Ethische Probleme in der Pädagogik

Ein Vergleich zwischen Deutschland und Japan


Forschungsarbeit, 2016

89 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Die Frage von Platon und die Ethik von Aristoteles
1.1 Sokrates und Platon
1.2 Ob die Tugend gelehrt werden kann?
1.3 Die höchste Idee: das Gute
1.4 Die Nikomachische Ethik von Aristoteles
1.5 Unterschied zwischen sokratischen, platonischen und aristotelischen Gedanken

2 Bildung der Gewohnheiten (1)- Theorien und Praktiken der Charaktererziehung
2.1 Was bedeutet Charaktererziehung?
2.2 Warum wird Charaktererziehung unterstützt?
2.3 Die Theorie der Charaktererziehung
2.4 Die Praktiken der Charaktererziehung
2.5 Vorteile und Nachteile der Charaktererziehung

3 Bildung der Gewohnheiten (2) - Die Überlegung Bollnows über das Üben
3.1 Der Gedanke Bollnows
3.2 Das Wesen der Übung

4 Utilitarismus
4.1 Lust ist immer gut.
4.2 Trolley-Problem
4.3 Berechnung der Vergnügen und das Maximumprinzip
4.4 Ist das Glück messbar?

5 Die Ethik Kants
5.1 Kant und seine Philosophie
5.2 Die Moral Kants
5.3 Moralische Bildungstheorie Kants

6 Theorien Piagets und Kohlbergs über die Moralentwicklung
6.1 Die Theorie Piagets
6.2 Die Theorie Kohlbergs

7 Moral und ihre religiösen Hintergründe
7.1 Buddhismus
7.2 Shintoismus
7.3 Religion in Harmonie
7.4 Moralische Haltung und religiöse Hintergründen in Japan

8 Schulsystem in Japan
8.1 Geschichte der japanischen Bildung
8.2 Das Bildungswesen
8.3 Der Stundenplan
8.4 Das Lehrbuch
8.5 Die Schulleistung

9 Moralerziehung und Moralunterricht in Japan
9.1 Geschichte der Moralerziehung in Japan
9.2 Moralerziehung und Moralunterricht im japanischen Bildungsplan
9.3 Moralunterricht in der Schule
9.4 Analysen eines japanischen Lernmaterials
Ergänzung: Eigenschaften des Japanischen und der Japaner

10 Individualismus oder Kollektivismus?
10.1 Kollektivistisches Denken der Moral in Japan
10.2 Individualismus und Kollektivismus
10.3 Gemeinschaftsnachhaltige Sittlichkeit
10.4 Schwierigkeiten im europäischen und japanischen Denken der Moral

Schlussbemerkung: Möglichkeiten der Moralerziehung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Wir beide haben uns im Jahr 2015/2016 in Freiburg i. Breisgau als Gastwissenschaftler aufgehalten und hielten dort im Sommersemester 2016 an der pädagogischen Hochschule Freiburg ein Seminar.

Unser Fach ist Pädagogik, besonderes die Philosophie, Gedanken und Geschichte der Pädagogik. An der Universität in Japan lehren wir allgemeine Pädagogik, Theorie, Prinzip und Geschichte der Pädagogik sowie die Methode der Bildung. Und ein Schwerpunkt unserer Forschung ist, verschiedene Phänomene der Erziehung philosophisch klar zu machen, z. B. über die Bedeutung des Erlebens der Kinder oder über den Zusammenhang zwischen der Erziehung und Essen usw. nachzudenken. Während unserer Forschung in Deutschland konnten wir unser Interesse an Ethik befriedigen, außerdem einen Vergleich zwischen japanischer und deutscher bzw. europäischer Denkweise der Moral ziehen. Deswegen haben wir als Thema des Seminars „Ethische Probleme in der Pädagogik“ gewählt und das traditionelle oder moderne Denken der Moral sowie den konkrete Moralunterricht in der Schule zwischen Deutschland und Japan in einer kulturell vergleichenden Betrachtung behandelt.

Dieses Buch wird nach dem Inhalt des Seminars konstruiert und zusammengefügt. Indem die Studierenden in jeder Sitzung mittels einer Gruppenarbeit diskutiert und Fragen gestellt haben, konnten wir auch über das Thema 'Moralische Probleme' immer wieder nachdenken. Also werden unsere Kommentare und Antworten an der Gruppendiskussion im Buch enthalten sein.

Wir würden uns bei Prof. Dr. Bettina Fritsche an der Pädagogische Hochschule Freiburg dafür bedanken, dass wir die Gelegenheit eines Seminars und einen treffenden Rat bekommen konnten. Prof. Dr. Günter Figal an der Universität Freiburg hat uns als Gastwissenschaftler aufgenommen; wir konnten vieles studieren und Ansporn erhalten. Vor allem hat Dr. Myron Hurna, unser guter Gesprächspartner, die Beiträge Korrektur gelesen und unsere unzureichende Fähigkeit des Deutschen ausgeglichen. Hier zeigen wir uns ihnen gegenüber tief dankbar.

Einleitung

Allen Menschen wird Freiheit garantiert. Aber man darf sich nicht egoistisch verhalten, weil man eigentlich ein soziales Wesen ist. Ich habe Freiheit, aber der andere hat sie auch. Wir müssen lernen, wie wir die eigene Freiheit ausüben sollen, und dabei ist es wichtig, dass wir unsere individuelle Freiheit auf das Soziale beziehen. Wenn wir versuchen, uns besser zu verhalten, dann verlangen wir nach Urteilen in Hinsicht auf Gerechtigkeit. Wir sollen die eigene Freiheit gut kontrollieren, um ein glückliches, vernünftiges Leben zu führen. Kinder sollen sich die Fähigkeit aneignen, ein solches Leben zu führen. Erwachsene, vor allem Lehrer, spielen eine wichtige Rolle, um Kinder zu einem angenehmen und zugleich ethisch ausgezeichneten Leben anzuleiten.

Normalerweise lehren wir Kinder ein gutes Verhalten, eine Regel und eine Lebensweise in der eigenen Gesellschaft. Es gibt dort verschiedene Regeln. Zum Beispiel darf man im Unterricht weder rauchen noch Alkohol trinken. Lehrer erlauben ihren Schüler nicht, ihr Handy im Unterricht zu benutzen. Schüler lernen in der Schule, was man in der Gemeinschaft oder in der Gesellschaft nicht soll. Außerdem lernen sie dort, was man soll. Zum Beispiel soll man sich freundlich, selbstständig und fleißig usw. verhalten. Man soll allen Aufmerksamkeit erweisen. Schüler lernen, was man soll oder nicht, nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch im ganzen Schulleben. Wir lernen in der Schule nicht nur den Inhalt der Fächer, sondern auch das Moralische oder Ethische.

Aber es ist schwierig, die Moral zu lehren, denn anders als die Fächer Mathematik oder Biologie ist der zu lehrende Gegenstand in der Moral eigentlich nicht ganz klar. In der Mathematik lehren wir die Regeln des Rechnen und die Konstruktion der Geometrie, die mathematisch-logische Beweisführung. In der Naturwissenschaft zeigen wir die Gesetze der Natur, wir lehren die verschiedenen chemischen Elemente und die Molekularformeln. Wie steht es dagegen mit der Moral?

