Kroatiens Aufnahme in die Europäische Union. Eine Analyse der Beitrittsreife


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
36 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Grundlegende Aspekte der Erweiterung der Europäischen Union
2.1. Bisherige Erweiterungen und zukünftige Kandidaten
2.2. Rechtliche Bedingungen und „paternalistische Züge“ des Verfahrens

3. Fordern und Drängen- die Beziehungen zwischen der EU und Kroatien
3.1. EU im westlichen Balkan
3.2.Kroatiens Weg nach Europa
3.3. Diskussion in Kroatien und in der EU

4. Kroatien- bereit für Europa?

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem positiven Ausgang des Volksentscheids, in dem 66,25% der Kroaten für einen Beitritt zur Europäischen Union votierten, hat Kroatien eine weitere wichtige Hürde auf dem Weg zur EU genommen. Das Ergebnis des Entscheids wurde dabei in Kroatien mit gemischten Meinungen aufgenommen. Während die einen es „als Schande“ bezeichneten, jubelten andere und sprachen von einem „Wendepunkt in der Geschichte Kroatiens“1.

Der Beitritt eines Staates zur Europäischen Union ist immer wieder ein Ereignis, das mit vielen Gefahren und Chancen, Problemen und neuen Herausforderungen einhergeht. Eine große Anzahl an Akteuren verfolgt damit eine Reihe verschiedenster Interessen, die es im Zuge der Beitrittsverhandlungen untereinander auszutarieren gilt. Dabei steht auch in Frage, ob der Beitritt überhaupt geeignet ist, diese Ziele zu erreichen oder ob nicht eine andere Form der Zusammenarbeit zweckdienlicher erscheint. Insbesondere vor dem Hintergrund grassierender aktueller Probleme wie der Schuldenkrise machen sich viele Vorbehalte breit, die Anzahl der Mitglieder der EU weiter zu erhöhen. Dabei herrschen auch Ängste vor, dass den Kroaten der Zugang zu Union zu einfach gemacht worden sei und damit Probleme vorprogrammiert sein könnten- ähnlich wie mit der Aufnahme Griechenlands in die Wirtschafts- und Währungsunion. Damit einhergehend ist auch die Befürchtung der Menschen, Kroatiens Wirtschafts- und Finanzsystem sei veraltet, marode und nicht dazu gemacht, dem Wettbewerbsdruck in der Europäischen Union standzuhalten. Besonders die Meldungen über horrende Schuldenstände einzelner Mitgliedsstaaten nähren die Zweifel über den Sinngehalt der Erweiterung erheblich.

Auch von wissenschaftlicher Seite werden Zweifel angemeldet, geht es doch darum, die Institutionen der EU effizient zu gestalten. Mehr Mitglieder bedeuten aber wiederum mehr Meinungen, die im Zuge von Verhandlungen angeglichen werden müssen. Der Abschluss des Beitrittsverfahrens der Europäischen Union mit Kroatien stellt dabei keine Ausnahme dar und soll somit auch aufgrund der Aktualität den Mittelpunkt der folgenden Ausarbeitung bilden.

Dabei soll zunächst ein kurzer Abriss über den bisherigen Verlauf der europäischen Erweiterung erfolgen. Sodann soll eine breite Basis geschaffen werden, indem die juristischen Grundlagen sowie die Anforderungen des Beitrittsverfahrens näher beleuchtet werden.

Das theoretische Wissen gilt es dann speziell auf die Region Westbalkan und Kroatien zu beziehen, wobei kurz die Grundzüge der Westbalkanpolitik der EU erläutert werden sollen. Danach soll dann eine Abwägung stattfinden, inwiefern Kroatien bereit für die Aufnahme in die Europäische Union ist.

Hauptsächlich werden in der folgenden Ausarbeitung offizielle Dokumente der Kommission wie etwa Fortschrittsberichte und Erweiterungsstrategien zu Rate gezogen werden. Als Sekundärliteratur eignen sich insbesondere die folgenden Arbeiten: Lippert, Barbara: Erweiterung. In: Weidenfeld, Werner/ Wessels, Wolfgang (Hrsg.): Europa von A bis Z. Taschenbuch der Europäischen Integration. 11. Auflage. Bonn 2009. S. 134 - 143 und Richter, Solveig: Zielkonflikte der EU-Erweiterungspolitik? Kroatien und Makedonien zwischen Stabilität und Demokratie. Berlin 2009., um sich einen Überblick über das Thema zu verschaffen.

