flow-Verfahren (DCF-Verfahren) als auch die Ertragswertmethode sind wesentliche Bestandteile der Unternehmensbewertung und zählen zu den meistgenutzten Verfahren in der Bewertungs- und Aktienbranche.[1] Das Ziel beider Verfahren ist es, den individuellen Wert eines Unternehmens zu ermitteln und mithilfe des Ergebnisses zu einer Bewertung zu gelangen, die Auskunft darüber gibt, wie wertvoll das Unternehmen in der Gegenwart ist und in Zukunft sein wird.[2] Es gibt verschiedene Anlässe ein Unternehmen zu bewerten. Zum Beispiel sind Verfahren wie diese für Aktienanalysten ein wichtiger Gegenstand im Arbeitsalltag.[3] Mithilfe solcher Verfahren können Aktienhändler ein Unternehmen sogar so weit bewerten, dass sie auch Informationen darüber geben können, ob die Aktien des Unternehmens am Markt zu einem realistischen Wert gehandelt werden und es möglicherweise Sinn machen könnte in Aktien zu investieren oder diese schnellstmöglich zu verkaufen.[4] Abgesehen davon ist der Wert eines Unternehmens auch dann besonders wichtig, wenn ein Unternehmen verkauft werden soll.

Das DCF-Verfahren gilt als Bruttoverfahren, welches Eigen- und Fremdkapitalkosten sowie zukünftige Zahlungsströme einbezieht. Diese Kennzahlen ergeben sich aus Schätzungen, welche auf Basis der aktuellen Situation eines Unternehmens hergeleitet werden.[5]

Das Ertragswertverfahren ist ein Nettoverfahren, das ebenfalls mit Schätzungen arbeitet, die auf Vergangenheitsdaten basieren, um ein Unternehmen zu bewerten.[6] Dieses Verfahren ist vor allem für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer von großer Bedeutung, da sie eng mit diesem Modell zusammenarbeiten.[7]

Der erste Teil der Arbeit wird sich mit dem DCF-Modell beschäftigen, welches sich aus zwei verschiedenen Ansätzen zusammensetzt, die zuerst erläutert und anschließend auf dessen Vor- und Nachteile untersucht werden sollen. Danach wird das Ertragswertverfahren dargestellt. Auch hier wird ein Überblick über Vor- und Nachteile gegeben. Anschließend soll ein Praxisbeispiel Schritt für Schritt die zuvor erläuterte Vorgehensweise der DCF-Methode erläutern und veranschaulichen. Aufgrund von Restriktionen hinsichtlich des Umfangs dieser Arbeit wird an dieser Stelle lediglich darauf verwiesen, an welchen Stellen eine Rechnung des Ertragswertverfahrens abweichen würde. Abschließend sollen beide Verfahren kritisch verglichen werden, indem auch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingegangen wird.

1 Discounted Cash Flow-Verfahren

1.1 Beschreibung

Die DCF-Methode, das international verbreitetste Verfahren der Unternehmensbewertung, arbeitet mit zukünftig erwarteten Cash Flows eines Unternehmens, die auf den Zeitpunkt der Bewertung abgezinst werden.[8] Das bedeutet, dass sich der Wert eines Unternehmens aus der künftigen Ertragskraft des Unternehmens ableitet.[9] Der Unternehmensgesamtwert setzt sich aus der Summe aller Barwerte, resultierend aus der Diskontierung der erwarteten Cash Flows, und dem Wert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens zusammen.[10] Bei der Bestimmung der Cash Flows blickt man in die Zukunft und schätzt die Werte für die folgenden Jahre. Diese Zeitperiode gilt als Planperiode. Ab dem Punkt, an dem die Zukunft nicht mehr realitätsnah abzuschätzen ist, wird der Endwert (Terminal Value) des Unternehmens berechnet.[11] Dieser Wert stellt die ewige Rente dar. Das bedeutet, dass dieses Verfahren davon ausgeht, dass ein Unternehmen endlos existiert und somit einen Wert für die Ewigkeit (Perpetuität) haben wird.[12] Der Terminal Value wird genauso wie die einzelnen Barwerte diskontiert und im nächsten Schritt werden die Barwerte der einzelnen Jahre addiert. Man unterscheidet bei dem DCF-Verfahren zwischen dem Entity-Ansatz und dem Equity-Ansatz, die bei identischen Annahmen über das künftige Finanzierungsverhalten zum selben Unternehmenswert gelangen.[13]

