In den 50er und 60er Jahren war das klassische Bild der Frau in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) das der Hausfrau und Mutter. Wenn eine Frau doch arbeitete, dann tat sie dies meistens nur, weil sie noch nicht verheiratet war oder weil sie niemanden zum Heiraten fand. Das Arbeitsleben einer Frau hatte daher nur kurzlebigen Charakter. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war genau das Gegenteil Realität. Dass eine Frau nicht erwerbstätig war, war eher die Seltenheit und von der Gesellschaft verpönt. Beruf und Familie sollten und mussten sie unter einen Hut bekommen. In beiden Ländern wurden diese Gegebenheiten von Seiten der Politik und der restlichen Gesellschaft bestärkt und vorangetrieben.
Die jeweils andere deutsche Variante wurde von beiden Seiten stets kritisiert und in Verruf gebracht. So veröffentlichte das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen 1950 eine Sammlung von Artikeln mit der Überschrift „Arbeiten, arbeiten, arbeiten!“. In den Artikeln wurde der „Erwerbszwang“ der ostdeutschen Frauen scharf kritisiert und ihm die paradiesische Lage der von materiell entlohnter Arbeit „freigestellten“ bundesrepublikanischen Frauen entgegen gestellt. Gleichzeitig wurde auf ostdeutscher Seite versucht unter Heranziehung der sozialistischen Klassiker, vor allem Clara Zetkin, der Bevölkerung weis zu machen, dass die relativ hohe Erwerbstätigenquote von Frauen ein Beweis für eine gesamtgesellschaftlich realisierte Gleichberechtigung der Frau sei.
In folgender Arbeit wird vergleichend die Frage untersucht inwiefern sich die Unterschiede in der sozialpolitischen Stellung der Frau in den verschiedenen Systemen der DDR und der BRD auf ihren Zugang zu Führungspositionen in Beruf und Politik auswirkten. Der Fokus liegt hierbei auf den Unterschieden, die die unterschiedlichen Systeme in der Gesellschaft verursachen. Es wird sich nicht im Besonderen mit der Frauenbewegung oder Emanzipation der Frau beschäftigt.
Dabei wird zunächst die notwendige Frauenarbeit in der Nachkriegszeit dargestellt. Es wird auf die Frauenpolitik und das gesellschaftliche Leitbild der Frau in beiden deutschen Staaten eingegangen um danach die Funktion von Frauen in Politik und Verbänden zu untersuchen. Zum Ende wird die Erwerbsarbeit von Frauen in beiden deutschen Staaten beleuchtet. Es folgt das Fazit, in welchem alle Erkenntnisse zusammen getragen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nachkriegszeit
2.1 Unmittelbare Nachkriegszeit
2.2 Frauen in Männerberufen
3. Gesellschaftspolitische Rolle der Frau
3.1 Sozialistische Frauenpolitik
3.2 Konservative Frauenpolitik
3.3 Frauenleitbild der DDR
3.4 Frauenleitbild der BRD
4. Die Frau in der Politik
4.1 Nützliche gesellschaftliche Arbeit in der DDR
4.2 Die Frau in der Partei
4.3 Weibliche politische Partizipation in der BRD
4.4 West-deutsche Frauenverbände
5. Frauenerwerbsarbeit
5.1 DDR
5.2 BRD
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend, inwiefern die unterschiedlichen sozialpolitischen Systeme der DDR und der BRD den Zugang von Frauen zu Führungspositionen in Beruf und Politik beeinflussten, wobei der Fokus auf den systembedingten gesellschaftlichen Unterschieden liegt.
