Hobbes' Werk „Leviathan“ und Rousseau's „Contrat social“ zählen zu den folgenreichsten Werken der politischen Theorie überhaupt. Ziel der Arbeit ist nicht nur der Versuch, beide Philosophen Rousseau und Hobbes und deren Ansichten zu durchleuchten, sondern diese auch zu vergleichen, um die Unterschiede aufzeigen zu können.
Um den Abstand der beiden Philosophien besser verstehen zu können, gehe ich zunachst auf das Leben und den historischen Hintergrund der beiden Staatstheoretiker ein. Da zwischen den beiden mehr als ein ganzes Jahrhundert liegt unterschied sich auch ihre raumliche und soziokulturelle Umgebung, die ihre Denkweisen auf unterschiedlichste Weise beeinflusst und gepragt hat. Nachfolgend gehe ich dann auf das jeweilige Menschenbild im jeweiligen Konstrukt eines Naturzustandes ein, auf das sich dann der entsprechende Gesellschaftsvertrag aufbaut. Nachdem ich beide Vertragstheorien erlautert und anschließend verglichen habe, werde ich in meinem Fazit nochmal meine Erkenntnisse festhalten.
Wie der Begriff der Vertragstheorie schon verrat, geht es dabei um den Vertrag als konstituierendes Instrument der menschlichen Gesellschaft. Und da die Begründung und Legitimierung politischer Herrschaft bis heute Gegenstand politikwissenschaftlicher und politikphilosophischer Fragestellungen ist, beschaftige ich mich in dieser Arbeit mit den pragenden Gesellschaftsvertragen der genannten Theoretikern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes
2.1 Leben und historischer Hintergrund
2.2 Naturzustand und Menschenbild
2.3 Der Gesellschaftsvertrag
3. Jean-Jacques Rousseau
3.1 Leben und historischer Hintergrund
3.2 Naturzustand und Menschenbild
3.3 Der Gesellschaftsvertrag
4. Vergleich beider Philosophien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Gesellschaftsvertragstheorien von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau detailliert zu analysieren und kritisch miteinander zu vergleichen, um ihre unterschiedlichen Ansätze zur Begründung und Legitimierung staatlicher Herrschaft aufzuzeigen.
- Historischer Kontext und Lebensumstände der beiden Staatstheoretiker
- Analyse der jeweiligen Konzepte von Naturzustand und Menschenbild
- Vergleich der Konstruktion des Gesellschaftsvertrags und der Rolle des Souveräns
- Untersuchung der Entstehung von Gemeinwohl versus Einzelinteressen
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen Freiheitsbegriffe
Auszug aus dem Buch
3.2 Naturzustand und Menschenbild
Es sei vorab erwähnt, dass es nicht Rousseau's Absicht ist, seine Darstellung des Naturzustandes als tatsächliche Vorstufe der Menschen zu beanspruchen. Vielmehr möchte er mit dieser Umschreibung aufzeigen, was vom Menschen bleibt, wenn man die Gesellschaft wegdenkt. Die Gesellschaft gilt als nicht natürlich und es gilt herausfinden, was der Mensch von Natur aus ist. Das Ganze versteht sich als eine Art Gedankenexperiment, bei dem die „Natur“ des Menschen von vorne herein festgelegt ist, während die „Gesellschaft“ etwas Entstandenes ist. Deshalb ist die Gesellschaft durchaus kritisch zu bewerten und muss eventuell verworfen und neu gestaltet werden können.
Rousseaus Naturzustand beschreibt einen Zustand vor jeglicher Vergesellschaftung. Deswegen streicht er alle Eigenschaften vom Naturmenschen ab, die irgendwie Produkte des Zusammenlebens sein könnten. In dieser Situation ist der Menschen frei, aber vollkommen isoliert. Die Menschen kennen keinerlei moralische Beziehungen und Pflichten. Es besteht keine soziale Interaktion zwischen Individuen.
In diesem vorgesellschaftlichen Zustand sind die Menschen animalisch, aber friedvoll und alle nahezu gleich. Er besitzt ein ausgeprägtes Mitleidsgefühl und die Veranlagung der „perfectibilité“, also sich selbst perfektionieren zu können, was aus der Freiheit und Geistigkeit der Menschenseele gründet. Generell gilt der Mensch nach Rousseaus Auffassung als von Natur aus gut. Dies aber nur deswegen, weil er als animalisch ungebildetes Wesen noch gar nicht weiß, was schlecht ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Hobbes und Rousseau für die Vertragstheorie dar und erläutert das Ziel der Arbeit, die Unterschiede ihrer Konzepte durch einen Vergleich herauszuarbeiten.
2. Thomas Hobbes: Dieses Kapitel behandelt die Biografie, das Menschenbild im Naturzustand als Kriegszustand und die daraus resultierende Notwendigkeit eines souveränen Staates.
3. Jean-Jacques Rousseau: Der Abschnitt beleuchtet Rousseaus Lebensumstände, sein Bild vom „guten“ Naturmenschen sowie sein Modell des Gesellschaftsvertrags basierend auf dem Gemeinwillen.
4. Vergleich beider Philosophien: Hier werden die Theorien gegenübergestellt, wobei Gemeinsamkeiten und gravierende Unterschiede, insbesondere in Bezug auf Freiheit und das Verständnis der Vergesellschaftung, herausgearbeitet werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die bleibende Bedeutung beider Denker für die politische Ideengeschichte und die moderne Demokratie.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Leviathan, Gemeinwille, Volkssouveränität, Selbsterhaltungstrieb, Vertragslehre, politische Theorie, Naturrecht, Freiheit, Staatstheorie, Kriegszustand, Gewaltenteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die politischen Vertragstheorien von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau hinsichtlich ihrer Staatskonzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Naturzustand, das Menschenbild, die Entstehung des Staates durch einen Gesellschaftsvertrag und das Ziel der Herrschaftslegitimation.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die philosophischen Ansichten beider Theoretiker zu durchleuchten und durch einen Vergleich die Unterschiede in ihrer Argumentation aufzudecken.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Es wird eine komparative Analyse der Primär- und Sekundärliteratur angewandt, um die Theorien in ihrem jeweiligen historischen Kontext zu verstehen und gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung von Hobbes und Rousseau (Leben, Naturzustand, Vertrag) sowie einen direkten Vergleich ihrer Philosophien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Souveränität, Leviathan, Gemeinwille (volonté générale) und Selbsterhaltung.
Inwieweit unterscheiden sich die Naturzustandskonzepte bei Hobbes und Rousseau?
Während Hobbes den Naturzustand als einen Krieg aller gegen alle beschreibt, sieht Rousseau ihn als einen friedvollen Zustand vor jeglicher Vergesellschaftung, in dem der Mensch isoliert lebt.
Wie begründet Rousseau die Ablehnung von Repräsentanten im Staat?
Rousseau lehnt Repräsentanten ab, da die Souveränität die Ausübung des Allgemeinwillens ist und dieser als nicht vertretbar gilt; das Volk muss die Gesetze direkt beschließen.
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- Nina Eudenbach (Author), 2015, Der Gesellschaftsvertrag bei Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338973