„Das DCF-Verfahren ist ein subjektives Schätzverfahren zur individuellen Schätzung des Wertes eines Unternehmens.“[14]

Diese Aussage verdeutlicht, dass das Verfahren nicht, wie häufig angenommen, den Marktwert des Unternehmens in Beziehung zu anderen Unternehmen in der Branche setzt, sondern den individuellen Wert ermittelt.[15]

1.2 Methoden

1.2.1 Entity- Methode (WACC-Ansatz)

Bei dem Entity-Ansatz findet die Ermittlung des Unternehmenswertes statt, indem die Zahlungsüberschüsse mit einem Mischzinssatz, der aus Eigen- und Fremdkapitalkosten besteht, abgezinst werden. Die Kapitalkosten werden gewichtet, weshalb der Abzinsungszinssatz als WACC (Weighted Average Cost of Capital) bezeichnet wird.[16] Diese Gewichtung erfolgt auf Basis von Markwerten.[17] Die Fremdkapitalkosten setzen sich zusammen aus dem gewogenen durchschnittlichen Kostensatz der einzelnen Fremdkapitalkosten, während die Eigenkapitalkosten aufgrund von Kapitalmarkt- und Preisbildungsmodellen (CAPM) ermittelt werden.[18] Der Marktwert des Gesamtkapitals ergibt sich aus der Summe des Barwertes und dem separat bestimmten Marktwert des nicht-betriebsnotwendigen Vermögens. Um den Wert des Eigenkapitals zu ermitteln, wird der Marktwert des verzinslichen Fremdkapitals abgezogen.[19]

Es werden Zahlungsüberschüsse ermittelt, die zur Befriedigung der Ansprüche aller Kapitalgeber zur Verfügung stehen und es geht um Cash Flows vor Abzug von Zins- und Tilgungszahlungen.[20]

Das Ziel der Berechnung ist die Bestimmung des operativen Netto Cash Flows, der dem vom Unternehmen erwirtschafteten Zahlungsüberschuss vor Berücksichtigung von Finanzierungsmaßnahmen entspricht.[21] Um den Gesamtunternehmenswert zu errechnen, werden die Barwerte der Netto Cash Flows mit dem Kapitalkostensatz diskontiert.[22] Die dazugehörige AVP-Methode ermittelt den Marktwert des Gesamtkapitals in zwei Schritten.[23] Dabei wird von einer reinen Eigenfinanzierung des Unternehmens ausgegangen und die Auswirkung einer Fremdfinanzierung wird berücksichtigt.[24] Auf diese Methode wird in dieser Arbeit aufgrund des begrenzten Umfangs jedoch nicht weiter eingegangen.

1.2.2 Equity-Methode

Diese Vorgehensweise ermittelt den Wert des Eigenkapitals auf direktem Weg, die Fremdkapitalkosten bleiben somit unberücksichtigt, wodurch auch kein Überblick über die Gesamtkapitalkosten entsteht.[25] Es werden die Cash Flows ermittelt, die ausschließlich den Eigenkapitalgebern zustehen.[26] Diese werden mit den Eigenkapitalkosten abgezinst.[27] Folglich wird bei dieser Methode kein WACC benötigt. Zwar werden die Kosten für das Fremdkapital nicht berücksichtigt, allerdings werden bei der Equity-Methode die Veränderungen des Fremdkapitalbestandes und die künftigen Fremdkapitalzinsen einberechnet. Durch diese Berechnung ergibt sich der Wert des Eigenkapitals, der auch als Flows to Equity bezeichnet wird und nur die Renditeforderungen der Eigenkapitalgeber widerspiegelt.[28] Um den Marktwert des Eigenkapitals zu ermitteln werden der Barwert der Flows to Equity und der Marktwert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens addiert. Die Prognose setzt eine exakte Planung der Fremdkapitalentwicklung voraus.[29]

