Herrschaft der Spezies Mensch. Aktuelle Tierrechtspositionen und eine mögliche Fleischalternative


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Kapitel 1 1.1 Die Geschichte der Tierschutzund Tierrechtsbewegung und ihre wichtigsten Vertreter
1.2 Argumente der menschlichen Fleischfresser für den genussvollen Fleischkonsum
1.3 Die Kluft zwischen Mensch und Tier nach Martin Balluch

Kapitel 2 2.1 Zukunftsszenario von einer Welt mit 'In-Vitro-Fleisch'

Schlussfolgerung

Literaturnachweise

Einführung

Die vorliegende Hausarbeit führt den Leser in die aktuellen Tierrechtspositionen ein und zieht hieraus die Konsequenz einer möglichen Fleischalternative. Meine Informationen habe ich hauptsächlich aus Ursula Wolfs ausführlicher Zusammenfassung der „Texte zur Tierethik“ und dem Buch „Zoopolis“ von Will Kymlicka und Sue Donaldson entnommen.1 Meine weiterführenden Gedanken wurden durch die Schrift zur „Kontinuität von Bewusstsein“ von Martin Balluch2angeregt.

Als regelmäßige Fleischkonsumentin war es für mich besonders schwer, sich dem Thema der Tierrechtsethik zu nähern. Bevor ich das Seminar Zoopolis unter der Leitung von Dr. Christian Müller besuchte, waren meine Gedanken wenig an das Wohl meines zu verzehrenden Tieres verhaftet. Besonders wenn das Fleisch in Form von Wurst oder von Hackfleisch auftritt, fehlt jeglicher Bezug zum Tier als ein subjektives soziales Wesen. Aber auch ein ganzes Huhn war für mich kein Problem. Gleichzeitig war unsere Familie bis vor kurzem noch Besitzer von zwei Hunden, deren eigenes Selbst von keinem von uns angezweifelt wurde. Eine gewisse Hierarchie herrschte jedoch in unserer Familie. Die Hunde wurden von uns gleichsam als Adoptivkinder im positiven Sinne betrachtet. Durch ihre Treue und Liebe, stellten wir weder ihren Verstand, noch ihren Sinn für Gerechtigkeit und Moral in Frage.

Dieses ambivalente Verhalten scheint in unserer heutigen Gesellschaft Gang und Gebe zu sein. Die Anerkennung der Moral bei Haustieren steht im klaren Gegensatz zur Verdrängung der brutal praktizierten Massentierhaltung. Dennoch handelt es sich bei beiden Kategorien um nicht-menschliche Tiere, die zu menschlichen Zwecken genutzt werden. Einmal zum Verzehr des Fleisches oder deren Erzeugnisse, wie zum Beispiel Milch oder auch Leder, und einmal zur Unterhaltung. Das Tier verliert somit seinen Zweck an sich sowie, um es mit Tom Regans Worten zu sagen, seine Anerkennung als „Subject of a life“ 3 und wird so zur Ware für den Menschen in einer künstlich geschaffenen Umgebung.

Das Problem besteht darin, dass die Produktion von tierischen Produkten oder auch anderen Nahrungsmitteln von unserem Alltagsleben ausgeschlossen wurden. Aber auch Tierversuche zu Forschungszwecken finden weit entfernt unseres Blickwinkels statt. Der Grund hierin liegt in unserer wirtschaftsorientierten Welt. Der Mensch ist in gewisser Weise auf seinen eigenen Lebensumkreis begrenzt. Das Streben nach Luxus und ein tiefgreifender Egoismus bestimmen sein Handeln. Dies kann sich natürlich noch auf die Menschen (und auf die Haustiere) in der eigenen Umgebung ausweiten, jedoch sind seine Grundtriebe von Effizienz, Hochleistung und dem eigenen Gewinn geprägt. In dieser hedonistischen Welt ist kein Platz für Gedanken über das Leid sehr vieler anderer Individuen. Hierbei werden nicht nur die selbstverschuldete Massentierhaltung verdrängt, sondern auch Krieg und die Unterdrückung der eigenen Spezies in anderen Ländern. Eine Veränderung im Gesetz in Bezug auf die Rechtslage der nicht-menschlichen Tiere ist schwierig, da in unserem demokratischen System nur auf das Wohl der eigenen Speziesgesellschaft Wert gelegt wird. Der kollektive Verzicht auf tierische Produkte würde nicht nur eine individuelle Umstellung der Nahrung jedes Einzelnen bedeutet, sondern auch eine radikale Umwälzung unser gesamtes Wirtschaftssystem bewirken. Und Veränderungen sind dem Menschen bekanntermaßen unbequem.

Die Tierrechtsethik verfolgte bisher in ihren literarischen Versuchen die Strategie ihre Leser mithilfe von sehr stichhaltigen Argumenten zu überzeugen, das nicht-menschliche Tiere durch ihre moralischen Fähigkeiten und ihre selbstbewusste Beschaffenheit es würdig sind, gleichwertig oder ihrer Art nach behandelt zu werden. Autoren wie Tom Regan und Peter Singer sowie Steve Sapontzis, Sue Donaldson und Will Kymlicka formulieren Tierrechtspositionen, die die Rechte der Tiere auf moralischer Basis stark machen und Argumente konstruieren, die die zukünftige Mensch-Tier-Beziehung nachhaltig verändern solle. Die bereits bestehenden Verhältnisse sollen entweder durch rechtliche Formalitäten modifiziert und so gestaltet werden, dass die Tiere einen gleichberechtigten Status in unserer Gesellschaft erhalten sollen oder die Mensch-Tier-Beziehung solle gänzlich abgeschafft werden. Der so genannte Abolitionismus schaffe zwei isolierte Parteien: die Menschen und die nicht-menschlichen Tiere. Hier wird automatisch angenommen, dass sich diese Beziehung nicht weiterentwickeln kann und Lösungsansätze gefunden werden müssen, mit den heutigen Verhältnissen zu leben oder eine Rückentwicklung bis zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit von der Domestizierung zu vollziehen.

Doch betrachtet man die Evolution der Menschheit, basiert unsere Kultur maßgeblich auf dem Handel von Nahrungsmitteln und Gütern, bei denen die tierischen Waren und Erzeugnisse eine besondere Rolle einnehmen. Eine umfassende Umstrukturierung lediglich auf pflanzliche Produkte ist aufgrund der Unlust der Menschen und den schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt in Form von ökologischem Massenanbau in den so genannten Dritte-Welt Ländern kaum vorstellbar. Es muss demnach ein anderer subtiler Ansatz gefunden werden, der es erlaubt, tiefgreifende Veränderungen in unserem menschlichen Verhalten nach sich zu ziehen.

Betrachtet man die Realität unserer Gesellschaft, fällt auf, dass der Markt übersät ist von neuen Technologien. Eine Art Ersatzfleisch, genannt „In-Vitro-Fleisch“, wird vermutlich bald auf den Markt kommen und uns als Alternative angeboten werden. Doch dies wirft weitere ethische und moralische Fragen auf, die hier in dieser Hausarbeit angesprochen werden. Nachfolgend werden die wichtigsten Tierrechtspositionen erläutert und kritisiert werden. Danach folgen Argumente der dogmatischen Fleischesser und ihre moralische Borniertheit. Zum Schluss wird ein Zukunftsszenario kreiert werden, welches eine Welt mit „InVitro-Fleisch“ zeigt.

[...]


1 Ursula Wolf: Texte zur Tierethik, Stuttgart 2013; und Sue Donaldson und Will Kymlicka: Zoopolis. Eine politische Theorie der Tierrechte, übers. v. Joachim Schule, Berlin 2013.

2 Martin Balluch: Die Kontinuität von Bewusstsein. Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte, Wien 2005.

3 Tom Regan: Animals Liberation, New York 1975.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Herrschaft der Spezies Mensch. Aktuelle Tierrechtspositionen und eine mögliche Fleischalternative
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Zoopolis - Eine politische Theorie der Tierrechte
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V339403
ISBN (eBook)
9783668289468
ISBN (Buch)
9783668289475
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, Tierethik, Tierrechte, Tierrechtsbewegung, In-Vitro-Fleisch, Vegetarier, Vegan, Veganer, Vegetarismus, Fleisch, Fleischverzehr, Peter Singer, Tom Regan, Mensch, Sapontzis, Kymlicka, Donaldson, Zoopolis, Ursula Wolf, Martin Balluch, Mieke Roscher, Staatsbürgerschaft, Bewusstsein, Tierschutz, Thomas Nagel, Animals, Animal Rights, Politik
Arbeit zitieren
Luisa-Viktoria Schäfer (Autor:in), 2014, Herrschaft der Spezies Mensch. Aktuelle Tierrechtspositionen und eine mögliche Fleischalternative, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339403

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