Ziel dieser Arbeit war es herauszufinden, ob die von Kelley Starrett populär gemachten „Bandgeführten Bewegungen“, Vorteile gegenüber herkömmlichem Dynamischen Dehnen aufweisen. Dabei wurde die kurzfristige Verbesserung der Beweglichkeit betrachtet. Um die Beweglichkeit zu verbessern, werden in der Manuellen Therapie Techniken verwendet, die die Behandlung des gelenkumschließenden Kapselgewebes mit einbeziehen. Die Bandgeführten Bewegungen konzentrieren sich ebenfalls auf die Behandlung von Restriktionen in der Gelenkkapsel und nicht nur auf die Dehnung des Muskels. Somit sollen durch das voneinander Entfernen der Gelenkspartner während der Dehnbewegung noch größere Erfolge beim Beweglichkeitstraining möglich sein.
Einer Klumpenstichprobe von gesunden, schmerzfreien Crossfit-Sportlern (n=19) wurden die beiden Methoden „Bandgeführte Bewegungen“ und „Dynamisches Dehnen“ der rechten bzw. linken Körperhälfte zugelost und eine Übung zu der jeweiligen Methode durchgeführt. Vor und nach diesen Interventionen, welche eine Verbesserung der Hüftflexion und der Dorsalextension im oberen Sprunggelenk bewirken sollten, wurde die maximale Bewegungsreichweite mittels des „acitve-straight-leg-raise tests“ in der Hüfte und eines Ausfallschrittes im Sprunggelenk gemessen. Es konnte nachgewiesen werden, dass beide Methoden zu einer signifikanten Verbesserung der Beweglichkeit führten (p<0.01).
Verglich man die Erfolge beider Methoden, so konnte für die Übung zur Verbesserung der Hüftflexion kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Bei der Sprunggelenksübung konnten durch die Bandgeführten Bewegungen signifikant größere Erfolge verzeichnet werden als durch Dynamisches Dehnen, allerdings mit nur geringer Teststärke. Es wird vermutet, dass die komplexen Techniken aus der Therapie nicht durch ein einfaches Gummiband imitiert werden können – dieser Ansatz aber, vielversprechend ist und weiterverfolgt werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Problemstellung
2 Theoretische Hintergründe
2.1 Beweglichkeit
2.2 Dehnen
2.3 Dehnmethoden
2.4 Dynamisches Dehnen
2.5 Belastungskomponenten des Dynamischen Dehnens
2.6 Bandgeführte Bewegungen
2.7 Gelenkbehandlung in der Therapie
3 Experimenteller Teil
3.1 Untersuchungsdesign
3.2 Instrumente und Verwendung
3.3 Tests
3.3.1 Active-straight-leg-raise-Test (ASLR)
3.3.2 Test für die Dorsalextension im oberen Sprunggelenk (DE OSG)
3.4 Stichprobenkonstruktion
3.5 Versuchsablauf
3.6 Statistische Analysen
4 Ergebnisse
4.1 Verbesserung der maximalen Bewegungsreichweite
4.2 Unterschied Bandgeführte Bewegungen und Dynamisches Dehnen
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die von Kelley Starrett populär gemachten „Bandgeführten Bewegungen“ eine größere kurzfristige Verbesserung der Beweglichkeit bewirken als herkömmliches dynamisches Dehnen, indem sie zusätzlich gezielte Traktion auf die Gelenkkapsel ausüben.
- Vergleich der Effektivität von Bandgeführten Bewegungen versus dynamischem Dehnen
- Analyse der kurzfristigen Auswirkungen auf die Bewegungsreichweite (Hüftflexion und Dorsalextension)
- Grundlagen der Gelenkkapselmobilisation und Traktion in der Sportpraxis
- Durchführung einer quasi-experimentellen Feldstudie an einer Crossfit-Stichprobe
Auszug aus dem Buch
2.6 Bandgeführte Bewegungen
Um die Beweglichkeit zu verbessern, darf nach Starret (2014: ) nicht nur die verkürzte2 Muskulatur betrachten werden, sondern vor allem auch die Gelenkkapsel. Sie ist die bänderreiche Hülle, die ein Gelenk umfasst und das Gelenk stabilisiert und Überstreckungen verhindert. Auch diese Hülle kann verhärten und adaptiv verkürzen, wenn das Gelenk über längere Zeit eine Fehlstellung einnimmt und somit schlussendlich auch die Bewegungsreichweite in einem Gelenk einschränken. Nach den Ergebnissen von Johns und Wright (1962), beträgt der Anteil des Dehnungswiderstandes der Gelenkkapsel 47% und der der Muskulatur 41% (10% Sehnen und 2% Haut). Normale Dehnübungen berühren hauptsächlich die Muskulatur und weniger die Gelenkkapsel mit ihrem straffen kollagenem Bindegewebe und geringem Anteil an elastischen Fasern.
Als Vergleich beschreibt Starrett (2014: ) ein Gummiband mit einer dickeren und einer dünneren Seite, welches auseinandergezogen wird. Während am dickeren Ende kaum etwas geschieht dehnt sich das dünnere Ende immer mehr. Genauso verhalte es sich mit normalem Dehnen, wo die Gelenkkapsel das dicke Ende darstellt und kaum einen Dehnungsreiz erhält. Um sie zu beeinflussen, müsse die Abstandsfläche der Gelenkpartner vergrößert bzw. die Position der Gelenkpartner zueinander optimiert werden – eine Technik, die Physiotherapeuten seit langem anwenden. Mithilfe eines Widerstandsbands kann das jeder Sportler jedoch selbst machen. Er beschreibt beispielsweise diese Mobilisationstechnik zur Verbesserung der Hüftbeweglichkeit in Flexion folgendermaßen:
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Beweglichkeit und die Relevanz bandgeführter Bewegungen im Sportkontext.
1 Problemstellung: Formulierung der Forschungsfrage nach der kurzfristigen Effektivität von Bandgeführten Bewegungen gegenüber dynamischem Dehnen.
2 Theoretische Hintergründe: Theoretische Auseinandersetzung mit Beweglichkeit, Dehnmethoden, der Gelenkkapsel sowie der Physiotherapie-Theorie.
3 Experimenteller Teil: Beschreibung des Studiendesigns, der eingesetzten Testinstrumente (ASLR/DE OSG) und der methodischen Durchführung.
4 Ergebnisse: Statistische Auswertung und Vergleich der erzielten Beweglichkeitsgewinne durch beide Methoden.
5 Diskussion: Interpretation der Ergebnisse, Reflexion der methodischen Limitationen und Ausblick auf zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Beweglichkeit, Dynamisches Dehnen, Bandgeführte Bewegungen, Traktion, Gelenkkapsel, Hüftflexion, Dorsalextension, Sportwissenschaft, Physiotherapie, Mobility-work, Crossfit, Testgütekriterien, Kinovea, Bewegungsreichweite, Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, ob die im Crossfit-Bereich bekannt gewordenen „Bandgeführten Bewegungen“ effektiver sind als klassische dynamische Dehnmethoden, um kurzfristig die Beweglichkeit zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die biomechanischen Grundlagen der Beweglichkeit, die physiologische Wirkung von Dehnung auf Muskeln und Gelenkkapseln sowie der methodische Vergleich therapeutischer Traktionstechniken mit sportpraktischen Dehnübungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der kurzfristige Beweglichkeitszugewinn durch bandgeführte Bewegungen größer ausfällt als durch dynamisches Dehnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quasi-experimentelle Feldstudie durchgeführt, bei der 19 Sportler ihre Beweglichkeit mittels Videoanalyse (Kinovea) vor und nach verschiedenen Interventionen (Hüftflexion und Dorsalextension) testen ließen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Literaturrecherche zu Dehnmethoden und therapeutischer Gelenkbehandlung sowie die detaillierte Beschreibung und Auswertung eines kontrollierten Experiments.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bandgeführte Bewegungen, Dynamisches Dehnen, Gelenkkapsel, Hüftflexion, Dorsalextension, Beweglichkeit und Traktion.
Warum schneiden die Bandgeführten Bewegungen bei der Hüftflexion nicht signifikant besser ab?
Der Autor vermutet methodische Schwächen bei der Umsetzung der Traktionsbewegung, insbesondere durch die abweichende Körperposition im Vergleich zur professionellen Therapie und eine möglicherweise nicht optimale Zugstärke des Gummibandes.
Welches Ergebnis zeigte sich bei der Untersuchung des Sprunggelenks?
Bei der Verbesserung der Dorsalextension im oberen Sprunggelenk konnten durch bandgeführte Bewegungen statistisch signifikant größere Erfolge erzielt werden als durch dynamisches Dehnen.
- Arbeit zitieren
- Joel Cecilia-Menzel (Autor:in), 2015, Ist die kurzfristige Verbesserung der Beweglichkeit durch Bandgeführte Bewegungen größer als durch Dynamisches Dehnen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338851