Naturalistische Erkenntnistheorie nach Willard van Orman Quine


Seminararbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Widerlegung der kartesianischen Rechtfertigung: Empirisches Wissen lässt sich nicht durch die Sinneserfahrungen deduzieren

3. Die neue Erkenntnistheorie: Durch die Änderung des Status der Erkenntnistheorie vom Überbau in die empirischen Wissenschaften, als Teilgebiet der Psychologie, wird es möglich die empirischen Wissenschaften, insbesondere die kognitive Psychologie, zur Lösung empirischer Fragestellungen zu nutzen

4. Vorteile des neuen Status
4.1.Was ist eine Beobachtung: Unter einer Beobachtung versteht man die Sinnesdaten, die auf unsere Rezeptoren treffen
4.2.Gestalt vs. Sinnesdaten: „A ist dem B erkenntnistheoretisch vorrangig, wenn A den Sinnesrezeptoren kausal näher ist als B“
4.3.Was ist ein Beobachtungssatz: Ein Beobachtungssatz ist ein Satz, über den alle Sprecher einer Sprache in der gleichen Weise urteilen, wenn sie gleichzeitig denselben Reizungen ausgesetzt sind

5. Konklusion: Wenn alles auf einer Ebene ist, kann jeder von jedem nehmen, ohne dass sich ein Zirkelschluss bildet

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Proseminararbeit für das Proseminar Erkenntnistheorie I an der Paris Lodron Universität Salzburg beschäftigt sich mit der naturalistischen Erkenntnistheorie, so wie Willard van Orman Quine sie verstanden hat und versucht Quines Argumentationsweg im Essay “Epistemology Naturalized“ nachzuvollziehen und aufzubereiten.

Eine zentrale Frage im Werk des amerikanischen Philosophen Willard Van Orman Quine, ist jene grundlegende danach, wie wir von den Sinneseindrücken zu unserer Theorie über die Welt gelangen. Als Empirist und Logiker betrachtet er ausschließlich empirische Erkenntnis als potentiellen Anwärter, um als Wissen legitimiert zu werden. Doch seit Hume stellt das Induktionsproblem ein wesentliches Hindernis für alle Legitimationsversuche dar. Um dieses Problem zu umschiffen, stellt Quine in seinem Essay “Epistemology Naturalized“ die Position der Erkenntnistheorie in der Philosophie an sich in Frage und ordnet sie in die empirischen Wissenschaften ein und gibt einen kurzen Ausblick darauf, welche Konsequenzen, vor allem Vorteile diese Statusänderung mit sich bringt.

2. Widerlegung der kartesianischen Rechtfertigung: Empirisches Wissen lässt sich nicht durch die Sinneserfahrungen deduzieren.

Zentral für die empirische Erkenntnistheorie ist die Frage, wie wir unser Wissen, das wir aus den Wissenschaften gewinnen, aus den Sinneserfahrungen deduzieren, also wie wir es durch die Sinneserfahrung rechtfertigen können. Die klassische Form der Erkenntnistheorie im weitesten Sinne nach Descartes, die kartesianische, versprach sich dabei von der Erkenntnistheorie jenes Fundament, durch das man das verifizierbare Wissen der Wissenschaften absichern kann. Jenes Wissen, das man aus den Wissenschaften gewinnt ist im Gegensatz dazu als verifizierbares Wissen zu bezeichnen, das nur so lange gültig ist, wie es einer Überprüfung standhält. Ist dies nicht der Fall, gilt es als falsifiziert und ist zu verwerfen. Auf verwandte Weise suchte Bertrand Russel in seiner „Prinzipia Mathematica“ nach einem logischen Fundament für die Mathematik, indem er diese auf die Logik reduzieren wollte. Dabei bedient er sich zweier Seiten der Untersuchung, die Quine in seinem Essay „Epistemology Naturalized“ übernimmt, um zu zeigen, dass die Erkenntnistheorie sich ebenso wenig auf die Sinneserfahrungen stützt, wie sich die Mathematik auf die Logik reduzieren lässt.

Die beiden Arten der Untersuchung, von denen hier die Rede ist, sind die Begriffsseite und die Geltungsseite. Auf der einen Seite beschäftigt sich die Begriffsseite mit der Bedeutung von Begriffen und versucht durch das Mittel der Definition klare, distinkte Begriffe zu bilden. Auf der anderen Seite versucht die Geltungsseite Theoreme zu legitimieren, also selbstevidente Wahrheiten zu erkennen und deren Wahrheit zu demonstrieren. Dabei sind diese Begriffe in einem empirischen Kontext zu verstehen, da Quine als Empirist jede Form von Rationalismus ablehnt. Ziel dieser Vorgehensweise ist ein maximales Maß an Klarheit über Begriffe und Theoreme zu erreichen. Auf der Begriffsseite bedeutet das, Begriffe durch andere zu definieren und dabei unklarere durch klarere. Beispielsweise wird der unklare Alltagsbegriff Wasser durch den klareren, physikalischen Begriff H2O definiert. Der physikalische beziehungsweise chemische Begriff schöpft seine Klarheit aus der Tatsache, dass er als Nominaldefinition geschaffen und damit von Beginn an in seinem Rahmen klar abgesteckt wurde. Auf der Geltungsseite wird der Vorgang äquivalent durchgeführt, indem Theoreme auf Grundlage anderer Theoreme bewiesen werden und dabei weniger einsichtige durch einsichtigere. Wenn beispielsweise bewiesen werden soll, dass alle Äpfel immer in Richtung Erdkern fallen, macht man dies, indem Newtons Fallgesetz herangezogen wird. Begriffe und Theoreme werden also durch logisches Schließen aus unserer Sinneserfahrung abgeleitet beziehungsweise deduziert. Gelingt dies, so erzeugen im Idealfall alle Begriffe Definitionen aus klaren, distinkten Ideen und Beweise leiten alle Theoreme aus selbstevidenten Wahrheiten ab. Definiert man alle Begriffe dieser idealen Teilmenge, so ist es möglich alle Theoreme in diese klaren Begriffe zu übersetzen und in Folge daraus offenkundige Wahrheiten abzuleiten. Das bedeutet, dass alles empirische Wissen in Sinnesdaten bzw. Beobachtungsbegriffe und Logik und Mengenlehre übersetzbar werden sollte.

An einer Konstruktion dieser Übersetzung haben sich im Laufe der Zeit Hume, Bentham und Russel versucht, alle jedoch ohne Erfolg. Doch selbst wenn die Übersetzung in logische Begriffe auf der Begriffsseite gelänge, heißt das nicht, dass sich auf der Geltungsseite ein Theorem, das mit klaren Ausdrücken ausgedrückt wird, auch mit Mitteln der Logik und der Erkenntnistheorie beweisen ließe. Denn die Theoreme beruhen auf Erfahrung, da Gesetzmäßigkeiten gebildet werden, indem eine Hypothese aufgestellt wird und man diese durch Experimente, also empirische Beobachtungen, überprüft. Diese einzelnen Beobachtungen sind nicht verallgemeinerbar, egal ob es sich um 100 Fälle handelt, in denen man beobachtet, dass ein Apfel aus der Hand in Richtung Erdmittelpunkt fällt oder 1000 Fälle. Es ist nicht gewiss, ob der Apfel im 1001 Fall nicht doch gen Himmel fällt beziehungsweise fliegt. So umfasst selbst „die bescheidenste Verallgemeinerung über beobachtbare Eigenschaften schon mehr Fälle als derjenige, der sie äußert, bis dahin tatsächlich beobachten konnte“2. Denn Empirische Beobachtung und Überprüfung beruht auf dem Gleichförmigkeitsprinzip, das Hume als Induktionsproblem, als Zirkelschluss entlarvt hat. Daher scheitert die Geltungsseite dieser Analyse in jedem Fall am Induktionsproblem, selbst wenn die Beobachtungsseite überraschenderweise erfolgreich sein sollte. Daher ist der kartesianische Legitimationsversuch Wissen auf Basis der Sinneserfahrung abzusichern gescheitert und zu verwerfen.

Quine verwirft später auch einen verwandten Reduktionismus Carnaps, der in diesem Rahmen nicht weiter diskutiert wird. In Folge des Scheiterns von Carnaps Rechtfertigungsversuch der empirischen Erkenntnis verwirft der logische Empirismus die Erkenntnistheorie als solche, die einen Wissensanspruch legitimieren soll, und beschränkt sie auf die normativen Fragen der Wissenschaftstheorie und der Ethik.

[...]


1Quine, 1975. S.90.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Naturalistische Erkenntnistheorie nach Willard van Orman Quine
Hochschule
Universität Salzburg  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Erkenntnistheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V339485
ISBN (eBook)
9783668291096
ISBN (Buch)
9783668291102
Dateigröße
925 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
naturalistische, erkenntnistheorie, willard, orman, quine
Arbeit zitieren
Marina Molnar (Autor), 2016, Naturalistische Erkenntnistheorie nach Willard van Orman Quine, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339485

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Naturalistische Erkenntnistheorie nach Willard van Orman Quine



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden