Bismarks Kulturkampf gegen die Kirche

Ein Überblick


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangssituation einer neuen Gesellschaft
1.1. Der Deutsch-Französische Krieg
1.2. Die Macht von Kirche und Staat
1.3. Die Kirche im Staatsleben – Die Zentrumspartei

2. Konflikte zwischen Staat und Kirche

3. Bilanz des Kulturkampfes

4. Quellenangeben und Literaturverzeichnis

1. Ausgangssituation einer neuen Gesellschaft

1.1. Der Deutsch-Französische Krieg

In nur zwei Jahrzehnten erlebten die deutsch-preußischen Nationalstaaten fünf Kriege aus denen eine nationale Einigung hervorging. Zuletzt und am ausschlagebensten, neben den Einigungskriegen (1864, 1866 und 1870/1871), war der Deutsch-Französische Krieg (1870/1871):

Seit 1864 beobachtete der französische Machthaber Napoleon III. besorgt das Wachstum und die sich abzeichnende nationale Einigung Deutschlands und befürchtete somit ein nicht mehr ausgeglichenes Mächteverhältnis in Europa[1]. Denn da sich der Deutsche Bund, welcher auf dem Wiener Kongress von 1814/1815 als lockeres Staatenkonstrukt gegründet worden war, zu einer Vereinigung mit Preußen oder Österreich oder gar beiden Nationen aussprach , sah er das Gleichgewicht gefährdet[2]. Daher versuchte er ab 1867 mehrfach ein Bündnis zu schließen, welches Preußen außen vorließ. Auf den Versuch dieses Ausschlusses reagierte die Berliner Regierung mit dem Entschluss, dass eine militärische Auseinandersetzung unausweichlich wäre.

Otto von Bismarck (1815-1898) war seit dem 22. September 1862 Ministerpräsident und Außenminister von Preußen. Er sah die Reaktion Napoleons III. als ausschlaggebende Gelegenheit die nationale Einigung Deutschland mit Preußischer Herrschaft nicht durch „Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Eisen und Blut“[3]zu vollenden. Die Franzosen verloren diesen Krieg, in dem eine ähnliche Art des Liberalismus und Nationalismus[4]im deutschen Volk herrschte, wie schon in den napoleonischen Befreiungskriegen (1813-1815).

Am 10. Mai 1871 musste Frankreich die Annexionen anerkennen und sich endgültig geschlagen geben.

Als eines der bedeutendsten Ergebnisse dieses Sieges, wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses Versailles[5]das Deutsche Reich aus den Kleindeutschen Staaten und Preußen gegründet und Otto von Bismarck zum ersten Reichskanzler des neuen Reiches unter der preußischen Führung von Kaiser Wilhelm I. gegründet.

Als Reichskanzler war es Bismarcks Aufgabe die Innenund Außenpolitik neu zu ordnen und dadurch das Reich zu höchstmöglicher Macht zu verhelfen. Dabei waren seine innenpolitischen Ziele vor allem die Zurückdrängung und die Einflussverminderung des Katholizismus und des Sozialismus[6].

Aber schaffte es Bismarck im „Kulturkampf“ gegen die Kirche die Säkularisation durchzusetzen? Und wie reagierte die Kirche dem entgegen? In diesem neuen Reich, in dem es jetzt auch eine neue Reichsverfassung gab, griffen Staat und Kirche ineinander ein und versuchten sich gegenseitig zu unterdrücken und zu beeinflussen. Mit dieser Problematik befassen sich die anschließenden Seiten dieser Arbeit.

1.2. Die Macht von Kirche und Staat

In dem neuen Deutschen Reich mussten Kompromisse der sich zusammengeschlossenen süddeutschen Staaten und der bürgerlichen Nationalbewegung, gefunden werden. Die Verfassung, welche 1867 bereits für den Norddeutschen Bund galt, wurde mit geringen Änderungen für das Reich übernommen und blieb bis 1918 bestehen[7]. Aber es war kein reines parlamentarisches System, sondern der „deutsche Konstitutionalismus“[8]. „[Das] grundlegende[s] Prinzip des Konstitutionalismus ist die Lehre von der Gewaltenteilung. [Sie] ist durch eine verbindlich festgelegte Verfassung eingeschränkt“[9]. Das heißt der Monarch, in diesem Fall Wilhelm I., steht an der Spitze des Reiches, aber mit ihm agiert noch ein Parlament, welches bei der Gesetzgebung mitwirkt.

