Was ist guter Unterricht? Was stellen sich Schüler und Lehrkräfte unter gutem Unterricht vor?

Interview mit Lehrenden und Lernenden


Hausarbeit, 2016

21 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2.Methode

3. Merkmale eines guten Unterrichtes nach Hilbert Meyer
3.1. Klare Strukturierung des Unterrichts
3.2 Effektiver Unterricht / hohe Lernzeit
3.3.Lernförderliches Klima
3.4 Inhaltliche Klarheit
3.5 Sinnstiftende Kommunikation
3.6 Individuelles Fördern
3.7 Transparente Leistungserwartung
3.8 Methoden Vielfalt
3.9. Intelligentes Üben
3.10. Vorbereitende Umgebung

4. Zusammenfassung

5. Quellen

6. Anhang
6.1 Interviewfragen
6.1.1 Fragen an die Lernende
6.1.2. Fragen an die Lehrende

1. Einleitung

Aufgrund meiner Lehrtätigkeit an der Medizinischen Akademie in Baden-Baden, ist es mir möglich, einen Vergleich der Kriterien für guten Unterricht aus der Sicht eines Lernenden und einer Lehrkraft durchzuführen. Die Erwartungen der Schüler/innen und Lehrkräfte an guten Unterricht sind dabei, neben den wissenschaftlichen Theorien sowie dem Wissen der Lehrer, der dritte Baustein um auch guten Unterricht zu praktizieren.

Im ersten Teil lege ich die theoretischen Vorüberlegungen dar, welche nötig waren, um die Befragung durchzuführen. Um von einem gemeinsamen theoretischen Verständnis von gutem Unterricht auszugehen, skizziere ich zunächst das Modell „Guten Unterrichts“ nach Hilbert Meyer. Diese Theorie wurde meiner Arbeit und somit der Interpretation der Befragungsergebnisse zugrunde gelegt und ist demzufolge elementar für das Verständnis.

Die Präsentation und Erläuterung der empirischen Daten stellen den Hauptteil meiner Arbeit dar. Darin werde ich zunächst die Resultate der beiden Interviews gesondert vorstellen, um sie anschließend vergleichend zu analysieren. In meiner Zusammenfassung werde ich die Ergebnisse der Gegenüberstellung beschreiben.

Der Unterricht als zentraler Faktor der Lehranstalten sowie dessen Qualität rückte durch die überraschend schlechten Ergebnisse der PISA Studie vermehrt in den Blickpunkt der nationalen Bildungspolitik, der interessierten Öffentlichkeit und nicht zuletzt der Lehrkräfte. Die Folge war eine hohe Anzahl von einschlägigen Handreichungen, Broschüren, Gebrauchsanweisungen usw. welche zur Verfügung gestellt wurden. Bundesweit haben einige Kultus- und Bildungsministerien, Schullandesinstitute, pädagogische Aus- und Weiterbildungszentren und eine Vielzahl an Universitäten, sich die Entwicklung und die Sicherung von „Gutem Unterricht“ zur Aufgabe gemacht. Entsprechende Publikationen wurden von diesen veröffentlicht. Autoren, auf welche sich in diesem Zusammenhang sehr häufig bezogen wird, sind Andreas Helmke mit seinem Werk: „Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität" 1, Günter Ost: "Studiengang Schulpädagogik" 2 sowie Hilbert Meyer „Was ist ein guter Unterricht?“ 3.

Für die vorliegende Hausarbeit habe ich mich für das theoretische Modell von Hilbert Meyer bezogen. Ich habe dessen 10 Merkmale für guten Unterricht als Basis genutzt, möchte aber mit dieser Auswahl die Inhalte von Helmke und Ost nicht schmälern.

Die Zielstellung des Buches von Hilbert Meyer besteht darin „…anhand von zehn empirisch abgesicherten… Gütekriterien realistische Ansprüche an guten Unterricht aus zu-formulieren…“ 4. Dabei hebt er hervor, dass seine 10 Kriterien für verschiedene Unterrichtskonzeptionen gültig sind, sowie durch die empirische Unterrichtsforschung, hier im Schwerpunkt die von Andreas Helmke, untermauert werden. Die ausführliche Lektüreempfehlung5 sowie weitere 25 Verweise Meyers in der Erläuterung seiner 10 Kriterien6 belegen, dass die Forschungsergebnisse von Andreas Helmke im Mittelpunkt von Meyers Buch stehen. Somit verbindet Meyers Werk die Ergebnisse empirischer Lehr-Lern-Forschung, mit denen allgemeiner Didaktik zu einer Symbiose verschiedener Kriterien, welcher 10 Merkmale guten Unterrichts benennt.

Nach Hilbert Meyer sind folgende Punkte Merkmale eines guten Unterrichtes:

1. Klare Strukturierung des Unterrichts
2. Effektiver Unterricht / Hoher Anteil echter Lernzeit
3. Lernförderliches Klima
4. Inhaltliche Klarheit
5. Sinnstiftendes Kommunizieren
6. Individuelles Fördern
7. Transparente Leistungserwartungen
8. Methodenvielfalt
9. Intelligentes Üben
10. Vorbereitete Umgebung7

Bei der Beschreibung der einzelnen Merkmale beschränke ich mich auf wenige Bemerkungen, welche lediglich zum besseren Verständnis beitragen sollen. Aufgrund der vorgegebenen Begrenzungen dieser Hausarbeit kann einer expliziteren Erörterung nicht genüge getan werden.

