Aura und ästhetische Bedeutung des (Stumm-)Films bei Benjamin und Adorno

Walter Benjamins "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit"


Seminararbeit, 2015

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Methoden und Quellen

2 Walter BenjaminsKunstwerk-Schrift
2.1 Die Adorno-Rezeption
2.2 Weitere Rezeptionen

3 Benjamin und der Film
3.1 Massenproduktion und Rezeption durch Massen
3.2 Stummund Tonfilm
3.3 Adorno vs. Benjamin

4 Conclusio

Literaturverzeichnis

This paper traces the profound impacts of Walter Benjamins essay „The Work of Art in the Age of Mechanical Reproduction (or Reproducibility)“upon the following generations of researches in film aesthetics. It highlights Benjamins thoughts on film, aesthetics and mass culture and also provides a deeper understanding of Theodor W. Adornos response to the essay. It argues that on first glance the response might be a very critical one but goes on to show that there is certain agreement between the both even though, that consent comes from diametrical positions.

1 Einleitung

Walter Benjamins SchriftDas Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit– oder auch kurzKunstwerkaufsatz– entstand 1935 im Pariser Exil, wo sich Benjamin als Jude auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aufhielt. Der relativ kurze Text gilt heute als Grundlagentext für Kunst-, Kulturund Medientheorien.[1]Er dient in folgender Arbeit als Ausgangsund Bezugswerk.

Nach einem kurzen Überblick über Quellen und Methoden, die in dieser Arbeit angewandt wurden, widmet sich der Aufsatz zunächst vertieft der Kunstwerkschrift, wobei die Inhalte knapp dargelegt und zusammengefasst werden. Darauffolgend sollen die zeitgenössischen Rezeptionen, allen voran diejenige von Benjamins Freund Theodor W. Adorno genauer untersucht werden. Ausgehend von dieser allgemeinem Analyse des Textes und dessen Aufnahme, wird in einem dritten, abschließenden Teil, das Beispiel Film herausgegriffen und einer tieferen Analyse unterworfen. Dabei sollen vor allem die von Benjamin selbst als bedeutend eingestuften Begriffe der Massenproduktion und der Rezeption von Kunst durch die Massen im Allgemeinen, sowie des Mediums Film im Besonderen, dargelegt werden und eine kritische Auseinandersetzung mit denselben erfolgen.

In der abschließenden Conclusio werden die gewonnenen Einblicke zusammengefasst und sich daraus ergebende mögliche neue Fragestellungen erörtert.

Benjamin verfasste seinen Grundlagentext ohne Publikationsvereinbarung durch seinen Verleger und ohne eine längere dem Text vorangestellte Planungsphase, in nur wenigen Wochen in den Herbstmonaten 1935.[2]Er kann jedoch in eine Reihe Texte eingegliedert werden, die Benjamin entweder vor oder nach der Kunstwerkschrift verfasste.[3]Dazu gehörenErfahrung und Armut(1933),Der Autor als Produzent(1934) undErzähler(1936), aber auch das 1931 entstandene Essay über die Photographie, in welchem zum ersten Mal eine Definition der für Benjamin so wichtigen Aura geliefert wird.[4]

Benjamin selbst, betrachtete die Schrift wohl vorerst als eineReihe vorläufiger Überlegungen[5], die er zwar mit großem Stolz zur Publikation anbot, aber eben auch als vorläufig, provisorisch betrachtete. Das von Benjamin in Auftrag gegebene Typoskript wurde Max Horkheimer übergeben und aus dessen konstruktiven Vorschlägen entstand eine weitere überarbeitete und ins französische übersetzte Version des Aufsatzes, die dann zur Erstpublikation in derZeitschrift für Sozialforschung, deren Herausgeber Horkheimer war, verwendet wurde.[6]

Obwohl Benjamin beinahe euphorisch und zuversichtlich in Bezug auf seine verfasste Schrift war, wurde ihm eine breitere Rezeption, dies mag auch auf die mangelhafte französische Übersetzung zurückzuführen sein, zu seinen Lebzeiten nicht vergönnt. Umso massiver ist die Diskussion um diesen Text, nach dessen Tod ausgebrochen. Bis heute, ist die Kunstwerkschrift die am häufigsten zitierte Schrift Benjamins überhaupt.[7]Dies ist vor allem der 1963 erschienen Einzelpublikation zu verdanken und der darauffolgenden Rezeption durch die 1968er Generation und der Politisierung der Kunst.[8]

1.1 Methoden und Quellen

Dieser Arbeit liegt die von Suhrkamp 1963 als Einzelpublikation veröffentlichte dritte Fassung des Kunstwerkaufsatzes als Primärquelle zu Grunde, die auch gleichzeitig gewissermaßen die kanonische Version ist.[9]Editionsgeschichtlich folgt der Kunstwerkaufsatz einer komplexen Entstehungsgeschichte, in der mehrere Fassungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden und quellentechnisch aufgearbeitet wurden. Daher ist es nicht selbstverständlich, dass ausgerechnet dieser Text zu einem Grundlagentext wurde.[10]

Benjamins Herangehensweise in diesem Text ist enorm gegenstandsbezogen und man könnte sagen, dass die Gegenstände seine Methode bestimmen.[11]Daher ist auch in dieser Arbeit der Gegenstand, insbesondere der (Stumm-)Film und die Entwicklung des Radios, von einer zentralen Bedeutung und dessen Eigenschaften werden zu wichtigen Parametern in der Hermeneutik. Obwohl Benjamin den Kunstanspruch des Filmes selbst oft kritisch hinterfragte, gar negierte, entwickelte er in seinem berühmten Essay eine Reihe einzigartiger filmspezifischer Eigenschaften und grenzt so den Begriff ab von Photographie, Malerei und Theater.[12]

Mit Hilfe von Sekundärliteratur aus dem akademischen Umfeld werden außerdem Ideen entwickelt und belegt. Egodokumente werden, nach eingehender Prüfung, für die Arbeit ebenfalls hinzugezogen, dabei handelt es sich vor allem um Briefwechsel zwischen Benjamin, Adorno und Horkheimer.

Methodisch beschränkt sich vorliegende Arbeit auf die Textauslegung und dem Vergleichen von Quellen primärer und sekundärer Natur.

2 Walter Benjamins Kunstwerk-Schrift

Dem von Benjamin verfassten Text, steht eine Passage aus Paul ValérysPièces sur l’artvoran. Der französische Lyriker und Philosoph beschreibt darin die vermeintlichen Einflüsse der (technischen) Neuerungen auf die Künste. Er bemerkt, dass „so große Neuerungen die gesamte Technik der Künste, [...] den Begriff der Kunst selbst auf die zauberhafteste Art“[13]verändern werden. Er sieht diese Veränderungen, als eher positive Entwicklung und dass Benjamin seinem Text ausgerechnet diese Passage voranstellt, könnte bei einer tieferen Reflektion zu Benjamins persönlicher Einstellung interessante Gedankenanregungen liefern.

Im darauffolgenden Vorwort bemerkt der Leser sofort den politischen Kontext des Textes. Bereits im ersten Satz wird ein Bezug zu Karl Marxens Kritik der Ökonomie hergestellt.[14]Benjamin macht klar, dass seine „neu in die Kunsttheorie eingeführten Begriffe [...] für die Zwecke des Faschismus vollkommen unbrauchbar“[15]wären, aber sie sind „zur Formulierung revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar.“[16]Solche von Benjamin benutzten Ausdrucksweisen, mögen heute als überholt gelten und einen geringen Stellenwert in der Ausdeutung der Schrift einnehmen. Für Benjamin selbst aber war die Krisensituation 1935 eine reale Bedrohung und er glaubte an das komplette Vernichtungsszenario, das „als politisches Gesamtkunstwerk inszeniert“[17]würde. Und damit lag er, im Gegensatz zu seinem Freund Adorno nicht so falsch. Die marxistische Ausrichtung des Kunstwerkaufsatzes darf daher eigentlich nicht aus dem zeitlichen Kontext gelöst werden.

[...]


[1]Burkhardt Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, in:Benjamin Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, hrsg. von Burkhardt Lindner, Stuttgart und Weimar 2006, S. 229.

[2]Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 229.

[3]Jean-Michel Palmier,Walter Benjamin, Memmingen 2009, S. 1021.

[4]Ebd., S. 1021–1022.

[5]Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 229.

[6]Ebd., S. 230.

[7]Eva Geulen, „Zeit zur Darstellung. Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, in:MLNJg. 107, Nr. 3 (1992), S. 580.

[8]Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 232.

[9]Ebd., S. 230.

[10]Geulen, „Zeit zur Darstellung. Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 581.

[11]Ebd., S. 584.

[12]Doron Galili, „Intermedial Thought in Classical Film Theory: Balázs, Arnheim, and Benjamin on Film and Radio“, in:The Germanic Review: Literature, Culture, Theory, London 2013, S. 397.

[13]Walter Benjamin,Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie, Frankfurt am Main 332012, S. 8.

[14]Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 231.

[15]Benjamin,Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, S. 9.

[16]Ebd.

[17]Lindner, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, S. 232

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Aura und ästhetische Bedeutung des (Stumm-)Films bei Benjamin und Adorno
Untertitel
Walter Benjamins "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit"
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Philosophie)
Veranstaltung
Ästhetik und Kunstphilosophie. Geschichtliche und thematische Einführung in die Ästhetik
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V339381
ISBN (eBook)
9783668289277
ISBN (Buch)
9783668289284
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aura, bedeutung, stumm-, films, benjamin, adorno, walter, benjamins, kunstwerk, zeitalter, reproduzierbarkeit
Arbeit zitieren
Sarah Lutz (Autor), 2015, Aura und ästhetische Bedeutung des (Stumm-)Films bei Benjamin und Adorno, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339381

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