Kennzeichen der Jugendsprache und ihr Wirkungsbereich in der heutigen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Medien

Jugendsprache here, Jugendsprache there, Jugendsprache everywhere?


Hausarbeit, 2015

33 Seiten, Note: 1,0

Anna Baer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugendsprache generell
2.1. Definition von „Jugend“
2.2. Kennzeichen der Jugendsprache

3. Jugendsprache in den Medien
3.1. Fernsehen
3.2. Werbung
3.3. Filme – Fack ju Göhte
3.4. Zeitschrift BRAVO

4. Popularisierung von Jugendwörtern
4.1. Jugendwort des Jahres
4.1.1. Jugendwörter der vergangenen Jahre
4.1.2. Jugendwort des Jahres 2015
4.1.3. Untersuchung zu dem Bekanntheitsgrad der gekürten Wörter
4.2. Jugendwörter im DUDEN

5. Jugendsprache in der Kritik
5.1. Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Generationen
5.2. Sprachverfall?

6. Zusammenfassung und Fazit

8. Anhang

1. Einleitung

Läuft bei mir !“ nuschelte ich in mich herein, als ich gerade bei meinen Großeltern ein Sudoku-Rätsel löste. Meine Großmutter, die leider nicht mehr gut hört, goss die Blumen und antwortete mir besorgt: „ Oh nein! Wo läuft es denn?“. Als ich meiner Oma erklärte, dass es nicht bei ihr, sondern bei mir läuft, schaltete sich mein Opa ein und informierte sie, dass es sich um einen Ausdruck der Jugend handle, den man mit „ Du hast es drauf “ übersetzen könne. Mein Opa scheint es auch drauf zu haben, wenn es um jugendsprachliche Wendungen geht.

Doch nicht nur dieser interessiert sich für die auffälligen Sprachgewohnheiten der heutigen Jugend, auch das öffentliche Interesse ist groß.Diese zu beschreiben, gestaltet sich jedoch schwierig. Es scheint einfach: Jugendsprache ist die Sprache der Jugend. Doch alleine, wenn man den Begriff Jugend definieren soll, kommt man ins Wanken. Eine Definition von Jugend werde ich in Kapitel 2.1. geben und auf dieser Basis versuchen, Kennzeichen der Sprache derJugend zu bestimmen (2.2.).Obwohl es sich bei der Jugendsprache um ein internationales Phänomen handelt[1], wird im Rahmen dieser Hausarbeit nur der Blick auf Deutschland leistbar sein.

Viele Werke, die sich mit Jugendsprache auseinandersetzen, wollen das Informationsbedürfnis der Gesellschaft befriedigen und sie unterhalten. Der wissenschaftliche Anspruch tritt dabei leider in den Hintergrund[2]. Diese Entwicklung wird auch von den Medien unterstützt, die unter anderem auch „an dem Mythos der Jugendsprache gestrickt“[3] haben. Inwieweit die Medien Einfluss auf die Jugendsprache haben, soll im dritten Kapitel diskutiert werden. Näher beschäftigen möchte ich mich in diesem Kapitel vor allem mit dem Fernsehen (3.1.), der Werbung (3.2.), einem Film (3.3.)und einer bekannten Jugendzeitschrift, der BRAVO (3.4.). Es soll gezeigt werden, in welchen Bereichen Jugendsprache auftaucht und diskutiert werden, ob diese Jugendsprache reine Fiktion ist oder die sprachliche Realität gut abbildet.

Der Langenscheidt-Verlag kürt seit 2008 jedes Jahr ein Wort zu dem Jugendwort des Jahres. Durch diese Abstimmung wusste mein Großvater auch gut über „ Läuft bei dir “ Bescheid, welches 2014 den ersten Platz belegte. In dem vierten Kapitel soll es um das Voting für das Jugendwort gehen und auch ältere „Gewinner-Wörter“ in den Blick genommen werden. Bildet diese Umfrage des Langenscheidt-Verlages die sprachliche Realität besser ab, als andere (pseudowissenschaftliche) Untersuchungen zum Thema Jugendsprache? Außerdem möchte ich mich in dem Kapitel im Hinblick auf die Popularisierung von Jugendwörtern kurz mit dem DUDEN beschäftigen, der auch jugendsprachliche Ausdrücke aufnimmt (4.2.).

Wenn es um das Thema Jugendsprache geht, ist in diesem Zusammenhang oft die Rede von Sprachverfall. Die deutsche Sprach- und Wortentwicklung würde durch die Jugendszene geprägt, welches nicht immer Begeisterung unter den Hütern der deutschen Sprache hervorruft, da Jugendsprache die Allgemeinsprache negativ beeinflussen würde. In dem fünften Kapitelwerde ich mich mit Kritik an der Jugendsprache beschäftigen und außerdem diskutieren, ob es durch Jugendsprache zu Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den verschiedenen Generationen kommen kann. Das Werk von Heike Wiese soll in diesem Kontext der Kritik Argumente gegen den Sprachverfall, der angeblich durch Jugendsprache unterstützt wird, liefern.

2. Jugendsprache generell

Bevor ich mich den Bereichen widme, in denen Jugendsprache eine Rolle spielt, möchte ich zuvor zwei Begriffe definieren: „Jugend“ und „Jugendsprache“.

2.1. Definition von „Jugend“

Die Jugend wird als eine Phase gesehen, die zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter liegt, in der man bestimmte Entwicklungsaufgaben zu erfüllen hat. In dieser gewinnt der Mensch die Basis für selbstständiges Handeln, man entwickelt seinen eigenen Lebensstil und die soziale Identität bildet sich aus[4].

Dieses kann zum Beispiel innerhalb von Peer-Groups geschehen: eine Gruppe von Gleich- oder Ähnlichaltrigen, die gemeinsame Werte und Normen teilen[5].

Aus- und Abgrenzung sind eine Folge der Gruppenbildung.Ausgrenzung kann durch Nichtakzeptanzgesellschaftlicher Konventionengeschehen (unter anderem der Standardsprache)[6]. Man erhofft sich dadurch Aufmerksamkeit und Anerkennung[7]. Abgrenzen möchte man sich von der Erwachsenenwelt und anderen Peer-Groups.

Die Gruppenidentität in der Peer-Group wird beispielsweise durch gemeinsame Sprechweisen, Musik und Kleidung aufgebaut[8].

Oft wird das Ende der Jugend mit dem Eintritt in das Berufsleben gleichgesetzt[9]. Obwohl Jugendliche heutzutage später in das Berufsleben eintreten, spricht Schlobinski davon, dass Jugendliche heute schneller erwachsen werden, „da sie an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben, die zuvor Erwachsenendomänen waren“[10]. Es wird deutlich, dass die Meinungen über die Phase der Jugend auseinander gehen.

Jugendlichkeit ist zu einem hohen kulturellen Wert in unserer heutigen Gesellschaft geworden. Erwachsene sind heutzutage viel jugendlicher in ihren Verhaltensweisen und Einstellungen[11]. Die Generationendifferenz scheint sich zunehmend zu verringern, da Jugendlichkeit eine hohe Prestigefunktion hat. In diesem Kontext spricht man auch von „foreveryoung“[12].

2.2. Kennzeichen der Jugendsprache

Die Jugendsprache entsteht in der Lebensphase der Jugend und endet mit dem Eintritt in das Berufsleben, indem eine „Anpassung ‚ihrer Sprache‘ an die geforderten gesellschaftlichen Normen der Kommunikation“[13] vollzogen wird.Es handelt sich also um ein temporäres Phänomen.

Ob Jugendsprache „linguistisch als eine Varietät, als sprachliche Register oder als subkulturelle Sprachstile zu bestimmen“[14] ist, wurde durch die Forschung noch nicht endgültig aufgeschlüsselt. Klar ist aber, dass es sich um keine neue Sprache handelt, da sich Jugendsprache auf den Bestand der deutschen Sprache stützt[15].

Jugendsprache wird nach Schlobinski als eine „Sprache der Intimität“[16] beschrieben, da man sie nur innerhalb des engsten Freundeskreises benutzt. Innerhalb dieser Freundeskreise möchte man, wie bereits erwähnt, durch bestimmte Sprechweisen, die Gruppenidentität aufbauen und sich von anderen abgrenzen.

