Wenn man das Leben Célines mit der Reise Bardamus vergleicht fallen einige Ähnlichkeiten auf, wodurch die Reise keinen „rein erfundenen” Eindruck mehr macht. Diese Parallelen zwischen Schriftsteller und Protagonisten erwecken viel mehr den Eindruck, als dass das Werk eine Ausformulierung Célines Gedanken und Taten ist, geschrieben durch ihn selbst – also eine Autobiographie. Ob diese Feststellung richtig ist, oder ob es doch einige Unterschiede gibt, welche dieser Aussage widersprechen und somit doch auf Fiktion hinweisen, soll diese Arbeit klären.
Hierfür wird der Roman zunächst gattungsspezifisch eingeordnet, indem das Werk anhand einer Auswahl an Romangattungen analysiert wird. Durch diese Untersuchung soll geklärt werden, ob das Werk "Voyage au bout de la nuit" eindeutig zuzuordnen ist, oder ob dessen Charakter auf mehrere Gattungen zutrifft. Anschließend überprüft eine Gegenüberstellung von Schriftsteller und Protagonisten, wie stark sich deren Leben überschneiden und in welchem Maß der Roman demzufolge als Autobiographie bezeichnet werden kann. Zu diesem Zweck wird zunächst Bardamus Leben in Europa, danach dessen Erfahrungen in Afrika mit Célines Aufzeichnungen verglichen. Die auftretenden Parallelen, sowie die Unterschiede, werden anhand von Textstellen aus "Voyager au bout de la nuit" aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gattungsspezifische Einordnung von Voyage au bout de la nuit
3. Unterschiede zwischen den Vergangenheiten von Céline und Bardamu
3.1 Vergleich 1: Bardamu und Céline zur Zeit des 1. Weltkrieges
3.2 Vergleich 2: Bardamu und Céline in Kolonialafrika
4. Conclusion
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Roman "Voyage au bout de la nuit" von Louis-Ferdinand Céline und dem tatsächlichen Leben des Autors, um zu klären, inwiefern das Werk als Autobiographie klassifiziert werden kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob die zahlreichen Parallelen zwischen dem Protagonisten Bardamu und Céline eine autobiographische Einordnung rechtfertigen oder ob die Unterschiede auf eine fiktive Struktur hindeuten.
- Gattungstheoretische Einordnung des Romans (Pikaroroman vs. Autobiographie)
- Analyse der biografischen Schnittmengen von Céline und Bardamu
- Vergleich der Kriegserfahrungen (1. Weltkrieg)
- Untersuchung der Kolonialzeit-Erlebnisse in Afrika
- Reflektion über Zynismus und den Beruf des Arztes
Auszug aus dem Buch
3.1 Vergleich 1: Bardamu und Céline zur Zeit des 1. Weltkrieges
Es kann durchaus behauptet werden, dass Célines Karriere als Schriftsteller durch den ersten Weltkrieg initiiert wurde. Céline nützt Voyage au bout de la nuit als ein Plädoyer gegen den Krieg, den er als Massenmord sah. So wie der Protagonist Bardamu meldete sich auch Céline begeistert bei der Armee. Am Anfang des Romans berichtet Bardamu über seinen euphorischen Beitritt der Armee. Bereits zu diesem Zeitpunkt kann der Leser den Pessimismus Bardamus bereits erahnen, als er am Beginn seiner Reise resignierend feststellt: „À vingt ans je n’avais déjà plus que du passé” (Céline, Voyage au bout de la nuit, 105). Dieser Pessimismus zieht sich durch den gesamten Roman und steigert sich sogar fortlaufend durch die negativen Erfahrungen, die Bardamu mit der Gesellschaft und seiner Umwelt macht.
Wie zuvor bereits beschrieben ist Bardamus Einstellung alles andere als tapfer oder tugendhaft. Selbst als er die Tapferkeitsmedaille erhält ist der einzige Nutzen der Situation, dass er nicht mehr in den Krieg ziehen muss: „Pour ma part, je n’avais plus à me plaindre. J’étais même en train de m’affranchir par la médaille militaire que j’avais gagnée, la blessure et tout. En convalescescence, on me l’avait apportée la medaille, à l’hôpital même” (Céline, Voyage au bout de la nuit, 56). Auch sonst macht er nicht den Eindruck, als könne er mit Tapferkeit viel anfangen: „Y a que la bravoure au fond qui est louche. Être brave avec son corps? Demandez alors à l’asticot aussi d’être brave, il est rose et pâle et mou, comme nous” (Céline, Voyage au bout de la nuit, 56). Die Textauszüge verdeutlichen, wie sich Bardamu als Feigling offenbart, der vom Krieg nichts wissen will.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, inwieweit Célines Roman autobiographisch geprägt ist oder als rein fiktives Werk betrachtet werden muss.
2. Gattungsspezifische Einordnung von Voyage au bout de la nuit: Das Werk wird anhand verschiedener Romangattungen wie dem historischen Roman, dem Entwicklungsroman und dem Pikaroroman analysiert.
3. Unterschiede zwischen den Vergangenheiten von Céline und Bardamu: In diesem Kapitel erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Biografien von Autor und Protagonist in zwei spezifischen Lebensphasen.
3.1 Vergleich 1: Bardamu und Céline zur Zeit des 1. Weltkrieges: Dieses Unterkapitel untersucht die Parallelen und Diskrepanzen in der Haltung zum Krieg und den militärischen Erfahrungen beider Figuren.
3.2 Vergleich 2: Bardamu und Céline in Kolonialafrika: Hier wird der Fokus auf die gemeinsamen und abweichenden Erlebnisse in Afrika, insbesondere in Bezug auf Hitze, Fieber und Rassismus, gelegt.
4. Conclusion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass das Werk zwar starke autobiographische Züge aufweist, aber nicht als reine Autobiographie gelten kann.
5. Bibliographie: Das Kapitel listet die verwendeten Quellen und Primär- sowie Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Louis-Ferdinand Céline, Voyage au bout de la nuit, Bardamu, Autobiographie, Pikaroroman, 1. Weltkrieg, Kolonialafrika, Medizin, Rassismus, Kriegskritik, Literaturwissenschaft, Fiktion, Protagonist, Soldatenleben, Zynismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk "Voyage au bout de la nuit" im Kontext seiner autobiographischen Bezüge zu Louis-Ferdinand Céline.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die gattungstheoretische Einordnung des Romans, der Vergleich zwischen den realen Erlebnissen des Autors und der fiktiven Erzählung sowie die psychologische Entwicklung des Protagonisten Bardamu.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit das Werk als Autobiographie bezeichnet werden kann oder durch fiktive Elemente geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, bei der Textstellen aus dem Roman mit historischen Fakten und den persönlichen Briefen Célines gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine gattungsspezifische Einordnung und einen detaillierten Vergleich der Lebenswege von Céline und seinem Protagonisten Bardamu während des 1. Weltkrieges und in Kolonialafrika.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Autobiographie, Pikaroroman, Kriegskritik, Rassismus, Medizinstudium und literarische Fiktion.
Welche Rolle spielt die Medizin in Bardamus Entwicklung?
Das Krankenhaus dient für Bardamu als Rückzugsort und stellt in der Analyse ein potenzielles Fundament für seinen späteren Arztberuf dar, auch wenn die professionelle Ausprägung bei ihm im Gegensatz zum Autor noch fehlt.
Wie unterscheidet sich die Haltung von Céline und Bardamu im Krieg?
Während beide den Krieg als sinnlos ablehnen und als Antimilitaristen agieren, bleibt Céline im realen Leben in Teilen patriotisch, während Bardamu zum bewussten Vaterlandsverräter und Feigling wird.
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- Franz Stiegler (Author), 2016, "Voyage au bout de la nuit" unter dem Aspekt der Autobiographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339372