Die folgende Abhandlung berücksichtigt dabei den Forschungsstand aus den Jahren 2010 und 2011.

2. Grundlegende Aspekte der Erweiterung der Europäischen Union

2.1. Bisherige Erweiterungen und zukünftige Kandidaten

Die Europäische Union ist seit ihren Anfängen darauf gerichtet gewesen, eine gesamteuropäische Vereinigung darzustellen. Dies ist auch in der Präambel des Vertrages über die Europäische Union in Form von „der Überwindung der Teilung des europäischen Kontinents“ zu lesen. Im Verlauf der europäischen Einigung gab es bisher fünf Erweiterungsrunden, die allesamt unter verschiedenen Vorzeichen standen und aus der damaligen Gemeinschaft der sechs (Belgien, Deutschland, Italien, Frankreich, Luxemburg, Niederlande) eine Union der 27 formte. Dabei wuchs die Bevölkerung von damals 190 Millionen auf nun etwa 500 Millionen an.2

Die erste Norderweiterung, bei der Großbritannien, Irland und Dänemark beitraten, ging im Jahre 1973 vonstatten. Dabei war insbesondere der Beitritt der Briten von großen Diskussionen begleitet worden, in denen insbesondere Frankreich einen Verlust seines Einflusses fürchtete. Nachdem die gröbsten Schwierigkeiten beseitigt worden waren, trat Großbritannien im dritten Anlauf der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei.3

Darauf folgte die Süderweiterung mit Griechenland (1981) sowie Spanien und Portugal (1986), bei denen politische Aspekte im Vordergrund standen. Diese hatten den Zweck die ehemaligen Diktaturen und jungen Demokratien zu stabilisieren und ihnen dabei zu helfen, die Transformation vorantreiben zu können.

Die deutsche Wiedervereinigung stellt keinen Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur EU dar, vielmehr ging es hier darum, dass der Geltungsbereich des damaligen EG-Vertrages aus Art. 299 I EGV erweitert wurde.4

Hauptsächlich wirtschaftlicher Natur war hingegen die Erweiterung um die EFTA- Staaten Österreich, Schweden und Finnland im Jahre 1995. Der recht späte Beitritt dieser vormals neutralen Staaten lag in der Rücksichtnahme gegenüber der Sowjetunion begründet. Nachdem Zerfall der Sowjetunion bestanden diese jedoch nicht mehr und der Beitritt konnte erfolgen. Der Beitritt dieser drei Staaten konnte einen großen Beitrag zur Konsolidierung der EU leisten- sind diese heute doch sogenannte Nettozahler in der EU.5 Auch Norwegen wollte der Europäischen Union wie auch bereits schon 1972 beitreten, eine Mehrheit der Bevölkerung votierte in Referenden jedoch dagegen.6

Mit der Osterweiterung aus dem Jahre 2004 stießen mit Polen, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Zypern und Malta die bisher größte Anzahl an Staaten zur Europäischen Union hinzu. Dabei hatte der Europäische Rat von Kopenhagen 1993 erstmals die Beitrittsperspektive der mittel- und osteuropäischen Staaten bekräftigt, die vorher noch als unverbindlich galt.7 Die Beitrittsverhandlungen ab Mitte der neunziger Jahre zwischen diesen Staaten und der EU waren dabei über mehrere Jahre hinweg von großen Schwierigkeiten geprägt, ging es doch darum jahrelange Versäumnisse in Sektoren wie Verwaltung, Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Wirtschaft zu beseitigen. Die EU versuchte, diesen Herausforderungen mittels sogenannter Heranführungsstrategien und Assoziierungsabkommen (1991 - 1996) zu begegnen, durch die die Beitrittsvoraussetzungen in den Ländern verbessert werden sollten, sodass 1998/1999 die Verhandlungen aufgenommen werden konnten.8 Die bisher letzte Erweiterung 2007 umfasste die beiden südosteuropäischen Staaten Rumänien und Bulgarien, die 1995 Beitrittsanträge gestellt hatten. Die Verzögerung gegenüber den Staaten, die bereits 2004 beitraten, liegt in der großen relativen Rückständigkeit begründet. So war noch im Jahre 2010 etwa Rumäniens Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nur halb so groß wie der EU-Durchschnitt.9 Durch massive Hilfen im Rahmen der Heranführungsstrategie in Höhe von sieben Milliarden Euro für den Zeitraum von 1990 bis 2006 für Rumänien und in Höhe von etwa sechs Milliarden für den Zeitraum von 1994 bis 2006 für Bulgarien, konnte die Kommission in ihrem Fortschrittsbericht von 2006 die Erfüllung der Beitrittsvoraussetzungen feststellen und somit die letzten Hindernisse für einen Beitritt ausräumen.10

