Kein Humboldt'sches Universitätsmodell im 19. Jahrhundert?


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Hinführung zum Thema:
Das Privileg „Bildung“
Der Wendepunkt?
Der Streitpunkt

Wesen der Universitäten laut Friedrich Carl von Savigny:
Den Lehrkörper
Die Regierung
Die Ideale
Die Vergessenen

Texte im Vergleich (Sylvia Paletschek & Friedrich Carl von Savigny):
Kein Humboldt’sches Modell???
Zeit des Wandels
Die Erziehung
Das Resumé

Literatur- und Quellenangaben:

Hinführung zum Thema:

Das Privileg „Bildung“

Die Bildung bestimmte seit sehr langer Zeit die Position des Individuums in der Gesellschaft. Seine Herkunft entschied über die tatsächliche Möglichkeit einer Schulbildung und falls ihm dieses Privileg zu Teil wurde, stand ihm der Weg zu einer vielversprechenden Karriere offen.

Allerdings bedingten sich die Faktoren „Bildung“ und „Stand“; Man nehme als Beispiel einen adeligen jungen Mann des Mittelalters. Ihm wurden das Recht, die Pflicht und das Privileg auf eine seinem Stand angemessene Bildung in die Wiege gelegt. Und diese Bildung versetzte ihn erst in die Lage seinen Pflichten und Aufgaben in gebürtiger Art und Weise nachzukommen.

Einem jungen Mann aus dem Volk hingegen wurde nie die Möglichkeit geboten sich in irgendeiner Weise für eine höhere Tätigkeit zu qualifizieren. Bei ihm bestanden weder das Recht noch die Pflicht und schon gar nicht das Privileg auf Bildung, da er auf Grund seiner Herkunft nur für die niederen Tätigkeiten vorgesehen war. Und selbst wenn ein Mitglied des Volkes die entsprechende Bildung genossen hätte, wäre ihm auf Grund der gesellschaftlichen und politischen Situation jegliche höhere berufliche Karriere verwehrt geblieben. Alles auf Grund seiner Herkunft und seines Standes.

Der Wendepunkt?

Wir feiern heute die Gründung der Berliner Friedrich-Wilhelms Universität 1810 als Wendepunkt in der Geschichte deutscher Universitäten. Erstmals wandte man sich vom feudalistischen System ab und verfolgte humanistische Ideen. Das Bemühen um mehr Humanität, eine Menschenwürde und freier Persönlichkeitsentfaltung entsprechende Gestaltung des Lebens und der Gesellschaft durch Bildung und Erziehung. Und vor allem anderen die Schaffung der dafür notwendigen Lebens- und Umweltbedingungen, damit dieser Schritt der Entwicklung überhaupt möglich zu sein vermag. Die Universität sollte ein Ort der Wissenschaft, Forschung und offen für Mitglieder aller Stände sein. Für diese Errungenschaft wurde der damalige preußische Bildungsminister Humboldt verantwortlich gemacht. Sein Grundgedanke war ein auf die Gesellschaft hin orientiertes Humanitätsideal.

Im Oktober 1810 wurde die Friedrich-Wilhelms Universität zu Berlin, die nach der neuen Bildungsreform strukturiert wurde, eröffnet. Das Humboldt’sche Universitätsmodell hatte Einlass in das Bildungssystem erfahren.

Der Streitpunkt

Kritiker mögen sich nun die Frage stellen ob die Realität damals wirklich so einfach aussah oder ob sich nicht ein viel komplexerer und nicht ortsbezogener Prozeß dahinter verbarg.

So stellte die an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unterrichtende Prof. Dr. Sylvia Paletschek in ihrem 2001 veröffentlichten Aufsatz „Verbreitete sich ein `Humboldt’sches Modell´ an den deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert?“, die These auf, dass es im 19. Jahrhundert kein Bewußtsein eines Humboldt’schen Universitätsmodells und einer Vorbildfunktion der Berliner Universitätsgründung gegeben habe.

Um diese These beurteilen zu können, vergleichen wir sie mit im Jahre 1832 veröffentlichten Artikel „Wesen und Werth der deutschen Universitäten“ von dem Zeitzeugen Friedrich Carl von Savigny. Der anerkannte Jurist und preußische Minister für Gesetzgebung unterrichtete auch an der Universität in Berlin.

Wesen der Universitäten laut Friedrich Carl von Savigny:

Den Lehrkörper

Durch immer wieder neu auftretende Reformdiskussionen über das Bildungssystems im 19. Jahrhundert fühlte sich Friedrich Carl von Savigny zu seiner Stellungnahme über Wesen und Werth der

Universitäten angeregt.

Für ihn stellte die Universität eine Bereicherung von Staat und Volk dar, die durch nichts zu ersetzen sei. Zu aller erst betont Savigny die besondere Stellung der Lehrkörpers. Dieser war bei seiner Einstellung bereits besonderen Kriterien unterworfen. Seine Lehrfähigkeit zählte im gleichen Maße, wie seine „sittliche Würde“, Haltung, Wissen und Talent. Savignys Definition eines guten Lehrers beinhaltet nicht nur die Anregung des Schülers zum selbstständigen Denken und die Verinnerlichung des Unterrichtsstoffes, sondern erwartet er auch, dass der Schüler zur Forschung angeregt wird. Wobei der Schüler hohe Anforderungen an sich selbst stellen sollte.

Des Weiteren ist ein gewisses rhetorisches Talent, Elan, Forschungsdrang und eine Tätigkeit als Schriftsteller, Künstler oder Wissenschaftler von Vorteil. Doch macht Savigny die Einschränkung, dass eine zu große Ablenkung durch jede Art von Nebentätigkeit die Funktion des Lehrkörpers in negativer Art und Weise beeinflussen zu vermag. Der Lehrer soll voll und ganz in seinem Beruf aufgehen und seine Schützlinge auch vor politischen Verfehlungen mit „angebrachter Strenge und liebevollen Ermahnungen“[1] zur Seite stehen.

Die Regierung

Die Regierung hat die Aufgabe den Fortbestand sowie die positive Entwicklung der Universitäten zu fördern und zu unterstützen und ihre Verwaltung zu übernehmen. Savigny kritisiert in diesem Zusammenhang indirekt die Vormachtstellung Preußens und die damit verbundene hohe finanzielle Unterstützung der norddeutschen/protestantischen Universitäten und ihrer Priviligierung, wie folgendem Zitat deutlich wird: „Achtung verdient die Vorliebe auch für jedes noch so spezielle Vaterland ; aber irrig und verderblich wird diese Vorliebe, wenn sie zum hochmütigen Verkennen irgend eines Teils der Nation ausartet, in welcher uns Gott hat geboren werden lassen.“[2]

Jedoch lobt Savigny die staatlich-„kontrollierte“ Einstellung von Lehrern, auf Grund der gut gewählten Kriterien, wie bereits im Punkt „ Die Lehrkörper“ beschrieben.

Des Weiteren ermutigt er auch kleinere, ärmere Staaten den Wert ihrer Universitäten nicht an den finanziellen Mitteln zu messen sondern am Geist der Wissenschaft.

Die Ideale

Die Tradition der Lehrfreiheit sieht Savigny schon im Mittelalter durch die zahlreichen unterrichtenden Gelehrten bestätigt die eigenständig ihre Forschungsergebnisse vermittelten. Im Gegensatz zu manchen ausländischen Universitäten ist es an deutschen Universitäten dem Studenten weitgehend freigestellt welche Vorlesungen und Seminare er besucht. Einen strikten Stundenplan betrachtet Savigny als Kontrast zu freier Forschung und Lehre und setzt damit eher auf eigenständige Lerngruppen, als auf erzwungene Reproduktion von Fakten. Die Einrichtung Universität sieht er als einer Bevölkerungsgruppe besonders vorbehalten: Es ist der „...ehrenwerthe Mittelstand, also Diejenigen, die einer höheren Anregung oft bedürftig, aber auch meist empfänglich sind, und deren geistige Leitung eben deshalb so wichtig und heilsam ist.“[3]

[...]


[1] Friedrich Carl von Savigny, Wesen und Werth der deutschen Universitäten, S. 302

[2] Friedrich Carl von Savigny, Wesen und Werth der deutschen Universitäten S. 291

[3] Friedrich Carl von Savigny, Wesen und Werth der deutschen Universitäten S.307

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kein Humboldt'sches Universitätsmodell im 19. Jahrhundert?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Idee der Universität
Note
3,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V338814
ISBN (eBook)
9783668284906
ISBN (Buch)
9783668284913
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kein, humboldt, universitätsmodell, jahrhundert
Arbeit zitieren
Niklas Bastian (Autor), 2004, Kein Humboldt'sches Universitätsmodell im 19. Jahrhundert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338814

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