Die Unterschiede zur Entity-Methode bestehen somit darin, dass Ersparniseffekte aus Fremdkapitalzinsen mit einfließen und die Tilgung beziehungsweise Aufnahme von verzinslichem Fremdkapital berücksichtigt werden.[30] Bei diesem Ansatz wird ebenfalls von zukünftigen Cash Flows ausgegangen, sodass diese als Bewertungsgrundlage dienen.[31] Das Risiko eines Wertpapieres, das berücksichtigt werden muss, wird durch den Betafaktor ausgedrückt, der die Schwankungsbreite eines Einzeltitels zum Gesamtmarkt beurteilt.[32] Wenn der Betafaktor größer eins ist reagiert das Wertpapier durchschnittlich stärker.[33]

1.3 Vorteile des DCF-Verfahrens

Die wesentlichen Stärken des DCF-Modells liegen in der Ableitung des Cash Flows aus der Investitionstheorie, wobei Cash Flows als maßgeblicher Input bezeichnet werden. Cash Flows unterliegen bei diesem Verfahren größtenteils dem Einfluss von Bilanzierungsspielräumen oder Bilanzmanipulationen. Ein positiver Aspekt des Verfahrens ist die Verdeutlichung des Zusammenhangs zwischen dem Unternehmenswert und der Finanzierung.[34] Außerdem wird das Unternehmen als Ganzes betrachtet, da Verbundeffekte mit in die Bewertung einfließen, was den Unternehmenswert ganzheitlich gestaltet.[35] Der ermittelte Wert wird als eine exakte Ermittlung des Marktwertes angesehen.[36] So verfügt diese Methode auch über eine hohe Akzeptanz und Anerkennung.[37] Das Verfahren ist international anerkannt und kann zur Unternehmensbewertung in jedem Land herangezogen werden, wodurch Einheitlichkeit in der Bewertungsbranche generiert wird. Tatsächlich stellt das DCF-Modell auch auf internationaler Ebene ein viel genutztes Verfahren dar, was bedeutet, dass Geschäftspartner aus unterschiedlichen Ländern das gleiche Wissen über das Verfahren teilen und dadurch auch ein Vergleich von Unternehmen in unterschiedlichen Ländern möglich ist. Im Gegensatz zum Ertragswertverfahren, welches international nicht so verbreitet ist, ist es somit vielseitiger anzuwenden beziehungsweise umzusetzen.[38] Des Weiteren hat es den Vorteil, dass zur Errechnung des Marktwertes des Eigenkapitals nicht so viele komplizierte Annahmen gemacht werden müssen.[39] Die Cash Flows sind außerdem unabhängig von nationaler Rechnungslegung und das Modell bietet eine dynamische Betrachtung. Alles in allem verfügt dieses Modell also über viele Vorteile, was dazu führt, dass es oft angewendet wird und in vielen Ländern als Standardmethode gilt.[40] Die Ermittlung des Unternehmenswertes durch dieses Verfahren ist außerdem oftmals genauer als bei Verfahren, die sich am bilanziellen Gewinn orientieren.[41]