Kroatien wird am 1. Juli 2013 der EU als dann 28. Mitglied beitreten.

Derzeit besitzen die Türkei (seit 1999), die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (seit 2005) Island (seit 2010) und Montenegro (seit 2010) den Status eines offiziellen Beitrittskandidaten. Außerdem haben Albanien (2009) und Serbien (2009) einen Beitrittsantrag gestellt. Darüber hinaus gelten Bosnien-Herzegowina und der Kosovo als potenzielle Beitrittskandidaten.11

Insgesamt bleibt zu sagen, dass das Instrument der Erweiterung bzw. das Eröffnen einer Beitrittsmöglichkeit das außen- und sicherheitspolitische Instrument mit der größten Wirkungsmächtigkeit darstellt. Auch die Tatsache, dass weitere Staaten bestrebt sind, der EU beizutreten, bekräftigt dies.12

2.2. Rechtliche Bedingungen und „paternalistische Züge“ des Verfahrens

Nachdem nun ein kurzer historischer Abriss erfolgte, 13 soll das Beitrittsverfahren näher beleuchtet werden. Denn im Zuge der Vergrößerung der Union müssen die Staaten, die eine Mitgliedschaft anstreben, eine Reihe von Vorraussetzungen- nicht nur juristischer Natur- erfüllen, damit der Beitritt erfolgen kann.

Grundlage für den Beitritt zur Europäischen Union bildet Art. 49 EUV, in dem das Verfahren geregelt wird. Dabei wird eine Verbindung zu Art. 2 EUV hergestellt, der die gemeinsamen Werte der Mitgliedsstaaten, auf die sich die Union gründet, enthält. Gemäß Art. 49 EUV kann also jeder europäische Staat beitreten, was geografisch zu verstehen ist. Dabei gab es immer wieder Kontroversen, da etwa das Gros der Türkei auf dem asiatischen Kontinent liegt. Während den in europäischen Randgebieten gelegenen Inselstaaten Zypern, Malta und Island grundsätzlich eine Beitrittsfähigkeit zuerkannt wird bzw. wurde, wurde ein Mitgliedsantrag des nordafrikanischen Staates Marokkos aus dem Jahre 1897 wegen seines fehlenden geografischen Bezug zu Europa abgelehnt.14

1993 entwickelte der Europäische Rat von Kopenhagen die sogenannten Kopenhagener Kriterien15, die die Anforderungen an einen Beitrittskandidaten formulieren. Demnach müssen politische, wirtschaftliche und rechtliche Anforderungen erfüllt werden. Darüber hinaus soll auch berücksichtigt werden, ob die Union ihrerseits fähig ist, weitere Staaten aufzunehmen.

Damit die EU Verhandlungen mit einem Bewerber aufnimmt, gilt es zunächst, die politischen Kriterien erfüllt zu haben. Diese „politische Konditionalität“16 fordert ein aktives Zutun des Bewerberstaates ohne welches keine Aufnahme von Verhandlungen erfolgt. Da die Union sich als Wertegemeinschaft versteht ist es vonnöten, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eine gemeinsame Basis bilden, sodass der antragstellende Staat diese Vorraussetzungen erfüllen muss. Überprüfbar wird dies anhand der Einhaltung der Menschenrechte, der Achtung der Freiheit sowie dem Minderheitenschutz. Rechtsstaatlichkeit schlägt sich in Gewaltenteilung sowie einer unabhängigen Rechtssprechung nieder.17