Auch im Moralunterricht können wir relativ klare und eindeutige Inhalte lehren, etwa die »Goldene Regel«. Sie lautet in der Fassung des Neuen Testamentes: „Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun; in der Tat, das ist es, was das Gesetz und die Propheten sagen.“[1] Wir sollen in diesem Fall eine Regel befolgen, keine Gewalt gegen jemandem anwenden, usw. Wir lehren einfach sittliches Verhalten. Aber es ist schwierig, dass man damit nur eine Regel, eine Verfahrensweise lernt. Außerdem ist unklar, ob man tatsächlich die Regel immer befolgen kann, auch wenn wir sie kennen und ihr zustimmen. Die »Goldene Regel« sagt nämlich etwas ganz anderes als das, wie man sie befolgen kann. Sie sagt, wie man generell handeln soll, aber sie sagt nicht, wie man sich konkret verhalten soll; sie sagt nicht, was es heißt, das gegenüber anderen zu tun, was wir uns gegenüber wünschen.

Deswegen fragen wir, ob die Bildung der persönlichen Moral eigentlich eine Bedeutung hat, denn die Regel ist nur wie ein formelles Motto, das man befolgen kann oder nicht. Möglicherweise kann man noch sagen, das ist wie der Unterschied zwischen Disziplin (oder Zucht) und Bildung.

Um diesen strittigen Punkt klar zu machen, und um über die Probleme und Möglichkeiten der Bildung und Erziehung der Moral nachzudenken, müssen wir besser wissen, wie die Moral konstituiert wird.

1 Die Frage von Platon und die Ethik von Aristoteles

Zuerst denken wir über eine Diskussion der Moral im klassischen Altertum nach. Die typischen und ältesten griechischen Philosophen sind bekanntlich Sokrates, sein Schüler Platon und dessen Schüler: Aristoteles. Sie haben über die Probleme der menschlichen Moral ausführlich nachgedacht.

1.1 Sokrates und Platon

Bevor ich die ersten Überlegung über Platon anstelle, stelle ich ein paar grundlegende Informationen über Sokrates und Platon vor.

Sokrates hat uns keine Schrift hinterlassen, aber seine Schüler haben viel über ihn geschrieben, deswegen können wir einiges über ihn wissen. Sokrates wurde in Athen ca. 470 v. Chr. geboren; dort lebte er auch. Seine Frau Xanthippe ist berühmt als eine zänkische und streitlustige Frau. Xenophon, ein Schüler von Sokrates, hat die Übellaunigkeit der Xanthippe mehrfach eindrücklich geschildert: „Wenn du dieser Meinung bist, Sokrates, sagte Antisthenes, wie kommt es, daß du die Probe nicht an deiner Xanthippe machst, sondern dich mit einer Frau behilfst, die unter allen lebenden, ja, meines Bedünkens, unter allen die ehemals gelebt haben und künftig leben werden, die unerträglichste ist. [...] Ich legte mir diese Frau zu, weil ich gewiß war, wenn ich sie ertragen könnte, würde ich mich leicht in alle andere Menschen finden können.“[2]

399 v. Chr. ist Sokrates gestorben, indem er Gift nahm, denn man hatte ihn wegen Verführung Jugendlicher angeklagt. Er wurde zum Tode verurteilt. Über das Todesurteil kann man in einigen Schriften Platons Interessantes lesen.

Der wohl berühmteste Gedanke von Sokrates ist: „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“ Das Orakel von Delphi sagte über Sokrates, er sei der weiseste Mann. Das heißt, er ist ausgezeichnet in Hinsicht darauf, dass er sich seines eigenen Nichtwissens bewusst ist, während andere Menschen nur an ihr Wissen glauben. Warum ist der Ausspruch von Sokrates wichtig? Er denkt, dass man die Wahrheit erst ergreifen wollen kann, wenn einem das eigene Unwissen bewusst ist. Sokrates fragt die Sophisten, die jemandem Kenntnisse beibringen, was denn der Mut ist, was denn die Gerechtigkeit ist usw. Gegen ihre Antwort fragt er noch weiter, schließlich wird die widerspruchsvolle ungenügende Antwort aufgedeckt. Daher sind Sophisten ihres »ich weiß nicht« bewusst. Dieser »sokratische Dialog« heißt auch die »sokratische Ironie«. Wenn Sokrates Sophisten ironisch fragt, wie etwa die Frage: „Kennst du eigentlich etwas?“, obwohl man die Sophisten für Weise hält, und wenn sie darauf nicht richtig antworten können, so reagieren sie unangenehm, denn sie fühlen sich beleidigt. Aber ein Schwerpunkt der »sokratischen Ironie« ist Folgendes: „Du weißt das nicht, aber ich weiß es auch nicht. Also wollen wir miteinander es wissen.“ Durch diesen Dialog kann man die Wahrheit suchen.

Jetzt stelle ich kurz Platon da. Er hat als ein Schüler von Sokrates Philosophie und Dialogführung gelernt. Ca. 387 v. Chr. hat er die Άκαδήμεια gegründet, in der Rechnen, Geometrie, Astronomie u. a., vor allem aber Philosophie gelehrt wurden. Der Name Ἀκadηµιa kommt aus dem Wald Akademos, in dem sie sich befand. Der Ursprung des Wortes »Akademie« und »akademisch« liegt dort. An der Άκαδήμεια war das Gespräch miteinander wichtig. Später spreche ich über Aristoteles, er ist ein Schüler von Platon. Seit er siebzehn Jahre alt war, war Aristoteles Student und Lehrer an der Άκαδήμεια.

1.2 Ob die Tugend gelehrt werden kann?

Jetzt betrachten wir die sokratische und platonische Moral. Dazu sollen wir Menon und Politeia (Der Staat) von Platon lesen. Platon hat die sokratischen Gedanken übernommen, und es wird gesagt, dass seine Werke deshalb in der dialogischen Form geschrieben wurden. Normalerweise werden Platons Schriften in drei Teile geteilt: Die frühen, die mittleren und die späten Dialoge. Menon ist eines seiner ersten Werke und die Politeia ist eines seiner mittleren Werke. Platon hat am Anfang des Menon geschrieben: „Kannst du mir wohl sagen, Sokrates, ob die Tugend gelehrt werden kann? Oder ob nicht gelehrt, sondern geübt? Oder ob sie weder angeübt noch angelernt werden kann, sondern von Natur den Menschen einwohnt oder auf irgendeine andere Art?“[3]

Die Tugend ist das deutsche Wort für das griechische Wort ἀρετή. Platon benutzt das Wort ἀρετή. Doch was ist das? Die ἀρετή wird im Allgemeinen die Vortrefflichkeit einer Sache genannt. Zum Beispiel ist es die ἀρετή des Fußes, schnell zu laufen; die ἀρετή der Kleidung ist das, angenehm zu funktionieren. Die menschliche ἀρετή ist die Tugend. Dagegen haben Moral, die Mores oder die Ethik, die Sitte, das Sittliche usw. keine solche Eigenschaft wie die Vortrefflichkeit. Es handelt sich bei ihnen nur um den Ausdruck gesellschaftlichen Verhaltens; besonders Angepasstheit und Normenbefolgung. Denn diese kommen von dem Ethos her. Den Ethos denken wir noch mal ausführlich, wenn wir uns mit Aristoteles beschäftigen. Diese Vortrefflichkeit, nämlich die Tugend, besteht in der Politeia, im Staat, der in Platons berühmtesten Buch mit dem gleichen Titel beschrieben wird. „Und scheint dir nicht auch jegliches eine Tugend zu haben, dem ein Werk aufgetragen ist? Lass uns nur wieder auf dasselbe zurückgehen. Die Augen, sagen wir, haben ein Geschäft? – Das haben sie. – Gibt es nun nicht auch eine Tugend der Augen? – Auch eine Tugend. – Wie nun? Gab es ein Geschäft der Ohren? – Ja. – Also auch eine Tugend? – Auch eine Tugend. – Und wie nun mit allen andern? Nicht ebenso? – Ebenso.“[4]