1.4 Nachteile des DCF-Verfahrens

Wie jedes andere Bewertungssystem hat das DCF-Verfahren neben vielen Vorteilen auch ein paar Nachteile. Diese bestehen vor allem in der Komplexität der Prognosen über die zukünftigen Cash Flows. Außerdem hat der Restwert einen sehr großen Einfluss auf den Gesamtwert eines Unternehmens.[42] Durch Ermessensspielräume bei der Herleitung des Beta-Faktors beim CAPM können sich Ungenauigkeiten ergeben.[43] Deshalb sollten sich Unternehmen zur Orientierung ein gleichwertiges Unternehmen suchen, bei dem dieser Faktor schon lange berechnet wurde, um solche Probleme zu vermeiden.[44] Generell ist die Ermittlung der Parameter, vor allem die Schätzung der Zahlungsströme schwierig, da viele Voraussagen getroffen werden müssen, die sich auf mehrere Jahre im Voraus beziehen.[45] Durch die Schätzungen kann keine Sicherheit des Ergebnisses erreicht werden und somit stellt das Verfahren immer nur ein Ergebnis dar, dass eine Richtung weist, aber nicht auf Sicherheiten beruht. Zusätzlich wird implizit davon ausgegangen, dass Investitionen nicht verschoben oder angepasst werden können und irreversibel sind, was bedeutet, dass zukünftig keine Entscheidungsspielräume vorhanden sind.[46] Einen weiteren Schwachpunkt stellt die Bestimmung des Diskontierungszinssatzes dar.[47] Eine Kritik am Equity-Ansatz ist die Hypothese, dass der ermittelte Wert gelegentlich mit dem Marktwert des Eigenkapitals übereinstimmt, was sich allerdings nur sehr selten bestätigen lässt.[48] Darüber hinaus ist das Verfahren sehr stark abhängig vom CAPM, welchem realitätsferne Prämissen zugrunde liegen. Der errechnete Wert kann somit nur als Anhaltspunkt dienen.[49]

2 Ertragswertverfahren

2.1 Beschreibung

Das Ertragswertverfahren bewertet ein Unternehmen mithilfe von buchhalterischen Größen und wird heute als führendes Verfahren besonders von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern genutzt.[50] Grund hierfür ist, dass dieser Ansatz für Wirtschaftsprüfer deutschlandweit vorgeschrieben war um sicherzugehen, dass diese neutrale Gutachten erstellen.[51] Es gilt allerdings zu beachten, dass das Ertragswertverfahren in vielen verschiedenen Ausprägungen durchführbar ist, da allein schon der gebräuchliche Ertragsbegriff nicht immer gleich definiert ist.[52] Dies führte dazu, dass international standardisierte Bewertungsansätze gefordert wurden, um das Verfahren als allgemeinen Wertmaßstab nutzen zu können und die Größe so zu konkretisieren. Mit einer Angleichung der Ertragswertmethode an das DCF-Verfahren wurde dieser Forderung nachgekommen.[53] Das Institut der Wirtschaftsprüfer e. V. (IDW) hat in Deutschland die IDW S1[54] als Normausprägung der Methode festgelegt.[55] Aus diesem Grund beziehen sich alle nachfolgenden Informationen auf das Ertragswertverfahren nach IDW S1.

2.2 Grundsätzliches Vorgehen

Um den Wert eines Unternehmens ermitteln zu können werden zukünftig erwartete Erträge dieses Unternehmens berechnet und auf den in der Gegenwart vorhandenen Barwert abgezinst (diskontiert).[56] Die dem Unternehmen zufließenden Finanzüberschüsse, welche in der Zukunft entstehen, können zum einen aus Vergangenheitsdaten und zum anderen aus Planungsrechnungen für zukünftig erwartete Kennzahlen berechnet werden.[57]

