Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Angebot der "Frühen Hilfen" in Deutschland, insbesondere in der Stadt Münster.
Die Zeit der Schwangerschaft (und nach der Geburt) bedeutet für viele Eltern neue Erfahrungen, es ist eine Zeit die durch hohe Anforderungen an die (werdenden) Eltern gekennzeichnet ist. Um das Leben mit einem Säugling meistern zu können, ist oftmals ein Netzwerk aus Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn wichtig. Doch solch ein Netzwerk hat nicht jeder und auch nicht alle Eltern haben ausreichend persönliche Ressourcen, um den neuen Lebensabschnitt mit Kindern zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund sind die sogenannten „Frühen Hilfen“ entwickelt worden.
Der Begriff „Frühe Hilfen“ ist kein neuer Terminus, er ist in den 70er Jahren besonders von der Frühförderung geprägt worden. In der Auseinandersetzung mit Kinderschutz und Präventionsmaßnahmen ist der Begriff jedoch neu definiert worden. Nach der Bundesinitiative „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ (2007), richten sich die Angebote jetzt vor allem an Familien in schwierigen sozialen Lagen, die zum Beispiel von Armut, Gewalt oder Suchterkrankungen betroffen sind. Die Frühen Hilfen sind lokale und regionale Unterstützungssysteme, die frei zugängliche Informations-, Beratungs- und Hilfsangebote für Familien anbieten. Frühe Hilfen ist ein freiwilliges Angebot.
Die Zielgruppe richtet sich, wie oben bereits dargestellt, an schwangere Frauen, aber auch an Familien mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren.
Durch die multiprofessionelle Kooperation und die Stärkung der sozialen Netzwerke von Familien, sollen Frühe Hilfen unterstützend wirken. Ziel der Frühen Hilfen ist es die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern in Familien und Gesellschaft nachhaltig und frühzeitig zu verbessern und neben der alltagspraktischen Unterstützung die Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern zu fördern.
Die Akteure der Frühen Hilfen sind zum einem die Kinder- und Jugendhilfen, das Gesundheitswesen, die Frühförderung und Schwangerschafts- und Erziehungsberatungsstellen, aber auch andere beratende und begleitende Angebote, wie z.B. die Familienhebammen. Auf die praktische Umsetzung wird im Kapitel vier genauer eingegangen, dabei wird die Stadt Münster als ein konkretes Beispiel dienen.
Inhaltsverzeichnis
1 Was sind Frühe Hilfen?
2 Nationales Zentrum Frühe Hilfen
3 Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?
4 Umsetzung in die Praxis
4.1 Kein Kind zurücklassen
4.2 Beispiel aus Münster
5 Forschung
5.1 Evaluation
5.2 Versorgungsforschung
5.3 Wirkungsforschung
6 Grenzen und Probleme der Frühen Hilfen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einbettung und der praktischen Implementierung der sogenannten „Frühen Hilfen“ in Deutschland. Das Ziel ist es, das Konzept der Frühen Hilfen als Unterstützungsnetzwerk für Familien in belasteten Lebenslagen darzustellen, die rechtlichen Fundamente zu erläutern und anhand von Modellprojekten wie „Kein Kind zurücklassen“ sowie Beispielen aus der Stadt Münster die interprofessionelle Zusammenarbeit und die wissenschaftliche Begleitung zu analysieren.
- Definition und Zielsetzung der Frühen Hilfen
- Rechtliche Grundlagen auf internationaler und nationaler Ebene
- Umsetzung des Konzepts in der kommunalen Praxis
- Wissenschaftliche Forschung und Evaluation der Angebote
- Herausforderungen und kritische Perspektiven auf Präventionsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
1 WAS SIND FRÜHE HILFEN?
„Ein gesundes Kind, das sich gut entwickelt und an dem die Eltern Freude haben können – das wünschen sich wohl alle werdenden Mütter und Väter. Gerade die Zeit der Schwangerschaft, sowie die Zeit um und nach der Geburt bringt viele neue Erfahrungen mit sich, stellt aber auch hohe Anforderungen an die Eltern, die erst lernen müssen, mit ihrer neuen Rolle zurecht zu kommen.“ (Leitbild Frühe Hilfen. Beitrag des NZFH-Beirats 2014: 4)
Die Zeit der Schwangerschaft (und nach der Geburt) bedeutet für viele Eltern neue Erfahrungen, es ist eine Zeit die durch hohe Anforderungen an die (werdenden) Eltern gekennzeichnet ist (vgl. ebd.). Um das Leben mit einem Säugling meistern zu können, ist oftmals ein Netzwerk aus Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn wichtig. Doch solch ein Netzwerk hat nicht jeder und auch nicht alle Eltern haben ausreichend persönliche Ressourcen, um den neuen Lebensabschnitt mit Kindern zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund sind die sogenannten „Frühen Hilfen“ entwickelt worden (vgl. ebd.).
Der Begriff „Frühe Hilfen“ ist kein neuer Terminus, er ist in den 70er Jahren besonders von der Frühförderung geprägt worden. In der Auseinandersetzung mit Kinderschutz und Präventionsmaßnahmen ist der Begriff jedoch neu definiert worden. Nach der Bundesinitiative „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ (2007), richten sich die Angebote jetzt vor allem an Familien in schwierigen sozialen Lagen, die zum Beispiel von Armut, Gewalt oder Suchterkrankungen betroffen sind. Die Frühen Hilfen sind lokale und regionale Unterstützungssysteme, die frei zugängliche Informations-, Beratungs- und Hilfsangebote für Familien anbieten. Frühe Hilfen ist ein freiwilliges Angebot (vgl. Begriffsbestimmung NZFH 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Was sind Frühe Hilfen?: Dieses Kapitel führt in den Begriff der Frühen Hilfen ein, definiert deren Zielgruppe und beschreibt die Bedeutung von Unterstützungssystemen für Eltern in belasteten Lebenslagen.
2 Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Hier wird die zentrale Koordinationsinstanz vorgestellt, die den Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen steuert und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren fördert.
3 Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?: Das Kapitel beleuchtet die internationale und nationale gesetzliche Verankerung der Frühen Hilfen, wobei insbesondere Kinderschutzaspekte im Mittelpunkt stehen.
4 Umsetzung in die Praxis: Hier wird die praktische Realisierung der Frühen Hilfen anhand der notwendigen interprofessionellen Vernetzung sowie durch konkrete Fallbeispiele erläutert.
4.1 Kein Kind zurücklassen: Dieser Abschnitt beschreibt das NRW-Landesprojekt „Kein Kind zurücklassen“ und dessen strategischen Ansatz zur kommunalen Präventionskette.
4.2 Beispiel aus Münster: Dieses Unterkapitel illustriert anhand der Stadt Münster, wie lokale Netzwerkstrukturen und aufsuchende Elternarbeit praktisch umgesetzt werden.
5 Forschung: Dieses Kapitel widmet sich der wissenschaftlichen Begleitung der Frühen Hilfen, die durch das Nationale Zentrum Frühe Hilfen durchgeführt wird.
5.1 Evaluation: Hierbei geht es um die Bestandsaufnahme und die Auswertung der Implementierung der Frühen Hilfen in den Kommunen.
5.2 Versorgungsforschung: Dieser Teil befasst sich mit der Bedarfsermittlung bei Familien und den Herausforderungen beim Zugang zu diesen Zielgruppen.
5.3 Wirkungsforschung: Dieses Kapitel fokussiert auf die messbaren Effekte der Angebote, insbesondere im Bereich der Familienhebammen.
6 Grenzen und Probleme der Frühen Hilfen: Abschließend werden Herausforderungen wie die Freiwilligkeit, datenschutzrechtliche Aspekte und die kritische Sichtweise auf eine mögliche Stigmatisierung durch Präventionsangebote thematisiert.
Schlüsselwörter
Frühe Hilfen, Kinderschutz, Prävention, Familien, Netzwerkstrukturen, Nationales Zentrum Frühe Hilfen, Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaft, Familienhebammen, Modellvorhaben, Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Interprofessionalität, Kommunale Präventionsketten, Elternkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das Konzept der Frühen Hilfen in Deutschland, ihre rechtlichen Rahmenbedingungen, ihre praktische Umsetzung in Kommunen sowie ihre wissenschaftliche Evaluation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vernetzung von Akteuren aus Gesundheitswesen und Jugendhilfe, die Unterstützung von Familien in belasteten Lebenslagen und der Aufbau kommunaler Präventionssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Frühen Hilfen?
Ziel ist es, die Entwicklungschancen von Kindern frühzeitig zu verbessern sowie die Beziehungs- und Erziehungskompetenzen von Eltern nachhaltig zu stärken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden erwähnt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Daten aus der Evaluation, der Versorgungsforschung und der Wirkungsforschung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Basis, das Projekt „Kein Kind zurücklassen“, die Umsetzung in Münster sowie die drei Säulen der wissenschaftlichen Begleitforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Frühe Hilfen, Kinderschutz, Prävention, Familien, Netzwerkstrukturen und interprofessionelle Kooperation.
Was ist die Besonderheit des Modellvorhabens aus Münster?
Münster zeichnet sich durch die Entwicklung einer „Kontaktkarte“ aus, die in regionalen Krankenhäusern verteilt wird, um den frühzeitigen Zugang zu Präventionsangeboten für Familien zu erleichtern.
Welche kritischen Punkte werden bezüglich der Prävention angeführt?
Kritisiert wird, dass die starke Konzentration auf Screening und Risikoeinschätzungen dazu führen kann, dass Kinder aus armen Verhältnissen als „Objekte der Sorge“ stigmatisiert werden, anstatt ihre Lebensbedingungen ganzheitlich zu betrachten.
- Citation du texte
- Sarah Böhme (Auteur), Sophia Wörmann (Auteur), 2016, Frühe Hilfen. Praxis, Forschung, Grenzen und Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338153