Columbus. Die Entdeckung Amerikas und der erste Brief aus der neuen Welt


Essay, 2016
19 Seiten
Theresa Hoch (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2
2.1 Über die Beweggründe der Reise
2.2 Über die Hintergründe zu Columbus‘ erstem Brief aus der Neuen Welt

3
3.1 Über Columbus‘ Vorstellungen einer Neuen Welt
3.2 Über Columbus‘ Beschreibungen der Neuen Welt
3.3 Über Columbus‘ Menschenbild und den ersten Kontakt mit den amerikanischen Ureinwohnern

4. Zur historischen Bedeutung der Reise in die „Neue Welt“

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Primär:

Sekundär:

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Entdeckung Amerikas durch Columbus auseinander. Anhand von Columbus‘ erstem Brief aus der Neuen Welt soll vor allem der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Europäer das Entdecken dieser Neuen Welt wahrnahmen und erlebten, von welchen Vorurteilen sie ggf. geprägt waren, welche Ziele sie verfolgten und welche Folgen diese Entdeckungsreise möglicherweise für Europa oder für die Geschichte der gesamten Welt hatte und ob diese Folgen vielleicht sogar bis heute spürbar oder relevant sind.

Nachfolgend sollen zunächst die Beweggründe der Reise erläutert werden und in diesem Zusammenhang auch die Hintergründe zu Columbus‘ Schreiben, dem ersten Brief aus der Neuen Welt, aufgeklärt werden.

Die Arbeit nimmt Bezug auf die Vorstellungen und Vorurteile, mit denen die Europäer bzw. speziell Columbus seine Reise angetreten hat, wovon diese Vormeinungen geprägt waren und was er entsprechend erwartete in der Neuen Welt vorzufinden.

Es folgen Kapitel, die sich auf Columbus‘ tatsächliche Beschreibungen der Neuen Welt beziehen, wobei zum einen die Landschaft und zum anderen natürlich der Kontakt mit den amerikanischen Ureinwohnern geschildert und analysiert wird.

Genauso sollen Einblicke in die historische Bedeutung der Entdeckung Amerikas gegeben werden.

Die Arbeit endet mit einer zusammenfassenden, abschließenden Betrachtung.

2.

2.1 Über die Beweggründe der Reise

Die Beweggründe der Reise waren vor allem wirtschaftlicher Art. Die spanische Krone erhoffte sich einen Zuwachs an Reichtümern und Besitz. Es ging zudem darum, das Reich zu vergrößern, also Kolonien zu errichten.

Unter anderem heißt es so in Columbus‘ Brief: „Ich werde unseren unbesiegbarsten Königlichen Hoheiten auch bei geringer Unterstützung von deren Seite so viel Gold verschaffen, wie sie benötigen, außerdem so viele Gewürze, so viel Baumwolle, Mastix […] und Aloe-Holz, außerdem so viele heidnische Sklaven, wie ihre Majestäten zu verlangen gefallen […]“.[1]

2.2 Über die Hintergründe zu Columbus‘ erstem Brief aus der Neuen Welt

Columbus schrieb diesen Brief am 15.2.1493 an Luis de Santángel, den Schatzmeister des spanischen Königs. Columbus befand sich zu diesem Zeitpunkt auf See. Vier Monate vorher hatte er die Insel Guanahani entdeckt. Diese gehört heute zu den Bahamas und trägt den Namen Watlings Island.

Columbus berichtet in seinem Schreiben vom Erfolg seiner Entdeckung.

Der erste Brief aus der Neuen Welt gilt als das erste diesbezügliche Dokument, welches über diese Reise von Columbus erhalten ist. Er wurde im April 1493 bereits erstmalig in gedruckter Form veröffentlicht. Übersetzungen in verschiedene Sprachen verbreiteten das Dokument auch in den Jahren danach im mittleren und westlichen Teil Europas. Eine Unterbrechung der Aufmerksamkeit erfuhr das Schreiben durch Magellans Umsegelung der Welt in den Jahren 1519 bis 1522, die in dieser Zeit das größere Aufsehen erregte.

