Die meisten Menschen haben im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal Probleme, die so groß scheinen, dass sie diese nicht mehr alleine lösen können. Hilfe wird dann bei Freunden oder anderen Vertrauten gesucht oder die Probleme werden verdrängt und nicht selten dadurch nur noch größere aufgebaut. Mehrere Berufsgruppen haben sich darauf spezialisiert, Menschen bei eben solchen Problemen zu helfen, unter anderem Pädagogen und Psychologen. Doch auf diese professionelle Hilfe wird häufig nicht zurückgegriffen. Viele Menschen scheinen den Gang zu einer Beratungseinrichtung zu scheuen. Vielleicht aus Angst vor mangelnder Anonymität, oder weil Beratungsstellen gesellschaftlich nicht die Akzeptanz genießen, die der einzelne für notwendig erachtet.
Beratungseinrichtungen gibt es von den unterschiedlichsten Trägern (Pro Familia, Kirchen, Rotes Kreuz ...) mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten (allgemein, Erziehung, Familien, Sexualität, Drogen, Alkohol). Doch neben der traditionellen Beratungsstelle gibt es auch Beratung als Medienangebot. Manche Formen gibt es schon länger (Telefonseelsorge, spezielle Radiosendungen, Ratgeberseiten in Zeitschriften mit Leserbriefen), andere gibt es erst seit relativ kurzer Zeit (z.B. Internetangebote). Je nach Medium können diese Beratungsformen unterschiedlich intensiv ihrer Beratungsfunktion nachkommen und somit ihre selbst gesteckten Ziele erreichen, und sind deshalb für bestimmte Probleme besser geeignet als andere. Doch wie bekannt sind solche Angebote? Wie häufig werden sie genutzt? Sind sie eine Alternative zur persönlichen Beratung oder nur eine Ergänzung? Sind sie wenig wirksame Spinnerei oder vielleicht doch ein sinnvoller Einstieg? Liegt die Hemmschwelle zur Nutzung eines „medialen“ Beratungsangebots tatsächlich niedriger als beim Besuch einer Beratungseinrichtung? Welche Möglichkeiten gibt es, mediale Beratungsangebote mit realen Beratungseinrichtungen zu kombinieren und somit ein optimales Beratungsangebot für Ratsuchende zu schaffen?
Mit diesen Fragestellungen will sich die vorliegende Arbeit befassen. Zunächst soll aufgezeigt werden, was hier unter Beratung verstanden wird und was sie zum Ziel hat. Dann wird der Bereich der Medien eingegrenzt und es werden beispielhaft einige Beratungsangebote, die als Medienform auftreten, dargestellt.
Um die oben aufgeworfenen Fragen zu beantworten, soll in einem empirischen Teil die Akzeptanz von Beratung und speziell von medialen Beratungsangeboten abgefragt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beratung
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Ursachen für den Beratungsbedarf
2.3. Allgemeine Ziele von Beratung
2.4. Beratung und Therapie
2.5. Geschichte der Beratung
2.6. Erziehungsberatung in Zahlen
2.7. Theoretische Ansätze von Beratung
2.7.1. Psychodynamische Konzepte
2.7.2. Humanistische Konzepte
2.7.3. Lern- und verhaltenstheoretische Konzepte
2.7.4. Systemtheoretische Konzepte
3. Beratungsformen
3.1. Traditionelle Beratungsstelle
3.2. Fernsehen
3.3. Radio
3.4. Printmedien
3.5. Internet
3.5.1. Die kommerzielle Online-Beratung „www.beratung-therapie.de“
3.5.2. Online-Angebot von Pro Familia
3.6. Telefon
4. Wichtige Unterschiede zwischen face-to-face-Beratungssituationen und entsprechenden Medienangeboten
5. Bisher vorliegende Ergebnisse zur Akzeptanz von Beratung als Medienangebot
5.1. Grenzen und Chancen von Ratgeberkolumnen (Borneman, 1988)
5.2. BRAVO (Wenzel, 1988)
5.3. Lösungsorientierte Beratung im Internet (Stumpp, 2001)
5.4. Selbsthilfe, Beratung und Therapie im Internet (Döring, 1997)
5.5. Das Telefon in der Krisenhilfe (Stauß, 1990)
6. Begründung der Fragestellung
7. Empirischer Teil
7.1. Hypothesenbildung
7.2. Methoden und Stichprobe
7.3. Aufbau des Fragebogens
7.4. Ergebnisse
8. Zusammenfassung und Interpretation der gesammelten Daten
9. Kritische Betrachtung der Untersuchung
10. Fazit
11. Literatur
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Akzeptanz von Beratung als Medienangebot (z. B. Telefon, Internet, Fernsehen, Radio) im Vergleich zur klassischen face-to-face-Beratung, mit dem Ziel zu klären, ob mediale Angebote eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung in der psychosozialen Versorgung darstellen.
- Vergleichende Analyse von traditionellen Beratungsstellen und Medien-Beratungsangeboten.
- Untersuchung der Hemmschwellen und Akzeptanz von medialen Beratungsformen in der Bevölkerung.
- Überprüfung der Bekanntheit und Nutzung unterschiedlicher Beratungsmedien.
- Empirische Erhebung zur Beurteilung von Beratungsqualität und -eignung durch eine Fragebogenuntersuchung.
- Diskussion der Chancen und Grenzen von medialer Beratung im psychosozialen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.5. Internet
Das Internet bietet mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten der Beratung. Nahezu zu allen Themengebieten finden sich Internetseiten mit unterschiedlichen Formen von Beratungsangeboten. Dabei reicht die Palette von einfachen Informationsseiten über Diskussionsforen, Möglichkeit zum E-Mail-Kontakt bis hin zum direkten Chat. Die Angebote sind dabei mehr oder weniger seriös. Es gibt Angebote von bekannten Institutionen (Pro Familia), aber auch von Einzelpersonen, die manchmal ihre Kompetenz durch entsprechende Zertifikate belegen, die sie zur Ansicht auf ihren Internetseiten haben, in anderen Fällen wird eine Kompetenz vorgegeben, die aber leider nicht belegt ist.
Größere Organisationen bieten ihre Dienste oft kostenlos an, Privatpersonen verlangen meist eine leistungsabhängige Gebühr, die per Bankeinzug, Vorkasse oder über einen Online-Finanzdienst (z.B. Click&Buy) geleistet werden muss. Gerade E-Mail und Chat sind Angebote, bei denen der Ratsuchende Einzelfallhilfe erhalten und doch anonym bleiben kann, indem er mit einem fiktiven Namen auftritt. Diese Angebote bieten auch die Möglichkeit zu einer längerfristigen Beratungsbeziehung. So kann der Kontakt durchaus mehrere Male wiederholt werden und es kann an vorangegangene E-Mails oder Chat-Sitzungen angeknüpft werden. Bei E-Mails hängt es natürlich sehr vom Angebot ab, wie schnell und umfassend diese beantwortet werden. Bei Chats kann es unter Umständen lange dauern, bis man einen Termin mit einem Ansprechpartner für ein Einzelgespräch bekommt, oft müssen entsprechende Sitzungen im Vorfeld ausgemacht (und gegebenenfalls bezahlt) werden, die Sitzungsdauer ist meistens begrenzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Problematik dar, dass professionelle Hilfe oft aus Schwellenangst gemieden wird, und führt in das Konzept der Beratung als Medienangebot ein.
2. Beratung: Definiert Beratung im psychosozialen Bereich, erläutert die Ursachen für Beratungsbedarf, die Ziele und theoretische Ansätze.
3. Beratungsformen: Bietet einen Überblick über verschiedene Medien als Beratungskanäle, von traditionellen Beratungsstellen bis hin zu Radio, Fernsehen und Internet.
4. Wichtige Unterschiede zwischen face-to-face-Beratungssituationen und entsprechenden Medienangeboten: Diskutiert die Kontrastpunkte hinsichtlich Anonymität, Erreichbarkeit, Kontaktqualität und Kompetenz der Berater.
5. Bisher vorliegende Ergebnisse zur Akzeptanz von Beratung als Medienangebot: Fasst bestehende Untersuchungen zu Ratgeberkolumnen, BRAVO, Internetberatung und Telefonseelsorge zusammen.
6. Begründung der Fragestellung: Leitet aus dem hohen Beratungsbedarf und der Überlastung traditioneller Stellen die Forschungsfrage zur Akzeptanz medialer Angebote ab.
7. Empirischer Teil: Detaillierte Darstellung der Hypothesen, der Methodik (Fragebogen) und der Ergebnisse der eigenen Untersuchung.
8. Zusammenfassung und Interpretation der gesammelten Daten: Setzt die Ergebnisse in den Kontext und interpretiert die Präferenz der Befragten für traditionelle Beratungsstellen.
9. Kritische Betrachtung der Untersuchung: Reflektiert die methodischen Grenzen der eigenen Arbeit, insbesondere bezüglich der Stichprobenstruktur.
10. Fazit: Resümiert die Bedeutung medialer Beratung als wertvolle Ergänzung zum bestehenden Beratungssystem.
11. Literatur: Verzeichnis der zitierten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Beratung, Medienberatung, Psychosoziale Beratung, Internetberatung, Telefonseelsorge, Erziehungsberatung, Akzeptanz, Hemmschwelle, Anonymität, Mediennutzung, Empirische Untersuchung, Beratungssendung, Beratungsstelle, Lebensbewältigung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die Akzeptanz von Beratungsangeboten, die über verschiedene Medien (Telefon, Internet, Radio, Fernsehen) stattfinden, als Ergänzung zum traditionellen Beratungswesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die psychosoziale Beratung, der Vergleich zwischen medialen und persönlichen Beratungsformen, die Mediennutzung und die empirische Messung der Einstellungen von Ratsuchenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die Bevölkerung mediale Beratungsangebote als echte Alternative oder zumindest als niedrigschwelligen Einstieg in den Beratungsprozess akzeptiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische Untersuchung mittels eines standardisierten Fragebogens durchgeführt, um Daten zur Bekanntheit, Nutzung und Einschätzung dieser Beratungsformen zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Beratung und Medienformen, eine Literaturübersicht über bisherige Erkenntnisse sowie die Auswertung des empirischen Teils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Psychosoziale Beratung, Medienberatung, Akzeptanz, Hemmschwelle, Anonymität und Erreichbarkeit.
Warum schneiden mediale Beratungsangebote in der Umfrage eher schlechter ab als traditionelle Stellen?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Befragten ein höheres Vertrauen in die Seriosität und Qualität von persönlichen Beratungsstellen haben, während mediale Angebote oft eher als oberflächlich oder unterhaltungsnah wahrgenommen werden.
Welche Rolle spielt die Medienkompetenz bei der Bewertung medialer Beratung?
Insbesondere bei älteren Altersgruppen gibt es eine Korrelation zwischen geringerer Internetnutzung und einer negativen Einschätzung des Internets als Beratungsmedium, was auf fehlende Erfahrung im Umgang mit diesem Medium hinweist.
- Quote paper
- Markus Hemminger (Author), 2003, Beratung als Medienangebot - Inhalte, Beurteilung, Akzeptanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33821