Menon fragt Sokrates, ob man die Tugend, die Vortrefflichkeit, lehren kann. Gegen diese Frage von Menon antwortet Sokrates, dass er nichts weniger als das wüsste; und er sagt sogar, dass er nicht weiß, was die Tugend denn ursprünglich ist. Darum zeigt Menon die Tugend der Männer, der Frauen, der Ältere, des freien Bürgertum. „Und so gibt es noch gar viele andere Tugenden, so dass man nicht in Verlegenheit sein kann, von der Tugend zu sagen, was sie ist. Denn nach jeder Handlungsweise und jedem Alter hat für jedes Geschäft jeder von uns seine Tugend, und ebenso auch, Sokrates, glaube ich, seine Schlechtigkeit.“[5]

Aber Menon hat nicht darauf antwortet, was die Tugend ist, sondern nur darauf, wie die Tugend ist, oder was für Tugenden es gibt. Deswegen fordert Sokrates von Menon noch einmal, darauf zu antworten. Aber Menon führt nun das Gespräch folgendermaßen: „Dass nämlich ein Mensch unmöglich suchen kann, weder was er weiß, noch was er nicht weiß. Nämlich weder was er weiß, kann er suchen, denn er weiß es ja, und es bedarf dafür keines Suchens weiter; noch was er nicht weiß, denn er weiß ja dann auch nicht, was er suchen soll.“[6] Das ist sozusagen ein Paradox des Suchens. Ist diese Erklärung plausibel oder verdächtig?

Dagegen sagt Sokrates so: „Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist und die Seele alles innegehabt hat: so hindert nichts, dass, wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen Lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung.“[7]

Er sagt, das Suchen ist die Erinnerung vergessener Dinge, die die Leute eigentlich im voraus kennen sollten. Das Paradox ist ein Ausweg, mit dem die Leute ihre Tatenlosigkeit rechtfertigen und das sie faul macht. Um diese Erinnerung klar zu machen, versucht Sokrates einen Knaben, der Menons Diener ist, etwas erinnern zu lassen. Sokrates schreibt ein Quadrat in den Sand; es hat die Seitenlängen »ABCD«. Nun fragt er, wie lang eine Seite eines anderen Quadrates ist, das zweifach so groß wie »ABCD« ist. Der Knabe denkt zunächst, es zweifach zu verlängern, aber das Quadrat wird zur vierfachen Fläche. Danach stellt Sokrates so verschiedene Fragen an ihn, dass der Knabe selbst zur richtigen Antwort kommen kann. Sokrates sagt, das ist seine Erinnerung.

Nach Sokrates und Platon, das Suchen beginnt nur, wenn man sich bewusst ist, noch nichts zu wissen. Und zwar, soweit man etwas als nicht bekannt ansieht, kann man das Suchen anfangen. Außerdem braucht man eine Gelegenheit für das Suchen, wie sie Kinder haben. Deswegen könnte man sagen, das Suchen beginnt immer mit der Erziehung.

Woher weiß jemand etwas? Wie entsteht Wissen? Was ist überhaupt Wissen? Das ist ursprüngliche Frage von Platon. Menon betrachtet das Wissen mit dem Paradox vom Suchen, als ob das Wissen in verschiedenen Packungen des Wissens irgendwo wäre. Und wie wir aus dem Automat die Getränke mit dem Geld nehmen, wenn wir nur die Packungen des Wissens bezahlen, so bekommen wir sie vom Lehrer oder Professor. Für Platon ist das die oberflächliche Denkweise. Das heißt, zwischen dem Wissen beim Paradox vom Suchen und dem bei Platon gibt es einen funktionalen Unterschied. Platon ergreift das Wissen nicht als das auseinander geschnittene tatsächliche Wissen, sondern als das weitere, das mit verschiedenen Sachen zusammenhängt. Dazu noch könnte man sagen, dass das Wissen immer mit dem Verstehen oder Erkennen verbunden ist. Das Wissen, das griechische ἐπιστήμη, hat eigentlich diese umfassende Sphäre.

1.3 Die höchste Idee: das Gute

Das Paradox wird verneint; Sokrates berichtet: „das heißt aber, dessen du dich nicht erinnerst, trachten kannst zu suchen und dir zurückzurufen.“[8] Daher untersuchen sie noch einmal, was die Tugend ist. Sokrates und Menon diskutieren miteinander über dieses Problem. Wenn Tugend Erkenntnis ist, soll sie lehrbar sein. Aber tatsächlich gibt es bei der Tugend weder Lehrer noch Schüler. Und zwar, wegen der Lehre von der Tugend kann man sie nicht immer lernen. Sie ist nicht lehrbar und sie ist keine Erkenntnis. Und dann sagt Sokrates: „so entstände die Tugend weder von Natur, noch wäre sie lehrbar, sondern durch göttliche Schickung wohnte sie denen bei, und ohne Vernunft, denen sie beiwohnt.“[9] Das heißt, die Tugend ist etwas besonderes, ein unvergleichliches Ding. Das kommt daher, dass Sokrates und Platon denken, dass die wichtigste Aufgabe für Menschen die Einsicht ins Gute ist. In Platons Politeia sagt Sokrates: „denn dass die Idee des Guten die größte Einsicht ist, hast du schon vielfältig gehört, als durch welche erst das Gerechte und alles, was sonst Gebrauch von ihr macht, nützlich und heilsam wird.“[10] Und weiter: „was ich wenigstens sehe, das sehe ich so, dass zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich anerkannt wird, dass sie für alle die Ursache alles Richtungen und Schönen ist […].“[11]

Die Idee ist der typische platonische Begriff, mit dem man ein Objekt als etwas nennen kann, sozusagen als eigentlich Wesentliches. Und die höchste Idee ist das Gute. Sokrates denkt, durch die Erwerben der Tugend kann man die Möglichkeit der Einsicht in die Idee des Guten bekommen.

Übrigens, Sokrates erklärt, dass die Rolle der Bildung ist, das Suchen der Idee zu ermöglichen. Das ist der berühmte Gedanke der platonischen Bildungsthorie, ähnlich wie die Erinnerung bei der Seele im Menon, nämlich Frage eines Quadrates mit den Seiten »ABCD«. „Wir müssen daher, sprach ich, so hierüber denken, wenn das Bisherige richtig ist, daß die Unterweisung nicht das sei, wofür einige sich vermessen sie auszugeben. Nämlich sie behaupten, wenn keine Erkenntnis in der Seele sei, könnten sie sie ihr einsetzen, wie wenn sie blinden Augen ein Gesicht einsetzen.“[12] „Hiervon nun eben, sprach ich, mag sie wohl die Kunst sein, die Kunst der Umlenkung, auf welche Weise wohl am leichtesten und wirksamsten dieses Vermögen kann umgewendet werden, nicht die Kunst, ihm das Sehen erst einzubilden, sondern als ob es dies schon habe und nur nicht recht gestellt sei und nicht sehe, wohin es solle, ihm dieses zu erleichtern.“[13] So ist eine treffende Bildung nötig für die Menschen, um sie der Idee des Guten zuzuwenden. Nämlich, Sokrates und Platon betonen überall, dass die Bildung sehr wichtig ist.

Aber auf die Frage Menons wird keine endgültige Antwort gegeben. Am Ende der Schrift gibt Sokrates keine Antwort auf Menons Frage, und der Dialog kommt zur Frage am Anfang zurück: „Das Bestimmtere darüber werden wir aber erst dann wissen, wenn wir, ehe wir fragen, auf welche Art und Weise die Menschen zur Tugend gelangen, zuvor an und für sich untersuchen, was die Tugend ist.“[14]

Wie bisher gesagt, bei moralischen Problemen suchen Sokrates und Platon die eigentliche und wesentliche Tugend, und sie versuchen quasi das Wissen ergreifen. Aber die Tugend ist etwas besonders Göttliches, anders als das Wissen, und sie soll weiter gesucht werden. Eigentlich ist Sokrates sich bewusst, dass er weiß, dass er nicht weiß. Deswegen kann er selbstverständlich keine endgültige Antwort erwerben; vielmehr soll man eine nach der Tugend strebende Haltung einnehmen. Vielleicht sieht das so aus, als sei das fruchtlos und sinnlos, denn das Gespräch hatte keine Lösung, Menons Frage hatte keine Antwort. Aber ich finde, ein Prozess ist wichtig, dass das Problem der Tugend besonderes immer wieder untersucht wird, um sich der Idee des Guten als dem Höchsten zu nähern. So wie bei uns war es auch in der alten griechischen Gesellschaft nicht so einfach, dass man die Tugend hatte und sich gut verhielt.

1.4 Die Nikomachische Ethik von Aristoteles

Als nächstes erwähne ich Aristoteles: Aristoteles, 384-322 v. Chr., war ein Schüler Platons; und er wurde als Lehrer des makedonischen Thronfolgers, Alexander des Großen, bekannt. Er hat viele Schriften verfasst, und seine Schriften behandeln das große Gebiet, das man durch ihn in Ethik, Metaphysik, Logik, Politik, Physik unterteilt. Aristoteles hat das System der Wissenschaften in drei Teile geteilt, nämlich in theoretische, praktische und poietische Wissenschaft. Weiter hat er Metaphysik und Naturwissenschaft in theoretischer Wissenschaft, Ethik und Politik in praktischer Wissenschaft, Poetik in poietischer Wissenschaft unterteilt. Für allen wissenschaftlichen Erfolg benötigt man Logik, in der es auf das Formale und die Methode ankommt.

Für Aristoteles ist die Ethik eine praktische Wissenschaft. Was bedeutet das? Er hat die Tugend mehr praktisch als bei Sokrates und Platon gedacht. Wir denken über dieses Problem unter Hinweis auf die Nikomachische Ethik von Aristoteles nach. Der Titel »nikomachisch« kommt von seinem Sohn her, der verschiedene ethische Schriften von Aristoteles herausgegeben hat. Die Nikomachische Ethik beginnt so: „Jede Kunst und jede Lehre, ebenso jede Handlung und jeder Entschluss scheint irgendein Gut zu erstreben. Darum hat man mit Recht das Gute als dasjenige bezeichnet, wonach alles strebt.“[15] Auch in Platons Politeia gibt es das Problem des Guten. Ebenfalls denkt Aristoteles auch, dass die Menschen das höchste Gute zu suchen wünschen. Aber er sagt: „Einige meinten, es gäbe neben diesen vielen Gütern ein anderes Gutes an und für sich, das auch die Ursache des Gutseins all der andern Güter wäre.“[16] Diese »einige«, konkret gesagt, sind Sokrates und Platon. Wie wir schon gesehen haben, hat Sokrates Menon kritisiert und gesagt, dass Menon viele Tugenden aufgezeigt hat, dass man aber nach der einen Tugend fragen muss, dass die Tugend etwas besonders ist. Weiter hat er in der Politeia gesagt, die Idee des Guten ist das Höchste und Letzte, nämlich, „dass sie für alle die Ursache alles Richtungen und Schönen ist“. Das ist nach Aristoteles „die Ursache des Gutseins all der anderen Güter“. Aber Aristoteles ist nicht nur damit zufrieden, die Ursache des Gutes zu suchen. Er sagt: „Auch wenn ein Gutes existiert, das eines ist und allgemein ausgesagt wird, oder das abgetrennt und an und für sich besteht, so ist es doch klar, dass dieses Gute für den Menschen weder zu verwirklichen noch zu erwerben ist. Nun ist es aber ein solches, was wir suchen.“[17]

Für Aristoteles ist das Gute als das Sollen konkret aufzuzeigen, zu bestätigen. Das ist wichtiger als das, wie Sokrates und Platon sagen, nämlich die Idee des Guten zu suchen. Diese Denkweise erscheint klar in seinem wissenschaftlichen System. Nach Aristoteles gehört die Diskussion des Gutes »praktischer Wissenschaft, Ethik« an.

Dementsprechend bestimmt er das menschliche Gute folgendermaßen: „Denn das vollkommen Gute scheint selbstgenügsam zu sein.“[18] „Derart dürfte es in erster Linie die Glückseligkeit sein. Denn diese suchen wir stets wegen ihrer selbst und niemals wegen eines anderen.“[19] „So scheint also die Glückseligkeit das vollkommene und selbstgenügsame Gut zu sein und das Endziel des Handelns.“[20]

Das Gute ist die Glückseligkeit, die Ziel um seiner selbst willen ist. Und er sagt, wie Platon, dass man, um dieses Gute zu suchen, Tugend (ἀρετή) erwerben muss. Er teilt diese Tugend zweifach, eine ist die verstandesmäßige, die andere ist die ethische Tugend: „Die Tugend ist also von doppelter Art, verstandesmäßig und ethisch. Die verstandesmäßige Tugend entsteht und wächst zum größeren Teil durch Belehrung; darum bedarf sie der Erfahrung und der Zeit. Die ethische dagegen ergibt sich aus der Gewohnheit; daher hat sie auch, mit einer nur geringen Veränderung, ihren Namen erhalten.“[21] „[...] durch Bauen werden wir Baumeister und durch Kitharaspielen Kitharisten. Ebenso werden wir gerecht, indem wir gerecht handeln, besonnen durch besonnenes, tapfer durch tapferes Handeln.“[22]

Aristoteles denkt, die Gewohnheit ist wichtig, um die Tugend zu haben. Indem man sich praktisch vortrefflich verhält, kann man zu vortrefflichen, moralischen Menschen werden. Und er fasst zusammen; „Und mit einem Worte: die Eigenschaften entstehen aus den entsprechenden Tätigkeiten. Darum muss man die Tätigkeiten in bestimmter Weise formen. Denn von deren Besonderheiten hängen dann die Eigenschaften ab.“[23] Also bedeutet das, dass die Tätigkeiten als die Gewohnheiten zu der vortrefflichen Eigenschaft, das ist die Tugend, werden. Aber was für Eigenschaften sind tatsächlich die vortrefflichen Eigenschaften? Er sagt, es ist die Fähigkeit, die goldene Mitte bei jeder Tätigkeit zu halten. Z. B. bei Furcht und Mut ist die Tapferkeit die Mitte. Bei Lust und Schmerz heißt die Mitte Besonnenheit. Freilich sagt Aristoteles, die Ungerechtigkeit, die Hinterlist, der Diebstahl, der Mord u. a. haben keine Mitte, denn sie sind an sich mit Schlechtigkeit verbunden. Für Aristoteles hat dies gleiche Wichtigkeit: das Gute, nämlich die Glückseligkeit, zu suchen, durch Gewohnheit die Tugend anzuhalten und bei verschiedenen gesellschaftlichen Beziehungen in der Mitte zu sein.

Dieser Gedanke von Aristoteles wird so einfach gezeigt: Wenn man das rechte vortreffliche Verhalten wiederholt, dann ist man dieses Verhalten gewöhnt, daher kann man sich von selbst gut verhalten. Und zwar kann man sich in der Mitte und so im alltäglichen sozialen Bereich vorzüglich verhalten. Wahrscheinlich ist das ganz normal, wenn wir ein Kind erziehen.

Was ist mit angeborenen Charaktereigenschaften? Haben sie nichts mit Gewohnheit zu tun? Der angeborene Charakter ist laut folgendem Zitat eine andere Sache für die Tugend. „Hieraus ergibt sich auch, dass keine der ethischen Tugenden uns von Natur gegeben wird. Denn kein natürlicher Gegenstand kann andere Gewohnheiten annehmen: der Stein, der von Natur fällt, wird sich niemals gewöhnen, nach oben zu steigen, auch wenn man es tausendmal übte, ihn nach oben zu werfen. [...] Die Tugenden entstehen in uns also weder von Natur noch gegen die Natur. Wir sind vielmehr von Natur dazu gebildet, sie aufzunehmen, aber vollendet werden sie durch die Gewöhnung.“[24]

1.5 Unterschied zwischen sokratischen, platonischen und aristotelischen Gedanken

Wir können den Unterschied zwischen sokratischen, platonischen und aristotelischen Gedanken sehen, um die Tugend erklären: Sokrates und Platon sagen, man müsse fragen, was denn die Tugend sei, und man müsse die Idee des Guten suchen. Dagegen sagt Aristoteles, wie soll man die Tugend erlangen und erhalten. Man muss das praktische wünschenswerte Verhalten gewöhnt sein.

Weil nach Sokrates und Platon die Tugend nicht als die Erkenntnis, sondern als eine unklare Gegebenheiten gezeigt wird, sieht ihre Denkweise für uns zwar ideal und fiktiv aus, aber eigentliche, weitere Möglichkeiten der Tugend sind zu entfalten, indem wir fragen, was die Tugend ist. Wenn wir uns irgendwie tugendhaft verhalten, z. B. nach Aristoteles die Tapferkeit haben, verhalten wir uns nicht immer gleichermaßen, sondern wir nehmen je nach den Umständen ein Wünschenswertes an. Dabei sollen wir immer wieder denken, welches Verhalten für wünschenswert gilt, obwohl man das tugendhafte Verhalten oft mit Gewohnheit bilden kann. Wir verhalten uns nicht nur nach der Gewohnheit, sondern auch nach anderen Weisen, die neue bessere Verhaltungsmöglichkeiten enthalten, denn sonst können wir sozusagen nur die selbstverständliche, normalisierte Tat wählen. Um dieses ungewöhnliche Verhalten zu wählen, sollen wir noch fragen, was eigentlich die Tugend ist. Vielleicht sollen wir versuchen, immer neu zu verstehen und philosophieren.

Im nächsten Kapitel denken wir, wie dieser altgriechische Gedanke auf moderne moralische Diskussion wirken kann.

2 Bildung der Gewohnheiten (1) - Theorien und Praktiken der Charaktererziehung

2.1 Was bedeutet Charaktererziehung?

Bisher haben wir über zwei altgriechische Denker, Platon und Aristoteles, geschrieben. Wie beeinflussen ihre Gedanken die modernen Erziehungspraktiken? Jetzt stelle ich die Charaktererziehung vor, die in der amerikanischen Schulbildung entwickelt wird. Sie versucht, die altgriechischen Ideen auf die moderne Schulbildung anzuwenden.

Die Charaktererziehung wird vor allem von Thomas Lickona, Professor an der State University of New York at Cortland, gefördert. Zugleich arbeitet er als Direktor am Center for the 4th and 5th Rs.[25] Dort zielt er darauf ab, seine Studienergebnisse auf Praktiken der Schulbildung anzuwenden, und die betreffenden Studien durch die Sammlung verschiedener Praktiken weiter zu bringen.

Was bedeutet Charaktererziehung? So heißt das absichtliche Lehren der Tugenden, der Praktiken des Guten. Sie ist kein neuer Versuch, sondern vielmehr ein pädagogischer Wiederaufbau. Sie will die traditionellen Praktiken umwerten und sie in der modernen Gesellschaft nutzbar machen.

Lickona sagt: „Der Charakter bringt Tugenden mit sich. Ein besserer Charakter ist ein tugendhafterer. Je reichere Tugenden wir annehmen, desto stärker wird unser Charakter. Die Tugend, wie z. B. die Weisheit, die Ehrlichkeit, die Freundlichkeit, der Fleiß und die Selbstkultivierung, ist ein objektiv Seiendes und hat eine Eigenschaft, die man als etwas Gutes für Menschen ansehen kann.“[26]

Die Tugend hat zwar eine kulturspezifische und eine zeitbedingte Form, aber man kann sie gewissermaßen über die kulturellen und zeitlichen Grenzen hinaus objektiv bestimmen. Hier würde ich ein Beispiel angeben. In Japan haben die Samurai, die der feudalen Oberschicht angehörenden Soldaten, vor etwa 150 Jahren andere soziale Schichten beherrscht. Wenn ihr Herr starb, haben manche den Selbstmord gewählt, um ihre Loyalität zu zeigen. Das finden die meisten modernen Menschen wahrscheinlich extrem und verrückt, und das können sie gar nicht verstehen. Aber man kann sagen, dass die Loyalität der Samurai manchmal sogar auch in der modernen abendländischen Gesellschaft als ein Ideal gilt, wenn man sich den Film Last Samurai ansieht. Denn die Loyalität ist immer und überall besser als die Untreue. Das heißt, es verändert sich je nach der Zeit, welche Tat man als loyal betrachtet, aber der Wert der Loyalität selbst ist zeitlos. „Im moralischen Bereich ist eine Tat echt richtig und eine andere Tat echt falsch.“[27] Beispielsweise ist Loyalität wichtig, um einander zu vertrauen, und die Tat aus der passenden Loyalität ist richtig. Hingegen ist es dumm und klar falsch, wenn man ein privates Geheimnis seiner Freundin oder seines Freundes mit Absicht aufdeckt, oder wenn man sie oder ihn wegen der Verfolgung seiner privaten Interesse betrügt. Die Charaktererziehung setzt es sich zum Ziel, Tugenden als objektiv gute Taten mit Bewusstsein zu lehren.

Im Folgenden betrachten wir, warum die Charaktererziehung sich in den USA verbreitet hat.

2.2 Warum wird Charaktererziehung unterstützt?

In den 1980er Jahren wurde das niedrige Lernniveau der Schüler in den USA als ein ernstes Sozialproblem erfasst. Dann ist man zur Erkenntnis gekommen, dass die moralische Erziehung wichtig für die Verbesserung des Niveaus ist. Die Regierung hat verschiedene Projekte aktiv betrieben, um die Charaktererziehung im ganzen Land zu fördern. Unter der Clinton-Regierung wurden riesige Prämien für die Staaten bezahlt, die am „Pilotprojekt der Zusammenarbeit für die Charaktererziehung“ teilgenommen haben. Danach wurde dieses Projekt unter der Bush-Regierung als ordentliches Unternehmen anerkannt.[28]

Warum fällt die Charaktererziehung in den USA so auf? Zuerst würde ich drei soziale Hintergründe angeben, die die Verbreitung der Charaktererziehung bringen.

(1) Am Anfang sollen wir einen Blick auf die moralischen Probleme in den modernen Staaten richten. H. A. Huffman sagt: 1940 waren die Probleme der Kinder in amerikanischen Schulen, dass sie schwatzten, einen Kaugummi kauten, lärmten, im Flur liefen, sich in die Reihe drängten, eine unpassende Kleidung anhatten, keinen Müll in den Abfalleimer taten. 1980 waren die Probleme Drogen, Alkohol, die zu frühe Schwangerschaft, der Selbstmord, die Vergewaltigung, der Diebstahl und die Gewalt.[29] Wir sollen aufgrund genauer Daten behutsame Urteile darüber fällen, ob der Hinweis Huffmans zutreffend ist. Aber man kann sagen, dass die amerikanischen Kinder moralischen Problemen gegenüberstehen und in Gefahr gebracht werden. Zum Beispiel zeige ich hier eine Grafik 1 über den internationalen prozentualen Vergleich der lebenslangen Erfahrung mit Drogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Der Vergleich der lebenslangen Erfahrung mit Drogen

In einer Umfrage an ab 12-jährigen Amerikanern wird eine Antwort gegeben, dass 41,9% der Befragten Marihuana und Haschisch, 5,1% Stimulanzien, 6,3% MDMA und 14,7% Kokain benutzen.[30] Im Vergleich mit Deutschland oder Japan wird der Ernst der Lage in den USA deutlich. Gesetzliche Regelungen in den USA sind lockerer als in Japan und Marihuana und Haschisch sind in einigen Staaten legal. Weil man dazu relativ leicht in den USA Drogen bekommen kann, soll man den Vergleich mit den moralischen Problemen nicht einfach verbinden. Aber der Drogenmissbrauch breitet sich auf die Kinder aus und nimmt auf ihre Zukunft einen schlechten Einfluss. Eine Statistik zeigt, dass 11,7% Schüler in der achten und 35,1% Schüler in der zwölften Klasse Marihuana benutzen.[31] Die Charaktererziehung behauptet, dass man es klar bestimmen und lehren soll, was das Böse ist. Man kann sagen, dass sie als eine soziale Krisenstrategie für die unerwünschten Taten der Kinder wie Drogenmissbrauch entsteht.

(2) Im Folgenden trägt der zunehmende Einfluss der Medien zur Verbreitung der Charaktererziehung bei. Neil Postman sagte, dass die Medien auf das Leben der Kinder einen großen Einfluss ausüben. Die Einschaltquote ist mit der wichtigste Faktor für die Fernsehanstalten. Er erklärt in seinem berühmten Werk Das Verschwinden der Kindheit, wie sehr die Strategien der Erhöhung der Einschaltquote der Qualität der Sendungen schaden. Zum Beispiel: „Vidal Sassoon, ein bekannter Friseur, hatte eine Zeitlang eine eigene Fernsehsendung [...]. Bei einer dieser Sendungen, kurz vor einer Reklameeinblendung, hatte Sasson gerade noch Zeit [...]: »Schalten Sie nicht um. Wir sind gleich wieder da, mit einer phantastischen neuen Diät, und danach einem kurzen Blick auf den Inzest«“.[32] Die Verschönerung und die Enthüllung sind ein notwendiges Element für die Sendung, um eine Neugier der Massen zu fesseln. Heute können wir nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Internet verschiedene Informationen einfach bekommen. Die Medienkompetenz der Kinder soll entwickelt werden, damit man die Kinder auf die schädlichen Informationen nicht zugreifen lässt. Die Charaktererziehung hat eine ausdrückliche Meinung darüber, was schädlich für uns ist, und sie hofft, dass Kinder ein tugendhaftes Leben führen. Man kann sagen, sie entspricht der modernen Anforderung an deutliche Unterscheidungen.

(3) Zum Schluss würde ich das Auseinanderdriften der Schichten in den USA erwähnen. Zum Beispiel haben 1983 etwa zehntausend Obdachlose in den Schutzräumen in New York übernachtet und die Zahl stieg auf 60.410 Personen im Februar 2016. Hierin sind nicht nur Erwachsene, sondern auch 23.783 Kinder enthalten.[33] Familienerziehung funktioniert nicht ohne die fundamentalen Bedingungen im Alltag. Wenn man seinen Kindern kein Essen anbieten kann, hat man keine Möglichkeiten, sie Tischmanieren zu lehren. Armut nimmt Familien die Bildungschancen. Wenn man einen Blick auf die Kinder ohne sorgsame Familienerziehung richtet, würden viele die Charaktererziehung unterstützen, denn sie behauptet, dass Kinder nicht nur in ihren Familien, sondern auch in ihren Schulen die grundlegende Moral lernen sollen.

Um es kurz zusammenzufassen: Die Charaktererziehung verbreitet sich jetzt aufgrund der unerwünschten Taten der Kinder, des zunehmenden Einflusses der Medien und der fehlenden Familienerziehung.

Überblicken wir nun die Geschichte der Moralerziehung in den USA. Der Überblick wird es leichter machen, die pädagogischen Hintergründe der Verbreitung zu verstehen. Früher haben amerikanische Lehrer Schülern die Charaktererziehung angedeihen lassen, die erwünschte Tugenden mit Absicht lehrt. Aber die Situation hat sich aus Anlass der Studie von H. Hartshorne und M. May verändert. Durch diese Studie haben sie versucht, die Effekte der Charaktererziehung objektiv zu verifizieren, und sie sind zum Schluss gekommen, dass die Häufigkeit des Betrugs der Schüler unabhängig davon ist, ob sie Charaktererziehung in ihren Schule unterrichtet wurden. Danach hat die Charaktererziehung nachgelassen, die Kinder moralische Ideen lehren will.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele gedacht, man kann nicht sagen, was von besserem Wert ist, weil es je nach Personen verschieden ist. Damals haben viele den Werterelativismus propagiert, der keinen allgemeingültigen Wert postuliert. Ende der 1960er Jahre haben R. E. Louis, M. Harmin, S. B. Simon u. a. »die Klarstellung des Wertes« vertreten. Sie denken, man kann keinen bestimmten Wert bejahen oder verneinen, weil jeder seine eigenen ethischen Kriterien hat. Deswegen dürfen Lehrer den Schülern zu ihren eigenen Kriterien nicht zwingen. Sie bewerten nicht, ob die Urteile der Schüler gut oder böse sind, sondern sollen den Schülern helfen, ihre Werturteile zu formulieren. Die Theorie der »Klarstellung des Wertes« versuchte, die Freiheit ihrer Werturteile zu achten, darum wurde sie von Lehrern unterstützt. Aber es war schwer, dass die Lehrer eine solche Moralerziehung in ihren Klassen verwirklichen. Zum Beispiel: Auch wenn ein Kind der Meinung ist, dass man einen Ladendiebstahl begehen kann, können Lehrer seinem Werturteil weder widersprechen noch es überzeugen. Die werterelativistische Moralerziehung kann sich günstig auswirken, weil sie den Zwang der bestimmten Werte umgehen kann. Aber Lehrer können in der Schulbildung eine realistische Perspektive nicht total aufgeben, innerhalb der sie eine bestimmte Tugend besser als anderes Verhalten ansehen.

Danach ist eine neue Theorie von Lawrence Kohlberg über moralische Dilemmata in den 1970er Jahre aufgefallen. Seine Theorie werde ich im 6. Kapitel ausführlich erklären. Seine Theorie und Praktiken beeinflussten die Charaktererziehung sehr. Trotzdem hatten sie eine Grenze, dass sie Schüler den Blick auf den Inhalt eines Wertes selten richten lassen, weil sie das Gewicht nicht auf das unmittelbaren Lehren von etwas Gutem, sondern auf die Prozesse oder Techniken des moralischen Denkens legen. Um die Grenze zu überwinden, haben Lickona u. a. Ende der 80er Jahre die »neue Charaktererziehung« initiiert. Jetzt werde ich auf sie eingehen.

2.3 Die Theorie der Charaktererziehung

Wenn die Rede auf die Charaktererziehung kommt, muss man zunächst unter der Voraussetzung denken, dass die Schule eine wichtige Funktion für die Moralerziehung hat. In der Schule müssen Kinder nicht nur The 3Rs, das heißt, reading, writing and arithmetic, sondern auch The forth and fifth R, das heißt, respect and responsibility lernen. Lickona sagt: „Diese bilden den Kern einer universalen, öffentlichen Moralität. Sie haben objektiven, beweisbaren Wert, weil man das Gute des Individuums und das Gute der ganzen Gemeinschaft fördert“.[34]

Was bedeutet die Achtung (respect) und die Verantwortung (responsibility)? Die Achtung bedeutet „die Achtung vor dem Wert von jemand oder etwas zu zeigen “.[35] Hingegen kommt die Verantwortung eigentlich aus der Achtung. Die echte Achtung vor jemandem bringt die Verantwortung für ihn. Man kann die zweite Seiten des moralisch Guten als die Achtung und die Verantwortung bezeichnen. Die Verantwortung betont unsere aktive Pflicht, während die Achtung negativ funktioniert. Zum Beispiel, „wo die Achtung »Verletze andere nicht« sagt, sagt die Verantwortung »Helfe anderen«“.[36]

Übrigens bestehen die Tugenden, die Praktiken des Guten, aus drei Elementen, das heißt, in moralischen Erkenntnissen, in moralischen Gefühlen und in moralischen Handlungen. Man muss zum einen intellektuell verstehen, was Gerechtigkeit ist, wenn man ihre Tugend erlernt. Man muss wissen, dass Gerechtigkeit im Allgemeinen ausgeübt wird, um „die Ordnung herzustellen und sie zu erhalten, die das Wohl der ganzen Gesellschaft sichert“.[37] Sie wird vor allem in der Neuzeit als etwas erkannt, was mit „der Freiheit und Gleichheit der Mitglieder der Gesellschaft“[38] verbunden ist. Auf der Basis solcher Erkenntnisse kann man auf die Fehler des Rassismus, Sexismus usw. richtig hinweisen. Zum anderen sind auch moralische Gefühle wichtig. Bei eigener aktiver Diskriminierung muss man schuldbewusst sein und sich schämen, oder man muss sich über die Diskriminierung von anderen ärgern. Wenn man die Gerechtigkeit nicht praktizieren will, trotz ihres intellektuellen und emotionalen Verständnisses, dann kann man Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft nicht verwirklichen. Ein besserer Charakter kann nur unter der Bedingung gebildet werden, dass man sich mit passenden Erkenntnissen und Gefühlen moralisch verhält.

Diese drei Elemente, das heißt: moralische Erkenntnisse, Gefühle und Handlungen, kann man jeweils als dem Kopf, dem Herz und den Händen zugehörig fassen. In der amerikanischen Pädagogik betrachtet man es oft aufgrund des Denkens Pestalozzis (eines berühmten Pädagogen der Schweiz) als wichtig, dass man in seiner Entwicklung die drei Hs, dass heißt head, heart and hand in Harmonie bringt. Man kann einen guten Charakter nicht bilden, wenn schon eines dieser Elemente einem selbst fehlt. Beispielsweise weiß ein Schüler schon, dass Abschreiben schlecht ist, und er empfindet Ärger über einen anderen Schüler, der oft spickt. Aber, wenn er selbst nur einmal wegen Zeitmangels spickt, kann man sagen, dass er noch nicht zur moralischen Reife gelangt ist.

Lehrer haben eine wichtige Mission, nämlich Schüler mit Tugenden auszustatten und einen harmonischen Charakter zu bilden. Dafür „müssen Lehrer die Schüler lehren, was Tugenden sind, sie unterstützen, ihre Wichtigkeit richtig zu verstehen, und sie fördern, dass sie Hoffnung auf Tugendhaftigkeit haben und Tugenden im alltäglichen Leben praktizieren“[39]

Hier würde ich die Charaktererziehung auf das Denken von Platon und Aristoteles beziehen.

Platon betrachtete in seinem Werk Der Staat vier Tugenden, das heißt, die Klugheit (φρόνησις), die Tapferkeit (ἀνδρεία), die Besonnenheit (σωφροσύνη) und die Gerechtigkeit (δικαιοσύνη) als wichtig. Auch Aristoteles erwähnt diese Tugenden. Man kann sagen, dass sie seit der altgriechischen Zeit vor allem im Abendland geachtet werden. Deswegen denkt Lickona, man soll diese vier traditionellen Tugenden zu einem Prinzip rechnen und die demokratischen Tugenden, die in der modernen Gesellschaft gebildet werden, wie die Achtung vor den individuellen Rechten oder die Toleranz gegen verschiedene Meinungen, hinzufügen.

Im Menon hat Platon gefragt, ob man die Tugend lernen und jemand sie lehren kann. Wie beantwortet Lickona diese Frage? Vermutlich antwortet er: „Ja, natürlich kann man sie lehren. Tugenden verändern sich zwar je nach der Kultur und der Zeit, aber sie haben Gemeinsamkeiten. Man kann sie bestimmen und lernen.“ Platon hat die Frage nach dem Wesen der Tugend vorgezogen, aber Lickona will vielmehr traditionelle Tugenden voraussetzen und ihren Praktiken den Vorzug geben.

Aristoteles übt einen sehr starken Einfluss auf die Denkweise Lickonas aus. Lickona selbst sagt: „Die Kernprinzipien der Charaktererziehung sind die Lehre von Aristoteles. Das heißt, Tugenden sind nicht ein bloßes Denken, sondern auch die Gewohnheit, die durch die Ausführungen der tugendhaften Taten gebildet wird.“[40] Außerdem sollen die anzugewöhnenden Tugenden, wie Aristoteles gesagt hat, nicht nur auf andere, sondern auch auf sich selbst orientiert werden. Man vergisst oft in der modernen Gesellschaft die Tugend für sich selbst und man soll es hoch bewerten, etwa die eigene Begierden und Gefühle zu beherrschen.[41]

Viele neigen zu der Ansicht, dass es unsere Glückseligkeit ist, unsere eigene Begierden genug zu erfüllen. Dabei kann die Beherrschung der Begierden die Abnahme der Glückseligkeit bringen. Aber, wie Platon und Aristoteles gesagt haben, machen nicht die Begierden, sondern die Tugenden uns eigentlich glücklich. Ohne Tugenden kann man nicht glücklich leben. Die Besonnenheit, eine der Tugenden für uns selbst, bringt unserem Leben die Zunahme der Glückseligkeit. Der altgriechischen Erkenntnis, dass Tugenden eine Bedingung für unsere Glückseligkeit sind, folgt Lickona: „Tugenden sind nötig für Individuen, um ein zufriedenes, harmonisches Leben zu führen. Wenn man tugendhaft ist, kann man in aller Menschengesellschaft miteinander harmonieren und dort produktiv leben.“[42]

Zusammenfassend kann man nach Lickona sagen, dass die Schule auf den Prinzipien von Achtung und Verantwortung die Moral lehren soll, und dass es wichtig ist, dass Lehrer durch die Bildung der guten Gewohnheiten die moralischen Ausführungen der Schüler fördern. Wie Aristoteles gesagt hat, bringt eine richtige moralische Gewohnheit den Kindern einen guten Charakter und ihre Glückseligkeit.

2.4 Die Praktiken der Charaktererziehung

In den ganzen USA gibt es weder einen regelmäßigen Moralunterricht wie in Japan noch einen Religionsunterricht oder Ethikunterricht wie in Deutschland. Die Moralerziehung wird meistens in den Aktivitäten des Extracurriculums gegeben. Dabei diskutieren Schüler oft in ihrer Klasse. Zum Beispiel versuchen sie Mottos der Klasse oder der Schule zu erfassen und sie auszuführen; oder sie sprechen darüber, was sie tun sollen, um einen kleinen Streit in der Klasse zu lösen. Oder sie nehmen am Dienst in ihrer Schule oder ihrer Gemeinschaft teil. In der Moralerziehung ist die Mitarbeit mit den Gesellschaften sehr wichtig. Und dann besprechen sie schulübergreifende, moralische Probleme in einer Organisation, genannt »das Parlament«, wo Schüler sich mit den autonomen Aktivitäten beschäftigen. Man kann auch in verschiedenen Fächern, wie etwa Mathematik oder Sport, Moral lehren. Zum Beispiel, wenn Schüler eine Gruppenarbeit in einem mathematischen Unterricht betreiben, dann müssen sie miteinander kooperieren. Dabei braucht man die Fähigkeiten, auf die Verantwortung als ein Mitglied der Gruppe aktiv zu arbeiten, eine andere Meinung anzuhören usw.

Lehrer sollen moralische Rücksichten auf alle Bildungsaktivitäten nehmen. Wenn Schüler eine raue Sprache sprechen und ihnen Höflichkeit fehlt, sollen Lehrer ihre Aussagen korrigieren und sie mit der kultivierten Sprache wieder sagen lassen. Lehrer selbst sollen nach einem besseren Charakter streben und sich als Vorbild der Schüler benehmen, weil sie sich immer auf die Charakterbildung der Schüler auswirken. Wenn Lehrer den Schülern in ihrer Klasse zuerst Aufmerksamkeit erweisen, muss auch die Schüler rücksichtsvoller werden.

Außerdem sollen Lehrer mit Familien zusammenarbeiten, da sie den Charakter der Schüler sehr beeinflussen. Sie sollen ihnen die Informationen darüber geben, etwa wie Beschützer die Mediensucht ihrer Kinder verhindern können.

Die Charaktererziehung betont, dass Lehrer von der übergreifenden Perspektive die Moralerziehung fördern sollen. Lehrer sollen immer die moralische Entwicklung der Schüler mit Sorgfalt beobachten und sie unterstützen.

2.5 Vorteile und Nachteile der Charaktererziehung

Schließlich bringe ich kurz die Rede auf die Vorteile und Nachteile der Charaktererziehung. Die Charaktererziehung kann die Chance bieten, den Egozentrismus zu überwinden und einen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verstärken. Aber eine zentrale Bestimmung der Werte kann eine ernste Gefahr herbeiführen. Die Bestimmung der Werte ist oft umstritten. Zum Beispiel sieht Lickona die Keuschheit als einen unzweifelhaften Wert an. Er denkt, man kann ein sexuelles Verhältnis nur in der Ehe haben, darum sollen Schüler in der Schule die Bedeutung der Keuschheit lernen. Aber wegen der Irrealität oder der Achtung der individuellen sexuellen Freiheit stimmen viele seiner Meinung nicht zu.

Hinzu geht es dort um die Beziehung zwischen der Schulbildung und der Familienerziehung. In den USA hat man über die moralische Erziehung in der Schule eigentlich wenig gesprochen, denn man hat gedacht, dass die Familie eine primäre Verantwortung für die moralische Entwicklung der Kinder hat. Aber neuerdings verändert sich die Situation allmählich. Wir müssen darauf achten, dass die Unterstützung der Familie sich mit der Einmischung in die Familie leicht verbindet.

[...]


[1] Matthäus 7,12.

[2] Xenophon, Gastmahl, in: ders., Sokratische Denkwürdigkeiten, übers. v. H. Ohm, Frankfurt a. M. 1998, S.161.

[3] Platon, Menon, in: Sämtliche Werke Platon, Band 1, neu hrsg. v. U. Wolf, übers. v. Friedrich Schleiermacher, Hamburg 1994, S. 457. 70a.

[4] Platon, Politeia, in: Sämtliche Werke Platon, Band 2, neu hrsg. v. U. Wolf, übers. v. Friedrich Schleiermacher, Hamburg 1994, S. 243. 353B.

[5] Platon, Menon, S. 459. 72A.

[6] Platon, Menon, S. 472. 80E.

[7] Platon, Menon, S. 473. 81C-D.

[8] Platon, Menon, S. 481. 86B

[9] Platon, Menon, S. 500. 99E

[10] Platon, Politeia, S. 411. 505A

[11] Platon, Politeia, S. 423. 517B-C

[12] Platon, Politeia, S. 424. 518C

[13] Platon, Politeia, S. 424. 518D

[14] Platon, Menon, S. 500. 100B

[15] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, übers. und mit einer Einf. und Erl. vers. v. Olof Gigon, München 1991, S. 105. 1094a.

[16] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 108. 1095a.

[17] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 113. 1096b.

[18] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 115. 1097b.

[19] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 114. 1097a-b.

[20] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 115. 1097b.

[21] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 131. 1103a.

[22] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 131-132. 1103a-b.

[23] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 132. 1103b.

[24] Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, S. 131. 1103a.

[25] Es wird in Kap. 2.3 erklärt, was the 4th and 5th Rs bezeichnet.

[26] Thomas Lickona, Jinkaku no Kyoiku, auf japanisch hrsg. u. übers. v. S. Mizuno, Tokio 2001, S.16-17.

[27] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S.17.

[28] Vgl. Toshihiro Sumioka, The Charakteristics of Federal Policy on Charakter Education in the United States, auf japanisch, in: Miyazaki Kouritsu Daigaku Jinbungakubu Kiyou, Miyazaki 2009.

[29] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S.154.

[30] Quelle: Kousei Roudou Syou, Genzai no Yakubutsu no Shiyou Jyoukyou.

[31] Quelle: University of Michigan, 2014 Monitoring the Future Study.

[32] Neil Postman, Das Verschwinden der Kindheit, übers. v. R. Kaiser, Frankfurt a. M. 1986, S. 97.

[33] Quelle: NYC Department of Homeless Services and Human Resources Administration and NYCStat, Schelter Census Reports und City of New York.

[34] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 43.

[35] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 43.

[36] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 44.

[37] Izuru Niimura (hrsg.), Koujien (ein japanisches Wörterbuch), Artikel Seigi (die Gerechtigkeit), Tokio, 1998.

[38] Izuru Niimura (hrsg.), Koujien, Artikel Seigi.

[39] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 22.

[40] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 23.

[41] Vgl. Thomas Lickona, Educating for Character, New York 1991, S. 50.

[42] Lickona, Jinkaku no Kyoiku, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Ethische Probleme in der Pädagogik
Untertitel
Ein Vergleich zwischen Deutschland und Japan
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Autoren
Jahr
2016
Seiten
89
Katalognummer
V339530
ISBN (eBook)
9783668294899
ISBN (Buch)
9783668294905
Dateigröße
1289 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Philosophie, Japan, Moralerziehung, Moral, Shintoismus, Moralentwicklung, Ethik
Arbeit zitieren
Hideto Ishimura (Autor)Kayo Ishimura (Autor), 2016, Ethische Probleme in der Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339530

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