Zweitens fordern die Kopenhagener Kriterien das Vorhandensein einer Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb. So soll gesichert werden, dass die Staaten dem Wettbewerbsdruck des europäischen Binnenmarktes standhalten. Dabei ist anzumerken, dass in der Praxis die wirtschaftlichen Kriterien großzügiger behandelt werden und den Staaten oftmals Übergangsfristen gewährt werden für die Erfüllung der Anforderungen. Der Beitritt zur Währungsunion ist hingegen nicht vorgeschrieben.18

Außerdem muss das jeweilige neue Mitglied in der Lage sein, die aus dem gemeinschaftlichen Besitzstand (acquis communautaire) erwachsenden Verpflichtungen übernehmen zu können. Zum Besitzstand gehören „der Inhalt, die Prinzipien und Ziele der Verträge“19 sowie sämtliches Sekundärrecht. Dies bedeutet letztendlich, dass das nationale Recht an das EU-Recht in einigen Bereichen angeglichen werden muss; was aber kein Gleichmachen bedeuten soll. Auch wenn Art. 49 EUV von „erforderlich werdenden Anpassungen der Verträge“ spricht, bedeutet dies nicht, dass der Besitzstand verhandelbar ist. Vielmehr geht es hier darum, die Institutionen den neuen Gegebenheiten anzupassen. Der gemeinschaftliche Besitzstand stellt die gemeinsame Identität der Union dar, die es zu wahren gilt. Wie auch beim ökonomischen Kriterium werden den Staaten hier Übergangsregelungen ermöglicht. Von besonders hohem Schwierigkeitsgrad stellt es sich in der Praxis oftmals dar, dass auch Verwaltung und Justiz des neuen Mitgliedes tauglich sein müssen, den Besitzstand einzuführen20, um die notwendige „Anwendung des Unionsrechts sicherzustellen“21.

Das vierte Kriterium beleuchtet die Seite der EU. Demnach muss die EU die Fähigkeit besitzen, „neue Mitglieder aufzunehmen, dabei jedoch, die Stoßkraft der europäischen Integration zu erhalten“22.

Zwar ist dieses Kriterium in den bisherigen Erweiterungen nicht weiter erwähnt worden, gerät aber in den Mittelpunkt in der Diskussion um den Beitritt der Türkei, da diese eine große Herausforderung hinsichtlich Kultur, Religion und eigener Identitätsbewahrung für die EU darstellte. Außerdem umschreiben Begriffe wie „Absorptionsfähigkeit“ die Frage nach der Handlungsfähigkeit der EU sowie Finanzierbarkeit der Erweiterung (z. B. Auswirkungen auf Agrar- und Strukturbeihilfen). Dieses Kriterium bleibt jedoch nicht unumstritten, bestehen doch Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern in der Frage, inwiefern diese Aufnahmefähigkeit mit konkret messbaren Charakteristika ausgestattet werden soll.23 Letztendlich bildet dieses Kriterium aber insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Integration eine nicht auszuklammernde Bedingung, um ein effizientes Unionshandeln sicherzustellen.

Sind alle diese Vorraussetzungen erfüllt, kann das eigentliche Beitrittsverfahren eröffnet werden. Dabei stellt Art. 49 EUV dies zwar als sehr überschaubar dar, was aber nicht der Fall ist. Vielmehr ist es ein anpassungsfähiges Verfahren, das sich an die verschiedenen Gegebenheiten adaptieren muss. Dies zeigt sich auch daran, dass es zwar seit der Norderweiterung nicht grundlegend geändert worden ist, aber im Verlauf der Osterweiterung notwendige Instrumente wie die Heranführungsstrategie eingebaut worden sind.24

