In Deutschland herrscht Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal. Dieser Fachkräftemangel zeigt sich insbesondere im Anästhesie- und Operationsdienst. Um ihm entgegenzuwirken, werden Rettungsassistenten zu „Pflegeassistenten für Funktionsbereiche“ weitergebildet und anschließend im Anästhesiefunktionsdienst eingesetzt. Diese Bachelorarbeit untersucht dieses neue Einsatzfeld und analysiert mit Hilfe der Fachliteratur und den gesetzlichen Rahmenbedingungen die Einsetzbarkeit von weitergebildeten Rettungsassistenten aus haftungsrechtlicher, organisatorischer und berufspolitischer Sicht.
Nach der Einleitung wird in Kapitel zwei zunächst die Methodik der Literaturrecherche erklärt. Im Anschluss daran widmet sich Kapitel drei dem Berufsbild des Rettungsassistenten. Das darauffolgende Kapitel stellt das Weiterbildungskonzept vor, das Rettungsassistenten zu „Pflegeassistenten für Funktionsbereiche“ weiterbildet. Hintergrund, Ziel, Umfang und Inhalt dieser speziellen Weiterbildung werden vorgestellt. Anschließend wird der Operationsbereich beleuchtet. Insbesondere der Anästhesiefunktionsdienst, in dem die Rettungsassistenten nach der Weiterbildung eingesetzt werden können, wird näher betrachtet.
Nach dieser Darstellung folgt die Analyse. In der ersten Analyse wird die Einsetzbarkeit von weitergebildeten Rettungsassistenten aus haftungsrechtlicher Sicht geprüft. In diesem Zuge werden haftungsrechtliche Voraussetzungen und Einschränkungen thematisiert. Die zweite Analyse rückt das neue Einsatzfeld aus organisatorischer Sicht ins Blickfeld. In diesem Analyseteil wird dargestellt, welcher organisatorischer Strukturen es bedarf, damit der Einsatz von weitergebildeten Rettungsassistenten gelingen kann. Die dritte Analyse ergründet das Einsatzfeld aus berufspolitischer Sicht. Es werden Stellungnahmen aus der Fachöffentlichkeit einbezogen und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Kapitel acht führt die vorangegangenen Analyseergebnisse zusammen. Im Anschluss daran werden die Ergebnisse diskutiert. Das zehnte Kapitel setzt ein Fazit. Das letzte Kapitel gewährt schlussendlich einen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1 Methodik der Literaturrecherche
1.1 Instrumente und Vorgehensweise
1.2 Forschungsstand der Thematik
1.3 Fazit der Literaturrecherche
2 Berufsbild des Rettungsassistenten
2.1 Ziel und Zugangsvoraussetzung der Ausbildung
2.2 Dauer und Umfang der Ausbildung
3 Weiterbildung der Rettungsassistenten zum „Pflegeassistenten für Funktionsbereiche“
3.1 Hintergrund
3.2 Weiterbildungsziel
3.3 Umfang und Inhalt der Weiterbildung
4 Der Operationsbereich
4.1 Aufbau- und Ablauforganisation im OP-Bereich
4.2 Patientenferne Tätigkeiten im Anästhesiefunktionsdienst
4.3 Patientennahe Tätigkeiten im Anästhesiefunktionsdienst
4.3.1 Tätigkeiten bei der Anästhesievorbereitung
4.3.2 Tätigkeiten bei der Anästhesieeinleitung
4.3.3 Tätigkeiten bei der Anästhesieführung und -ausleitung
4.3.4 Anforderungen an das Pflegepersonal im Anästhesiefunktionsdienst
5 Erste Analyse: Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten aus haftungsrechtlicher Sicht
5.1 Übertragung von pflegerischen Tätigkeiten
5.1.1 Notwendigkeit der Definition von einzelnen Elementen der Pflege
5.1.2 Möglichkeit der Übertragung von bestimmten pflegerischen Tätigkeiten
5.2 Haftungsrechtliche Folgen durch die Delegation
5.2.1 Erhöhtes Haftungsrisiko des Trägers
5.2.2 Haftung innerhalb des Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnisses
5.2.3 Erhöhtes Haftungsrisiko des Mitarbeiters