Da die Jugend, aufgrund unterschiedlicher Gruppen, nicht homogen ist, gibt es auch nicht DIE eine Jugendsprache[17]. Angesichts der Heterogenität von Jugendsprachen, die sich beispielsweise durch differierende Sprachstile und Wortschätze auszeichnet, können die Kennzeichen von Jugendsprachen nicht homogenisiert erfasst werden[18].

Ein weiteres Problem stellt die Flüchtigkeit von Jugendsprache dar, da viele Ausdrücke schnell ihren Reiz verlieren und sich vor allem die Lexik schnell wandelt[19].

Auch die Erfassung von Jugendsprachen gestaltet sich schwierig, da es sich um ein „mündlich konstituiertes […] Medium“[20] handelt. Die oft verwendeten Fragebogenstudien, die nach der Bekanntheit von Wörtern fragen, erhalten am Ende Aussagen zu dem Sprachwissen von Jugendlichen, nicht aber zu deren Sprachgebrauch[21].

Teilnehmenden Beobachtungen, in denen der Forscher in der Jugendgruppe selbst anwesend ist oder die Sprachhandlungen durch Tonbandgeräte aufgenommen werden, eigenen sich besser, da sich die Sprechweisen der Jugendlichen im Hinblick auf den situativen, sozialen und gesellschaftlichen Kontext unterscheiden[22]. Auch das Alter, die soziale Klasse, das Geschlecht, der Bildungsgrad, die lokale Herkunft und psychische und physische Stimmungen, haben Einfluss auf den Gebrauch von Jugendsprache. So benutzen beispielsweise die jüngeren Jugendlichen eher das Wort cool, wobei das Wort chillen eher bei den älteren Jugendlichen beliebt ist[23]. Die sexuelle Sprechweise ist unter männlichen Jugendlichen weiter verbreitet. Die weiblichen Jugendlichen benutzen sexistische Sprechformen eher nur dann, wenn sie auf Äußerungen dieser Art antworten (müssen)[24].

Trotz der nicht vorhandenen Homogenität von Jugendsprache und dem Wissen von einer kontextabhängigen und durch verschiedene Faktoren beeinflussbaren Jugendsprache, soll versucht werden, Kennzeichen von Jugendsprache zu bestimmen, obwohl diese im Hinblick auf die Häufigkeitsverteilung in den unterschiedlichen Jugendsprachen differieren.

Jugendsprache wird durch ihre Kreativität, Spontanität und Direktheit gekennzeichnet. Kreativ in dem Sinne, dass man mit Themen, die teils tabuisiert sind, sprachlichen Regeln und Konventionen experimentiert. Es wird mit sprachlichen Stilen, Mustern, Bildern und Symbolen gespielt[25]. Spontan im Hinblick auf die Anpassungsfähigkeit der Jugendlichen. Sie können schnell auf den Sprachbeitrag eines anderen Mitgliedes reagieren. Oft kommt es zu dem sogenannten kompetitiven Sprechen, da man sich durch Sprache überbieten und somit Aufmerksamkeit bekommen möchte[26]. Jugendliche nehmen, bildlich gesprochen, kein Blatt vor den Mund. Sie sagen ihrem jugendlichen Gegenüber teils sehr direkt, was sie gerade denken. Obszönitäten, Vulgarismen, Kraft- und Gewaltausdrücke wie Spasti, Hirni, Schizo, Wichser, Stecher, Scheiße, verarschen sind keine Seltenheit[27]. Manche Schimpfwörter sind jedoch als harmlos einzustufen. Obwohl es für Außenstehende scheint, als würden Jugendliche beleidigen, handelt es sich nur um harmlose Schimpfwörter, die beispielsweise dazu dienen, jemanden scherzhaft zu provozieren und Humor zu vermitteln[28].

Einige dieser Merkmale kann man aber auch für die Sprache der Erwachsenen ausmachen, da man die Sprache der Jugendlichen von der Sprache der Erwachsenen schwer abgrenzen kann. Sie gehen ineinander über und besitzen gemeinsame Merkmale, auch wenn diese unterschiedlich stark ausgeprägt sind[29]. Schlobinski teilt der Sprache der Erwachsenden folgende Adjektive zu: umständlicher, gewählter, nicht direkt und der Jugendsprache: direkt, hart, witziger, ungezwungener[30].

