Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird literaturgestützt die Forschungsfrage beantwortet: Welche Bedeutung gewinnt die Thematik der sexuellen Vielfalt in der Fachschule für Sozialpädagogik und wie kann eine Thematisierung in Lehr - Lernarrangements gelingen?
Ziel und Schwerpunkt dieser Ausarbeitung ist es, die Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt aufzuzeigen und weiterführend Möglichkeiten für eine gelungene Einbettung und Bearbeitung im Unterrichtsgeschehen vorzustellen.
Homosexualität wird dabei exemplarisch, als eine Facette der sexuellen Vielfalt bearbeitet, wenngleich unter diesem Begriff verschiedenste Konzepte der sexuellen Selbstbestimmung gefasst werden, die es jederzeit mitzudenken gilt. Beispielhaft sind hierfür die Lebensformen der Trans*, Intersexualität zu nennen, die jedoch aufgrund der noch recht mangelhaften wissenschaftlichen Bearbeitung nicht intensiver in diese Ausarbeitung einfließen.
Schlussendlich werden Möglichkeiten und Formen der Thematisierung aufgeführt und im abschließenden Fazit die Kernthesen gebündelt aufgeführt, um eine Antwort auf die eingangs erwähnte Fragestellung zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Homosexualität - eine Begriffsannäherung
3. Die vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam (1967)
3.1 Die Entwicklungshomosexualität
3.2 Die Hemmungshomosexualität
3.3 Die Neigungshomosexualität oder auch genuine Homosexualität
3.4 Die Pseudohomosexualität
3.5 Kritik an den vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam
4. Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht
5. Der Umgang mit Homosexualität in der Fachschule für Sozialpädagogik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt innerhalb der Fachschule für Sozialpädagogik und erarbeitet Ansätze, wie eine solche Thematisierung in die pädagogische Ausbildung und Lehr-Lernarrangements integriert werden kann, um Diskriminierung entgegenzuwirken.
- Bedeutung der sexuellen Vielfalt in schulischen Kontexten
- Kritische Auseinandersetzung mit historisch gewachsenen Definitionen von Homosexualität
- Sexuelle Selbstbestimmung als grundlegendes Menschenrecht
- Rolle der Fachschule für Sozialpädagogik als Multiplikator in der pädagogischen Praxis
- Notwendigkeit einer reflektierten Auseinandersetzung mit heteronormativen Strukturen
Auszug aus dem Buch
3. Die vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam (1967)
Eine noch differenziertere Unterscheidung der jeweiligen Formen von Homosexualität wird bei Bräutigam (1967) vorgenommen. Er unterscheidet vier Formen der Homosexualität und begründet diese mit entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten (Entwicklungshomosexualität und Hemmungshomosexualität) sowie durch ökonomische Gründe bzw. Notsituation im Leben eines Menschen (Pseudohomosexualität) und trennt davon die vermeintlich echte Homosexualität, die er als Neigungshomosexualität betitelt. Diese vier Formen werden im Folgenden kurz näher betrachtet und erläutert.
3.1 Die Entwicklungshomosexualität
Die Entwicklungshomosexualität kann als Durchgangsphase bezeichnet werden und beschreibt gleichgeschlechtliche Handlungen, die von jungen Menschen im Laufe ihrer Entwicklung vereinzelt oder auch häufiger probiert werden. Dennoch entscheiden sich diese Menschen schlussendlich für eine heterosexuelle Lebensweise. Gemäß der Definition von Bräutigam entsteht die Entwicklungshomosexualität zudem situationsabhängig und basiert auf einem sexuellen Bedürfnis der Adoleszenz, welches aufgrund innerer und/oder äußerer Gründe nicht mit dem gegengeschlechtlichen Partnern ausgelebt werden kann.
