Metaphern in Rechtstexten. Das deutsche Grundgesetz und die französische Verfassung


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson
2.1 Die Bildfeldtheorie nach Harald Weinrich

3. Metaphern in der deutschen Rechtssprache am Beispiel des deutschen Grundgesetzes
3.1 Metaphern in der französischen Rechtssprache am Beispiel der französischen Verfassung (Constitution)

4. Gegenüberstellung der Metaphernfrequenz

5. Schluss

6. Bibliographie

7. Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

„We have found [¼] that metaphor is pervasive in everyday life, not

just in language, but in thought and action. Our ordinary conceptual system, in terms of which we both think and act, is fundamentally metaphorical in nature."1

Die hier von Georg Lakoff und Mark Johnson konstatierte Allgegenwärtigkeit von Metaphern im Alltag der Menschen ist, unter anderem, Gegenstand beziehungsweise die Basis der vorliegenden Seminararbeit.

Es stellt sich die Frage, ob Metaphern tatsächlich in allen denkbaren Bereichen des Lebens, also auch in der Rechtssprache, existieren. Grundsätzlich werden Rechtstexte häufig als äußerst nüchtern und trocken angesehen und man verbindet sie eher weniger mit rhetorischen Figuren wie Metaphern. Daher ist es sehr interessant herauszufinden, ob und wie häufig Metaphern in Wirklichkeit in Rechtstexten vorhanden sind.

Basierend auf einer einleitenden Darstellung von Metaphors we live by von Lakoff und Johnson und der Bildfeldtheorie nach Harald Weinrich folgt zunächst eine getrennte Darstellung des deutschen Grundgesetzes und der französischen Verfassung im Hinblick auf die vorkommende Metaphorik. Anschließend folgt eine Gegenüberstellung der beiden Rechtstexte beziehungsweise deren Metaphernfrequenzen.

Abschließend werden in einem Fazit die Ergebnisse der Gegenüberstellung zusammenfassend dargestellt.

Ziel dieser Seminararbeit ist es, die Frequenz von Metaphern, insbesondere Orientierungs- und Konzeptmetaphern, in den beiden Sprachen, Deutsch und Französisch, genauer gesagt in deren Rechtstexten, darzustellen und zugleich herauszufinden, ob es in einer der beiden Sprachen möglicherweise eher einen Hang zu Metaphern gibt.

2. Grundlagen der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson

Um die Präsenz von Metaphern in den besagten Rechtstexten darzustellen, ist es zunächst notwendig zu definieren, was eine Metapher überhaupt ist beziehungsweise woran man sie erkennt und was für eine Funktion sie im jeweiligen Zusammenhang haben kann. Lakoff und Johnson haben gemeinsam eine kognitive Metapherntheorie entwickelt und diese 1980 in Metaphors we live by festgehalten.

Ziel ist es in diesem Abschnitt nicht, die gesamte Theorie in allen Details darzustellen, vielmehr soll ein Überblick über die Grundlagen der Theorie verschafft werden.

Eine Metapher wird von Lakoff und Johnson nicht als ein rhetorisch auffälliges Sprachbild verstanden, sondern als etwas völlig Alltägliches angesehen.2 Zudem „werden die U m s tän d e des Metapherngebrauchs betrachtet: Warum und mit welchen Zielen verwenden wir Metaphern? Welche Funktionen haben diese für sprachliches Handeln?"3 „Sie legen nahe, dass unser Denken, Handeln und Sprechen im Alltag wie in der Wissenschaft nach metaphorischen Mustern funktioniert.4 Der Mensch lebt also nach metaphorischen Konzepten, die im Alltag das Handeln und Denken strukturieren und oftmals gar nicht wahrgenommen werden. Als Beispiel wird das Konzept Argumentieren genannt, welches der Konzeptmetapher Argumentieren ist Krieg zugehörig ist. Dieser Metapher gehört eine Vielzahl von Ausdrücken an, die im alltäglichen Sprachgebrauch sehr üblich sind und daher nicht unbedingt von allen als Metaphern wahrgenommen werden. Vertraute metaphorische Beschreibungen, wie zum Beispiel e in Argument gewinnen, Schwachpunkte angreifen und so weiter sind alle auf die gemeinsame Konzeptmetapher Argumentieren ist Krieg zurückzuführen. Diese so genannten Konzeptmetaphern bilden zudem ein eigenes System, welches auf einer Subkategorisierung basiert. Als Beispiel für diese Subkategorisierung werden die Konzeptmetaphern Zeit ist Geld, Zeit ist eine Ressource und Zeit ist eine kostbares Gut genannt.5 Dieses metaphorische Konzept ist ferner kulturbestimmend, da die genannten Redewendungen einen Einblick in die Wertevorstellungen der heutigen Gesellschaft zulassen.6 Ein weiterer Aspekt der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson ist das Beleuchten und Verbergen. Jede Metapher verbirgt einen bestimmten Aspekt eines Begriffs, während ein anderer hervorgehoben wird. Diese Tatsache ist mit jeder Metaphorik untrennbar verbunden. Als Beispiel wird hier die bereits genannte Konzeptmetapher Argumentieren ist Krieg angeführt. Dadurch, dass der Fokus auf den Kriegscharakter des Argumentierens gelegt wird, geraten andere, beispielsweise kooperative

