Mechthild von Magdeburgs Werk “Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Kirchenkritik


Seminararbeit, 2015

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Einleitung

B Hauptteil
1. Biographie Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282)
2. Mechthild von Magdeburgs Werk „Das fließende Licht der Gottheit“
2.1 Inhalt und Aufbau
2.2 Sprache und Stil
2.3 Einflüsse
3. Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik
4. Vergleich zwischen Martin Luthers und Mechthild von Magdeburgs Kirchenkritik

C Schlussbetrachtung

D Literaturverzeichnis

A Einleitung

In dieser Arbeit wird Mechthild von Magdeburgs Werk Das fließende Licht der Gottheit betrachtet und später im Hinblick auf ihre Kirchenkritik untersucht.

Zunächst wird Mechthilds Biographie vorgestellt. Da die Quellenlage zu ihrem Leben sich in der Forschung als schwierig gestaltet, wird ihr Hauptwerk in Teilen autobiographisch gedeutet. Anhand von einigen Textpassagen, die auf ihren Werdegang schließen lassen, kann so auch auf Charakteristika von Mechthild geschlossen werden.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird ihr Werk Das fließende Licht der Gottheit in Punkto Inhalt und Aufbau sowie Sprache und Stil untersucht. Ebenso werden kurz mögliche Einflüsse auf das Werk erläutert. Da Das fließende Licht der Gottheit ein sehr langer und umfangreicher Text ist, kann nicht allzu tief in die Analyse gegangen werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Im dritten Teil der Seminararbeit wird die Kirchenkritik Mechthilds anhand von Textpassagen untersucht. Dabei wird das Kapitel VI des fließenden Lichts der Gottheit näher betrachtet, welches als der zentrale Abschnitt der Kirchenkritik Mechthilds gesehen werden kann.

Im letzten Abschnitt folgen ein historischer Ausblick der Kirchenkritik und ein kurzer Umriss, wie sich die Stimmung um die Kirche bis hin zum Beginn der Reformation 1517 mit Luthers Thesenanschlag weiter entwickelten.

Diese Arbeit stellt gleichzeitig eine Fächerverknüpfung zum zweiten Unterrichtsfach der Autorin dar. Das Thema Reformation wurde dieses Semester behandelt und hat sich als äußerst interessant erwiesen. Da die Mystik und die Religion Hand in Hand gehen, bot es sich an, die beiden Disziplinen miteinander zu verknüpfen und in dieser Arbeit vorzustellen. Mechthilds Kirchenkritik lässt sich hierbei als ersten gedanklichen Schritt hin zu einer Reformation der Kirche sehen, die es so bis heute nicht noch einmal gab.

B Hauptteil

1. Biographie Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282)

Die derzeitige Quellenlage zur Forschung über Mechthild von Magdeburg ist leider immer noch sehr mäßig. Somit wird versucht, Biographisches über Mechthild von Magdeburg allein anhand ihres Werkes Das fließende Licht der Gottheit zu ermitteln. Margot Schmidt weißt dem Werk Mechthilds verschlüsselte autobiographische Züge zu.[1] Diese Annahme ist allerdings in der Forschung umstritten. Dennoch bietet sich momentan kaum ein anderer Anhaltspunkt zu Mechthild von Magdeburgs Biographie an.

Mechthild von Magdeburg wurde wahrscheinlich 1207 als Tochter einer ritterlichen Burgenfamilie aus dem westlichen Mittelmarkt in der Diözese Magdeburg geboren. Wahrscheinlich gehörte ihre Familie dennoch einem niedrigeren Adelsstand an, da ihr Familienname unbekannt ist. Sie genoss eine höfische Erziehung und erhielt eine höfische Bildung. Adelige Frauen waren häufig besser gebildet als ihr männliches Pendant. Die Frauen des Hofes hielten die Kultur aufrecht, organisierten Feste und standen im Mittelpunkt des Minnesangs. So war es auch die Minnelyrik, die Mechthilds Werk Das fließende Licht der Gottheit mitunter stark beeinflusst hat.[2] Ebenso konnten die Frauen des Hofes lesen und schreiben. In einer Zeit, in der Frömmigkeit und Christentum eine Hochzeit erfuhren, war typischerweise der Grundstock ihrer Bildung, Geschichten aus der Bibel und Heiligenlegenden, ebenso wie Grundkenntnisse in Latein. So waren auch die Frauen meist sehr religiös und nahmen an kirchlichen Festen teil.[3]

Die meisten biographischen Informationen werden aus dem vierten Buch ihres siebenteiligen Werkes erkenntlich, das am stärksten autobiographisch geprägt ist. So beschreibt Mechthild, dass sie ihre erste Vision mit zwölf Jahren hat: „Ich muos sprechen got zu ehren und ovch durch des buoches lere: Ich undwirdigú súnderin wart gegruesset von dem helöigen geiste in minem zwoelften jare also vliessende sere, do ich was alleine, das ich das niemer mere moehte erliden, das ich mich zuo einer grossen teglichen súnde nie mohte erbieten. Der vil liebe gruos was alle tage und machte mir minnenklich leit aller welte suessekeit und er wahset noch alle tage. Dis geschah úber eins und drissig jar.“[4] Mechthild wurde also vom Gruß des Heiligen Geist mit „überströmender Macht getroffen“[5]. Dieser Gruß wurde von Tag zu Tag stärker und begleitete sie für einunddreißig Jahre.

Die Zahl zwölf kann hier eventuell auch symbolisch gedeutet werden. So steht im Neuen Testament das Alter „Zwölf“ als Schwelle zum Erwachsen-Sein. Auch Jesus predigte das erste Mal mit zwölf Jahren im Tempel, die Anzahl der Jünger beträgt ebenfalls zwölf, welche als Sinnbild für die zwölf Stämme Israels gedeutet werden können.

1230 verlässt Mechthild mit nur zwanzig Jahren ihre Familie und geht nach Magdeburg. Dort gab sie ihren höheren Sozialstand auf ,um als Begine zu leben. Vielleicht wurde sie zu dieser frommen Lebensform durch ihren Bruder Balduin beeinflusst, der einen ähnlichen Lebensweg einschlug. Mit Balduin stand sie ihr restliches Leben lang in engem Briefkontakt.[6] Das Leben als Begine gestaltete sich oft schwieriger und härter als das Leben von Schwestern, die einem Orden angehörten. Da ihnen nicht der Schutz des Ordens und des Klosters inne war, wurden sie oft der Irrlehren beschuldigt oder wurden streng überwacht oder gar verfolgt. Beginen waren Frauen, die sich für ein religiöses Leben entschieden haben, aber vom Orden nicht aufgenommen wurden. So schlossen sie sich zu Gemeinschaften zusammen, wie auch Mechthild es tat, oder lebten einzeln als „mulieres religiosae“.[7] Dennoch entschlossen sich viele Beginen im Alter, so auch Mechthild, sich doch einem Kloster anzuschließen, vermutlich um den schwierigeren Lebensumständen zu entkommen. Der Entschluss Mechthilds, ihre Familie zu verlassen und ihren adeligen Stand aufzugeben, lässt Vermutungen über ihre Charakteristika zu. So muss sie mit zwanzig Jahren sehr selbstständig gewesen sein, über ein hohes Urteilsvermögen sowie eine starke Willenskraft verfügt haben.[8]

Zwanzig Jahr später, also 1250, beginnt Mechthild, ihre Visionen und Erlebnisse mit Gott niederzuschreiben und ihr Werk Das fließende Licht der Gottheit entsteht. Dabei unterstreicht sie immer wieder, „dass sie nicht um diese Erfahrungen gebeten habe, sondern diese als Geschenk zu ihr gelangten“.[9] Die Niederschrift der ersten sechs Bücher soll etwa 15 Jahre gedauert haben, das letzte Buch wurde von ihr wahrscheinlich unter Mithilfe von Klosterschwestern im Kloster Helfta verfasst. Im Kloster Helfta traf Mechthild auf ebenfalls bekannte Mystikerinnen: Gertud die Große (1256 – 1301/02) und Mechthild von Hackeborn (1241 – 1298/99), deren Werke sie ebenfalls stark beeinflusst haben soll.

Um 1282, oder nach anderen Überlieferungen erst 1294, verstarb Mechthild von Magdeburg im Kloster Helfta bei Eisleben. Der Tod Mechthilds wird in Gertruds Werk Legatus diviane pietatis erwähnt, in dem sie Gott fragt, was nun mit Mechthild geschehe und ihn bittet, ihr nach ihrem Tod die Gabe der Wunder zu verleihen.[10]

2. Mechthild von Magdeburgs Werk „Das fließende Licht der Gottheit“

Im zweiten Teil dieser Arbeit soll das Werk Das fließende Licht der Gottheit von Mechthild von Magdeburg kurz untersucht werden. Dabei wird im ersten Punkt auf den Inhalt sowie den Aufbau des Werkes eingegangen, im zweiten Punkt auf die Sprache sowie den Stil des Werkes. Zum Schluss des zweiten Teils wird noch auf die möglichen Einflüsse auf Mechthilds Werk Das fließende Licht der Gottheit eingegangen.

2.1 Inhalt und Aufbau

Mechthild von Magdeburgs Werk wurde in zwei unterschiedlichen Lebensabschnitten geschrieben. Wie eingangs schon erwähnt, verfasste sie die Bücher I – IV in ihrer Zeit als Begine, die Bücher V – VII folgten erst etwas später. Somit kann vermutet werden, dass die ersten vier Bücher als eine Einheit verstanden werden können und später um drei weitere Bücher erweitert wurde. Auch der Sprachstil des letzen Buches, der sehr viel nüchterner ist, lässt vermuten, dass ihr hierbei die Klosterschwestern in Eisleben kurz vor ihrem Tod bei dem Verfassen des Buches geholfen haben.[11]

In den ersten vier Büchern geht es hauptsächlich um die Liebe zu Gott, in den Büchern V – VII werden vor allem theologische und kirchliche Probleme aus Sicht Mechthilds dargestellt.