- Gesellschaftspolitische Stellung der Frau in Ost- und Westdeutschland
- Entwicklung des Frauenleitbildes in beiden deutschen Staaten
- Die Rolle der Frau in politischen Parteien und Verbänden
- Vergleich der Frauenerwerbsarbeit und deren Vereinbarkeit mit der Familie
- Analyse der strukturellen Barrieren für Frauen in Führungspositionen
Auszug aus dem Buch
3.4 Frauenleitbild der BRD
Als sich in der Bundesrepublik die Verhältnisse Anfang der 50er Jahre wieder anfingen zu normalisieren, machten sich Stimmen, vor allem die der katholischen Kirche, bemerkbar, die nach Jahren des lockeren Lebenswandels und Gesetzesüberschreitungen wieder Anstand und Sitte zurück forderten. So handelte sie gemeinsam mit ihnen nahestehenden konservativen Politikern und Institutionen im Namen der Moral und gingen gegen „Unarten“ vor, wie im Falle des Films „Die Sünderin“, in dem Hildegard Knef kurz unbekleidet zu sehen war. Doch vor allem die Familienverhältnisse sollten wieder „richtig“ gerückt werden. Frauen sollten wieder die traditionelle Rolle der Mutter, Hausfrau und „Gehilfin“ des Mannes einnehmen. Sie sollten den Bestand des Volkes sichern, in dem sie ihrem Mann Kinder gebaren und ihm gehorchten. „Innerhalb der Familie hatte sie in 'selbstverständlicher Opferbereitschaft' zu dienen und die christliche Weltordnung gegen den Zeitgeist mit 'bolschewistischem Kollektiv im Osten' und 'Hollywoodideal im Westen' zu verteidigen.“
Für die Konservativen konnte eine erwerbstätige Frau diesem Idealbild niemals entsprechen. Als die Frauenerwerbsarbeit vor allem während des Wirtschaftswunders anstieg, glaubten sie, dies würde sich negativ auf die gesellschaftliche Funktion der Familie auswirken. So ermahnte die katholische Kirche die Frauen, ihre Pflichten als Mutter neben der Arbeit nicht zu vernachlässigen (Ruhl 1994, S. 107-108).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die vergleichende Untersuchung der sozialpolitischen Stellung der Frau in DDR und BRD ein, unter besonderem Fokus auf den Zugang zu Führungspositionen.
2. Nachkriegszeit: Das Kapitel beleuchtet die schwierige Lebenssituation in der unmittelbaren Nachkriegszeit und die Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit von Frauen in einer von Männermangel geprägten Zeit.
3. Gesellschaftspolitische Rolle der Frau: Hier werden die sozialistische und konservative Frauenpolitik sowie die daraus resultierenden unterschiedlichen Leitbilder der Frau in Ost und West gegenübergestellt.
4. Die Frau in der Politik: Das Kapitel analysiert die politische Partizipation von Frauen, ihre Einbindung in Partei und Verbände sowie die ideologischen Rahmenbedingungen in beiden deutschen Staaten.
5. Frauenerwerbsarbeit: Es wird die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit in der DDR und BRD betrachtet, wobei Unterschiede in der gesellschaftlichen Akzeptanz und der praktischen Umsetzung thematisiert werden.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenführung der Ergebnisse, die aufzeigt, dass trotz grundverschiedener Systemansätze Frauen in beiden Staaten strukturell diskriminiert wurden und selten Führungspositionen erreichten.
Schlüsselwörter
Frauenerwerbsarbeit, DDR, BRD, Gleichberechtigung, Frauenleitbild, Politik, Führungspositionen, Nachkriegszeit, Frauenpolitik, Gesellschaftspolitik, Emanzipation, Vereinbarkeit, Arbeitsmarkt, Sozialismus, Familienideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftspolitischen Stellung der Frau in der DDR und der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere im Hinblick auf ihre Teilhabe in Beruf und Politik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören das Frauenleitbild, die Rolle der Frau in der Politik sowie die Bedingungen der Frauenerwerbsarbeit in den beiden deutschen Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, vergleichend zu untersuchen, wie sich die unterschiedlichen Systeme auf den Zugang von Frauen zu Führungspositionen in Beruf und Politik auswirkten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer vergleichenden Analyse historischer und soziologischer Quellen und Fachliteratur zur Situation der Frau in der Nachkriegszeit bis in die 80er Jahre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Nachkriegszeit, die Analyse der Frauenleitbilder, die politische Partizipation von Frauen und die spezifischen Entwicklungen der Frauenerwerbsarbeit in Ost und West.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Frauenleitbild, Gleichberechtigung, Erwerbsquote, politische Partizipation und strukturelle Diskriminierung charakterisiert.
Warum hatten Frauen in der DDR trotz hoher Erwerbsquote kaum Führungspositionen inne?
Trotz der offiziellen Gleichstellung verblieb die DDR ein von Männern dominierter Staat, in dem die klassische Rollenverteilung privat fortbestand und Frauen im politischen sowie betrieblichen Machtgefüge systematisch unterrepräsentiert blieben.
Wie unterschied sich das Frauenbild in der frühen BRD von dem der DDR?
Während die DDR das Leitbild der voll berufstätigen Mutter als Ausdruck der Emanzipation propagierte, setzte die BRD in den 50er Jahren konservativ auf das Modell der Hausfrau und Mutter, um die traditionelle Familienordnung zu schützen.
- Citar trabajo
- Nina Eudenbach (Autor), 2015, Die gesellschaftspolitische Stellung der Frau in Ost- und Westdeutschland. Der Zugang zu Führungspositionen in Beruf und Politik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338975