3.2 Die Hemmungshomosexualität
Die bereits in der Entwicklungshomosexualität angesprochenen inneren Gründe können durch eine von Bräutigam definierte Hemmungshomosexualität begründet sein. Diese Form der Homosexualität entsteht sobald eine Hemmung gegenüber dem anderen Geschlecht auftritt und dementsprechend das sexuelle Bedürfnis in einer gleichgeschlechtlichen Sexualität ausgelebt wird. Bräutigam führt an, dass diese Form bei Minderbegabten sowie Dementen oder auch Schizophrenen anzutreffen sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der gesellschaftlichen Tabuisierung von sexueller Vielfalt an Schulen ein und definiert die zentrale Forschungsfrage zur Integration dieses Themas in die Ausbildung von Sozialpädagogen.
2. Homosexualität - eine Begriffsannäherung: Es erfolgt eine wissenschaftliche Aufarbeitung historischer Begriffsdefinitionen sowie eine kritische Betrachtung der medizinischen und psychologischen Klassifizierung von Homosexualität im Wandel der Zeit.
3. Die vier Formen der Homosexualität nach W. Bräutigam (1967): Das Kapitel erläutert die historisch bedeutsame Systematisierung nach Bräutigam und unterzieht diese einer kritischen Würdigung unter Berücksichtigung heutiger pluralistischer Gesellschaftsmodelle.
4. Sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht: Dieser Abschnitt verknüpft das Thema mit den universellen Menschenrechten und verdeutlicht die Notwendigkeit der sexuellen Selbstbestimmung für die Identitätsentwicklung Jugendlicher.
5. Der Umgang mit Homosexualität in der Fachschule für Sozialpädagogik: Hier wird der Fokus auf die Ausbildungssituation gelegt und die Notwendigkeit betont, angehende Erzieherinnen und Erzieher für Vielfalt und Diskriminierung zu sensibilisieren.
6. Fazit: Das Fazit bündelt die Kernergebnisse und appelliert an eine interdisziplinäre Thematisierung sexueller Vielfalt, um Diskriminierung abzubauen und die Autonomie von Menschen zu fördern.
Schlüsselwörter
Sexuelle Vielfalt, Homosexualität, Sozialpädagogik, Heteronormativität, sexuelle Selbstbestimmung, Identitätsfindung, Diskriminierung, Erziehung, Ausbildung, Coming-out, Menschenrechte, Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt und Homosexualität innerhalb der Ausbildung an Fachschulen für Sozialpädagogik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Begriffsannäherung an Homosexualität, die wissenschaftliche Kritik an starren Klassifizierungen, sexuelle Selbstbestimmung als Menschenrecht sowie die Rolle von Bildungseinrichtungen bei der Reflexion von Diskriminierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welche Bedeutung sexuelle Vielfalt in der Fachschule für Sozialpädagogik gewinnt und wie eine entsprechende Thematisierung in Lehr-Lernarrangements gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit ist als literaturgestützte Ausarbeitung konzipiert, die bestehende wissenschaftliche Theorien und aktuelle Studien analysiert und kritisch in den Kontext der pädagogischen Ausbildung stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten und historischen Erklärungsmodellen sowie einen praktischen Teil, der den Bildungsauftrag der Fachschule und die Relevanz für das professionelle Handeln von Fachkräften beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie sexuelle Vielfalt, Identitätsfindung, Heteronormativität, pädagogische Reflexion und Menschenrechte definiert.
Wie bewertet die Autorin die Systematisierung von Bräutigam?
Die Autorin betrachtet die vier Formen nach Bräutigam kritisch als überholt und defizitorientiert, da sie den Einfluss gesellschaftlicher Normen und Unterdrückungsmechanismen vernachlässigt.
Warum ist das Thema für die Fachschule für Sozialpädagogik so besonders wichtig?
Angehende Erzieherinnen und Erzieher nehmen eine Multiplikatorenrolle ein; eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sozialisation ist notwendig, um in der späteren Praxis kompetent auf sexuelle Vielfalt reagieren zu können.
- Citar trabajo
- Nicoline Rohweder (Autor), 2016, Die Bedeutung der Thematisierung von sexueller Vielfalt und Möglichkeiten des Umganges für die Fachschule Sozialpädagogik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338251