2.2.1 Ermittlung der Ertragsüberschüsse

In der Regel wird hier ein Blick auf die Zahlen aus der Gewinn- und Verlustrechnung aus den letzten Geschäftsjahren geworfen.[58] So lassen sich die jeweiligen Betriebsergebnisse nach Steuern ermitteln. Im zweiten Schritt werden diese um außerordentliche Aufwendungen und außerordentliche Erträge bereinigt, wodurch sich die tatsächlich anzunehmende Ertragskraft des Unternehmens aus Vergangenheitsdaten ergibt.[59] Zusätzlich werden Kennzahlen aus der Planung der nächsten Geschäftsjahre hinzugezogen, sodass für die Planperiode möglichst realistische Ertragswerte ermittelt werden können, welche sowohl die Vergangenheit als auch die erwartete Entwicklung in der Zukunft berücksichtigen.[60]

2.2.2 Berechnung des Kapitalisierungszinssatz

Im nächsten Schritt muss der Diskontierungszinssatz berechnet werden. Dieser wird benötigt um die Ertragswerte der Planperiode zu diskontieren. Der Kapitalisierungszinssatz repräsentiert die Rendite, welche für einen Investor entstehen würde, falls dieser seine Investition nicht in das zu bewertende Unternehmen tätigt, sondern in eine alternative Anlage am Kapitalmarkt mit gleich hohem Risiko.[61] Daraus lässt sich ableiten, dass es für einen Investor nur dann Sinn macht, das zu bewertende Unternehmen zu erwerben, wenn dieses mindestens dieselbe Rendite erbringt. Als Basis für die Berechnung des Kapitalisierungszinssatzes dient der Zinssatz von Staatsanleihen, die kein Risiko beinhalten.[62] Daraufhin wird dieser durch Risikozuschläge erhöht, da das Unternehmen und dessen Branche Risiken in sich bergen, die beim Kauf automatisch übernommen werden.[63]

2.2.3 Diskontierung des zukünftig erwarteten Gewinns

Die für die Zukunft berechneten Erträge des Unternehmens müssen mithilfe des Kapitalisierungszinssatzes abgezinst werden, damit man den Barwert erhält.[64] Dieser gibt Auskunft darüber, welchen Wert die zukünftigen Zuflüsse zum Zeitpunkt der Bewertung haben.[65] Mithilfe des ermittelten Barwertes lässt sich schließlich der Unternehmenswert berechnen. Wichtig hierbei ist es jedoch, die prognostizierten Liquidationserlöse aus dem Verkauf des nicht betriebsnotwendigen Vermögens zu berücksichtigen.[66]

2.3 Vorteile des Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren zeigt seine Stärken vor allem in Bezug auf die einfache Anwendung. Im Vergleich zu anderen Methoden ist dieses Verfahren wenig komplex und leicht durchzuführen.[67] Des Weiteren sind die verwendeten Kennzahlen im Vergleich zu anderen Bewertungsansätzen weniger leicht durch bilanzpolitische Maßnahmen zu manipulieren. Das wiederum generiert eine höhere Sicherheit in Bezug auf die Richtigkeit des Ergebnisses. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass das Verfahren die Besonderheiten des deutschen Steuersystems berücksichtigt.[68] Aus diesem Grund eignet sich das Verfahren besonders gut für die Bewertung deutscher Unternehmen und wird deswegen auch besonders in Deutschland viel angewendet.[69] Der ertragswertorientierte Ansatz betrachtet das Unternehmen als Ganzes, wodurch beispielsweise auch Synergieeffekte des Unternehmens mit einbezogen werden. Die schnelle und einfache Berechnung ermöglicht eine zeitnahe und kurzfristige Beurteilung darüber, ob die Gewinnpotentiale den eigenen Erwartungen entsprechen.[70] Es beruht überwiegend auf Marktdaten und gilt als ein standardisiertes Verfahren der Unternehmensbewertung.[71]

2.4 Nachteile des Ertragswertverfahren

Trotz vieler Vorteile zeigt das Ertragswertverfahren auch einige Nachteile auf, weshalb besonders im internationalen Raum häufig auf andere Verfahren zurückgegriffen wird.[72] Wie bereits erwähnt besteht ein Vorteil des Verfahrens in der Simplizität.[73] Dieser Aspekt bringt jedoch gleichzeitig den Nachteil mit sich, dass das Ertragswertverfahren eine einseitige Betrachtungsweise liefert und somit nicht immer genaue und treffsichere Werte liefern kann. Dies hat zur Folge, dass die Ergebnisse des Verfahrens keine genauen Handlungsstrategien und Konsequenzen für die Entwicklung des Unternehmens bieten können.[74] Außerdem ist die Berechnung des Verfahrens eher oberflächlich. Das Risiko wird in der Regel nicht ausreichend berücksichtigt und die Alternativinvestition scheint oftmals weit hergeholt oder unterstellt.[75] Problematisch scheint auch die Bestimmung des Gewinns sowie des zu verwendenden Zinssatzes, die für die Anwendung des Verfahrens nötig ist. Oftmals wird dieser Ansatz aufgrund der Orientierung an der Vergangenheit kritisiert, da die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens so nicht optimal bestimmt werden kann. Besonders bei stark wachsenden Unternehmen erweist sich dieser Aspekt oft als Nachteil.[76] Sowohl die Schätzung der zukünftigen Erträge, als auch die Auswahl eines geeigneten Diskontierungszinssatzes, sind mit Unsicherheit behaftet. Des Weiteren ist die Periode des zu berücksichtigen Zeitraumes fraglich.[77]

3 Praxisbeispiel

3.1 Hintergrundinformationen

Für dieses Praxisbeispiel wurden rein fiktive Kennzahlen verwendet. Das bedeutet, dass keiner der verwendeten Werte von einem am Markt bestehenden Unternehmen stammt und das Ergebnis nicht interpretierbar ist. Die unten aufgeführte Rechnung dient lediglich dazu, die zuvor beschriebenen Methoden zu veranschaulichen und tiefer ins Detail zu gehen.

3.2 Bewertung anhand der DCF-Methode

Für die Bewertung des Unternehmens wird ein Blick auf die Plankennzahlen von vier Geschäftsjahren geworfen. Anhand der Kennzahlen dieses Planungshorizontes wird für die darauffolgende Zeit der Wert für die Ewigkeit (Perpetuitätswert) berechnet.

Um den Barwert der einzelnen Jahre ermitteln zu können wird der Netto Cash Flow benötigt, da dieser daraufhin diskontiert werden muss.[78] Die Formel um den Cash Flow zu berechnen lautet:[79]

In der folgenden Tabelle wurde in einem ersten Schritt das EBIT berechnet, indem die operativen Kosten vom Umsatz subtrahiert wurden. Zu den operativen Kosten zählen in diesem Beispiel zum einen Materialaufwand und Personalaufwand, aber auch Abschreibungen und sonstige betriebliche Aufwände müssen vom Umsatz subtrahiert werden. Diese Kennzahlen sind in der Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens zu finden.[80]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Berechnung EBIT (eigene Darstellung)

So ergibt das EBIT in diesem Fall die unten aufgeführten Zahlen in den jeweiligen Jahren oder in der Ewigkeitsperiode.

In der nächsten Tabelle wurde daraufhin der Netto Cash Flow ermittelt. Dazu wurde zuerst die Unternehmenssteuer vom zuvor berechneten EBIT subtrahiert. Dadurch wird das Betriebsergebnis nach Steuern, aber vor Zinsen, für die jeweiligen Jahre ermittelt, genauso wie der geschätzte Wert für die Ewigkeit.[81] Im nächsten Schritt wurden Abschreibungen und Rückstellungen berücksichtigt. Diese werden, wie in der Formel aufgezeigt, auf das Ergebnis nach Steuern addiert, wobei bei den Rückstellungen zu beachten gilt, dass hier nur die Veränderung zum Vorjahr einfließt.[82] Eine Zunahme der Rückstellungen würde somit addiert, eine Abnahme, also eine negative Zahl, würde aufgrund von mathematischen Regeln letzendes subtrahiert werden. Der Schritt der Addition beider Kennzahlen wurde in der Tabelle unter dem Zwischenergebnis festgehalten. Nachdem dieser Schritt vollendet wurde, werden zwei Kennzahlen subtrahiert. Hierbei handelt es sich um getätigte Investitionen und die Veränderung des Nettoumlaufvermögens im Vergleich zum Vorjahr.[83] In diesem Beispiel fällt auf, dass die Zunahme des Nettoumlaufvermögens[84] im ersten Jahr eine negative Zahl darstellt. Dies bedeutet, dass es sich hier nicht um eine Zunahme, sondern um eine Abnahme handelt. Die negative Zahl wird subtrahiert, was aufgrund von mathematischen Regeln allerdings dazu führt, dass die Abnahme um 10 Einheiten addiert wird.[85] Derselbe Fall würde eintreffen, wenn die Kennzahl bei Investitionen negativ wäre. In der Praxis würde dies bedeuten, dass eine Desinvestition getätigt wurde. Nachdem auch dieser Schritt beendet wurde, erhält man als Ergebnis den Netto Cash Flow.[86]

[...]


[1] Vgl. Hutzschenreuter, T. (2015), S. 369.

[2] Vgl. Schacht, U.; Fackler, M. (2009), S. 11.

[3] Vgl. Losbichler, H.; Eisl, C.; Engelbrechtsmüller, C. (2015), S. 208.

[4] Vgl. Losbichler, H.; Eisl, C.; Engelbrechtsmüller, C. (2015), S. 208.

[5] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2008), S. 27.

[6] Vgl. Dreher, M. (2010), S. 60.

[7] Vgl. Kruschwitz, L.; Löffler, A.; Essler, W. (2009), S. 16.

[8] Vgl. Hersberger, D. (2008), S. 58.

[9] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S; Thielen, B. (2012), S. 27.

[10] Vgl. Voigt, C.; Voigt, J.; Voigt, J. (2015), S. 37.

[11] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 38.

[12] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 38.

[13] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 27.

[14] Voigt, C.; Voigt, J.; Voigt, J. (2015), S. 15.

[15] Vgl. Voigt, C.; Voigt, J.; Voigt, J. (2015), S. 15.

[16] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012); S. 9.

[17] Vgl. Henselmann, K.; Kniest, W. (2015), S.362.

[18] Vgl. Drukarczyk, J.; Schüler, A. (2016), S. 101.

[19] Vgl. Drukarczyk, J.; Schüler, A. (2016), S. 101.

[20] Vgl. Seppelfricke, P. (2007), S. 24.

[21] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 35.

[22] Vgl. Voigt, C.; Voigt, J.; Voigt, J. (2015), S. 38.

[23] Vgl. Drukarczyk, J.; Ernst, D. (2007), S. 170.

[24] Vgl. Drukarczyk, J.; Ernst, D. (2007), S. 170.

[25] Vgl. Obermeier, T. (2008), S. 181.

[26] Vgl. Spreemann, K.; Ernst, D. (2011), S. 80.

[27] Vgl. Hommel, H.; Knecht, T.; Wohlenberg, H. (2006), S. 720 ff.

[28] Vgl. Hommel, M, Dehmel, I. (2013), S. 300.

[29] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 36.

[30] Vgl. Voigt, C.; Voigt, J.; Voigt, J. (2015), S. 40.

[31] Vgl. Hartung, T. (2000), S. 229.

[32] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 28.

[33] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 28.

[34] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 112.

[35] Vgl. Heusinger von Waldegge, S. (2009), S. 86.

[36] Vgl. Burger, A.; Ulbrich, P.; Ahlemeyer, N. (2010), S. 507.

[37] Vgl. Uhlig, T. (2011), S. 70.

[38] Vgl. Uhlig, T. (2011), S. 70.

[39] Vgl. Schacht, U.; Fackler, M. (2009), S. 246.