Im neugegründeten Deutschen Reich galt der Kaiser, der gleichzeitig auch preußischer König war, als oberster Kirchheer der Protestanten[10]. „ Der Protestantismus [ist] die Gesamtheit der maßgeblich von der Reformation bestimmten christlichen Kirche […]“[11]Dem gegenüber stand der Katholizismus unter Papst Pius IX (1792-1878, gewählt 1846), der die Ziele, welche Bismarck zur Eindämmung des Einflusses der Kirche geäußert hatte, strikt ablehnte.

Der Konflikt, der sich daraus ergab, hing mit dem Wandlungsprozess zusammen, den der Staat im 19. Jahrhundert durchlief. Er drang verstärkt in Bereiche des öffentlichen Lebens ein, welche bislang immer die Kirche als ihre Domäne ansah: Erziehung, soziale Fürsorge und die Wohlfahrt[12].

Die protestantische Kirche agierte, durch diesen Wandel, stärker mit dem Staat und war bereit sich unterzuordnen. Wohingegen die Katholiken einen anderen Weg einschlugen. Mit der EnzyklikaSyllabus eorumwollte der Papst die Irrtümer der Zeit im sozialenund politischen Leben aufzeigen und stellte dabei die allgemeine Geistesund Gewissensfreiheit in Frage. Denn die neugewonnen Erkenntnis, über die Machenschaften des Staates, seien nicht mit der katholischen Lehre zu vereinbaren.[13]

Der Staat durfte in diesem Zusammenhang nicht in Frage gestellt werden, vor allem nicht durch die Kirche. Bismarck drückte sich hierbei sehr deutlich aus, denn so sehr er die Kirche als Institution achtete, wollte er ihren Einfluss im Staatsleben unterbinden.[14]

Mit dieser zu erwartenden Unterdrückung waren die Anhänger des Katholizismus nicht einverstanden, sie hatten nach einer Welle der Neuentdeckung ihres Glaubens in den 1830er Jahren nun ein noch tiefergehendes Verhältnis zu ihrer Kirche und eine große Loyalität gegenüber ihrem Papst.[15]

In den Augen des liberal-protestantischen Bürgertums waren die Katholiken nichts weiter als rückschrittliche und abergläubische Fanatiker und in Zeiten des Fortschrittes nicht weiter dazu in der Lage ihre staatlichen Funktionen weiter innezuhaben. Und als sie dann, als Reaktion auf die Reichsgründung von 1871, die Zentrumspartei gründeten, um ihre religiösen Ziele auch auf staatlicher Ebene „legal“ ausüben zu können, sah sich Bismarck, als Reichskanzler und Verantwortlicher für die staatliche Sicherheit, gezwungen Maßnahmen zu ergreifen, um den Staat vor der Partei, die als verlängerter Arm des Papstes agierte, zu schützen.[16]

[...]


[1]Nach: Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S. 170 ff.

[2]Nach: Althammer, 2009, S. 13

[3]Zitat aus: Ebenda, S. 167

[4]Nach: Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S. 156

[6]Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S.173

[7]Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S. 175

[8]Ebenda, S. 175

[9]Barockhaus: Themenwissen. Geschichte A-Z, Mannheim 2007, S. 310

[10]http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/index.html. 06.08.13, 13:08 Uhr

[11]Brockhaus, 2007, S. 374

[12]Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S. 200

[13]Alter, Haufnagel [u.a.], 2001, S. 200

[14]Loth,1984, S.51.

[15]Loth, Wilfried: Katholiken im Kaiserreich, S. 11.

[16]http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/preussen/otto_von_bismarck/kulturkampf.jsp, 28.08.2013, 15.22 Uhr

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bismarks Kulturkampf gegen die Kirche
Untertitel
Ein Überblick
Hochschule
Universität Rostock  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar
Note
3,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V339408
ISBN (eBook)
9783668289673
ISBN (Buch)
9783668289680
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bismarks, kulturkampf, kirche, überblick
Arbeit zitieren
Nadine Langer (Autor), 2013, Bismarks Kulturkampf gegen die Kirche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339408

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