Je mehr gemeinsam geteiltes Wissen innerhalb einer Peer-Group vorhanden ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass jugendsprachliche Merkmale in der Kommunikation auftreten[31]. Somit wird beispielsweise ein assoziatives Sprechen ermöglicht. Ein Stichwort innerhalb des Dialoges reicht oft aus, um sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern und durch diese assoziativen Verknüpfungen, die Themen schnell zu wechseln[32]. Dadurch kann das, in jugendlichen Gesprächen häufig verwendete,Bricolage-Prinzip möglich gemacht werden. Man kann gemeinsames Wissen über verschiedene kulturelle und mediale Bereiche aus ihrem ursprünglichen Kontext herauslösen und in seinen Dialog einbauen[33]. Dieses funktioniert mit kulturellen Mustern, wie Zitaten aus Filmen, Comics oder Songs, welche entweder mimetisch zitiert oder verfremdet dargestellt werden können. Durch die mimetische Zitation kann man sich beispielsweise mit Aussagen identifizieren. Durch Verfremdung von Zitaten wird eine Distanzierung ermöglicht und Aussagen lächerlich gemacht[34].

Jugendliche kreieren selbst Wörter, mit denen sie die Ziele ihrer Sprachhandlungen erreichen können. Dieses geschieht durch Komposition, indem man bekannte Wörter aneinanderreiht und somit neue Wörter schafft. Ein Beispiel hierfür ist die Komposition Paukeralarm aus „Pauker“ und „Alarm“[35]. Auch durch Derivation wird die Kreation von neuen Wörtern ermöglicht. Ein Präfix, welches von Jugendlichen benutzt wird, ist „ab-“: Jugendliche tanzen nicht mehr - abtanzen ist der neuste Hit. Die jugendliche Prägung chillen wird durch das Präfix zu abchillen. Die Bedeutung dahinter bleibt die gleiche, doch durch das Präfix „ab-“ wird die Aussage verstärkt. Präfixe wie „ultra-„ und „ober-„ erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit und können neue Wörter bilden[36]. Auch englische Verben können mit Affixen verbunden werden: reinmoven und abpowern sind jugendsprachliche Prägungen. Die verbreitete Meinung, dass Jugendliche gehäuft Fremdwörter benutzen stimmt nicht, da diese „nicht in dem Umfang in dem Sprachrepertoire der Heranwachsenden vorkommen wie zuvor angenommen"[37]. Anglizismen, die aus der Musik, Mode, Freizeit und verschiedenen Fachbereichen, unter anderem durch Globalisierung, übernommen werden, stehen bei jugendsprachlichen Ausdrücken nicht an erster Stelle[38].

Im Hinblick auf die Syntax fallen ökonomische Einsparungen auf. Sätze werden durch Verbellipsen „ Echt übel das Teil![39] oder Reduktionen von anderen, nicht informationstragenden Satzgliedern verkürzt: „ Interessiert nicht “.

Auch Wortverkürzungen sind ein Kennzeichen von Jugendsprache. Ein Beispiel bildet die verkürzte Akkusativ-Form des Indefinitartikels „einen“. In dem Satz „ Ich schenke dir einen Hund.“ wird der Indefinitartikel zu „nen“ verkürzt: „ Ich schenke dir nen Hund “.

Jugendliche übertreiben ihre Aussagen gerne und stellen nicht alles immer wahrheitsgemäß dar. Durch Abtönungspartikel wie: oder so, irgendwie, würd ich sagen, kann die eigene Aussage relativiert werden.

Lautwörter wie knacks oder peng, die aus den Comics Einzug in die Jugendsprache gefunden haben[40] und Wurzelwörter wie knirsch oder brüll sind in der Jugendsprache, anders als zuvor angenommen, nur marginal vertreten[41].

Weitere Kennzeichen sind die Rückversicherungspartikel oder ne, mit dem man die Bestätigung des Gesprächspartners einfordert oder die Partikel ey [42]. Diese wird in der Jugendsprache oft schon automatisch eingesetzt und kann Aussagen verstärken, Aufmerksamkeit des Gesprächspartners auf sich ziehen und Sachen kommentieren[43].

Bei Phraseologismen handelt es sich um mehrgliedrige Redewendungen, die in der Jugendsprache abgewandelt werden. Nachdem ein Freund von mir gestresst von der Arbeit wiederkam, wandelte der den Spruch „ Ich bin fit wie ein Turnschuh! “ zu „ Ich bin fit wie ein Faultier! “ um. Hier wird wieder die Kontextabhängigkeit der Jugendsprache deutlich, da die Abwandlungen von dem jeweiligen Gesprächsthema und hier speziell von der Gefühlslage der Gesprächsteilnehmer abhängen.

Schlobinski beruft sich auf eine Untersuchung Heinemanns[44], die 1989 durchgeführt wurde und folgende Kennzeichen nennt: Analogiebildungen (auf den Docht / den Keks gehen) und Neubedeutungen von Wörtern, die zur Polysemie führen können wie Asche. Dieses Wort wird einmal im Kontext von „Rückstand verbrannter Materie“ benutzt, kann aber auch für „Geld“ stehen. Die Beispiele, die Heinemann nennt, sind nicht mehr aktuell in der Jugendsprache, doch das Prinzip hinter diesen Schöpfungen ist auch heute noch zeitgemäß. Im folgenden Kapitel, in dem es um die Jugendsprache in den Medien geht, werde ich mich unter anderem mit einer speziellen, aktuellen Analogiebildung beschäftigen (3.3.).

3. Jugendsprache in den Medien

Selbst wenn man im Auto sitzt, singt im Radio ein gewisser Cro: „ Was soll ich nur sagen, irgendwas knockt mich aus. “ und sagt zu seiner Liebe des Lebens „ Bye bye, bye bye[45]. Überall wird man, wenn auch unwissend und nicht gewollt, mit Jugendsprache oder jugendsprachlichen Elementen konfrontiert. Die Medien spielen dabei eine wichtige Rolle.

Schlobinski spricht von einem „Einfluss der anglophonen Musikwelt“[46] auf die Jugendsprache. Doch wie im zweiten Kapitel erwähnt, wirken sich Anglizismen nicht so stark wie vermutet auf die Jugendsprache aus. Meiner Meinung nach ist gerade die nationale Musikwelt jene, die die Jugendsprache beeinflusst. So waren die gekürten Jugendwörter des Verlages Langenscheidt Swag (2011) und Babo (2013) Wörter aus deutschen Liedern, die Jugendliche aus den Medien übernommen und ihrem Wortschatz hinzugefügt haben.

Es scheint als gäbe es eine Wechselwirkung zwischen der sprachlichen Realität, der Jugendsprache und den Medien, die einerseits mit dieser Jugendsprache spielen, sie aber andererseits zwecks verkaufsfördernder Strategien um- oder neugestalten und diese medial-konstruierte Jugendsprache dann vermarkten[47].

3.1. Fernsehen

Volmert spricht von Leitbildern der Werbung und Personen aus dem Fernsehen, wessen Sprachhandlungen und sonstige Charaktereigenschaften in gruppeneigene Stile umgesetzt werden[48]. Andere Personen des öffentlichen Lebens setzen ihre Sprache oft bewusst ein, um aufzufallen. Eine junge deutsch-persische Komikerin, die unter anderem Auftritte bei TV-Total hatte, setzt die Jugendsprache in ihren Programmen ein und verschafft sich so ein herzhaft lachendes, begeistertes Publikum - EnissaAmani. In ihrem Programm, in dem sie über ihre „ Hater im Internet “ spricht[49], kommentiert sie ihren Erfolg mit „ Bei mir läuft! “ und den Erfolg von Helene Fischer mit „ Bei der läuft so richtig, lila Scheine und so “. Hier wird deutlich, dass sie sich jugendsprachlichen Strukturen bedient. Sie benutzt Abtönungspartikel, spricht bildlich (lila Scheine stehen für 500 Euro Scheine) und nutzt das Jugendwort des Jahres 2014. Dass Jugendliche Schimpfwörter benutzen, wurde in Kapitel zwei erläutert.Enissa kommentiert dieses so: „ Hurensohn ist einfach so ein Modeschimpfwort meiner Generation “. Obwohl Enissa schon 31 Jahre alt ist, wendet sie Jugendsprache an. Durch ihre Sprache will sie sich weder abgrenzen oder sprachlich identifizieren, sondern ihr Programm verkaufen. Sie nutzt Jugendsprache zu komischen humoristischen Zwecken. So greift sie einerseits auf die Sprache der Jugendlichen zurück, indem sie Wörter übernimmt, hyberbolisiert an manchen Stellen und erreicht mit dieser medial abgewandelten Jugendsprache die Begeisterung des Publikums. Jugendsprache wird aber auch in anderen Bereichen zur Vermarktung angewandt - wie beispielsweise in der Werbung.