Die sieben Bücher sind jeweils in Kapitel eingeteilt. Die unterschiedlich langen Kapitel weisen zudem verschiedene Textformen auf. Der thematische rote Faden stellt Mechthilds Beziehung zu Gott dar sowie die Auseinandersetzung mit theologischen Themen als Fundament des Fließenden Lichts der Gottheit. Auch wenn sie der lateinischen Sprache nicht mächtig gewesen ist, hatte sie eine große laien-thelogische Bildung, die sich in ihren zahlreichen biblischen Anspielungen und Themen wiederspiegelt. Wolfgang Mohr bezeichnet ihr Werk zum Beispiel auch als die „vielleicht kühnste erotische Dichtung, die wir aus dem Mittelalter besitzen.“[12] Tatsächlich gelingt es Mechthild, so Mohr weiter, ihre mystische Gotteserfahrung in eine kraftvolle und empathische Sprache zu übertragen. In Anlehnung an das alttestamentarische Hohelied, den weltlichen Minnesang und biblische Ereignisse verfasst sie ein Buch der Offenbarung und Visionen, das eine einmalige und einsame Leistung ist.[13]

Mechthild von Magdeburg beschreibt in ihrem Werk ihre Gottesvisionen und Offenbarungen, wobei wie bereits erwähnt, deutliche Bezüge zu Minnesang, Hohelied und biblische Erzählungen erkennbar sind. Das fließende Licht der Gottheit kann als eine Anleitung zu einem frommen Leben verstanden werden und gibt Ratschläge für eine tugendhafte Lebensführung. Dabei gibt Mechthild zahlreiche konkrete Hinweise an ihre Leserschaft zur Gestaltung des Lebens, gibt Beispiele für die wichtigsten Tugenden und vorbildliche, gottesnahe Verhaltensweisen in sämtlichen Lebenssituationen vor. Zudem beschreibt Mechthild den Weg zur Unio Mystica, dem Erlebnis des Eins-Sein mit Gott, das ebenfalls eine wichtige Rolle im Werk von Mechthild spielt.

Als Hauptthema wird die Liebe, vor allem aber die Liebe zu Gott, im Fließenden Licht der Gottheit behandelt. Die Liebe wird als stärkste Macht gesehen, für die Mechthild alles aufgibt: „Frov minne, nu sint ir har zuo mir komen und ir hant mir alles benomen, das ich in ertrich ie gewan. […] Frovwe kúnigin, so nement reht mich selben.[14]

Die Hauptthemen der Beziehung zwischen Mensch und Gott sowie der Macht der Liebe sind omnipräsent und prägen damit auch andere Themen wie das Teufelsthema, den Kampf zwischen Gut und Böse als auch die Kirchenkritik.

[...]


[1] Vgl. Schmidt, Margot: Mechthild von Magdeburg. In: Thiele, Johannes: Mein Herz schmilzt wie Eis am Feuer. Die religiöse Frauenbewegung des Mittelalters im Porträt. Stuttgart, Kreuz-Verlag, 1. Auflage 1988, S. 71.

[2] Korntner, Beate: Mystikerinnen im Mittelalter. Die drei Frauen von Helfta und Marguerite Porète – zwischen Anerkennung und Verfolgung. München, AVM-Verlag, 2012, S. 63.

[3] Ebd., S. 64.

[4] Neumann, Hans: Mechthild von Magdeburg. Das fließende Licht der Gottheit. Nach der Einsiedler Handschrift im kritischem Vergleich mit der gesamten Überlieferung. München, Artemis, 1990, S. 232.

[5] Korntner, S. 64.

[6] Korntner, S. 65.

[7] Korntner, S. 54.

[8] Schmidt, S. 75.

[9] Korntner, S. 67.

[10] Vgl. ebd, S. 71.

[11] ebd, S. 83.

[12] Vgl. Mohr, Wolfgang: Darbietung der Mystik bei Mechthild von Magdeburg. In: Märchen, Mythos, Dichtung. Festschrift zum 90. Geburtstag Friedrich von der Leyens am 19. August 1963, München, 1963, S. 393.

[13] Vgl. ebd, S. 375.

[14] Neumann, S. 5 – 7.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mechthild von Magdeburgs Werk “Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Kirchenkritik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V338004
ISBN (eBook)
9783668274143
ISBN (Buch)
9783668274150
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mechthild von Magdeburg, Kirchenkritik, Mediävistik, Das fließende Licht der Gottheit
Arbeit zitieren
Miryam Besant (Autor), 2015, Mechthild von Magdeburgs Werk “Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Kirchenkritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338004

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Mechthild von Magdeburgs Werk “Das fließende Licht der Gottheit“ und ihre Kirchenkritik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden