Ovids Metamorphosen 10, 1-77: Orpheus und Eurydike

Eine Übersetzungs- und Textanalyse


Hausarbeit, 2013
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ovid
1.2 Metamorphosen
1.3 Orpheus und Eurydike
1.4 Bezug zum Titelbild

2. Namenregister

3. Bearbeitung der Aufgaben
3.1 Aufgabe
3.2 Aufgabe
3.3 Aufgabe 3 Verse 1-
3.3.1 a) Hymenäus ist der Gott der Hochzeit. Stelle sein Erscheinungsbild mit allen Einzelheiten, die die Verse enthalten, dar!
3.3.2 b) Mit welchem Wort wird die Störung des normalen Bildes angekündigt und wie wird diese Störung weitergeführt?
3.4 Aufgabe
3.5 Aufgabe
3.6 Aufgabe
3.7 Aufgabe

4. Fazit / Eigene Meinung

5. Anhang
5.1 Arbeitsaufträge
5.2 Übersetzung
5.3 Übersetzung

6. Quellen

1. Einleitung

1.1 Ovid

Publius Ovidius Naso („Ovid“) wurde am 20.03.43 vor Christus in Sulmo (Mittelitalien) geboren. Er stammte aus einer angesehenen römischen Familie und studierte Rhetorik, da sein Vater ihn für eine politische Karriere und die Ämterlaufbahn vorsah. Er versuchte, diesen Wunsch umzusetzen, entschied sich dann aber Dichter zu werden. Ovid war zum Beispiel bekannt für seine Liebesdichtung. Werke wie „Amores“ (Liebesgedichte), „Heroides“ (einundzwanzig fiktive Briefe mythologischer Heldinnen) und die „Ars Amatoria“ („Lehrbuch für die Liebe“ mit Tipps und Ratschlägen) waren sehr beliebt. Des Weiteren schrieb er die „Metamorphosen“ (Verwandlungsgeschichten) und die „Fasti“ (römischer Festtagskalender). Durch seine Exildichtung konnte das römische Volk auch Werke nach seiner Verbannung lesen, zum Beispiel „Tristia“, in der er die Trauer über seine Verbannung zum Ausdruck bringt, und „Epistulae ex ponto“ (46 Gedichte). Ovids Werke waren hauptsächlich für die römische Oberschicht bestimmt, da sie verstanden werden mussten und man den Sinn „zwischen den Zeilen“ erkennen musste. Diese begeisterte er mit seinem Witz.Ovid wurde acht nach Christus von Kaiser Augustus nach Tomis (Rumänien) verbannt, durfte aber sein ganzes Vermögen dorthin mitnehmen (relegatio). Der offizielle Grund für die Verbannung war der Verstoß der „Ars Amatoria“ gegen ein von Augustus erlassenes Ehebruchgesetz. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass Ovid etwas sah, das einen Skandal um Augustus‘ Enkelin auslösen und ihn somit belasten würde. Er starb ca. 17 nach Christus.

1.2 Metamorphosen

Ovid begann zwischen 1 und 3 nach Christus, die Metamorphosen zu schreiben und brachte sie 8 nach Christus zu Ende. Das Werk besteht aus fünfzehn Büchern mit je 700 bis 900 Versen und ist in Hexametern verfasst. Es ist somit ein Epos (langes erzählendes Gedicht mit immer gleichem Versmaß) und beinhaltet zweihundertfünfzig Sagen. Inhalt der Metamorphosen sind Verwandlungsgeschichten, in denen ein Mensch oder ein niederer Gott in ein Tier, eine Pflanze oder ein Sternbild verwandelt wird. Außerdem erklärt Ovid die Entstehung der Welt unter der Verwendung von Begriffen der römischen und griechischen Mythologie (à mythische Äthiologie: Ursachenerklärung). Einige bekannte Geschichten sind „die lykischen Bauern“, „Narziss und Echo“ und „Orpheus und Eurydike“.

1.3 Orpheus und Eurydike

Die griechische Sage „Orpheus und Eurydike“ wird von Ovid in seinen „Metamorphosen“ erzählt. Sie steht am Anfang des Zehnten Buches (Verse 1-77). Die Hauptfiguren sind der thrakische Sänger Orpheus und seine frischvermählte Gattin Eurydike. Weil Eurydike an einem Schlangenbiss stirbt und Orpheus die Trauer nicht ertragen kann, beschließt er, in die Unterwelt hinabzusteigen und die Götter Hades und Persephone zu bitten, ihren Tod rückgängig zu machen. Diese überzeugt er mit seinem eindrucksvollen Gesang. Eurydike darf wieder zusammen mit Orpheus auf die Oberwelt, jedoch nur unter der Bedingung, dass sich Orpheus auf dem anstrengenden Weg dorthin nicht zu ihr umdreht. Das hält er aber nicht ein, denn die Sorge um sie ist zu groß. Eurydike stirbt ein zweites Mal, diesmal endgültig. Typische Merkmale einer Metamorphose, wie das Wirken eines Gottes, die Überwindung des „Normalen“ oder die Erhaltung/Kontinuität einer Eigenschaft sind auch in dieser Metamorphose vorhanden: Hades und Persephone (Götter) treffen die Entscheidung, haben die Macht und stellen die Bedingung; Orpheus schafft es in die Unterwelt hinabzusteigen, obwohl diese für noch lebende Menschen eigentlich unzugänglich ist; der Gesang des Orpheus und seine Liebe zu Eurydike bleiben die ganze Metamorphose über erhalten. Jedoch findet keine offensichtliche endgültige Verwandlung statt. Deshalb habe ich mich mit der Frage beschäftig, was eigentlich die Metamorphose bei dieser Sage ist (Antwort siehe Fazit). Die Hauptmotive in Orpheus und Eurydike sind Liebe, Trauer und Tod, wobei diese stark mit einander zusammenhängen. So resultiert Trauer beispielsweise aus dem gemeinsamen Auftreten von Liebe und Tod. Viele Musikstücke (zum Beispiel Opern) behandeln die Sage um Orpheus und Eurydike und auch in der Kunst, in der Literatur und im Film ist dieses Thema verbreitet.

1.4 Bezug zum Titelbild

Auf dem Holzschnitt „Orpheus, Eurydike, Hermes“ (1948) von Gerhard Marcks sind drei Figuren abgebildet: links steht Eurydike, rechts steht Orpheus und in der Mitte ist Hermes. Hermes ist der Mittler zwischen Menschen und Göttern, also auch zwischen Ober- und Unterwelt. Die Stellung seiner Füße zeigt die Wegrichtung an: aufwärts. Dieser Anstieg wird auch durch die nach oben führende Treppe dargestellt, wobei sich Orpheus (genau wie in Ovids Metamorphose) weiter vorne und somit auch weiter oben befindet als Eurydike. Der Hintergrund ist schwarz-weiß gestreift, wobei die schwarzen Streifen links dicker sind und somit dieser Teil des Bildes dunkler wirkt. Je mehr sich die Figuren also aus der Unterwelt entfernen und sich der Oberwelt nähern, desto dünner werden die schwarzen Streifen und desto heller wirkt der Hintergrund. Insgesamt ist jedoch eine düstere Atmosphäre geschaffen, was zu Ovids Vers 54 („obscurus, caligine densus“ – Ovid, Metamorphosen 10, 54) passt. Es ist meiner Meinung nach wahrscheinlich, dass der Holzschnitt die Stelle erzählt, nachdem sich Orpheus umdreht und Eurydike so für immer verliert (Vers 64). Das würde auch dazu passen, dass Orpheus wegen seiner Trauer schwarz dargestellt ist und Eurydike schwarz-weiß gestreift, da sie einerseits wegen ihres Todes traurig ist, aber auf der anderen Seite ihr Schicksal akzeptiert und (fast) keinen Grund findet sich zu beklagen (vgl. Vers 61). Eurydike, die links im Bild steht (also näher an der Unterwelt), neigt mit ihrem Oberkörper Richtung Unterwelt und zeigt damit, zu welcher Welt sie nun endgültig gehört. Hermes blickt zu ihr und weist ihr den Weg dorthin mit seiner rechten Hand, begleitet Orpheus aber weiterhin in die Oberwelt. Anders als in Ovids Metamorphose versucht diese nicht, (vergeblich) Orpheus‘ Arme zu ergreifen und auch Orpheus steht erstarrt da und konzentriert sich auf die Flöte, die er in den Händen hält, anstatt seine Arme nach Eurydike auszustrecken. Diese Erstarrung über den endgültigen Tod Eurydikes erwähnt auch Ovid („stupuit“, Vers 64). Während er Hermes gar nicht erwähnt, spielt dieser auf Marcks‘ Holzschnitt eine wichtige Rolle, da er die nun irreversible Trennung Orpheus‘ und Eurydikes zeigt. In dem Holzschnitt sind keine Bewegungen oder Klänge zu finden, obwohl Ovid diese genau beschreibt (vgl. Verse 58-59, 62).

