Als die innerdeutsche Grenze am 09. November 1989 geöffnet wurde, endete die 45 Jahre lang andauernde Abriegelung zwischen zwei deutschen Staaten, sowie zwei ungleichen politischen, militärischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen abrupt. Die nahe der Grenze gelegene Stadt Hof wurde damit über Nacht von einer Stadt im Zonenrandgebiet zu einer Stadt in der Mitte Deutschlands.
Die Betrachtung der mannigfaltigen Auswirkungen dieser „Friedlichen Revolution“ auf die alten Bundesländer im Allgemeinen und die Zonenrandgebiete im Speziellen wird in der Wissenschaft häufig vernachlässigt, da sich diese hauptsächlich auf die Entwicklungen in den neuen Bundesländern konzentriert.
Die Stadt Hof ist jedoch in beispielhafter Weise bis heute von den Nachwirkungen dieses tiefgreifenden historischen Ereignisses gekennzeichnet. Der Umstand, dass Zonenrandgebiete und die Folgen der Grenzöffnung bisher nicht ausreichend betrachtet wurden, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Vom Zonenrandgebiet in die Mitte Deutschlands
2. Die Stadt Hof: 1988 und 1989
3. Auswirkungen auf Bevölkerung, Gaststätten & Fremdendverkehr
3.1. Bevölkerungsentwicklung
3.2. Wohnungsmarkt
3.3. Tourismus und Gaststätten
4. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
5. Auswirkungen auf die Wirtschaft
5.1. Zonenrandförderung
5.2. Mittelstand und Einzelhandel
5.3. Wirtschaftsförderung
6. Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur
6.1. Öffentlicher Personennahverkehr: Busverbindungen
6.2. Regionalverkehr: Bahnverbindungen
6.3. Verkehrsnetz Region Hof
6.4. Verkehrsnetz Stadt Hof
6.5. Regionalflughafen Hof-Plauen
7. Sächsisch-Bayerisches Städtenetz
8. Region Oberfranken-Ost: Vom Grenzland zum Durchgangsland
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Transformationsprozess der Stadt Hof infolge der deutschen Grenzöffnung vom 09. November 1989 und analysiert, inwieweit die Stadt von diesem historischen Ereignis wirtschaftlich und strukturell profitieren konnte.
- Analyse der demografischen Veränderungen und der Wohnungsmarktentwicklung
- Untersuchung des Tourismus und der Auswirkungen auf das Gastgewerbe
- Bewertung der Arbeitsmarktsituation und der Pendlerströme
- Evaluierung wirtschaftlicher Fördermaßnahmen und des Strukturwandels
- Betrachtung der Anpassungen in der Verkehrsinfrastruktur und beim Regionalflughafen
Auszug aus dem Buch
3.3. Tourismus und Gaststätten
Es folgte die Grenzöffnung und mit ihr eine unbeschreibliche Reisewelle. Keine zweite Stadt in der Bundesrepublik Deutschland durfte diese Zeit und die damit verbundenen Freuden, aber auch Sorgen und Probleme, so intensiv und hautnah erleben wie die Stadt Hof.23
Wie das oben aufgeführte Zitat von Oberbürgermeister Dieter Döhla verdeutlicht, war die Stadt Hof nach der Grenzöffnung am 09.11.1989 unmittelbar von einem massiven Besucherzustrom aus den angrenzenden Nachbarländern Sachsen und Thüringen betroffen.24 Welche Gründe, Dimensionen und Auswirkungen dieser Ansturm auf die Stadt Hof hatte, soll im Folgenden näher betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vom Zonenrandgebiet in die Mitte Deutschlands: Einleitung in die historische Zäsur der Grenzöffnung und Definition des Untersuchungszeitraums bis 1993.
2. Die Stadt Hof: 1988 und 1989: Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangslage der Stadt Hof in einer Phase der Rezession unmittelbar vor der Grenzöffnung.
3. Auswirkungen auf Bevölkerung, Gaststätten & Fremdendverkehr: Untersuchung der kurzfristigen Bevölkerungszuwächse und des massiven Besucheransturms auf Gastronomie und Beherbergungsbetriebe.
4. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Analyse der Arbeitsmarktentwicklung, der Arbeitslosenzahlen und des verstärkten Pendleraufkommens aus den neuen Bundesländern.
5. Auswirkungen auf die Wirtschaft: Evaluation der wirtschaftlichen Entwicklung, der Zonenrandförderung und des Scheiterns langfristiger Hoffnungen auf einen dauerhaften Aufschwung durch den Einzelhandel.
6. Auswirkungen auf die Verkehrsinfrastruktur: Dokumentation der massiven Anpassung der Verkehrswege, des Ausbaus von Straßen und Parkplätzen sowie der Entwicklung des Regionalflughafens.
7. Sächsisch-Bayerisches Städtenetz: Beschreibung des städteübergreifenden Kooperationsprojekts zur Bewältigung der Herausforderungen der Transformation.
8. Region Oberfranken-Ost: Vom Grenzland zum Durchgangsland: Abschließende Synthese der Ergebnisse, die eine Transformation von der Randlage zum Durchgangsland konstatiert.
Schlüsselwörter
Hof, Grenzöffnung, Zonenrandgebiet, Transformation, Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt, Tourismus, Verkehrsinfrastruktur, Regionalflughafen, Strukturwandel, Wiedervereinigung, Pendler, Einzelhandel, Oberfranken, Stadtentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen und infrastrukturellen Veränderungen der Stadt Hof in der unmittelbaren Nachkriegszeit nach der Grenzöffnung von 1989 bis zum Jahr 1993.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bevölkerungsentwicklung, dem Arbeitsmarkt, der Wirtschaftsförderung, dem Tourismus sowie dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird erforscht, ob die Stadt Hof die Grenzöffnung nachhaltig nutzen konnte, um sich vom strukturschwachen Zonenrandgebiet zu einem prosperierenden Zentrum zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung von Statistiken, Zeitungsquellen, empirischen Erhebungen sowie Experteninterviews mit maßgeblichen Akteuren der damaligen Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der wirtschaftlichen, sozialen und infrastrukturellen Sektoren und deren Anpassung an die veränderten Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die Transformation, der Strukturwandel, die Zonenrandförderung, das Besucheraufkommen und die verkehrliche Neuausrichtung.
Warum konnte Hof trotz des Besucheransturms keinen dauerhaften Aufschwung erzielen?
Der Besucherzustrom war zeitlich begrenzt und konnte die strukturellen Probleme (wie die Monostruktur der Textilindustrie) sowie das "Sprung über Hof in den Osten" genannte Investitionsverhalten nicht langfristig kompensieren.
Welche Rolle spielte der Regionalflughafen Hof-Pirk in der Planung?
Der Flughafen wurde als strategisch wichtiges Instrument zur Etablierung als "Flughafen der Zukunft" angesehen, konnte jedoch die hohen Erwartungen aufgrund der Konkurrenz durch Leipzig und Nürnberg nicht erfüllen.
Wie bewerten die befragten Akteure wie Dieter Döhla die Entwicklung?
Sie betrachten die damalige Zeit als eine Phase der Euphorie, in der man aufgrund der neuen Situation zu optimistisch in die langfristige wirtschaftliche Zukunft blickte, ohne die realen strukturellen Defizite ausreichend zu berücksichtigen.
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- Marc Schweinshaupt (Author), 2015, Nord-Ost Bayern und der Wegfall der innerdeutschen Grenze. Mikroanalyse des Transformationsprozesses der Stadt Hof von 1989 bis 1993, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339195