5.3 Ergebnis der Analyse
6 Zweite Analyse: Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten aus organisatorischer Sicht
6.1 Durchführung einer Prozessanalyse
6.2 Zuordnung von bestimmten Tätigkeitsfeldern
6.3 Schaffung von arbeitsorganisatorischen Rahmenbedingungen
6.3.1 Erstellung von arbeitsvertraglichen Vereinbarungen bzw. Nebenabreden
6.3.2 Erstellung einer Stellenbeschreibung
6.3.3 Erstellung von Dienst-, Verfahrens- und Arbeitsanweisungen
6.3.4 Erstellung eines Einarbeitungskonzeptes
6.4 Ergebnis der Analyse
7 Dritte Analyse: Das neue Einsatzfeld aus berufspolitischer Sicht
7.1 Die Weiterbildung von Rettungsassistenten: Keine nachhaltige Lösung
7.2 Der Einsatz von weitergebildeten Rettungsassistenten als falsches Signal
7.3 Konsequenzen für die Führungsebene
7.4 Ergebnisse der Analyse
8 Zusammenführung der vorangegangenen Analyseergebnisse
9 Diskussion
10 Fazit
11 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten, die als „Pflegeassistenten für Funktionsbereiche“ für den Anästhesiefunktionsdienst weitergebildet wurden. Ziel ist es, unter Einbeziehung von Fachliteratur und gesetzlichen Rahmenbedingungen zu klären, inwieweit ein solcher Einsatz aus haftungsrechtlicher, organisatorischer und berufspolitischer Perspektive tragfähig ist.
- Fachkräftemangel im Anästhesie- und Operationsdienst
- Haftungsrechtliche Analyse der Delegation pflegerischer Aufgaben
- Organisatorische Anforderungen und Prozessgestaltung im OP
- Berufspolitische Diskussion über neue Qualifizierungsmodelle
- Eignung von Rettungsassistenten für klinische Einsatzfelder
Auszug aus dem Buch
4.3 Patientennahe Tätigkeiten im Anästhesiefunktionsdienst
Am Anästhesiearbeitsplatz arbeitet der Anästhesist im Regelfall mit einer weiteren (Fach-)Pflegekraft zusammen (Grüning et al. 2006, S. 158). Dieses Verhältnis zwischen Arzt und nicht ärztlichem Mitarbeiter wird als vertikale Arbeitsteilung bezeichnet (Großkopf und Klein 2012, S. 219). Der Anästhesist hat dabei die Möglichkeit, Aufgaben an die Pflegefachkraft zu delegieren. Der Begriff der Delegation stammt aus dem juristischen Kontext und meint „(...) eine Übertragung von beruflichen Tätigkeiten von einer Berufsgruppe auf eine andere, wobei die Übertragung jeweils angeordnet wird.“ (BT-Drs. 16/6339 2007, S. 54) Das Potenzial der Übertragung von ärztlichen Tätigkeiten auf das nicht ärztliche Personal ist im Anästhesiebereich eingeschränkt, da die Delegation von Aufgaben nur erfolgen darf, soweit sie dem Arzt nicht vorbehalten sind (Laufs 2002, § 101 Rn 11).
Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) haben zur Orientierung im beruflichen Alltag eine gemeinsame Entschließung herausgebracht, die die Möglichkeiten der Delegation vor dem Hintergrund der Anästhesiephasen unterscheidet (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und Berufsverband Deutscher Anästhesisten 2011, S. 62).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Methodik der Literaturrecherche: Dieses Kapitel beschreibt die Vorgehensweise bei der Suche nach Fachliteratur in Datenbanken und Fachbibliotheken sowie den aktuellen Forschungsstand zur Thematik.
2 Berufsbild des Rettungsassistenten: Es erfolgt eine Darstellung der gesetzlichen Grundlagen und der Ausbildungsinhalte des Rettungsassistenten, um den Ausgangspunkt dieser Berufsgruppe zu definieren.
3 Weiterbildung der Rettungsassistenten zum „Pflegeassistenten für Funktionsbereiche“: Dieses Kapitel erläutert das spezifische Weiterbildungskonzept, inklusive dessen Hintergrund, Zielsetzungen, Umfang und inhaltlicher Ausgestaltung.
4 Der Operationsbereich: Die Abläufe im Anästhesiefunktionsdienst werden analysiert, wobei zwischen patientenfernen und patientennahen Tätigkeiten sowie den Anforderungen an das Personal differenziert wird.
5 Erste Analyse: Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten aus haftungsrechtlicher Sicht: Die rechtlichen Voraussetzungen für die Delegation pflegerischer Aufgaben und die sich daraus ergebenden Haftungsrisiken für Träger, Führungskräfte und Mitarbeiter werden geprüft.
6 Zweite Analyse: Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten aus organisatorischer Sicht: Hier werden notwendige Prozessanalysen und strukturelle Voraussetzungen wie Stellenbeschreibungen und Einarbeitungskonzepte zur Integration der neuen Mitarbeiter dargestellt.
7 Dritte Analyse: Das neue Einsatzfeld aus berufspolitischer Sicht: Dieses Kapitel beleuchtet kritische Stellungnahmen der Fachöffentlichkeit und diskutiert die Auswirkungen des Einsatzes von weitergebildeten Rettungsassistenten auf die Pflegeberufe.
8 Zusammenführung der vorangegangenen Analyseergebnisse: Die zentralen Anforderungen und Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz der Rettungsassistenten werden hier komprimiert zusammengefasst.
9 Diskussion: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Weiterbildungskonzept und der Frage, ob der Einsatz dieser neuen Berufsgruppe die beste Lösung für den Personalnotstand darstellt.
10 Fazit: Das abschließende Urteil betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen Planung und der interdisziplinären Zusammenarbeit bei der Einführung neuer Berufsbilder.
Schlüsselwörter
Rettungsassistent, Anästhesiefunktionsdienst, Fachkräftemangel, Pflegeassistenz, Delegation, Haftungsrecht, Organisationsanalyse, Berufsverband, Arbeitsteilung, Prozessoptimierung, Patientensicherheit, Weiterbildung, Anästhesie, Intensivpflege, Klinisches Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einsetzbarkeit von weitergebildeten Rettungsassistenten im Anästhesiefunktionsdienst, um dem Fachkräftemangel in Krankenhäusern entgegenzuwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf haftungsrechtliche, organisatorische und berufspolitische Aspekte, die bei der Integration dieser Berufsgruppe in den Klinikalltag eine Rolle spielen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob und inwieweit Rettungsassistenten nach einer spezifischen Weiterbildung zum "Pflegeassistenten für Funktionsbereiche" rechtlich und organisatorisch sinnvoll in der Anästhesie eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine Literaturrecherche durch und wertet aktuelle Studien, rechtliche Gutachten sowie Stellungnahmen von Fachverbänden und Gewerkschaften aus, um die Thematik objektiv zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Berufsbild, das Weiterbildungskonzept und die drei Analyseschwerpunkte (Recht, Organisation, Berufspolitik) detailliert vorgestellt und diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Rettungsassistent, Anästhesiefunktionsdienst, Fachkräftemangel, Delegation von Aufgaben und Haftungsrisiken.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "patientennahen" und "patientenfernen" Tätigkeiten so wichtig?
Diese Differenzierung ist entscheidend, da patientenferne Tätigkeiten (z.B. Logistik) leichter delegierbar sind, während patientennahe Aufgaben hohe medizinische Expertise erfordern und rechtlich stärker eingeschränkt sind.
Welche Bedeutung hat das "Leistungsverweigerungsrecht" für weitergebildete Rettungsassistenten?
Es schützt Mitarbeiter davor, Tätigkeiten auszuführen, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind, und verpflichtet sie bei Unsicherheit sogar zur Ablehnung der Aufgabe, um strafrechtliche Relevanz zu vermeiden.
Warum steht die Fachöffentlichkeit den Weiterbildungskonzepten kritisch gegenüber?
Kritiker sehen darin oft eine "Sackgasse" oder ein "falsches Signal", das anstelle einer nachhaltigen Aufwertung des Pflegeberufs nur eine kurzfristige, qualitativ unsichere Lösung für den Personalmangel bietet.
- Arbeit zitieren
- B.Sc. Christian Schneider (Autor:in), 2013, Die Einsetzbarkeit von Rettungsassistenten im Anästhesiefunktionsdienst. Die haftungsrechtliche, organisatorische und berufspolitische Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338536