[...]


[1] Vgl. Neuland, Eva: Jugendsprache. Eine Einführung. Tübingen 2008, S.42.

[2] Vgl. ebd., S.12.

[3] Schlobinski, Peter/Kohl, Gaby/Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen 1993, S.7.

[4] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.37.

[5] Vgl. ebd., S.41.

[6] Vgl. Neuland, Eva: Entwicklungen und Perspektiven der Jugendsprachforschung – Zur Einführung. In: Eva Neuland (Hrsg.): Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Frankfurt am Main 2003, S.13.

[7] Vgl. Niemann, Jessica: Jugendsprache. Nur eine sprachliche Variation oder der Auslöser für Kommunikationsschwierigkeiten in Intergenerationsgesprächen? Magisterarbeit. Bielefeld 2007, S.58.

[8] Vgl. Elsen, Hilke: Sonderlexik Jugend? In: Eva Neuland (Hrsg.): Jugendsprachen – Spiegel der Zeit. Frankfurt am Main 2003, S.273.

[9] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.3.

[10] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.38.

[11] Vgl. ebd.

[12] Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.9, 15.

[13] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.3.

[14] Neuland, Eva: Mehrsprachig – kontrastiv – interkulturell: Zur Heterogenität und Typizität von Jugendsprachen. Neuland, Eva (Hrsg.): Jugendsprachen: mehrsprachig – kontrastiv – interkulturell. Frankfurt am Main 2007, S.13.

[15] Vgl. Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.77.

[16] Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.175.

[17] Vgl. ebd., S.37.

[18] Vgl. Neuland, Eva (Hrsg.): Jugendsprachen: mehrsprachig – kontrastiv – interkulturell. Frankfurt am Main 2007, Vorwort.

[19] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.32.

[20] Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.56f.

[21] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.23.

[22] Vgl. ebd., S.38f.

[23] Vgl. Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.143

[24] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.210.

[25] Vgl. ebd., S.210.

[26] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.20f.

[27] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.23.

[28] Vgl. ebd., S.34.

[29] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.193.

[30] Vgl. ebd., S.62f.

[31] Vgl. ebd., S.211.

[32] Vgl. ebd., S.121.

[33] Vgl. Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.72.

[34] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.46ff.

[35] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.32.

[36] Vgl. Niemann: Jugendsprache, S.19.

[37] Ebd., S.68.

[38] Vgl. Neuland: Jugendsprache. Eine Einführung, S.133f.

[39] Niemann: Jugendsprache, S.48.

[40] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.29.

[41] Vgl. ebd., S.32.

[42] Vgl. ebd., S.96.

[43] Vgl. ebd., S.134.

[44] Vgl. Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.25f.

[45] Cro: Bye, Bye. Auf: Bye, Bye. MTV Unplugged. CD. ChimperatorProductions 2015, Nr.1.

[46] Schlobinski: Fiktion und Wirklichkeit, S.28.

[47] Vgl. ebd., S.11.

[48] Vgl. Volmert, Johannes: Jugendsprachen. Kaleidoskope von Sprachregistern und Verhaltensstilen. In: Eva Neuland (Hrsg.): Jugendsprachen: mehrsprachig – kontrastiv – interkulturell. Frankfurt am Main 2007, S.53.

[49] MySpassde: Enissa über ihre Hater im Internet - TV total. (20.02.2015). Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=JLqwV2UkF5k (Abruf am 28.09.2015).

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Kennzeichen der Jugendsprache und ihr Wirkungsbereich in der heutigen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Medien
Untertitel
Jugendsprache here, Jugendsprache there, Jugendsprache everywhere?
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
33
Katalognummer
V338957
ISBN (eBook)
9783668312708
ISBN (Buch)
9783668312715
Dateigröße
2307 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jugendsprache, kennzeichen, wirkungsbereich, gesellschaft, berücksichtigung, medien
Arbeit zitieren
Anna Baer (Autor), 2015, Kennzeichen der Jugendsprache und ihr Wirkungsbereich in der heutigen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338957

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