Im Zeitalter der Aufklärung wurde Columbus‘ Brief neu entdeckt und dies ist auch die Zeit, in welcher sich Columbus‘ Mythos bzgl. der Entdeckung Amerikas festigt. Bis heute gilt er als der offizielle Entdecker Amerikas, obwohl davon ausgegangen wird, dass bspw. die Wikinger um das Jahr 1000 den Kontinent bereits bereist hatten.[2]

3.

3.1 Über Columbus‘ Vorstellungen einer Neuen Welt

Columbus trat seine Reise eigentlich nicht in der Erwartung an, einen neuen Kontinent zu entdecken. Ursprünglich galt es die sog. indischen Inseln auf neue Weise zu erreichen. Die Brockhaus Enzyklopädie beschreibt sogar, dass Columbus bis zu seinem Tode annahm, die asiatische Ostküste sei der Zielort seiner Reise gewesen.[3] Bitterli erwähnt in diesem Zusammenhang den Florentiner Toscanelli. Dieser war zur Zeit Columbus‘ als Kosmograph tätig. In einem Brief sandte er Columbus eine Karte, welche fälschlicherweise eine kürzere Entfernung zwischen Europa und Ostasien angab, als dies in Wirklichkeit der Fall war. Nicht zuletzt aufgrund dieses Irrtums unternahm Columbus das Vorhaben, auf dem Seeweg nach Asien gelangen zu wollen.[4]

Interessant scheint auch zu erwähnen, dass Columbus‘ Vorstellungen dieser neu zu entdeckenden Welt sich an griechischen und römischen Mythen orientierten bzw. von der Existenz fremdartiger Wesen ausgingen. Gewecke beschreibt, dass diese Vorstellungen zum Großteil auf Schilderungen Herodots oder Gaius Julius Solinus‘ zurückzuführen sind. So musste Columbus davon ausgehen, auf Wesen zu treffen, die beispielsweise nur ein Auge oder ein Bein besitzen, übergroße Ohren oder keine Köpfe haben etc.[5]

In seinem Brief schreibt er später darüber: „Die Ungeheuer, welche die meisten erwartet hatten, fand ich hier jedenfalls nicht, sondern gutmütige und durchaus ehrfürchtige Menschen.“ [6]

Ebenfalls lässt sich der Menschenfresser-Mythos auf diese Zeit zurückführen. Columbus hörte von der Insel Carib. Deren Bewohner, welchen das Essen von Menschen nachgesagt wurde, wurden auch als Canibas bezeichnet, wovon später das Wort Kannibale abgeleitet wurde.

Außerdem schrieb Columbus über die Bewohner von Carib:

„Diese […] sind diejenigen, die mit bestimmten Frauen verkehren, welche ohne Männer auf der Insel Matinino wohnen […] Die Frauen dort gehen keiner der weiblichen Tätigkeiten nach, sondern benutzen Pfeil und Bogen […].“ [7]

Wallisch beschreibt, dass Columbus hier auf antike Vorstellungen von Amazonen zurückzugreifen scheint. Er bezieht sich demnach offenbar auf Literatur von bspw. Ptolemaios oder Strabo und legt deren Schilderungen seinen Beobachtungen zugrunde.[8]

Zudem weist Gewecke darauf hin, dass sich Bezugnahmen zu der Vorstellung des sog. goldenen Zeitalters finden lassen.

So erscheinen die entdeckten Orte oder Menschen offenbar als sorgenfrei und paradiesisch, was unter anderem daran festgemacht wird, dass die Menschen nackt sind oder keine Waffen besitzen.[9]

Todorov beschreibt, dass die Entdeckungen, die Columbus macht und beschreibt stark voreingenommen von seinen Erwartungen bzw. dem allgemeinen Wissensstand seiner Zeit sind. Die Schilderungen seiner Entdeckungen stützen sich bspw. auf antike Vorbilder und lassen so betrachtet keinen empirischen, (moderneren) Forschergeist erkennen.[10]

Und Mesenhöller merkt hierzu an:

„Nicht wie sie war, sondern wie sie sein sollte, bestimmte das europäische Bild von der „neuen“ Welt.“[11]

3.2 Über Columbus‘ Beschreibungen der Neuen Welt

Bei Mesenhöller[12] finden sich Hinweise darauf, dass Columbus‘ besonders die Landschaft der neuen Welt, die er erblickt, als sehr schön und paradiesisch beschreibt. Mesenhöller entdeckt hier archetypische Anklänge an Beschreibungen oder Vorstellungen eines Goldenen Zeitalters. Zudem lassen sich Verbindungen zu Vorstellungen eines biblischen Garten Eden erkennen, hier in irdischer Form.

Interessant ist, dass Columbus sich offenbar bewusst literarischer Stilmittel bedient hat. So lassen sich die Beschreibungen auf denso genannten „locus amoenus“ zurückführen. Der „locus amoenus“ ist ein traditionelles literarisches Stilmittel und dieses beschreibt einen lieblichen Ort. An diesem Ort werden üblicherweise alle menschlichen Sinne angesprochen, was seine besondere Wirkung erklärt.

Die folgende Passage aus Columbus‘ Brief mag den Einsatz und die Wirkung dessen verdeutlichen:

„Alle Inseln hier sind von großer Schönheit, zeigen die unterschiedlichsten Formen, sind durchaus wegsam und voll von Bäumen der verschiedensten Arten, die hoch bis zu den Sternen reichen. […] Es sang die Nachtigall und auch verschiedene andere Vögel ohne Zahl, und das im Monat November, als ich selbst zwischen den Bäumen wandelte.“ [13]

Deutlich werden hier auch Formulierungen sichtbar, die stark poetisch anmuten. Beispielsweise die Verwendung der Bezeichnungen „wandelte“ oder „hoch bis zu den Sternen“ wirken nicht mehr wie neutrale Landschaftsbeschreibungen, sondern eher wie einem Gedicht entnommen.

Gewecke weist darauf hin, dass neben diesen poetischen Formulierungen auch beispielsweise das Erwähnen der Nachtigall ein deutliches Zeichen für den Einsatz des „locus amoenus“ ist. Die Nachtigall war zu dieser Zeit in Amerika nicht bekannt und sogar in Europa noch keine besonders häufige Erscheinung. Columbus schreibt außerdem von immergrünen Bäumen, von frischem Trinkwasser oder von Wiesen, auf welchen man verweilen möchte. Alle diese Beschreibungen stellen einen deutlichen Hinweis auf die Verwendung des „locus amoenus“ dar – Beschreibungen eines lieblichen Ortes also, der den Menschen in all seinen Empfindungen und Sinnen anspricht.[14] Vermutlich hat Columbus diese Art der Darstellung ganz bewusst gewählt, um seiner eigenen Wahrnehmung deutlichen und nachvollziehbaren Ausdruck zu verleihen, um deutlich zu machen, dass das Erwartete aufgefunden wurde.

Dass für diese Darstellungen eine für die damalige Zeit gängige Methode gewählt wurde, hier also in Form des „locus amoenus“, kann auch wieder einen Hinweis darauf darstellen, dass Columbus‘ Erwartungen sowie die Erwartungen aller Menschen, die in Verbindung zu Columbus‘ Reise standen, von gewissen Vorurteilen fest geprägt waren. Es müsste vielleicht erstaunlich scheinen, dass bestehende Vorstellungen der eigenen Welt direkt auf die „Neue Welt“ zutreffen können, es sei denn, man beachtet wiederum den Aspekt, dass erwartet wurde, was erwartet werden sollte und wollte - und dass so gängige Vorstellungen auf die „Neue Welt“ übertragen wurden.

3.3 Über Columbus‘ Menschenbild und den ersten Kontakt mit den amerikanischen Ureinwohnern

Columbus beschreibt die amerikanischen Ureinwohner relativ simpel als eher ängstlich und friedlich und er erwähnt ihre Nacktheit. Außerdem betont er, dass sie keinerlei Waffen besitzen. Die Art der Formulierung, die sich zu dieser Aussage findet, scheint etwas Abwertendes in sich zu haben. Fraglich ist, ob diese Abwertung bewusst auf diese Weise geschieht oder ob sie eher Zeugnis der möglicherweise gar nicht selbst als wertend empfundenen Vorurteile der Entdecker gegenüber den Ureinwohnern gesehen werden kann. Bezeichnungen wie friedlich oder furchtsam scheinen keinen abwertenden Charakter zu beinhalten, jedoch scheint es, als ließe sich hier deutlich ein Überlegenheitsgefühl der Entdecker gegenüber den Ureinwohnern der Neuen Welt wahrnehmen. Es scheint als würden diese, bewusst oder unbewusst, mit Bedacht oder ohne, als in hohem Maße primitiv wahrgenommen werden und von dieser Wahrnehmung scheint nun auch die zugehörige Darstellung beeinflusst. Es scheint trotz aller Freundlichkeit und vermeintlichen Wohlgesonnenheit ein Mangel an Respekt gegenüber dem Fremden vorzuliegen, welches das eigene Überlegenheitsgefühl und die Egozentrik der Europäer zu untermauern scheint. Die amerikanischen Ureinwohner werden offenbar, trotz aller freundlichen Umschreibung, ganz und gar nicht als zivilisiert und somit offenbar auch nicht als gleich- sondern als minderwertig wahrgenommen. Allein die Aussage, die Columbus über die Tatsache äußert, dass die Ureinwohner keinerlei Waffen besitzen, lässt diese Vermutung stärker werden. Da er schildert, dass diese in all ihrer Ängstlichkeit und Einfachheit wohl auch gar nicht in der Lage wären, Waffen überhaupt zu benutzen.

[...]


[1] Wallisch, Robert: Vorwort, Kommentar und Nachwort (Christoph Kolumbus und die atlantischen Träume der Portugiesen). In: Kolumbus, Christoph: Der erste Brief aus der Neuen Welt. Hrsg. Wallisch, Robert. Stuttgart: Reclam, 2000, S. 33ff.

[2] Wallisch, S. 5-11.

[3] Art. „Kolumbus“. In: Brockhaus. Die Enzyklopädie. Leipzig/Mannheim 1996, Bd. 12, S. 210

[4] Bitterli, Urs: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt. München: Beck, 1999, S. 86f.

[5] Gewecke, Frauke: Wie die neue Welt in die alte kam. Stuttgart: Klett-Cotta, 1986, S. 63, 90.

[6] Wallisch, S. 31

[7] Wallisch, S. 33

[8] Wallisch, S. 63f.

[9] Wallisch, S. 19

[10] Vgl. Todorov, Tzvetan: Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1985, S. 24ff.

[11] Mesenhöller, Peter(Hrsg.): Mundus Novus. Amerika – oder die Entdeckung des Bekannten. Das Bild der Neuen Welt im Spiegel der Druckmedien vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Hrsg. im Auftr. Des Instituts für Zeitungsforschung und des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund. 1. Aufl.. Essen: Klartext, 1992, S. 9.

[12] Vgl. Mesenhöller, S. 9.

[13] Wallisch, S. 17ff.

[14] Gewecke, S. 67, 91.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Columbus. Die Entdeckung Amerikas und der erste Brief aus der neuen Welt
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V338803
ISBN (eBook)
9783668285316
ISBN (Buch)
9783668285323
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
columbus, entdeckung, amerikas, brief, welt
Arbeit zitieren
Theresa Hoch (Autor), 2016, Columbus. Die Entdeckung Amerikas und der erste Brief aus der neuen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338803

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