Geld und soziale Beziehungen. Das Beispiel Euro


Seminararbeit, 2015

17 Seiten, Note: 5.5 (CH-Standard)

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Georg Simmels Geldtheorie
2.1 Geld bildet Unpersönlichkeit
2.2 Geld ermöglicht Distanz
2.3 Geld schafft Individualisierung und Un-/Abhängigkeiten
2.4 Geld beschleunigt die Gesellschaft

3 Max Webers Handlungstheorie
3.1 Handeln
3.2 Sinn
3.3 Soziales Handeln
3.4 Bestimmungsgründe des sozialen Handelns
3.4.1 Zweckrationales Handeln
3.4.2 Wertrationales Handeln
3.4.3 Affektives Handeln
3.4.4 Traditionales Handeln

4 Der Euro als Beziehungsgeld
4.1 Der Euro und die sozialen Beziehungen
4.2 Vom Edelmetall zum reinen Beziehungsgeld
4.3 Geld schafft Streit
4.4 Geld schafft Eintracht

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Diese Arbeit erforscht, welchen Einfluss Geld auf soziale Beziehungen hat am Beispiel der Einführung des Euros. Hierzu werden Georg Simmels Geldtheorie und Max Webers Handlungstheorie als Grundlagen verwendet, um die gemein- samen sozialen Beziehungen durch den Euro zu analysieren. Es wurde festge- stellt, dass Geld als eine Grundlage für die Entstehung der Europäischen Ge- meinschaft betrachtet werden kann, da es eine sinnhafte soziale Beziehung zwischen den einzelnen Bürgern und dem Staat schafft. Durch diese Entwick- lung resultiert eine Erweiterung der Staatsbürgerschaft zur supranationalen Staatsbürgerschaft und Vereinheitlichung der Zusammengehörigkeit.

1 Einleitung

Europa findet immer nur durch Krisen zu mehr Integration “

Jean-Claude Juncker

Finanzkrisen, Eurokrise und aktuell die Flüchtlingskriese; die Europäische Uni- on hat immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die einstige Vereinheitli- chung der Wirtschafts- und Währungsunion und die starke Zusammengehörig- keit der Mitgliedstaaten scheint sich in eine neue ungewisse Richtung zu entwi- ckeln. Affektives Handeln einzelner Länder mit ungewissen Folgen trifft auf Un- gewissheit und Unverständnis anderer Länder der Gemeinschaft. Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss das gemeinsame Geld auf soziale Beziehungen innerhalb der Europäischen Union hat. Ist das Fundament der Einheitswährung als soziale Bindung zwischen den Ländern in Gefahr oder stärken Krisen Euro- pas gemeinsame Identität?

Um den Einfluss von Geld als Einheitswährung der Europäischen Union auf soziale Beziehungen zu bestimmen wird zuerst die Geldtheorie von Georg Simmel im Kapitel eins beschreiben. Folgend im Kapitel zwei werden die Handlungstheorien von Max Weber definiert. Im Kapitel drei folgt die Reflexion beider Theorien am Beispiel der Einführung des Euros und es werden die Beziehungen zwischen dem Staat und Geld, sowie die Ausweitung der Staatsbürgerschaft aufgrund der Vergemeinschaftung analysiert.

2 Georg Simmels Geldtheorie

Mit Geld ist heute nahezu alles käuflich, es ist nicht lediglich der aufgedruckte Wert auf dem Schein, sondern Geld selbst erhält einen Wert und diese Doppelrolle des Geldes beschreibt Simmel als Charakterlosigkeit des Geldes (Simmel, 1989, S.126). „Die qualitative Seite der Objekte büsst durch die Geldwirtschaft an psychologischer Betonung ein“ (Simmel, 1983, S.85). Für viele Bauern war ihr Land, welches sie täglich bearbeiteten, als Lebensmittelpunkt definiert. Heute ist dies ein reiner Vermögenswert, welcher als Freiheit einerseits und als Entfremdung anderseits angesehen werden kann. In den folgenden Abschnitten wird auf die einzelnen Aspekte der Theorie eingegangen.

2.1 Geld bildet Unpersönlichkeit

„Geld ist für Simmel die höchste Form der Objektivierung des wirtschaftlichen Wertes“ (Deutschmann, 2000, S.304). Durch die Einführung der Geldwirtschaft folgt eine Entfernung zwischen Besitzer und dessen Besitz, wie Simmel (1983) präzisiert: „Sie schiebt zwischen die Person und die bestimmt qualifizierte Sa- che in jedem Augenblick die völlig objektive, an sich qualitätslose Instanz des Geldes und Geldeswertes“ (S.79). Die Aktiengesellschaft ist die Spitze dieser Entwicklung, wo früher noch Person und Sache eine Beziehung zueinander hatten, wird heute nur ein unpersönlicher Geldbetrag in eine Unternehmung investiert (Simmel, 1983, S.80). Ohne jegliche persönlichen Beziehungen zum Gegenstand und mit dem Ziel des Profits, wird heute mit Nahrungsmitteln, Ak- tien oder Rohstoffen spekuliert und gehandelt. Ebenso können Produkte mit Geld jederzeit ersetzt werden. Unternehmungen verkaufen ihre Produkte ano- nym und weltweit, dies verdeutlicht die Unpersönlichkeit des Geldes in unserem Alltag.

„Das Geld ist gemein, weil es das Äquivalent für all und jedes ist; nur das Indi- viduelle ist vornehm; was vielem gleich ist, ist dem Niedrigsten unter diesem gleich und zieht deshalb auch das Höchste auf das Niveau des Niedrigsten herab“ (Simmel, 1983, S.86). Folglich dieser Nivellierung Simmels haben Ak- tien einer Aktiengesellschaft für sämtliche Aktionäre den gleichen Wert. Diese Folgerung kann durchaus kritisch betrachtet werden, da Familienmitglieder ei- ner Familien-Unternehmung eine persönliche Beziehung zum Unternehmen pflegen können und nicht zum reinen Profit und unpersönlich investieren. Des weiteren ist z.B für einen Sammler der emotionale Wert und die persönliche Beziehung zum Gegenstand zentral und kann nicht durch einen objektiven Geldwert ausgedruckt werden.

2.2 Geld ermöglicht Distanz

Geld bewirkt nicht nur eine Entfernung zwischen Person und Besitz, die Globa- lisierung und der internationale Markt schaffen immer mehr Distanz zwischen Verkäufer und Käufer. Durch technologischen Fortschritt und das Internet er- folgt Kommunikation länderübergreifend. Die globale Vernetzung der Wirtschaft ermöglicht es Unternehmen, neben dem Absatz ihrer Produkte auch die Pro- duktion weltweit durchzuführen. Durch Arbeitsteilung und Spezialisierung sind für viele Unternehmungen Fabrikhallen oder Zweitniederlassungen im Ausland zur Gewohnheit geworden. „Diese fernwirkende Form des Besitzes, die wir heu- te als selbstverständlich hinnehmen, ist doch erst möglich geworden, seit das Geld trennend und verbindend zwischen Besitz und Besitzer getreten ist“ (Simmel, 1983, S.79).

2.3 Geld schafft Individualisierung und Un-/Abhängigkeiten

„Wir sind von jedem bestimmten sehr viel unabhängiger“ (Simmel, 1983, S.83). Diese Unabhängigkeit drückt sich in unserem Konsumverhalten aus, wir können Produkte oder Dienstleistungen von mehren Anbietern beziehen und sind dadurch unabhängig in der Auswahl. Obwohl wir die Anbieter beliebig wechseln können, sind wird doch durch Arbeitsteilung und Spezialisierung von vielen An- bieter-Gruppen abhängig. Deutschmann (2000) ergänzt: „Es hat in der Ge- schichte noch nie eine Gesellschaft gegeben, in der die Menschen in einem so umfassenden Sinn voneinander abhängig geworden sind wie in der modernen Gesellschaft“ (S.304). Diese Ab- und Unabhängigkeit begegnet uns im Alltag. In einer Stadt können wir keine Lebensmittel selber herstellen, folglich sind wir von den Anbietern von Nahrungsmittel abhängig, jedoch nicht vom Einzelnen da wir eine breite Auswahl von Anbietern haben, um unser Bedürfnis nach Nahrung zu stillen.

2.4 Geld beschleunigt die Gesellschaft

Arbeitszeiten, Produktionszeiten und Transferzeiten, sämtliche Faktoren sind durch das Geld geprägt und bestimmt. Geld bestimmt, wann wir aufstehen und wann wir schlafen gehen. Das Geld hat die Gesellschaft geprägt und kann als neue Religion angesehen werden. Die Zeit als wirtschaftlich knappes Gut för- dert Wachstum und Produktivität in der Wirtschaft. Diese Abhängigkeit des Gel- des gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern für sämtliche gesellschaftliche Sys- teme (Deutschmann, 2000, S.311). Durch verschiedene Finanzkreisen haben wir die Geschwindigkeit der Geldwirtschaft unterschätzt, höchstens die virtuel- len Ökonomien des Internets können diesem Tempo standhalten (Deutsch- mann, 2000, S.312).

3 Max Webers Handlungstheorie

3.1 Handeln

Weber definiert die Soziologie als: "eine Wissenschaft, welche soziales Han- deln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will" (Weber, 1976, S.1). Der zentrale Begriff in Webers De- finition ist das soziale Handeln, welches vom Handeln abzugrenzen ist.

„'Handeln' soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder in- nerliches Tun, Unterlassen oder Dulden heißen), wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden“ (Weber, 1976, S.1). Nach Weber ist nicht jedes Verhalten ein Handeln, sondern nur in Verbin- dung eines Sinnes (Abels, 2007, S. 141). Des weiteren präzisiert Weber Af- fekthandlungen als Reaktion und nicht als Handeln (Abels, 2007, S.142).

3.2 Sinn

Soziales Handeln orientiert sich am wechselseitig gemeinten Sinn, nur wenn wir Handeln und etwas Bestimmtes meinen und dies ebenfalls dem Gegenüber zum Ausdruck bringen und dieser ebenfalls etwas ganz Bestimmtes versteht, entsteht die wechselseitige Beziehung des sozialen Handelns (Abels, 2007, S.142).

Der Sinn kann folgendes beinhalten:

- „eine planende Absicht, die jemand in einer bestimmten Situation verfolgt
- antizipatorische Vorstellungen, vom Handelnden gegenüber anderen
- normative Erwartungen gegenüber anderen Handelnden
- alltagstheoretische Auffassungen und Orientierungen die in einer Situati- on als verbindlich angenommen werden
- Vorstellungen über Regeln und Ordnungen“ (Amann, 1986, S.199).

Um den Sinn des Handelnden zu verstehen, muss sich der Soziologe in den Handelnden hineinversetzen, um seine Absichten deuten zu können. 7

[...]

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Details

Titel
Geld und soziale Beziehungen. Das Beispiel Euro
Hochschule
Fachhochschule St. Gallen  (Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft IQB-FHS)
Veranstaltung
Seminar
Note
5.5 (CH-Standard)
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V339317
ISBN (eBook)
9783668292444
ISBN (Buch)
9783668292451
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weber, Euro, Geld, Einfluss, soziale Beziehungen, Money, Euros, Max Weber, Soziologie, Marx
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Geld und soziale Beziehungen. Das Beispiel Euro, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339317

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