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Das kulturelle Gedächtnis in der Kinder- und Jugendliteratur. Sprachliche Narben in Myron Lewoys "Der gelbe Vogel"

Titre: Das kulturelle Gedächtnis in der Kinder- und Jugendliteratur. Sprachliche Narben in Myron Lewoys "Der gelbe Vogel"

Dossier / Travail de Séminaire , 2015 , 23 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Inga Mueller (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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In dieser Arbeit soll auf die Frage nach der Relevanz der Geschehnisse im „Dritten Reich“ für die heutige Lebenswelt der Kinder und den Sinn der Thematisierung im Unterricht eingegangen werden. Die schulische Vermittlung des Holocaust ist das Produkt der gesellschaftlichen Diskussion der letzten vier Jahrzehnte. Im Zusammenhang mit der bildungspolitischen Reformbewegung haben drei Tendenzen die Deutschdidaktik bestimmt: die engere Verknüpfung mit der Fachwissenschaft, die Übernahme der Lernzieltheorie und die Orientierung an gesellschaftlichen Fragestellungen.

Die vorliegende Arbeit folgt der These, dass der Vermittlung zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur nach 1945 eine bedeutende Funktion in Hinblick auf die Ich- Findung der SuS zukommt. Zentral für die Behandlung zeitgenössischer Themen ist es, das Wissen über die Vergangenheit für die eigene Gegenwart brauchbar zu machen.

Im Zeitalter der neuen Verbreitungsmedien befinden wir uns in zweifacher Hinsicht in einem Epochenumbruch der Erinnerungskultur. Zum einen sind durch die vielzähligen Reproduktionstechniken und Vervielfältigungsmöglichkeiten unzählbare Zeugnisse für jeden frei verfügbar; zum anderen aber, weil sich die Chance dieser personalen Begegnung mit Zeit-zeugen des Holocaust als ‚lebendige’ Geschichte immer seltener bietet, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie wir als Nachgeborene des Holocaust Vergangenheit erinnern.

Den wichtigsten Beitrag zum Wandel des kulturellen Gedächtnisses leistet Jan Assmann in seiner Monographie „Das kulturelle Gedächtnis- Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen“, die 1997 erschienen ist. Das kulturelle Gedächtnis stabilisiert sich in Erinnerungsfiguren, die als epochale Wissensspeicher in die Gegenwart transportiert werden. Hierzu hat Aleida Assmann 1999 das Werk „Erinnerungsräume: Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses“ veröffentlicht, das beleuchten soll, wie die Erinnerungen einer Gesellschaft, Nation oder Gruppe über Generationen, mithilfe der in jeder Epoche zur Verfügung stehenden Mittel tradiert werden. Der Konstruktion von Identität kommt hierbei eine zentrale Funktion zu.

Exemplarisch für die Analyse der Erinnerungsfiguren und -räume in der zeitgeschichtlichen KJL soll „der gelbe Vogel“ von Myron Levoy dazu dienen, den Ausgangszustand der Protagonistin Naomi aus kulturwissenschaftlicher Perspektive zu erklären.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gedächtnis und Erinnerung

2.1 Kulturelles Gedächtnis

2.2 individuelles und kollektives Gedächtnis

2.3. Trauma

3. Der „gelbe Vogel“- Vergangenheitsbewältigung und Identitätsbildung

3.1. Inhalt

3.2 Vergangenheitsbewältigung und Trauma als Hauptmotiv des „gelben Vogels“

3.3. Identität

4. Didaktik der zeitgeschichtlichen KJL

4.1. Der zeitgeschichtliche Adoleszenzroman und seine Verankerung im Kernlehrplan der Sek I für Realschulen in NRW am Beispiel des „gelben Vogels“

4.2 Unterrichtsvorhaben

4.3 Unterrichtsreihe – Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe/ des Unterrichtsvorhabens

4.4 Reflexion der Unterrichtsreihe

5. Schlussbetrachtungen:

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Relevanz der Geschehnisse des Dritten Reiches für die heutige Lebenswelt von Jugendlichen und analysiert die Funktion zeitgeschichtlicher Kinder- und Jugendliteratur bei der Ich-Findung. Ziel ist es, Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung aufzuzeigen, die Wissen über die Vergangenheit für die Gegenwart brauchbar machen und psychische sowie identitätsbildende Prozesse bei Schülern fördern.

  • Kulturelles Gedächtnis und Trauma-Verarbeitung
  • Analyse des Romans "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy
  • Didaktik zeitgeschichtlicher Literatur im Deutschunterricht
  • Identitätsbildung von Jugendlichen in Krisensituationen
  • Praktische Umsetzung in einer Unterrichtsreihe der Sekundarstufe I

Auszug aus dem Buch

3.2 Vergangenheitsbewältigung und Trauma als Hauptmotiv des „gelben Vogels“

Naomi, das jüdische Flüchtlingskind aus Frankreich, leidet an einer psychischen Störung: sie zerreißt immerzu Papier. Das Motiv des Zerreißens zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. An diversen Textstellen wird der Leser mit der Tätigkeit der Protagonistin konfrontiert. Dass diese Handlung eine Ursache haben muss, wird aufgrund ihrer häufigen Erwähnung schnell deutlich. „Das viele Papier, das sie klein gerissen hatte. Sie hatte versucht, sein Leben zu retten. Die ganze Zeit hatte sie versucht, sein Leben zu retten.“ Naomis Vater war Widerstandskämpfer der französischen Resistance. Noch in Paris, im Augenblick vor der Tötung ihres Vaters durch die Nazis wird seine Tochter aufgefordert, die Pläne eines unterirdischen Fluchtplans zu zerreißen. Die Gestapo tötet Naomis Vater, während sie immer weiter Papier zerreißt und so vergebens versucht, die Pläne zu vernichten.