2. Namenregister

(alphabetisch geordnet)

- Amor: Gott der Liebe, dessen Wille man sich nicht widersetzen kann
- (50) Belides: töteten fast alle ihre Verlobten, Strafe in der Unterwelt: müssen endlos Wasser in durchlöcherte Krüge füllen
- Cerberus/Kerberos: dreiköpfiger Höllenhund, bewacht Eingang zur Unterwelt, von Herkules besiegt
- Ceres: Göttin des Ackerbaus und der Feldfrüchte, Mutter der Proserpina
- Cicones: thrakisches Volk, lebten an der Küste
- Eumeniden/Erinyen: Rachegöttinnen, treiben zu Untat und Wahnsinn
- Eurydike: Gattin des Orpheus
- Hades: Totengott, Herrscher über die Unterwelt
- Haemus: Balkan, Gebirge in Thrakien
- Hymenäus: Gott der Hochzeit
- Ide: Gebirge bei Troia
- Ixion: Tischgenosse Jupiters, stellt Juno nach, Strafe in der Unterwelt: an ein sich ewig drehendes Rad geschmiedet
- Naiades: Quell-, Fluss- und Seenymphen
- Olenos: ist mit seiner Gattin Lethaea wegen ihres Stolzes auf ihre Schönheit in einen Stein im Idagebirge verwandelt
- Orpheus: Sohn von Apollo oder dem thrakischen König Oiagros und der Muse Calliope, berühmter Sänger, nach Verlust Eurydikes: führt in Thrakien Homosexualität ein
- Persephone /Proserpina: Tochter von Ceres und Jupiter, Göttin der Unterwelt, von Hades geliebt und geraubt
- Rhodopen: Gebirge in Thrakien
- Sisyphus: verachtete Götter, Strafe in der Unterwelt: muss immer einen Stein einen Berg hochrollen, der wieder hinunterrollt kurz bevor er den Gipfel erreicht
- Styx: Fluss in der Unterwelt, bei dem Götter schwören
- Taenaria porta /Taenarische Pforte: Eingang in die Unterwelt, Höhle an der Südspitze von Lakonien
- Tantalus: darf mit Göttern speisen, verrät, was er hört, legte Göttern den Leichnam seines zerstückelten Sohnes als Mahl vor (um ihre Allwissenheit zu prüfen), Strafe in der Unterwelt: ist durstig, obwohl er im Wasser steht, hungert unter einem Apfelbaum
- Tartarus: tiefster Teil der Unterwelt, von der Erde so weit entfernt wie der Himmel

3. Bearbeitung der Aufgaben

3.1 Aufgabe 1

Finde verschiedene Übersetzungen für diese Stelle! Untersuche und vergleiche sie!

Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, lateinische Wörter und Sätze zu übersetzen, gibt es auch mehrere Übersetzungen für die Sage „Orpheus und Eurydike“, die Teil der Metamorphosen Ovids ist. Für einen Vergleich habe ich zwei Übersetzungen ausgesucht, die möglichst verschieden sind und so fiel meine Wahl auf eine „professionelle“ und eher ältere (1996) Übersetzung (siehe Anhang, Übersetzung 1) des Artemis & Winkler Verlags, die auf den Seiten 359 bis 363 des Buches „Ovid Metamorphosen“ zu finden ist und auf eine neue (keine Jahresangabe möglich, vermutlich aber 2013) eher „unprofessionell wirkende“ Übersetzung aus dem Internet (siehe Anhang, Übersetzung 2). Bevor ich mit dem tatsächlichen Vergleich der beiden Übersetzungen anfing, stellte ich mir die Frage, inwieweit es möglich ist, einen Text (grammatikalisch) richtig, also auch ziemlich wörtlich, aber trotzdem leicht verständlich zu übersetzen. Außerdem suchte ich mir mehrere Aspekte zum Vergleich aus: Textgebundenheit (ist die Übersetzung eher wörtlich oder eher frei?), Verständlichkeit und Richtigkeit der Übersetzungen.

Als gesamte Übersetzung wirkt Übersetzung 1 im Vergleich zu Übersetzung 2 viel poetischer und „musischer“, da auch sie in (deutschen) Hexametern verfasst ist. Doch sie ist nicht nur formell näher am lateinischen Text, sondern auch was die Übersetzung einzelner Wörter betrifft. Durch die ältere Sprache und den schwierigeren Satzbau ist Übersetzung 1 auf Anhieb nicht so leicht verständlich wie Übersetzung 2[1]. Bei Übersetzung 1 entsprechen die Zeilen und das Versmaß genau Ovids Metamorphose, was die Arbeit mit dem lateinischen Text und der Übersetzung erleichtert, da man entsprechende Wörter schneller findet.

Um eine Übersetzung als „besser“ zu bewerten, ist es jedoch sinnvoll, beide vorher im Detail miteinander zu vergleichen. Übersetzung 1 sagt nie „Ober- oder Unterwelt“. Diese Begriffe werden immer umschrieben, wie zum Beispiel auf Seite 361, Vers 18: Die Unterwelt wird als „Welt, die unter der Erde gelegen“ (Ovid Metamorphosen, Tusculum, Artemis & Winkler Verlag Zürich/Düsseldorf, 1996, herausgegeben von Niklas Holzberg, in deutsche Hexameter übertragen von Erich Rösch à zukünftig: Ov. Met., Tusc., A. & W.) bezeichnet oder die Oberwelt, die als „Lichtwelt“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 359, V. 11) übersetzt wird. Die Übersetzung der Oberwelt finde ich ganz gut, da sie so den klaren Gegensatz zur Unterwelt bildet, deren Beschreibung eine düstere und dunkle Atmosphäre auslöst. Allerdings erkennt der Leser vielleicht nicht auf Anhieb, dass die Oberwelt gemeint ist, wenn er nicht weiß, um was es geht. Da auch im lateinischen Text die Bezeichnung der Unterwelt so umschrieben ist, wie in Übersetzung 1, weist das daraufhin, dass die Übersetzer auf eine wörtliche Übersetzung Wert legten. Übersetzung 2 schreibt für „gravior“ in Vers 8 „schwerer“ (romanum.de, Z. 5), während Übersetzung 1 dies mit „schlimmer“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S.359, V. 8) übersetzt, was im Deutschen besser klingt. In Übersetzung 1 wird „Amor“ (V. 26) mit „Liebe“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 361, V. 26) übersetzt, in Übersetzung 2 mit „Amor“ (romanum.de, Z. 19), womit der Gott der Liebe gemeint ist. Ich finde beide Übersetzungen sinnvoll, da die Übersetzung mit „Liebe“ (s.o.) die Macht der Liebe, welches das Hauptmotiv und die Basis der Sage ist, betont, während die Übersetzung mit „Amor“ (s.o.) die göttliche Macht betont, die für Orpheus‘ Bitte und die natürliche Ordnung wichtig ist. Für wahrscheinlicher halte ich es, dass Ovid hier den Gott meint, da in den folgenden Versen auch von der Gottheit die Rede ist. In Vers 31 singt Orpheus „Eurydices, oro, properata retexite fata!“. Übersetzung 1 übersetzt dies mit „Knüpft Eurydicen neu den zu früh zerrissenen Faden.“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 361, V. 31), während Übersetzung 2 „bitte ich darum, dass ihr Eurydikes Tod, der sie zu früh ereilt hat, rückgängig macht!“ (romanum.de, Z. 23) schreibt. Hier finde ich Übersetzung 2 besser, da diese freier ist und der Leser weiß, was gemeint ist, während er bei Übersetzung 1 überlegen muss, was die Metapher des „Fadens“, der hier den Lebens- oder Schicksalsfaden beschreibt, bedeutet. Orpheus spricht in Vers 39 die Götter direkt an. Übersetzung 1 schreibt als Abschluss seiner Rede „freut euch am Tod von Beiden“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 361, V. 39) und Übersetzung 2 „Freut euch über den Tod von uns beiden!“ (romanum.de, Z. 29/30), wobei ich Übersetzung 2 hier besser finde, da diese den Satz auf Orpheus und Eurydike bezieht, während Übersetzung 1 es unpersönlich übersetzt. Ein weiteres Bespiel, an dem man erkennt, dass freie Übersetzungen manchmal mehr Sinn machen als wörtliche, ist „legem“ in Vers 50. Die wörtliche Übersetzung wäre „Gesetz“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 361, V. 50), allerdings klingt „Bedingung“ (romanum.de, Z. 38) viel besser. Als sehr schwer zu übersetzende Stelle im lateinischen Text empfand ich Vers 37: „pro munere poscimus usum“. Was Ovid damit meint, ist klar: Orpheus will Eurydike nicht unsterblich machen und sie für immer behalten, sondern nur mehr Zeit mit ihr verbringen. „usum“ (V. 37) würde wörtlich übersetzt eigentlich „Benutzung“ heißen. Übersetzung 2 übersetzt es mit „Nutzungsrecht“ (romanum.de, Z. 28), wobei ich nicht finde, dass dies gut klingt. Übersetzung 1 umgeht das Substantiv, indem sie einen Satz mit Prädikaten daraus macht: „Nur leihen sollt ihr, nicht schenken.“ (Ov. Met., Tusc., A. & W., S. 361, V. 37). „Leihen“ bildet hier den Gegensatz zu „Schenken“. Diese Lösung halte ich für gut, da es auch mir schwerfällt eine geeignete Übersetzung für „usum“ (s.o.) zu finden. Die Verse 8 bis 10 würde ich anders übersetzen, als in Übersetzung 1 und 2: „Denn während die Neuvermählte über eine Wiese, begleitet von einer Schar Naiaden spaziert, stirbt sie, weil sie von einer Schlange (oder: vom Zahn einer Schlange) in den Knöchel gebissen wurde.“ Übersetzung 2 übersetzt hier falsch, da es eine Schar („ turba “, V. 9) Naiaden und nicht „eine“ (romanum.de, Z. 6) ist. „herbas“ (V. 8) heißt wörtlich Gräser und viel Gras ist eine Wiese. „vagatur“ (V. 9) entspricht im Deutschen „sie streift herum“. Hier könnte man die wörtliche Übersetzung auch stehen lassen, diese meint vom Sinn her jedoch „spazieren“ und das klingt schöner. Da sich die wörtliche Übersetzung von „recepto“ (recipere =empfangen, V. 10) hier nicht gut anhört, denke ich, ist es besser, den kompletten Satz frei zu übersetzen.

