Walter Benjamins Schrift "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" – oder auch kurz "Kunstwerkaufsatz" – entstand 1935 im Pariser Exil, wo sich Benjamin als Jude auf der Flucht vor den Nationalsozialisten aufhielt. Der relativ kurze Text gilt heute als Grundlagentext für Kunst-, Kultur- und Medientheorien. Er dient in folgender Arbeit als Ausgangs- und Bezugswerk.
Nach einem kurzen Überblick über Quellen und Methoden, die in dieser Arbeit angewandt wurden, widmet sich der Aufsatz zunächst vertieft der "Kunstwerkschrift", wobei die Inhalte knapp dargelegt und zusammengefasst werden. Darauffolgend sollen die zeitgenössischen Rezeptionen, allen voran diejenige von Benjamins Freund Theodor W. Adorno genauer untersucht werden. Ausgehend von dieser allgemeinem Analyse des Textes und dessen Aufnahme, wird in einem dritten, abschließenden Teil, das Beispiel Film herausgegriffen und einer tieferen Analyse unterworfen. Dabei sollen vor allem die von Benjamin selbst als bedeutend eingestuften Begriffe der Massenproduktion und der Rezeption von Kunst durch die Massen im Allgemeinen, sowie des Mediums Film im Besonderen, dargelegt werden und eine kritische Auseinandersetzung mit denselben erfolgen.
Benjamin verfasste seinen Grundlagentext ohne Publikationsvereinbarung durch seinen Verleger und ohne eine längere dem Text vorangestellte Planungsphase, in nur wenigen Wochen in den Herbstmonaten 1935. Er kann jedoch in eine Reihe Texte eingegliedert werden, die Benjamin entweder vor oder nach der Kunstwerkschrift verfasste. Dazu gehören Erfahrung und Armut (1933), Der Autor als Produzent (1934) und Erzähler (1936), aber auch das 1931 entstandene Essay über die Photographie, in welchem zum ersten Mal eine Definition der für Benjamin so wichtigen Aura geliefert wird.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 METHODEN UND QUELLEN
2 WALTER BENJAMINS KUNSTWERK-SCHRIFT
2.1 DIE ADORNO-REZEPTION
2.2 WEITERE REZEPTIONEN
3 BENJAMIN UND DER FILM
3.1 MASSENPRODUKTION UND REZEPTION DURCH MASSEN
3.2 STUMM- UND TONFILM
3.3 ADORNO VS. BENJAMIN
4 CONCLUSIO
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen von Walter Benjamins Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ auf die Filmästhetik und analysiert kritisch die fachliche Auseinandersetzung Theodor W. Adornos mit diesem Text. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen Benjamins medientheoretischen Ansätzen zur Massenkultur und Adornos kulturindustrieller Kritik aufzuzeigen.
- Analyse von Benjamins zentralen Begriffen wie Aura, Reproduzierbarkeit und Massenproduktion.
- Untersuchung der spezifischen Bedeutung des Films innerhalb der modernen Ästhetik.
- Gegenüberstellung der Theorien von Walter Benjamin und Theodor W. Adorno.
- Betrachtung der Rezeptionsgeschichte und der politischen Dimension der Kunstwerkschrift.
- Evaluation des Einflusses der technischen Apparatur auf die Wahrnehmung des Kunstwerks.
Auszug aus dem Buch
3.1 Massenproduktion und Rezeption durch Massen
Masse und Massenproduktion sind bei Benjamin genau wie der Film und der Begriff der Aura immer wiederkehrende Elemente. Das zwölfte Kapitel der Kunstwerkschrift eröffnet Benjamin mit einem Hinweis auf die Auswirkungen der technischen Reproduzierbarkeit in Bezug auf das Verhältnis der Massen zur Kunst. Wobei er hier offensichtlich ohne Reflektion dem Film einen Kunstanspruch zugesteht, indem er einen Vergleich zwischen Picasso und Chaplin zieht. Ein interessanter Aspekt ist das von Benjamin beschriebene Zusammenfallen von kritischer und genießender Haltung, das offenbar beim Film unabdingbar wird. Die Verhaltensweise des Einzelnen wiederspiegelt sich, ja wird gar bedingt, durch die bevorstehende „Massierung“. Der Film tritt hier in das Erbe der Architektur und des Epos’ ein.
Die Masse ist das, was laut Benjamin an der Kunst, so auch am Film, teilnimmt. Sie beeinflusst aber, auch auf Grund oder vor allem auf Grund ihrer Größe, die Betrachtung von Kunst. Benjamin aber lässt sich nicht auf die Seite der „alten Klage“ nach einer hirnlosen Kunst, die lediglich der Zerstreuung der Massen dient, ein. Allerdings ist die massenhafte Verbreitung der neuen Medien, insbesondere die des Tonfilmes, auch ein Wunsch nach Transportierbarkeit, nach Minimalisierung und nach Unmittelbarkeit. Die Verbreitung im kleinen, privaten Medium Fernsehen bestätigt dies.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Vorstellung des Kunstwerkaufsatzes als zentralen Grundlagentext der Moderne und Erläuterung des methodischen Vorgehens anhand von Primär- und Sekundärquellen.
1.1 METHODEN UND QUELLEN: Definition der verwendeten Primärquellen, insbesondere der Suhrkamp-Ausgabe, und Erörterung des gegenstandsbezogenen methodischen Ansatzes.
2 WALTER BENJAMINS KUNSTWERK-SCHRIFT: Analyse der Entstehungsgeschichte des Textes, seiner politischen Verortung und der Einführung zentraler Begriffe wie Aura und Reproduzierbarkeit.
2.1 DIE ADORNO-REZEPTION: Untersuchung der kritischen Korrespondenz zwischen Adorno und Benjamin sowie deren unterschiedliche Sichtweisen auf Autonomieästhetik.
2.2 WEITERE REZEPTIONEN: Betrachtung der späteren Aufnahme von Benjamins Werk, insbesondere in den Film Studies und der englischsprachigen Rezeptionsgeschichte.
3 BENJAMIN UND DER FILM: Erläuterung der Bedeutung des Mediums Film für die gesellschaftliche Wahrnehmung und der Abkehr von kultischen Elementen.
3.1 MASSENPRODUKTION UND REZEPTION DURCH MASSEN: Diskussion des Verhältnisses zwischen Massen, Filmrezeption und der gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung technischer Reproduzierbarkeit.
3.2 STUMM- UND TONFILM: Untersuchung der spezifischen medialen Unterschiede und der funktionalen Auswirkungen von Ton und Montage auf das Gesamtkunstwerk.
3.3 ADORNO VS. BENJAMIN: Synthese der gegensätzlichen Positionen beider Denker hinsichtlich der Ästhetik der Massenkultur und der Montage.
4 CONCLUSIO: Zusammenfassende Würdigung von Benjamins Beiträgen zur modernen Ästhetik und Reflexion über die zeitlose Relevanz seiner Begriffe.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Aura, technische Reproduzierbarkeit, Filmästhetik, Massenkultur, Kunstwerk, Montage, Kulturindustrie, Medientheorie, Massenproduktion, Rezeption, Kunstsoziologie, Moderne, Ent-Auratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Walter Benjamins berühmten Essay „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ und untersucht, wie dessen Thesen die Filmästhetik beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Verlust der Aura durch Reproduktion, die Rolle der Massen bei der Kunstbetrachtung sowie die mediale Entwicklung vom Stumm- zum Tonfilm.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Benjamins Theorien darzulegen und die kontroverse, kritische Auseinandersetzung seines Freundes Theodor W. Adorno mit diesem Werk aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer methodischen Textauslegung und einem vergleichenden Quellenstudium unter Einbeziehung von Sekundärliteratur und Egodokumenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Benjamins Begrifflichkeiten, die Adorno-Rezeption, die gesellschaftliche Bedeutung des Films sowie die spezifischen Aspekte von Massenproduktion und Montage detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Aura, Reproduzierbarkeit, Filmästhetik, Massenkultur, Montage und die Auseinandersetzung zwischen Benjamin und Adorno.
Wie unterscheidet sich laut Benjamin das Kunstwerk im Film von traditioneller Kunst?
Benjamin argumentiert, dass der Film durch die Montage und die technische Reproduzierbarkeit den traditionellen Kultwert des Kunstwerks zerstört und eine neue, politisierte Form der Wahrnehmung ermöglicht.
Welche Rolle spielt die „Aura“ in der Argumentation beider Denker?
Während Benjamin den Verlust der Aura in der Moderne als Chance für eine neue politische Kunst begreift, kritisiert Adorno diesen Prozess und fürchtet eine Manipulation des kulturellen Wertes.
Inwiefern beeinflusste die Kamera die Filmästhetik laut Benjamin?
Die Kamera ermöglicht es, dem Publikum Strukturen sichtbar zu machen, die zuvor optisch nicht bewusst waren, und fungiert somit als analytisches Werkzeug, vergleichbar mit der Psychoanalyse.
- Quote paper
- Sarah Lutz (Author), 2015, Aura und ästhetische Bedeutung des (Stumm-)Films bei Benjamin und Adorno, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339381