In dieser Arbeit wird Mechthild von Magdeburgs Werk "Das fließende Licht der Gottheit" betrachtet und später im Hinblick auf ihre Kirchenkritik untersucht.
Zunächst wird Mechthilds Biographie vorgestellt. Da die Quellenlage zu ihrem Leben sich in der Forschung als schwierig gestaltet, wird ihr Hauptwerk in Teilen autobiographisch gedeutet. Anhand von einigen Textpassagen, die auf ihren Werdegang schließen lassen, kann so auch auf Charakteristika von Mechthild geschlossen werden.
Im zweiten Teil dieser Arbeit wird ihr Werk Das fließende Licht der Gottheit in Punkto Inhalt und Aufbau sowie Sprache und Stil untersucht. Ebenso werden kurz mögliche Einflüsse auf das Werk erläutert. Da Das fließende Licht der Gottheit ein sehr langer und umfangreicher Text ist, kann nicht allzu tief in die Analyse gegangen werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.
Im dritten Teil der Seminararbeit wird die Kirchenkritik Mechthilds anhand von Textpassagen untersucht. Dabei wird das Kapitel VI des fließenden Lichts der Gottheit näher betrachtet, welches als der zentrale Abschnitt der Kirchenkritik Mechthilds gesehen werden kann.
Im letzten Abschnitt folgen ein historischer Ausblick der Kirchenkritik und ein kurzer Umriss, wie sich die Stimmung um die Kirche bis hin zum Beginn der Reformation 1517 mit Luthers Thesenanschlag weiter entwickelten.
Diese Arbeit stellt gleichzeitig eine Fächerverknüpfung zum zweiten Unterrichtsfach der Autorin dar. Das Thema Reformation wurde dieses Semester behandelt und hat sich als äußerst interessant erwiesen. Da die Mystik und die Religion Hand in Hand gehen, bot es sich an, die beiden Disziplinen miteinander zu verknüpfen und in dieser Arbeit vorzustellen. Mechthilds Kirchenkritik lässt sich hierbei als ersten gedanklichen Schritt hin zu einer Reformation der Kirche sehen, die es so bis heute nicht noch einmal gab.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
B Hauptteil
1. Biographie Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282)
2. Mechthild von Magdeburgs Werk „Das fließende Licht der Gottheit“
2.1 Inhalt und Aufbau
2.2 Sprache und Stil
2.3 Einflüsse
3. Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik
4. Vergleich zwischen Martin Luthers und Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik
C Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das mystische Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ von Mechthild von Magdeburg, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf ihrer impliziten Kirchenkritik liegt. Ziel ist es, diese mittelalterliche Kritik herauszuarbeiten, ihre Form und Strategie zu analysieren und sie mit der späteren Kirchenreformation durch Martin Luther zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Argumentation und Zielsetzung aufzuzeigen.
- Biographische Analyse von Mechthild von Magdeburg
- Strukturelle und sprachliche Untersuchung des Hauptwerkes
- Analyse von Mechthilds Kirchenkritik anhand von Textbeispielen
- Vergleichende Studie zwischen mittelalterlicher Mystik und lutherischer Reformation
Auszug aus dem Buch
3. Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik
„XXI. Wie bóesú pfafheit sol genidert werden, wie predier alleine predien soent und bischóeve sin und von den jungesten bruodern“.25 Unter dieser Überschrift greift Mechthild aggressiv die Kirche und die Christenheit an. Sie beginnt mit einer Zustandsbeschreibung der Kirche und seinen Vertreten. Mechthild benutzt dabei eine sehr bildliche Sprache: Der Kirche seien ihre „Diamanten“ entfallen und ihr „Gold“ sei entwertet. Diese Kritik impliziert, dass sich die Kirche von einer ursprünglichen, besseren Form ins Negative verwandelt hat. Mechthild beobachtet diese Entwicklung und verurteilt sie: „Owe crone der heiligen cristanheit, wie sere bistu geselwet! Din edelsteine sint die entvallen, wan du krenkest und schendest den heligen cristanen gelovben; din golt das ist verfúlet in dem pfuole der unkúscheit, wan du bisat verarmet und hast der minne nit; din kúscheit ist verbrant in dem gerigen fúre des frasses; din diemuot ist versunken in dem sumpfe dines vleisches; din wahrheit ist ze nihte worden in der lugine dirre welte; din bluomen aller tugenden sind dir abgevallen.“26
Mechthild sieht offenbar die Gefahren für die kirchlichen Tugenden wie Keuschheit, Demut und Wahrheit in den Verlockungen des weltlichen Lebens, die sie mit „Feuer des Fraßes“ und „Sumpfe des Fleisches“ umschreibt. Die kirchliche Wahrheit hat sie zunichte gemacht in den Lügen der Welt. Die Blumen aller Tugenden seien von der Kirche abgefallen. Im Anschluss an diese Passage klagt Mechthild, dass die heilige Krone, also der Papst, Einfluss und Macht verloren habe: „Owe crone der heligen pfafheit, wie bistu verswunden!“27
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Die Einleitung legt den Aufbau der Arbeit dar, erläutert die schwierige Quellenlage zu Mechthilds Leben und führt in die zentrale Fragestellung der Kirchenkritik ein.
B Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die biographische Einordnung, die Analyse von Inhalt, Sprache und Einflüssen ihres Werkes, eine Untersuchung ihrer Kirchenkritik sowie den Vergleich mit Martin Luther.
1. Biographie Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282): Dieses Kapitel beleuchtet den Lebensweg der Mystikerin, ihre Zeit als Begine und ihren späteren Eintritt ins Kloster Helfta.
2. Mechthild von Magdeburgs Werk „Das fließende Licht der Gottheit“: Hier werden die Entstehungsgeschichte, der Aufbau, der volkssprachliche Stil und die mystischen sowie höfischen Einflüsse auf das Werk analysiert.
2.1 Inhalt und Aufbau: Die Untersuchung der sieben Bücher zeigt, wie diese in zwei Lebensphasen entstanden sind und sich inhaltlich von der Liebe zu Gott hin zu theologischen Themen wandeln.
2.2 Sprache und Stil: Es wird erörtert, warum die Wahl der deutschen Volkssprache für ein theologisches Werk im 13. Jahrhundert untypisch und risikoreich war.
2.3 Einflüsse: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie neben der christlichen Mystik auch der Minnesang und die damalige gesellschaftliche Situation das Denken der Autorin prägten.
3. Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik: Anhand des sechsten Buches wird dargelegt, wie Mechthild Missstände anprangert, indem sie Gott als Instanz zitiert, um sich vor Repressalien zu schützen.
4. Vergleich zwischen Martin Luthers und Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik: Der Vergleich zeigt Parallelen im Willen zur Erneuerung der Kirche auf, verdeutlicht aber auch Unterschiede in der Radikalität und dem methodischen Vorgehen.
C Schlussbetrachtung: Das Fazit würdigt die Bedeutung Mechthilds als mutige Kritikerin ihrer Zeit und ordnet ihr Wirken in den historischen Kontext bis zur Reformation ein.
Schlüsselwörter
Mechthild von Magdeburg, Das fließende Licht der Gottheit, christliche Mystik, Kirchenkritik, Mittelalter, Begine, Minnesang, Reformation, Martin Luther, 95 Thesen, Gottesvisionen, Unio Mystica, Amtsmissbrauch, Volkssprache, religiöse Frauenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Hauptwerk „Das fließende Licht der Gottheit“ von Mechthild von Magdeburg und beleuchtet dabei insbesondere die in ihrem Werk enthaltene, implizite Kritik an den Missständen innerhalb der mittelalterlichen Kirche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die mittelalterliche Mystik, das Leben als Begine, die Rolle der Frau in der Theologie des 13. Jahrhunderts, die kirchenkritischen Aussagen Mechthilds sowie der Vergleich mit der späteren Reformation Luthers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Mechthilds Kirchenkritik als einen gedanklichen Vorläufer späterer Reformbewegungen zu identifizieren und zu analysieren, wie sie ihre Kritik trotz der Gefahr der Häresie formulierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, bei der sie Textpassagen aus dem Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ heranzieht und diese in den biographischen sowie kirchengeschichtlichen Kontext einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Einführung, eine strukturale Untersuchung des Werkes, eine detaillierte Textanalyse der kirchenkritischen Abschnitte und einen systematischen Vergleich mit Martin Luthers Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mystik, Kirchenkritik, Mechthild von Magdeburg, Mittelalter, Reformation, Minnesang, Amtsmissbrauch und theologische Reflexion.
Warum musste Mechthild Gott als „Sprachrohr“ in ihren kritischen Passagen nutzen?
Indem sie die Kritik als göttliches Zitat formulierte, konnte sie sich vor Repressalien der Kirche schützen, da sie die Aussagen nicht als ihre eigenen, sondern als göttliche Weisung ausgab.
Welchen Unterschied in der Kirchenkritik gibt es zwischen Mechthild und Luther?
Während Mechthild den Papst direkt um eine Reform der Amtsinhaber bittet, ohne die Institution als solche zu stürzen, stellt Luther in seinen 95 Thesen das Papsttum selbst und seine Befugnisse fundamental in Frage.
- Quote paper
- Miryam Besant (Author), 2015, Mechthild von Magdeburgs Werk “Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Kirchenkritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338004