Aspekte in den Hintergrund.7

Neben den Konzeptmetaphern stellen die so genannten Orientierungsmetaphern in der Metapherntheorie Lakoff und Johnsons einen weiteren wichtigen Kern dar.

Darunter fallen jene metaphorischen Mechanismen, die auf Raumorientierungen basieren und auf eine „räumliche Strukturierung des Erlebens" verweisen.8 Diese Orientierungsmetaphern sind nicht beliebig, sondern beruhen auf unseren physikalischen und kulturellen Erfahrungen und Wahrnehmungen.9 „Sich obenauf zu fühlen, eine Hochstimmung und die Gegensätze dazu, gesunkene Stimmungen und sich unten zu fühlen, verweisen auf eine räumliche Strukturierung des Erlebens."10 Dies sind nur wenige Beispiele, die Lakoff und Johnson anführen, um zu zeigen, dass gewisse Bewegungsrichtungen und Positionen metaphorisch genutzt werden.11

Des Weiteren spielt der Begriff der ontologischen Metapher eine zentrale Rolle. Ontologische Metaphern verdinglichen abstrakte, nicht fassbare Phänomene, wie zum Beispiel Liebe, Macht oder Politik. Vor allem die so genannte Gefäß-Metapher ist hier von zentraler Bedeutung. Wenn man jemandem beispielsweise viel Liebe gibt oder jemand in der Depression ist, so nutzt man solche Gegenstand-, Substanz- und Behälter-Konstruktionen, um abstrakte Erscheinungen fassbar zu machen oder sich auf sie zu beziehen.12 Eng mit der ontologischen Metapher verbunden, ist der metaphorische Mechanismus der Personifikation. 13 Bei der Personifikation werden abstrakten Phänomenen menschliche Eigenschaften zugeschrieben, um sie für den Leser fassbarer zu machen. "Diese anthropomorphisierenden Fiktionen legen nahe, dass diese virtuellen Personen Motive, Ziele, Handlungsweisen und Eigenschaften besitzen"14. Als Beispiele werden Sätze wie "Die Inflation Frisst die Gewinne auf"15 oder "Seine Religion verbietet ihm, Wein zu trinken"16 genannt. In diesen Fällen werden die Inflation und die Religion, die etwas Abstraktes sind, als Personen dargestellt.

Metaphern beziehungsweise metaphorische Konzepte sind also alltägliche Phänomene, die dem Menschen auf verschiedene Weisen helfen, gewisse Ereignisse zu verdeutlichen.

2.1 Die Bildfeldtheorie nach Harald Weinrich

Die Bildfeldtheorie von Harald Weinrich hilft ebenfalls, den Begriff der Metapher besser zu verstehen und ein genaueres Bild davon zu haben. Auch hier ist es keineswegs das Ziel, eine detaillierte Darstellung der Theorie zu geben. Ein grober Überblick über die Grundzüge der Bildfeldtheorie genügt, um sich dem Kern der Theorie bewusst zu werden.

Es wird zunächst davon ausgegangen, dass Kommunikation auf Konvention beruht. Die einzelne Metapher sei zudem nicht vom Sprachsystem isolierbar, sondern stehe vielmehr „in sprachinternen Zusammenhängen mit anderen Metaphern".17 Da Metaphern nicht isolierbar sind, stehen sie also alle „seit ihrer Geburt in einem fest gefügtem Bildfeld"18 Als Beispiel wird „das Bildfeld der Sprache als eines Finanzwesens"19 genannt. Die so genannten „Finanzmetaphern"20 beziehen sich jeweils aufeinander und erklären sich gegenseitig.