Zunächst muss der jeweilige Staat, der der Europäischen Union beitreten will, einen Antrag an den Rat der Europäischen Union stellen. Dabei ist es möglich, diese einseitige Willenserklärung bis zum Abschluss der Verhandlungen (Hinterlegung der Ratifikationsurkunden) wieder zurückzuziehen, wie es Norwegen 1994 tat. Sodann nimmt die Kommission Stellung zu dem Antrag. Dabei geht sie umfänglich auf Chancen und Risiken, verschiedene Faktoren wie politische, wirtschaftliche und soziale Gegebenheiten ein und überprüft so die Beitrittsreife des Bewerberstaates.25 Aufgrund dieser umfangreichen Vorarbeiten, die eine wichtige Grundlage für die folgenden Verhandlungen bilden, ist es nicht verwunderlich, dass die Erarbeitung der Stellungnahme mitunter mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Beispielsweise lagen zwischen Antrag auf Aufnahme Zyperns und Stellungnahme der Kommission etwa drei Jahre.26

Mit den Lissaboner Verträgen ist neu eingeführt worden, dass gemäß Art. 49 EUV sowohl das Europäische Parlament als auch die nationalen Parlamente über Beitrittsanträge informiert werden müssen. Damit soll bezweckt werden, dass die Parlamente möglichst frühzeitig in Kenntnis gesetzt werden.27

Um die Verhandlungen zu beginnen, müssen nun noch das Europäische Parlament mit der absoluten Mehrheit seiner Mitglieder sowie der Rat einstimmig entscheiden, was impliziert, dass jedes Mitgliedsland mit einem Vetorecht ausgestattet ist. So dies geschehen ist, ändert sich der Status des Bewerbers von Antragsteller hin zu Kandidat. Hier ist klarzustellen, dass durch den Kandidatenstatus aber keine rechtliche Bindungswirkung für einen zwingenden Beitritt erfolgt.28

Wenn diese Vorraussetzungen aus der Einleitungsphase gegeben sind, wird in die Verhandlungsphase übergegangen. Hier besitzt der Rat eine entscheidende Rolle, denn er kann wie oben erwähnt durch Veto der einzelnen Mitglieder den Beitrittsprozess entscheidend blockieren. Außerdem findet ein Großteil der Verhandlungen durch den dem Rat zugeordneten Ausschuss Ständiger Vertreter statt.29 Eigentlich jedoch ist die Kommission das Schwergewicht, denn sie besitzt oftmals vielfältige Kontakte in die Bewerberländer und bestimmt die Verhandlungsstrategie der EU.30 Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass insbesondere der große Beamtenapparat der Kommission mit hohem Fachwissen aufwarten kann, das es gewinnbringend zu nutzen gilt.

Dies wird dadurch gewährleistet, dass in sogenannten Beitrittspartnerschaften die Rahmenbedingungen und Zielsetzungen für das jeweilige Bewerberland festgelegt werden, die in den Verhandlungen erreicht werden sollen. Ebenso sollen hier Finanzierungspläne erstellt werden.31 Insgesamt arbeiten Kommission und Rat in dieser Phase eng verzahnt zusammen.

[...]


1 EurActiv: Kroaten sagen "Ja" zum EU-Beitritt. Geringe Wahlbeteiligung, große Zustimmung. Online verfügbar unter: http://www.euractiv.de/erweiterung-und-nachbarn/artikel/kroaten-sagen-ja- zum-eu-beitritt-005888 (zuletzt abgerufen: 05.03.2012).

2 Vgl. Oppermann, Thomas / Classen, Claus Dieter / Nettesheim, Martin: Europarecht: Ein Studienbuch. 4., vollständig neu bearbeitete Auflage. München 2009. S. 751.

3 Vgl. Brunn, Gerhard: Die europäische Einigung von 1945 bis heute. Bonn 2006. S. 183ff.

4 Vgl. Oppermann / Classen / Nettesheim: Europarecht. München 2009. S. 751.

5 Vgl. Centrum für Europäische Politik: Deutschland als Nettozahler. Online verfügbar unter: http://www.cep.eu/eu-fakten/mitgliedstaaten-der-eu/deutschland-in-der-eu/d-und-eu-finanzen/d-als-nettozahler/ (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

6 Vgl. Oppermann / Classen / Nettesheim: Europarecht. München 2009. S. 753.

7 Vgl. Europäischer Rat: Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Kopenhagen 1993. S. 13f. Online verfügbar unter: http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/de/ec/72924.pdf (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

8 Vgl. Kreile, Martin: Die Erweiterungspolitik der Europäischen Union. In: Weidenfeld, Werner (Hrsg.): Die Europäische Union. Politisches System und Politikbereiche. Bonn 2008. S. 479f.