Dieses traumatische Erlebnis hat sich ihr so eingebrannt, dass sie in New York angekommen, nicht in der Lage ist, am alltäglichen Leben teilzunehmen. Sie gibt sich eine Mitschuld am Tod ihres Vaters. Sie nimmt an, dass sie nicht schnell genug war beim Zerreißen der Fluchtpläne. „Ich habe meinen Vater getötet, weißt du.“ Gerhard Fischer stellt dar, dass die manisch- repetitive Zwangshandlung Ausdruck des Versuchs ist, mit dem Verlust des Vaters und den eigenen Schuldgefühlen fertig zu werden.

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive bezieht sich das Trauma auf ein Erlebnis, das so schmerzhaft ist, dass sich die Pforten der Wahrnehmung vor dieser Wucht schließen, als etwas, das im Rahmen der Identitätskonstruktion einer Person nicht erzählbar oder erinnerbar ist und „stabilisiert das Trauma eine Erfahrung, die dem Bewusstsein nicht zugänglich ist und sich im Schatten dieses Bewusstseins als eine latente Präsenz festsetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Holocaust-Thematisierung im Deutschunterricht und führt in die These ein, dass zeitgeschichtliche Jugendliteratur eine zentrale Rolle bei der Identitätsfindung von Schülern spielt.

2. Gedächtnis und Erinnerung: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des kulturellen und individuellen Gedächtnisses sowie das Konzept des Traumas als "Körperschrift".

3. Der „gelbe Vogel“- Vergangenheitsbewältigung und Identitätsbildung: Hier wird der Roman inhaltlich vorgestellt, das Motiv der Zerrissenheit analysiert und der therapeutische Prozess der Protagonistin im Kontext der Identitätsentwicklung untersucht.

4. Didaktik der zeitgeschichtlichen KJL: Dieser Teil widmet sich der didaktischen Einbettung zeitgeschichtlicher Literatur, dem Kernlehrplan sowie der konkreten Planung, Durchführung und Reflexion einer Unterrichtsreihe.

5. Schlussbetrachtungen:: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont den Stellenwert des Romans als Mittel zur emotionalen und kognitiven Auseinandersetzung mit historischer Verantwortung.

Schlüsselwörter

Kulturelles Gedächtnis, Trauma, Identitätsbildung, Der gelbe Vogel, Holocaust, Literaturdidaktik, Jugendliteratur, Vergangenheitsbewältigung, Deutschunterricht, Zeitgeschichte, Erinnerungskultur, Sekundarstufe I, Trauma-Verarbeitung, Adoleszenzroman.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Nutzung des Romans "Der gelbe Vogel" im Deutschunterricht, um Schülern einen Zugang zur Geschichte des Holocaust und zur Reflexion über eigene Identitätsfragen zu ermöglichen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten gehören das kulturelle Gedächtnis, die Psychologie des Traumas, die Adoleszenz und die methodische Planung einer Literaturunterrichtsreihe.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie zeitgeschichtliche Literatur dazu beitragen kann, historische Ereignisse für heutige Jugendliche "brauchbar" zu machen und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Die Autorin kombiniert literaturwissenschaftliche Analysen mit fachdidaktischen Modellen und reflektiert ihre eigenen Erfahrungen aus der praktischen Unterrichtsumsetzung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Gedächtnis und Trauma, eine tiefgehende Romananalyse sowie die detaillierte Darstellung und Reflexion eines Unterrichtsvorhabens an einer Realschule.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Trauma, kulturelles Gedächtnis, Identitätsbildung, Vergangenheitsbewältigung und Literaturdidaktik.

Warum spielt die Handpuppe im Roman eine so wichtige Rolle für Naomi?

Die Handpuppe dient Naomi als Projektionsfläche und "Krücke", um ihre traumatischen Erfahrungen, die sie verbal noch nicht ausdrücken kann, indirekt mitzuteilen und so den Weg zur Heilung zu finden.

Inwiefern beeinflusst der Unterrichtsalltag die Reflexion des Modells?

Die Reflexion zeigt, dass vorgegebene Unterrichtsmaterialien nicht immer für die spezifische Lerngruppe geeignet sind und dass eine flexible, blockweise Strukturierung des Unterrichts deutlich sinnvoller für den Lernprozess ist.

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Résumé des informations

Titre
Das kulturelle Gedächtnis in der Kinder- und Jugendliteratur. Sprachliche Narben in Myron Lewoys "Der gelbe Vogel"
Université
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Note
1,7
Auteur
Inga Mueller (Auteur)
Année de publication
2015
Pages
23
N° de catalogue
V339283
ISBN (ebook)
9783668291348
ISBN (Livre)
9783668291355
Langue
allemand
mots-clé
Kinder- und Jugendliteratur Erinnerungskultur kulturelles Gedächtnis Der gelbe Vogel Myron Lewoy Holocaust
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Inga Mueller (Auteur), 2015, Das kulturelle Gedächtnis in der Kinder- und Jugendliteratur. Sprachliche Narben in Myron Lewoys "Der gelbe Vogel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339283
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Extrait de  23  pages
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