Ein „Bildfeld gehört [¼] zum objektiven, virtuellen Sozialgebilde der Sprache"21 und entspricht im Grunde dem Terminus des Wort- oder Bedeutungsfeldes, welcher in der Linguistik bekannt ist.22 Eine Einzelmetapher gehört stets in den Zusammenhang ihres Bildfeldes. Bei dem Beispiel der Münzmetapher, die zu dem Bildfeld der Finanzmetaphern gehört, sind nicht nur die beiden Begriffe Münze und Wort einfach miteinander verbunden, sondern „jeder Terminus bringt seine Nachbarn mit"23. Das heißt, dass zwei sprachliche Sinnbezirke miteinander gekoppelt werden.24 Dabei gibt es jeweils ein bildspendendes und ein bildempfangendes Feld. Auf das genannte Beispiel bezogen, ist das Finanzwesen das bildspendende und die Sprache das bildempfangende Feld.

Es ist also festzuhalten, dass Metaphern stets in einem Bildfeld und nie isoliert vorkommen. Außerdem werden nicht lediglich zwei Begriffe miteinander gekoppelt, sondern vielmehr zwei Sinnbezirke. Eines der Felder ist dabei immer das bildspendende, das andere folglich das bildempfangende Feld.

[...]


1 Lakoff, Georg/Johnson, Mark: Metaphors we live by. Chicago: The University of Chicago Press, 1980.

2 Vgl. Schmitt, Rudolf (2004). Diskussion ist Krieg, Liebe ist eine Reise, und die qualitative Forschung braucht eine Brille. Review Essay: George Lakoff & Mark Johnson (2003). Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Forum Qualitative Sozialforschung. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2- 04review-schmitt-d.htm (18.08.2013)

3 Polzin, Claudia: "Metaphern im Sprachvergleich. Eine kontrastive Studie an französischen und deutschen Texten", in: Sylvia Reinart, Michael Schreiber (Hrsg.): Sprachvergleich und Übersetzen: Französisch und Deutsch. Akten der gleichnamigen Sektion des ersten Kongresses des Franko- Romanistenverbandes (Mainz, 24.-26 September 1998). Bonn: Romanistischer Verlag, 1999, S. 209.

4 Schmitt, Rudolf (2004). Diskussion ist Krieg, Liebe ist eine Reise, und die qualitative Forschung braucht eine Brille. Review Essay: George Lakoff & Mark Johnson (2003). Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Forum Qualitative Sozialforschung. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2- 04review-schmitt-d.htm (18.08.2013)

5 vgl. Lakoff, Georg/Johnson, Mark: Metaphors we live by. Chicago: The University of Chicago Press, 1980.

6 vgl. Schmitt, Rudolf (2004). Diskussion ist Krieg, Liebe ist eine Reise, und die qualitative Forschung braucht eine Brille. Review Essay: George Lakoff & Mark Johnson (2003). Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Forum Qualitative Sozialforschung. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2- 04review-schmitt-d.htm (18.08.2013)

7 vgl. ibid.

8 ibid.

9 vgl. Lakoff, Georg/Johnson, Mark: Metaphors we live by. Chicago: The University of Chicago Press, 1980.

10 Schmitt, Rudolf (2004). Diskussion ist Krieg, Liebe ist eine Reise, und die qualitative Forschung braucht eine Brille. Review Essay: George Lakoff & Mark Johnson (2003). Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Forum Qualitative Sozialforschung. Verfügbar über: http://www.qualitative-research.net/fqs-texte/2-04/2- 04review-schmitt-d.htm (18.08.2013)

11 vgl. ibid.

12 vgl. ibid.

13 vgl. ibid.

14 ibid.

15 ibid.

16 ibid.

17 Weinrich, Harald: Münze und Wort. Untersuchungen an einem Bildfeld. Halle: Niemeyer, 1958

18 ibid.

19 ibid.

20 vgl.ibid.

21 ibid.

22 ibid.

23 ibid.

24 ibid.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Metaphern in Rechtstexten. Das deutsche Grundgesetz und die französische Verfassung
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Grundlagen Seminar B: Die Metapher
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V339686
ISBN (eBook)
9783668293090
ISBN (Buch)
9783668293106
Dateigröße
738 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metapher, Grundgesetz, Verfassung, Rechtslinguistik, Rechtstexte, deutsch, französisch
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Metaphern in Rechtstexten. Das deutsche Grundgesetz und die französische Verfassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339686

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