Zwischen Monteverdi und Artusi gab es Anfang des 17. Jahrhunderts eine Kontroverse bezüglich ihrer Auffassung von Komposition, Behandlung von Dissonanzen und den Stellenwert der Harmonik und des Textes. Im Folgenden werde ich mich damit auseinander setzten, in wie fern es sich hierbei um ein Aufeinandertreffen von konträren Positionen handelt oder ob es vielleicht doch gar keinen so großen Unterschied zwischen beiden Ansichten und Meinungen gab.
Beginnen möchte ich mit einer kurzen Erklärung, was unter der prima und seconda pratica zu verstehen ist, genauer werde ich darauf noch zu sprechen kommen
Inhaltsverzeichnis
Die prima und seconda pratica und ihre Entwicklung
Die Kontroverse zwischen Giovanni M. Artusi und Claudio Monteverdi
Claudio Monteverdis Bekanntheit zu Lebzeiten und nach seinem Tod
Die Kontroverse - ein Streit von Gegensätzen?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Kontroverse zwischen Giovanni Maria Artusi und Claudio Monteverdi zu Beginn des 17. Jahrhunderts, um zu ergründen, ob es sich dabei tatsächlich um einen fundamentalen Streit gegensätzlicher Positionen zur Kompositionstechnik und Ästhetik handelte oder lediglich um einen fachlichen Meinungsaustausch über die Entwicklung der Musiksprache.
- Definition und historische Entwicklung der prima pratica und seconda pratica
- Analyse der inhaltlichen Kritikpunkte in der Debatte zwischen Artusi und Monteverdi
- Untersuchung der Bedeutung von Textverständlichkeit und Dissonanzbehandlung
- Einfluss der Florentiner Camerata auf die musikalischen Neuerungen
- Historische Rezeption und Bekanntheit Claudio Monteverdis
Auszug aus dem Buch
Die prima und seconda pratica und ihre Entwicklung
Beginnen möchte ich mit einer kurzen Erklärung, was unter der prima und seconda pratica zu verstehen ist, genauer werde ich darauf noch zu sprechen kommen.
Ihren Namen bekamen die Praktiken von Claudio Monteverdi am Anfang des 17.Jahrhunderts, als seine Madrigale und die drin verarbeiteten Neuerungen von Giovanni Maria Artusi, einem Musiker und Komponisten, kritisiert wurden. Dabei ist es fraglich, ob Monteverdi sich bewusst auf die Kontroverse eingelassen hatte oder ob er wie Silke Leopold in ihrem Buch betont so hineingeraten ist, da er auf Artusis Kritik reagieren wollte. Gegen ein bewusstes Eintreten spricht der Zeitraum, der zwischen Artusis Kritik und Monteverdis erster, direkter, Antwort lag. Wenn er sich an der Kontroverse beteiligen wollte, hätte er nicht so lange gewartet. Dazu aber später mehr. Zuerst gab es die prima pratica, zu der auch Artusi gehörte, die sich auf altbewährtes stützt und mit den Neuerungen der seconda pratica zumindest teilweise nicht einverstanden war. Daraus hat sich dann die seconda pratica entwickelt, wobei deutlich zu betonen ist, dass nicht nur Monteverdi als ihr Entwickler zu bezeichnen ist, da es natürlich nicht nur eine Person gab, die an Innovation interessiert war und in einem Entwicklungsprozess die seconda pratica „gegründet“ hatte. Auch gab es nicht einen plötzlichen oder abrupten Anfang, sondern eine Phase der Entwicklung.
Zusammenfassung der Kapitel
Die prima und seconda pratica und ihre Entwicklung: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Kompositionsstilen und beleuchtet die Rolle Monteverdis sowie der Florentiner Camerata bei deren Entstehung.
Die Kontroverse zwischen Giovanni M. Artusi und Claudio Monteverdi: Hier werden der Verlauf des Streits, die Rolle der Dissonanzbehandlung und die Identität des Pseudonyms L'Ottuso im Kontext der Debatte detailliert dargestellt.
Claudio Monteverdis Bekanntheit zu Lebzeiten und nach seinem Tod: Dieses Kapitel analysiert die historische Rezeption Monteverdis, seine Wahrnehmung als Musiktheoretiker und den Wandel seines Status im Laufe der Jahrhunderte.
Die Kontroverse - ein Streit von Gegensätzen?: Abschließend wird die These diskutiert, dass die Kontroverse eher als ein produktiver Meinungsaustausch denn als unüberbrückbarer Gegensatz verstanden werden sollte.
Schlüsselwörter
prima pratica, seconda pratica, Claudio Monteverdi, Giovanni Maria Artusi, Dissonanzbehandlung, Kontrapunkt, Textverständlichkeit, Florentiner Camerata, Musikgeschichte, Barock, Kompositionstheorie, Musikästhetik, Madrigal, Operngeschichte, Musiktheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der berühmten musiktheoretischen Kontroverse zwischen dem Theoretiker Artusi und dem Komponisten Monteverdi zu Beginn des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung um die kompositorische Behandlung von Dissonanzen, die Priorisierung des Textes gegenüber der Harmonik und die Entwicklung von der prima zur seconda pratica.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob der Disput als unüberbrückbarer Gegensatz zweier feindlicher Lager zu bewerten ist oder ob es sich um eine bereichernde fachliche Auseinandersetzung über musikalische Erneuerung handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der musikwissenschaftliche Quellen (u.a. von Silke Leopold und Carl Dahlhaus) herangezogen werden, um die historische Debatte kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich dargelegt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition der Praktiken, die chronologische Aufarbeitung des Streits sowie die Untersuchung der historischen Rezeptionsgeschichte Monteverdis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind "seconda pratica", "Dissonanzbehandlung", "Textverständlichkeit" und der Begriff "Kontroverse" in Bezug auf die Musikästhetik des frühen 17. Jahrhunderts.
Welche Rolle spielt die Florentiner Camerata in Monteverdis Schaffen?
Die Camerata wird als wichtige Inspirationsquelle genannt, wobei die Autorin betont, dass Monteverdi deren theoretische Ansätze als praktizierender Musiker in seinen Werken innovativ umsetzte.
Warum wird die Kontroverse laut der Autorin fälschlicherweise als Streit bezeichnet?
Die Autorin argumentiert, dass beide Parteien letztlich das gleiche Ziel verfolgten – die Musik – und dass ein direkter persönlicher Austausch vermutlich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis geführt hätte.
- Citation du texte
- Jennifer Böker (Auteur), 2013, Die prima und seconda pratica und die Kontroverse zwischen Giovanni Maria Artusi und Claudio Monteverdi. Streit der Gegensätze oder doch nur ein Meinungsaustausch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339339