[40] Vgl. Heusinger von Waldegge, S. (2009), S. 86.

[41] Vgl. Beck, R. (2003), S. 14.

[42] Vgl. Heusinger von Waldegge, S. (2009), S. 86.

[43] Vgl. Matschke, M. (2007), S. 616.

[44] Vgl. Matschke, M. (2007), S. 616.

[45] Vgl. Everling, O.; Goedeckemeyer, K. (2004), S. 71.

[46] Vgl. Everling, O.; Goedeckemeyer, K. (2004), S. 71.

[47] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 112.

[48] Vgl. Voigt, C.; Voigt, J., Voigt, J. (2015), S. 40.

[49] Vgl. Nöll, B.; Wiedemann, A. (2011), S. 336.

[50] Vgl. Mandl, G. (1999), S. 43.

[51] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 10.

[52] Vgl. Drukarczyk, J.; Schüler, A. (2016), S. 72 ff.

[53] Vgl. Drukarczyk, J.; Schüler, A. (2016), S. 72 ff.

[54] Genauere Infos nachzulesen unter: Institut der Wirtschaftsprüfer (2008).

[55] Vgl. Tinz, O. (2010), S. 43.

[56] Vgl. Obermeier, T.; Gasper, R. (2008), S. 153 ff.

[57] Vgl. Obermeier, T.; Gasper, R. (2008), S. 153 ff.

[58] Vgl. Hommel, M.; Dehmel, I. (2013), S. 141.

[59] Vgl. Hommel, M.; Dehmel, I. (2013), S. 138.

[60] Vgl. Hommel, M.; Dehmel, I. (2013), S. 138.

[61] Vgl. Institut der Wirtschatfsprüfer (2008), S. 3f.

[62] Vgl. Preißel, M. (2009), S. 106 ff.

[63] Vgl. Peemöller, V. (2012), S. 321.

[64] Vgl. Hegemann, J. (2009), S. 22.

[65] Vgl. Peemöller , V. (2012), S. 268.

[66] Vgl. Peemöller, V. (20012), S. 268.

[67] Vgl. Heusinger von Waldegge, S. (2009), S. 86.

[68] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 112.

[69] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 112.

[70] Vgl. Pott, O.; Pott, A. (2012), S. 318.

[71] Vgl. Kühnberger, M.; Brenig, M.; Maaßen, H. (2008), S. 198.

[72] Vgl. Uhlig, T. (2011), S. 70.

[73] Vgl. Heusinger von Waldegge, S. (2009), S. 86.

[74] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 109.

[75] Vgl. Heesen, B. (2014), S. 112.

[76] Vgl. Macharzina, K./ Wolf, J. (2008), S. 726.

[77] Vgl. Ihlau, S.; Duscha, H.; Gödecke, S. (2013), S. 68.

[78] Vgl. Hersberger, D. (2008), S. 58.

[79] Entnommen aus: Wöltje, J. (2012), S. 34 ff.

[80] Vgl. Hering, E. (2014), S. 5.

[81] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 32.

[82] Vgl. Ernst, D.; Schneider, S.; Thielen, B. (2012), S. 28.

[83] Vgl. Wöltje, J. (2012), S. 34 ff.

[84] in Tabelle 2 als Working Capital ausgewiesen

[85] Vgl. Schacht, U.; Fackler, M. (2009), S. 229.

[86] Vgl. Wöltje, J. (2012), S. 34 ff.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ertragswertverfahren und DCF-Methode
Untertitel
Ein kritischer Vergleich
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
29
Katalognummer
V337989
ISBN (eBook)
9783668274976
ISBN (Buch)
9783668274983
Dateigröße
1062 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ertragswertverfahren, dcf-methode, vergleich
Arbeit zitieren
Anna Rüttger (Autor)Sina Arndt (Autor), 2016, Ertragswertverfahren und DCF-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337989

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ertragswertverfahren und DCF-Methode


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden