In dieser Hausarbeit wird der Bezug des Werkes „Tod in Venedig” von Thomas Mann zur griechischen Mythologie verdeutlicht und der Umgang Manns mit seinen Quellen thematisiert, wobei auf wichtige Quellen verwiesen wird. Hervorzuheben ist „Nösselts Lehrbuch der griechischen und römischen Mythologie für höhere Töchterschulen und die Gebildeten des weiblichen Geschlechts“, da Mann dieses als Grundlage für die mythologische Beschreibung der Figuren nutzte.
Die 1911 verfasste Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann fand bereits nach ihrer Erscheinung große Beachtung, nicht zuletzt wegen des teils homoerotischen Inhalts. Trotz der bis heute anhaltenden konträren Meinungen zum Inhalt dieses Werks wird es weiterhin als Schullektüre eingesetzt und ist ein Beweis für Thomas Manns beeindruckende schriftstellerische Leistung. Bei Betrachtung des Werks fallen dem Leser im Laufe der fünf Kapitel, die sowohl tektonisch als auch inhaltlich an das Fünf-Akt-Schema Gustav Freytags erinnern, mehrere Figuren auf, die in ihrem Aussehen ähnliche Züge aufweisen und die die Handlungen der Hauptfigur Gustav Aschenbach auf eine gewisse Art zu lenken und seinen Verfall vorherzusagen scheinen. Gemeinsam ergeben diese Personen das Leitmotiv der Todesboten.
In der Literatur gibt es verschiedene Auffassungen darüber, wer zu der Gruppe der Todesboten gehört. Einig sind sich die Autoren jedoch, dass es sich bei dem Wanderer im ersten Kapitel, dem Greis und dem Gondoliere im dritten Kapitel und dem Straßensänger im fünften Kapitel um die Hauptfiguren der Todesboten handelt. In Kapitel III wird sich auf drei dieser Figuren bezogen. Dabei findet in den Unterkapiteln III. 1 bis 3 eine jeweilige Betrachtung des Wanderers, des Greises und des Gondolieres statt. Bei der Untersuchung der Todesboten wird überprüft, welche mythologischen Bezüge Mann durch seine Darstellung der Figuren herstellt.
Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die mythologischen Bezüge zu den Todesboten darzustellen und die Frage zu klären, ob Tadzio ebenfalls als solcher gedeutet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Quellen und Bezüge zur griechischen Mythologie
III. Die Todesboten
1. Der Wanderer
2. Der Greis
3. Der Gondoliere
IV. Tadzio – der Jüngling als Todesbote?
V. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mythologischen Bezüge der sogenannten Todesboten in Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig". Dabei wird analysiert, inwiefern diese Figuren durch ihre Darstellung mythische Grundmuster verkörpern, die den Verfall der Hauptfigur Gustav Aschenbach begleiten und einleiten, und ob der Jüngling Tadzio ebenfalls dieser Gruppe zugerechnet werden kann.
- Analyse des Leitmotivs der Todesboten
- Untersuchung mythologischer Verweise (Nösselt, Hermes, Dionysos, Thanatos)
- Vergleichende Analyse der Figuren Wanderer, Greis und Gondoliere
- Diskussion der Sonderrolle von Tadzio als möglicher Todesbote
Auszug aus dem Buch
1. Der Wanderer
Gleich zu Beginn der Novelle trifft Gustav Aschenbach auf seinen ersten Todesboten, den rätselhaften Wanderer auf dem Münchner Friedhof, „der die Reihe der aufeinander bezogenen Figuren eröffnet“33. Der Schriftsteller, der zur Entspannung von der fordernden Arbeit an einem neuen Werk einen Spaziergang durch seine Heimatstadt München unternommen hat, begibt sich aufgrund eines drohenden Gewitters auf den Weg nach Hause. An der Haltestelle gegenüber dem Friedhof stehend wartet er auf die Straßenbahn. Während er das „byzantinische Bauwerk der Aussegnungshalle“34 betrachtet, nimmt er einen Mann wahr, dessen plötzliches Auftreten Aschenbach irritiert und „dessen nicht ganz gewöhnliche Erscheinung seinen Gedanken eine völlig andere Richtung gab“35.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk "Der Tod in Venedig" ein, erläutert die Bedeutung der autobiographischen Bezüge sowie des Leitmotivs der Todesboten und legt den Fokus auf die Rezeption mythologischer Quellen, insbesondere Nösselts Lehrbuch.
II. Die Quellen und Bezüge zur griechischen Mythologie: Dieses Kapitel thematisiert Thomas Manns Umgang mit mythologischen Stoffen als "mythisierendes Erzählen" und beleuchtet die Rolle verschiedener antiker Quellen für das Verständnis der Novelle.
III. Die Todesboten: Hier werden die zentralen Todesboten – der Wanderer, der Greis und der Gondoliere – hinsichtlich ihrer mythologischen Attribute (Hermes, Dionysos, Thanatos) und ihrer Funktion im Text detailliert untersucht.
IV. Tadzio – der Jüngling als Todesbote?: Das Kapitel diskutiert, ob Tadzio aufgrund seiner Beschreibung und seiner Rolle in der Schlussszene ebenfalls als Todesbote gedeutet werden kann, und kommt zu dem Schluss, ihm eine Sonderrolle zuzuweisen.
V. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Untersuchungsergebnisse, bestätigt die Wirksamkeit der mythologischen Montage im Werk und hält an der Sonderrolle von Tadzio fest.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Tod in Venedig, Todesboten, Mythologie, griechische Mythologie, Friedrich Nösselt, Hermes psychopompos, Dionysos, Thanatos, Gustav Aschenbach, Tadzio, Leitmotiv, Literaturwissenschaft, Interpretation, Novelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die mythologische Symbolik der Figuren, die in Thomas Manns Novelle "Der Tod in Venedig" als sogenannte "Todesboten" auftreten und Aschenbachs Verfall einleiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die literarische Analyse von Leitmotiven, die Rezeption antiker Mythologie bei Thomas Mann und die psychologische sowie symbolische Deutung der Botenfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die mythologischen Bezüge der Todesboten darzustellen und zu klären, ob auch Tadzio als solcher interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Text der Novelle mit zeitgenössischen mythologischen Quellen (wie Nösselts Lehrbuch) und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei Hauptfiguren (Wanderer, Greis, Gondoliere) und die kritische Auseinandersetzung mit der Sonderrolle von Tadzio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Thomas Mann, Todesboten, Mythologie, Hermes psychopompos, Dionysos, Thanatos und Leitmotivanalyse.
Inwiefern beeinflusst Nösselts Lehrbuch die Interpretation?
Nösselts "Lehrbuch der griechischen und römischen Mythologie" dient als zentrale Grundlage für die mythologische Beschreibung der Figuren, da Thomas Mann es als Quelle für seine Darstellungen nutzte.
Warum wird Tadzio als Sonderfall betrachtet?
Im Gegensatz zu den anderen Todesboten, die rätselhafte und kurzzeitige Erscheinungen sind, begleitet Tadzio Aschenbach über einen längeren Zeitraum und entwickelt sich vom Kunstwerk zum mythischen Seelenführer.
- Citation du texte
- Katharina Kremer (Auteur), 2016, Mythologische Bezüge der Todesboten in "Tod in Venedig" von Thomas Mann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338863