Alles in allem kann ich nicht sagen, welche Übersetzung ich besser finde. Um das zu beurteilen, muss man den Verwendungszweck mit einbeziehen. Denn Übersetzung 2 eignet sich besser, wenn es nur um den Inhalt geht und man die Sage einfach lesen und verstehen möchte. Diese Übersetzung ist freier und für den Leser so einfacher und verständlicher, im Großen und Ganzen trotzdem richtig. Wenn der Leser allerdings sowohl mit dem deutschen, als auch mit dem lateinischen Text arbeitet, sollte er Übersetzung 1 benutzen, da hier Zeilenangaben und Versmaß übereinstimmen, wodurch die Sprache jedoch schwieriger erscheint.

3.2 Aufgabe 2

Nimm eine Gliederung dieses Textes vor!

Da die Metamorphose „Orpheus und Eurydike“ Teil eines langen Epos ist und Ovid dem Text keine Einteilung in verschiedene Abschnitte zufügte, gibt es mehrere Möglichkeiten, die Sage zu gliedern. Im Folgenden habe ich zwei verschiedene Gliederungen zusammengestellt.

1. Gliederung:

Eine Möglichkeit ist es, den Text nach den Ortswechseln einzuteilen, was somit drei verschiedene Sinnabschnitte ergäbe. Der erste Abschnitt, der von Vers 1 bis Vers 14, wobei ich mich am lateinischen Text orientiere, geht, findet noch in der Oberwelt statt. Der Hochzeitsgott Hymenäus wird vorgestellt, der Tod Eurydikes und die daraus resultierende Trauer ihres Gatten Orpheus wird beschrieben, woraus folgt, dass dieser in die Unterwelt hinabsteigt, um sie zurückzuholen, da er es ohne Eurydike in der Oberwelt nicht aushält. Den ersten Teil des zweiten Abschnittes, welcher sich vom Vers 15 bis zum Vers 71 erstreckt, macht der Gesang des Orpheus aus. Dieser bittet die Götter der Unterwelt, Eurydikes Tod wieder rückgängig zu machen. Er überzeugt sie, bekommt aber die Bedingung gestellt, sich beim Aufstieg in die Oberwelt nicht zu seiner Gattin umzuwenden, was er nicht einhält und woraufhin Eurydike zum zweiten Mal stirbt. Nachdem er in der Unterwelt trauerte, steigt Orpheus wieder in Oberwelt hinauf und zieht sich im dritten und damit letzten Abschnitt, der die Verse 72 bis 77 umfasst, in die Rhodopen zurück.

2. Gliederung:

Eine weitere Möglichkeit wäre es, „Orpheus und Eurydike“ inhaltlich zu gliedern. Daraus ergeben sich für mich fünf Sinnabschnitte. Der erste Abschnitt, der von Vers 1 bis Vers 17 geht, dient als Einleitung, in der der Hochzeitsgott Hymenäus vorgestellt wird, welcher in seinem Erscheinungsbild schon ein schreckliches Geschehnis ankündigt. Dieses wird kurz zusammengefasst: Eurydike stirbt kurz nachdem sie Orpheus heiratete, indem sie von einer Schlange gebissen wird. Ihr Gatte erträgt ihren Tod nicht und steigt in die Unterwelt hinab, um die Götter zu überzeugen, sie zurück auf die Oberwelt zu lassen. Der zweite Abschnitt umfasst die Verse 17 bis 39 und ist der Gesang des Orpheus. Mit diesem will er das Verständnis und Mitgefühl der Götter der Unterwelt erlangen, die Eurydikes Tod rückgängig machen sollen. Als Folge auf seinen Gesang erfüllen die Götter seine Bitte im dritten Abschnitt, der von Vers 40 bis Vers 52 geht, stellen ihm aber eine Bedingung. Er darf sich auf dem Weg in die Oberwelt nicht zu Eurydike umdrehen. Weitere Reaktionen auf den Gesang des thrakischen Sängers sind Unterbrechungen der Arbeiten einiger mythologischer Figuren, die eigentlich unmöglich scheinen. Die Verse 53 bis 63 bilden den vorletzten Sinnabschnitt und beschreiben den Aufstieg aus der Unterwelt in die Oberwelt und den zweiten Tod Eurydikes. Orpheus schafft es nicht auf dem schweren Weg nach oben die gegebene Bedingung einzuhalten und dreht sich aus Sorge und Liebe zu seiner Gattin um. Diesmal ist Eurydikes Tod endgültig und Orpheus kann nicht verhindern, dass sie wieder in die Unterwelt zurücksinkt. Der fünfte und damit letzte Abschnitt, welcher die Verse 64 bis 77 umfasst, beschreibt die Trauer des Orpheus und sein Zurückkehren in die Oberwelt. Da er nicht nochmal in die Unterwelt zu den Göttern darf, zieht er sich, nachdem er dort sieben Tage, überwältigt von seiner Trauer, blieb, in die Rhodopen zurück.

[...]


[1] http://www.romanum.de/latein/uebersetzungen/ovid/metamorphosen/orpheus.xml, 09.11.13 à zukünftig: romanum.de

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Ovids Metamorphosen 10, 1-77: Orpheus und Eurydike
Untertitel
Eine Übersetzungs- und Textanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V338233
ISBN (eBook)
9783668279698
ISBN (Buch)
9783668279704
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Lehrers: "Alle Bereiche übertreffen die Anforderungen bei weitem." "sehr umfangreich, inhaltlich sehr gehaltvoll" "überschreitet das schulische Niveau deutlich" "inhaltliche Beobachtungen sind hervorragend und sehr eingehend" "Großes Lob und Kompliment."
Schlagworte
Ovid, Orpheus und Eurydike, Metamorphosen, Latein
Arbeit zitieren
Alisa Stütz (Autor), 2013, Ovids Metamorphosen 10, 1-77: Orpheus und Eurydike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338233

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