Die vorliegende Arbeit soll die Finanzierungsbedürfnisse mittelständischer Unternehmen im Überblick darstellen.
In der Einleitung dieser Arbeit wird der Begriff des Mittelstandes und seine wichtige Stellung in der deutschen Wirtschaft kurz erklärt. Mittelständische Unternehmen müssen ihre Finanzierungsbedürfnisse durch Fremdkapital (im Weiteren mit FK abgekürzt) decken, da sie nur begrenzte Eigenmittel zur Verfügung haben. (S. 4-5)
Im Hauptteil der Arbeit wird deutlich, welche Folgen diese gängige Praxis des Mittelstandes hat, seine Finanzierungsbedürfnisse fast ausschließlich durch Fremdkapital zu befriedigen. Die sich daraus unweigerlich ergebende geringe Eigenkapital-Quote (im Weiteren mit EK-Quote angekürzt), vorallem im internationalen Vergleich, erscheint in einem neuen Licht, wenn man die Eigenkapitalvereinbarungen von Basel II hinzuzieht. Der Basel II Akkord wird ausführlich vorgestellt, es wird auf die beiden Rating-Verfahren zur Bonitäts-Bewertung des Kreditnehmers eingegangen und die sich daraus ergebenen Konsequenzen für den Mittelstand und die Anforderungen für die Kreditinstitute werden herausgestellt. Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung verursacht bei einem großen Teil der mittelständischen Unternehmen Befürchtungen, Kredite nur noch zu steigenden Kreditzinsen zu erhalten oder wegen Kreditknappheit gar keine Kredite mehr zu bekommen. Dies erfordert ein Umdenken bei der Deckung des Finanzierungsbedarfs. (S. 5-8)
Daher werden abschließend neben den innerbetrieblichen Umstrukturierungsvor-schlägen einige interessante Finanzierungsalternativen aufgezeigt, die den Bankkredit ergänzen können bzw. die Eigenkapitalsituation insofern verbessern, dass die Bonität und schließlich das Rating besser ausfallen und die Kreditfinanzierung dadurch wieder leichter möglich wird. (S. 8-11)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff des Mittelstandes und seine Finanzierungssituation
3. Basel II – Der Mittelstand vor neuen Herausforderungen
3.1. Die Standardmethode: Das externe Rating
3.2. Internes Rating (IRB- Internal Rating Based Approach)
4. Konsequenzen für den Mittelstand
5. Alternativen zur Bankenkreditfinanzierung für den Mittelstand
5.1. Kreditsubstitute
5.1.1. Leasing
5.1.2. Factoring
5.2. Beteiligungsfinanzierung
5.3. Mezzaninkapital
5.3.1. Stille Gesellschaft
5.3.2. Genussscheine
6. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die Finanzierungsbedürfnisse mittelständischer Unternehmen in Deutschland vor dem Hintergrund der durch Basel II veränderten Kreditvergabepraxis. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen durch eine verbesserte Informationspolitik und die Nutzung von Finanzierungsalternativen ihre Bonität und Kreditwürdigkeit sichern können.
- Stellenwert des Mittelstands in der deutschen Wirtschaft
- Implikationen der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II)
- Bedeutung von Rating-Verfahren für die Kreditvergabe
- Notwendigkeit innerbetrieblicher Umstrukturierungen und eines modernen Berichtswesens
- Alternative Finanzierungsmöglichkeiten als Ergänzung zur Bankkreditfinanzierung
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Standardmethode: Das externe Rating
Das externe Rating wird von großen weltweit agierenden, externen Rating Agenturen, wie Moody’s oder Standard & Poors, vorgenommen. Dabei wird ein weltweit anerkanntes Schema der Bonitätsgewichtungsfaktoren verwendet. Die Benotung eines sehr guten Ratings, also die beste Bonität, wird mit „AAA“ ausgedrückt, das schlechteste Rating, bei dem der Schuldner bereits in Zahlungsverzug oder Konkurs ist, liegt bei „D“. Das Ergebnis des individuellen Ratings gibt Auskunft darüber, in welcher Höhe eine Eigenkapitalunterlegung nötig ist. Ausgangspunkt sind die bisherigen 8% EK-Unterlegung, welche bei einer Bonitätsbeurteilung von einem Unternehmen zwischen „A+“ und „A-“ nur zu 50% erfolgen muss. Ein dagegen schlechtes Rating von „B+“ bis unter „B-“ bewirkt eine Unterlegung i.H.v. 150%, also 12% der Kredithöhe, was zu einer Verteuerung des Kredites für das kreditnehmende Unternehmen führt. Für KMU gilt eine besondere Standardregelung bei der vom externen Rating abhängigen Kreditvergabe: diese „Retailkunden“ werden nach Basel II aus dem Rating-Verfahren herausgenommen und grundsätzlich mit einem Risikofaktor von 75% gewichtet. Bei nicht ins Rating einbezogenen Unternehmen finden 100% Unterlegung Anwendung. Das externe Rating ist jedoch bei den Banken in Deutschland und Kontinentaleuropa nicht so weit verbreitet. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsnachteil mit den angelsächsischen Konkurrenzinstituten, die wesentlich weniger Eigenkapital und geringere Erträge aus dem Kreditgeschäft brauchen, um die gleiche Rentabilität des Eigenkapitals zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Bedeutung des Mittelstands und Einführung in die Problematik der Fremdkapitalabhängigkeit.
2. Begriff des Mittelstandes und seine Finanzierungssituation: Definition des Mittelstands und Analyse der typischerweise geringen Eigenkapitalquoten.
3. Basel II – Der Mittelstand vor neuen Herausforderungen: Vorstellung der Baseler Anforderungen und Erläuterung der internen sowie externen Rating-Verfahren.
4. Konsequenzen für den Mittelstand: Analyse der Folgen der verschärften Kreditvergabebedingungen und des Bedarfs an besserem Informationsverhalten.
5. Alternativen zur Bankenkreditfinanzierung für den Mittelstand: Aufzeigen von Finanzierungsalternativen wie Leasing, Factoring, Beteiligungen und Mezzaninkapital.
6. Schlusswort: Zusammenfassendes Plädoyer für ein Umdenken in der Unternehmensfinanzierung und die Notwendigkeit von Innovation durch tragfähige Finanzkonzepte.
Schlüsselwörter
Mittelstand, Basel II, Rating, Bonität, Eigenkapitalquote, Fremdkapital, Bankkredit, Kreditsubstitute, Leasing, Factoring, Mezzaninkapital, Beteiligungsfinanzierung, Unternehmensfinanzierung, Controlling, Liquidität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Finanzierungssituation kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) in Deutschland und den Herausforderungen, die sich durch die Einführung der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abhängigkeit vom Bankkredit, die Funktionsweise von Rating-Verfahren und verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die über klassische Bankkredite hinausgehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, KMU aufzuzeigen, wie sie durch proaktive Maßnahmen, wie z.B. eine bessere Informationspolitik und den Einsatz von Finanzierungsalternativen, ihre Kreditwürdigkeit erhalten oder verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literaturanalyse, die auf aktuellen betriebswirtschaftlichen Standards und Forschungsberichten (z.B. vom IfM Bonn) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Rating-Verfahren nach Basel II, die Analyse der Konsequenzen für den Mittelstand sowie die Vorstellung konkreter Finanzierungsalternativen wie Leasing, Factoring und Mezzaninkapital.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mittelstand, Basel II, Rating, Eigenkapitalquote, Finanzierungsalternativen, Bonität und Kreditwürdigkeit.
Warum stellt Basel II ein Problem für viele Mittelständler dar?
Aufgrund der oftmals geringen Eigenkapitalausstattung der Unternehmen führt das neue, risikoorientierte Rating-Verfahren häufig zu einer schlechteren Einstufung, was Kredite verteuert oder deren Verfügbarkeit einschränkt.
Wie kann eine verbesserte Informationspolitik das Rating beeinflussen?
Durch Transparenz und ein professionelles Berichtswesen können Unternehmen das Vertrauen der Banken stärken, was eine fundiertere Bonitätsbewertung ermöglicht und somit das Rating positiv beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Kff. (FH) Michaela Grell (Autor:in), 2004, Finanzierungsbedürfnisse mittelständischer Unternehmen im Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33904