9 Vgl. europa.eu: Erste Schätzungen für 2010: BIP pro Kopf in den Mitgliedstaaten variierte zwischen 43% und 283% des EU27 Durchschnitts. Online verfügbar unter: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=STAT/11/91&format=HTML&aged=1&langua ge=DE&guiLanguage=en (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

10 Vgl. Europäische Kommission: Monitoring-Bericht über den Stand der Beitrittsverhandlungen Bulgariens und Rumäniens. KOM (2006) 549 endg., Brüssel 26.09.2012. S. 15.

11 Europäische Kommission: Erweiterung. Online verfügbar unter: http://ec.europa.eu/enlargement/index_de.htm (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

12 Vgl. Lippert, Barbara: Erweiterung. In: Weidenfeld, Werner / Wessels, Wolfgang (Hrsg.): Europa von A bis Z. Taschenbuch der Europäischen Integration. 11. Auflage. Bonn 2009. S. 134.

13 Ebd. S. 140.

14 Vgl. Oppermann / Classen / Nettesheim: Europarecht. München 2009. S. 746.

15 Vgl. Europäischer Rat: Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Kopenhagen 1993. S. 13f. Online verfügbar unter: http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/de/ec/72924.pdf (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

16 Wessels, Wolfgang: Das politische System der EU. Wiesbaden 2008. S. 447.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Oppermann / Classen / Nettesheim: Europarecht. München 2009. S. 747.

19 Hobe, Stephan: Europarecht. 5., neu bearbeitete Auflage. Köln 2010. S. 33.

20 Vgl. ebd. S. 33f.

21 Rötting, Michael: Das verfassungsrechtliche Beitrittsverfahren zur Europäischen Union. Und seine Auswirkungen am Beispiel der Gotovina-Affäre im kroatischen Beitrittsverfahren. Heidelberg 2009. S. 165.

22 Europäischer Rat: Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Kopenhagen 1993. S. 14. Online verfügbar unter: http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/de/ec/72924.pdf (zuletzt abgerufen: 27.02.2012).

23 Vgl. Lippert, Barbara: Die Erweiterungspolitik der Europäischen Union. In: Weidenfeld, Werner / Wessels, Wolfgang: Jahrbuch der europäischen Integration 2006. Baden-Baden 2007. S. 439.

24 Vgl. Lippert: Erweiterung. In: Weidenfeld / Wessels (Hrsg.): Europa von A bis Z. Bonn 2009. S. 137.

25 Slavia, Stefanu: Die Osterweiterung der Europäischen Union. Eine Analyse des EU-Beitritts Rumäniens. Frankfurt am Main 2008. S. 34.

26 Vgl. Wessels: Das politische System der EU. Wiesbaden 2008. S. 451.

27 Hobe: Europarecht. Köln 2010. S. 33f.

28 Ebd. S. 35.

29 Europäische Kommission: Verhandlungen. Online verfügbar unter: http://ec.europa.eu/enlargement/how-does-it-work/negotiations/index_de.htm (zuletzt abgerufen: 28.02.2012)

30 Vgl. Lippert: Erweiterung. In: Weidenfeld / Wessels (Hrsg.): Europa von A bis Z. Bonn 2009. S. 138.

31 Vgl. Europäische Kommission: Mitteilung der Kommission an den Rat und an das Europäische Parlament: Erweiterungsstrategie und wichtigste Herausforderungen 2007 - 2008. KOM (2007) 663 endg., Brüssel 06.11.2007. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Kroatiens Aufnahme in die Europäische Union. Eine Analyse der Beitrittsreife
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Das politische System der EU nach Lissabon
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V338654
ISBN (eBook)
9783668280175
ISBN (Buch)
9783668280182
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kroatien, EU-Beitritt, EU-Erweiterung, EU, Europäische Union, Kopenhagen-Kriterien, Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen, Balkan, Westbalkan, Vertrag von Lissabon
Arbeit zitieren
Phillip Böttcher (Autor), 2012, Kroatiens Aufnahme in die Europäische Union. Eine Analyse der Beitrittsreife, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338654

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kroatiens Aufnahme in die Europäische Union. Eine Analyse der Beitrittsreife


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden