Konstantin I. ist bis heute ein großes Thema in der Geschichte. Anfang des vierten Jahrhunderts herrschte er im römischen Reich. Über sein Leben und Wirken gibt es zahlreiche Quellen. Dem Laien im Fach Geschichte ist Konstantin nicht zwingend durch seine außenpolitischen Leistungen oder verwaltungstechnischen Reformen ein Begriff; sondern durch seine Beziehung zur Religion des Christentums. Es stellt sich die Frage, ob seine Hinwendung zum Christentum eine persönliche Motivation zugrunde lag oder ob er eine vorgegebene Denkströmung nutzte, um seine Macht zu festigen. Warum ließ er sich erst auf dem Sterbebett 337 taufen? Das sind Fragen, welche einige Diskussionen hervorrufen. Das Verhältnis zwischen Konstantin und dem Christentum hat „welthistorische Dimensionen angenommen und ihre Auswirkungen sind bis heute spürbar“ (Schmitt 2007).
Auch diese Hausarbeit wird sich mit Konstantin und seiner Religionspolitik beschäftigen. Dabei werde ich jedoch nicht thematisch auf seine Zeit als alleiniger Herrscher ab 324 eingehen, in welcher er bekanntermaßen den Christen Vorrang verschaffte, sondern die Periode beleuchten, in deren Verlauf er zu diesem aufstieg. Dabei werde ich mich aber auf die religionspolitischen Aspekte konzentrieren, die ab der Mailänder Vereinbarung 313 auftraten. Diese Vereinbarung stellte die Christen mit anderen Religionen gleich, und die Frage ist hier, was in den darauffolgenden Jahren mit ihnen geschah. Durch Gesetztestexte wird untersucht, wie das Christentum von Konstantin behandelt wurde. So formuliere ich als Leitfrage: Wie sah die Christenpolitik Konstantins ab einschließlich 313 aus, und lässt sich ein Prozess von der anfänglichen Gleichstellung zu einer Bevorzugung erkennen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konstantin und kurzer historischer Kontext
3. Die Mailänder Vereinbarung und ihre Folgen
3.1. Vorgeschichte
3.2. Die Mailänder Vereinbarung
3.3. Nach der Mailänder Vereinbarung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die religionspolitische Entwicklung Konstantins des Großen im Zeitraum zwischen 313 und 321. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob sich ein Prozess von der anfänglichen rechtlichen Gleichstellung des Christentums hin zu einer aktiven Bevorzugung gegenüber anderen Religionen innerhalb des römischen Reiches nachweisen lässt.
- Konstantins Religionspolitik ab 313
- Analyse der Mailänder Vereinbarung
- Die Rolle der Kirche im römischen Staat
- Gesetzliche Begünstigungen für Klerus und Christentum
- Die Transformation von religiöser Toleranz zu Privilegierung
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Mailänder Vereinbarung
Der Mailänder Vereinbarung ging ein Treffen zwischen Licinius, dem Kaiser des Ostens, und Konstantin, Kaiser des Westens, in der lombardischen Stadt Mailand voraus. Diese fand ca. im Februar des Jahres 313 statt. Außerdem vermählte sich Licinius mit Konstantins Schwester Constantia, um so die Verbindung zu Konstantin zu stärken. Die Vereinbarung von Mailand, welche fälschlicherweise auch als Toleranzedikt von Mailand bekannt ist, ist ein wichtiges Zeugnis für die Religionspolitik Konstantins und ist als Weiterführung des Toleranzediktes von 311 anzusehen. Denn hier wurde das Christentum rechtlich als gleichberechtigt mit z.B. dem paganen Glauben etabliert. Es ist anzumerken, dass nicht nur das Christentum gleichgestellt wurde, sondern auch alle weiteren Religionen. Ihnen wurden Kultfreiheit zugesichert und somit auch offizielle Duldung. Im Hinblick auf die Erhebung zu einer offiziellen Religion auch im Osten fiel das Christentum nun auch unter die Obhut von Konstantin als Pontifex Maximus, der „seit republikanischer Zeit als oberster Priester die Oberaufsicht über den gesamten Kult [hatte]“.
Man geht davon aus, dass wichtige Impulse zur Religionsfreiheit von Konstantin ausgingen, weil dieser bereits einige Anordnungen für Christen getroffen hat, wie Gelder für Afrika, was aus Briefen hervorging, die er dorthin schrieb, und „Licinius seine Politik der Toleranz bald wieder aufgeben sollte.“ Da diese Anordnungen allerdings über die der Mailänder Vereinbarung hinausgingen, vor allem was Vorteile des Klerus betrifft, nimmt man an, dass Konstantin einen Kompromiss eingehen musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der Arbeit vorgestellt, die Forschungsfrage formuliert und der methodische Ansatz erläutert.
2. Konstantin und kurzer historischer Kontext: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über das Leben Konstantins, das System der Tetrarchie und die politischen Machtverhältnisse vor der Alleinherrschaft.
3. Die Mailänder Vereinbarung und ihre Folgen: Dieser Abschnitt analysiert die Hintergründe der Vereinbarung, deren Inhalte sowie die nachfolgenden kaiserlichen Edikte, die den Status der Christen weiter verbesserten.
4. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Leitfrage bezüglich des Prozesses von der Gleichstellung zur Bevorzugung.
Schlüsselwörter
Konstantin der Große, Mailänder Vereinbarung, Religionspolitik, Christentum, Toleranzedikt, Licinius, Diokletian, religio licita, Klerus, Bischofsgericht, Gesetzgebung, Spätantike, Konstantinische Wende, Monotheismus, römischer Staat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der religionspolitischen Entwicklung unter Kaiser Konstantin zwischen 313 und 321 n. Chr. und analysiert, wie sich der Status der Christen im Römischen Reich veränderte.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Im Fokus stehen die Mailänder Vereinbarung, die rechtliche Gleichstellung des Christentums sowie die daraus resultierenden Privilegien für die Kirche und den Klerus.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Konstantins Christenpolitik ab 313 aussah und ob sich darin ein Prozess von der reinen Gleichstellung hin zu einer gezielten Bevorzugung erkennen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Der Autor stützt sich auf eine historisch-analytische Methode, indem er antike Quellen (wie Laktanz und Eusebios) sowie moderne Forschungsliteratur auswertet und Gesetzestexte interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, die detaillierte Analyse der Mailänder Vereinbarung als Dokument und die Untersuchung nachfolgender Edikte sowie kirchlicher Eingriffe.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konstantin der Große, Religionspolitik, Mailänder Vereinbarung, Christentum und die Transformation der rechtlichen Stellung der Kirche in der Spätantike.
Welchen Stellenwert nimmt die Mailänder Vereinbarung ein?
Sie gilt als Knackpunkt der konstantinischen Religionspolitik, da sie das Christentum rechtlich als gleichberechtigt etablierte und den Ausgangspunkt für weitere Fördermaßnahmen bildete.
Wie bewertet der Autor Konstantins Rolle beim Donatistenstreit?
Der Autor sieht in Konstantins Eingreifen in diesen innerkirchlichen Konflikt ein Indiz für seinen hohen Stellenwert gegenüber den Christen und seine Rolle als oberster Richter.
Was bedeutet die "audientia episcopalis" im Kontext der Arbeit?
Es handelt sich um das bischöfliche Gehör bei Zivilkonflikten, durch das Bischöfe juristische Vollmachten erhielten, was ihre Macht und Autorität im römischen Staat massiv stärkte.
- Quote paper
- Lars Marwinski (Author), 2014, Konstantin I. und die Christen. Die Religionspolitik zwischen 313 und 321, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339645