Die Zahl der „Normalarbeitsplätze“ in der deutschen Wirtschaft sinkt. Ein Normalarbeitsplatz in diesem Sinne ist eine unbefristete, sozialversicherte Vollzeitbeschäftigung. Zwar entstehen derzeit auch wieder Normalarbeitsplätze, dennoch nehmen längerfristig gesehen die atypischen Formen von Arbeit eher zu und die Zahl sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung ab.
Die Definition von prekären Beschäftigungsverhältnissen ist schwierig. Nicht jede atypische Beschäftigung, wie zum Beispiel Teilzeitarbeit, ist auch prekär. Prekär ist Erwerbsarbeit in der Regel dann, wenn der Lohn deutlich unter dem Durchschnittseinkommen liegt, keine zuverlässige Zukunftsplanung für den einzelnen möglich ist und Arbeitnehmerschutzrechte reduziert sind. Prekär sind die Jobs vor allem deswegen, weil sich die Risiken des Arbeitsmarktes hier besonders konzentrieren. Viele Jobs sind unsicher und/oder niedrig bezahlt; die Chance, erneut arbeitslos zu werden, ist besonders groß, Phasen der Beschäftigung und Nichtbeschäftigung wechseln einander ab.
Die Ursachen für das Zurückdrängen des Normalarbeitsverhältnisses und die Zunahme prekärer Beschäftigungsformen sind vielfältig. Globalisierungsprozesse und die Internationalisierung der Märkte erzeugen einen hohen Konkurrenzdruck für Wirtschaft und Betriebe. Sie müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die Lohnkosten spielen hierbei eine wichtige Rolle. Von Arbeitgeberseite werden deshalb prekäre Beschäftigungsverhältnisse oftmals auch als Brücke hin zu gesicherten Arbeitsplätzen verstanden. Welche Formen prekären Arbeitsverhältnissen gibt es? Welche Folgen und Ursachen haben prekäre Jobs? Und was bedeutetes überhaupt, sich in einer prekären Lage zu befinden?
Um diese Fragen beantworten zu können, ist es zuerst zweckdienlich, den Begriff zu definieren. Also, im ersten Abschnitt meiner Arbeit stellt sich die Frage nach der Definition des Begriffes „Prekarität“. Im weiteren Abschnitten beschäftige ich mich mit den Formen prekärer Arbeitsverhältnissen. Hierzu soll auf die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition des Begriffes „Prekarität“
2. Prekäre Beschäftigungsformen
2.1 Unterbeschäftigung und sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit
2.1.1 Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung
2.2 Befristete Beschäftigung
2.2.1 Aktuelle Entwicklung
2.3 Geringfügige Beschäftigung – Mini-Jobs
2.3.1 Aktuelle Entwicklung
2.4 Leiharbeit – Arbeitnehmerüberlastung
2.4.1 Aktuelle Entwicklung
3. Warum steigen prekäre Beschäftigungen immer an?
4. Soziale Folgen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbreitung, Ursachen und sozioökonomischen Auswirkungen prekärer Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland, um ein tieferes Verständnis für die damit einhergehenden Belastungen der Betroffenen zu gewinnen.
- Definition des Begriffs Prekarität im soziologischen Kontext
- Analyse verschiedener prekärer Erwerbsformen (Teilzeit, Befristung, Minijobs, Leiharbeit)
- Untersuchung der strukturellen Ursachen für den Anstieg unsicherer Beschäftigung
- Darstellung der psychosozialen und gesundheitlichen Folgen für Beschäftigte
Auszug aus dem Buch
1. Definition des Begriffes „Prekarität“
Prekarität als soziologischer Begriff wird für eine inhomogene soziale Gruppierung, die durch Unsicherheiten der Erwerbstätigkeiten gekennzeichnet ist, verwendet. Dadurch können Lebensverhältnisse schwierig sein, bedroht werden oder zum sozialen Abstieg führen (Pelizzari 2009, S.49).
Das Wort Prekär wird zunächst einmal mit etwas unsicherem, heiklen oder auch ungewissen gleichgesetzt. Befindet man sich demnach in einer prekären Situation, ist diese von Ungewissheit und Instabilität gekennzeichnet. Man weiß nicht genau wohin einem diese Situation führen und wie sie ausgehen wird. Am häufigsten wird das Wort Prekär im Zusammenhang mit den aktuellen Arbeitsverhältnissen in Deutschland verwendet. Dabei werden Erwerbstätigkeiten einer Person als prekär eingestuft, wenn diese für instabile Lebensverhältnisse der Personen sorgen (Ducki 2010, S. 23).
Klaus Dörre definiert das Wort „prekär“ folgendermaßen: „Als prekär kann ein Erwerbsverhältnis bezeichnet werden, wenn die Beschäftigten aufgrund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein Einkommens-, Schutz und soziales Integrationsniveau sinken, das in der Gegenwartsgesellschaft als Standard definiert und anerkannt wird. Und prekär ist Erwerbsarbeit auch, sofern sie subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit in einem Ausmaß verbunden ist, das gesellschaftliche Standards deutlich zu Ungunsten der Beschäftigten korrigiert (Dörre 2009, S.48).“
Prekäre Beschäftigung kann mit atypischer Beschäftigung einhergehen, ist mit dieser aber nicht gleichzusetzen. Beschäftigungsverhältnisse werden beim Statistischen Bundesamt als prekär bezeichnet, wenn sie nicht geeignet sind, auf Dauer den Lebensunterhalt einer Person sicherzustellen oder deren soziale Sicherung zu gewährleisten. Bei der Einstufung einer Erwerbstätigkeit als prekär sind auch persönliche Lebensumstände des Erwerbstätigen, wie der bisherige Verlauf des Arbeitslebens und der Haushaltskontext, zu beachten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik sinkender Normalarbeitsplätze und die Definition prekärer Erwerbsarbeit sowie Darlegung der Forschungsfragen.
1. Definition des Begriffes „Prekarität“: Erläuterung des soziologischen Begriffs Prekarität und Abgrenzung von atypischen Beschäftigungsformen durch Einbeziehung persönlicher Lebensumstände.
2. Prekäre Beschäftigungsformen: Detaillierte Darstellung verschiedener Formen wie Teilzeit, Befristung, Minijobs und Leiharbeit inklusive ihrer aktuellen statistischen Entwicklungen.
3. Warum steigen prekäre Beschäftigungen immer an?: Analyse der ökonomischen und gesellschaftlichen Treiber, wie Finanzmarkt-Kapitalismus, Globalisierung und arbeitsmarktpolitische Reformen.
4. Soziale Folgen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse: Diskussion über die psychosozialen Belastungen, gesundheitliche Risiken und die sozialen Auswirkungen für die Betroffenen und die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Prekarität, Normalarbeitsplatz, atypische Beschäftigung, Teilzeit, Befristung, Minijobs, Leiharbeit, Arbeitsmarkt, soziale Sicherung, Arbeitsbedingungen, psychische Gesundheit, Flexibilisierung, Existenzsicherung, Sozialgesetzbuch, Finanzmarkt-Kapitalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland, ihren Ursachen und den daraus resultierenden sozialen und gesundheitlichen Konsequenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Definition von Prekarität, die Analyse spezifischer Beschäftigungsformen (z.B. Minijobs, Leiharbeit) und die soziologische Perspektive auf die Arbeitswelt.
Welches Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich unsichere Beschäftigungsverhältnisse auf die Lebensqualität, psychische Gesundheit und Zukunftsplanung der betroffenen Erwerbstätigen auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Ausprägungen atypischer Arbeit, deren statistische Entwicklung seit den 2000er Jahren sowie die soziokulturellen Ursachen für diesen Wandel.
Welche Schlagworte charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Prekarität, Flexibilisierung, Arbeitsmarktunsicherheit, soziale Ausgrenzung und Flexploitation.
Wie wirkt sich laut der Arbeit eine befristete Beschäftigung aus?
Befristete Arbeitsverhältnisse führen zu einer hohen Planungsunsicherheit, erschweren eine langfristige Lebensgestaltung und erhöhen das Risiko für nachfolgende Arbeitslosigkeit.
Was ist das zentrale gesundheitliche Fazit der Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass prekäre Arbeit einen Teufelskreis aus Stress, finanzieller Sorge und physischen sowie psychischen Erkrankungen auslösen kann, der die Arbeitsmarktintegration weiter erschwert.
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- Maryna Haishynava (Autor), 2015, Prekäre Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Ursachen und Folgen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339363