Durch die Vorgabe des Themas "Was ist guter Unterricht?“ war der Inhalt den es zu evaluieren galt, von vornherein umrissen. Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen, konzentriere ich mich im Folgenden auf folgende wesentliche Punkte:

Präzisierung der Fragestellung

Hierzu möchte ich noch bemerken, dass einige der 10 Merkmale guten Unterrichts fließend ineinander übergehen, verschmelzen beziehungsweise beeinflussen einander so, dass viele Fragen ebenfalls Indikatoren für ein anderes Merkmal sein können. Es wäre beispielsweise eine mögliche Aussage „Abgesprochene Regeln sollen eingehalten werden“ sowohl dem Merkmal klare Strukturierung, als auch dem Merkmal lernförderliches Klima zuzuordnen. Um jedoch die Ergebnisse übersichtlich zu gestalten sowie die Auswertung nicht unnötig zu verkomplizieren, wurden entsprechende Aussagen bestimmte Merkmale zugeordnet.

Die subjektiven Merkmale eines guten Unterrichtes wurden in zwei von mir unabhängig voneinander geführten Interviews hinterfragt. Die Fragestellung orientierte sich an die oben genannten Merkmale von Meyer und vertiefende Fragen zum jeweiligen Thema.

2.Methode

Für die Arbeit habe ich die Methode des Interviews gewählt. Unabhängig voneinander wurden eine Lehrkraft und eine Schülerin von mir befragt. Die Interviewfragen orientieren sich nach den 10 Merkmalen des guten Unterrichtes von Hilbert Meyer. Im Anhang sind die genauen Fragestellungen an die beiden Befragten explizit aufgeführt.

3. Merkmale eines guten Unterrichtes nach Hilbert Meyer

3.1. Klare Strukturierung des Unterrichts

Für die Lernenden ist ein gut strukturierter Unterricht wichtig, um die angebotene Information leichter zu speichern, wiederzugeben und das Erlernte - vor allem der praktische Teil der Physiotherapieausbildung - auch in einer Transferleistung am Patienten anwenden zu können. Für die Nachbereitung nach dem Unterricht wird eine gute Gliederung als sehr erleichternd beim Verständnis der diversen Zusammenhänge empfunden. Strukturierter Unterricht zeichnet sich auch durch einen gewissen Plan aus den die Lehrkraft am Beginn der Stunde oder auch am Anfang eines neuen Faches oder Stoffgebietes vorstellt.

Aus Sicht der Lehrkraft ist ein gut strukturierter Unterricht wichtig um das Ziel des Unterrichtes, des Stoffgebietes und des Faches nicht aus den Augen zu verlieren.

Eine gute Gliederung macht es in erster Linie den Lernenden einfacher im Lernprozess den Unterrichtsinhalt zu verarbeiten, hier haben meine Interviews eine Übereinstimmung der Schüler- und der Lehrkraftmeinung ergeben. Beide sehen in einem gut strukturierten Unterricht eine Erleichterung auch schwierige Zusammenhänge zu verstehen. Für die Lehrkraft ist die eigene Strukturierung wichtig, um am Ende eines Faches- und Stoffgebietes punktgenau am vorgegebenen Ziel anzukommen. Als wichtig wird auch eine Vorstellung des jeweiligen Themas vor dem Unterricht erachtet, um während des Unterrichtes und ganz besonders am Ende eines Unterrichtsblockes einschätzen zu können, ob das selbst-gesteckte Ziel erreicht wurde oder nicht. Der Fahrplan des Unterrichtes ist dabei unabhängig ob eine theoretische oder eine praktische Unterrichtsstunde folgt. In beiden Fällen ist es wichtig einen Rahmen vorzugeben um die Konzentration der Lernenden hoch zu halten. Das "Entgleiten" der Gruppe wird als Beispiel für unstrukturierten Unterricht gesehen.

Beide Befragten sehen übereinstimmend einen gut strukturierten Unterricht als große Hilfe im Lehr- Lernprozess an.

Bei dem Merkmal der klaren Unterrichtsstrukturierung zeigt sich, dass den Lernenden die Einhaltung von Regeln sowie der zu Beginn der Unterrichtsstunde ausgegebene „Fahrplan“ am wichtigsten sind. Meyer begründet dies mit der Schaffung von Verlässlichkeit der Arbeitsbeziehungen8. Dieses Ergebnis unterstreicht die von Meyer geforderte Regel- und Rollenklarheit9 sowie seinen Ratschlag eines informierenden Unterrichtseinstiegs mit der Bekanntgabe von Ziel, Zweck und Sinn der Unterrichtsstunde10. Überhaupt nicht als wichtig erwähnt wurde von Schüler und Lehrkraft als Unterrichtseinstiegs den Stoff aus der letzten Stunde zu wiederholen. Keine Erwähnung fand auch die Stoffzusammenfassung am Ende der Stunde.

3.2 Effektiver Unterricht / hohe Lernzeit

Bei der Frage: "Was macht einen effektiven Unterricht aus?" ist der Lernenden eine gute authentische Präsents der Lehrkraft wichtig. Lehrende gelten als Respektsperson die durch Amtsautorität die Klasse auch durch das pädagogische und didaktische Fachwissen die Klasse führen. Durch die Begeisterung und Interesse das die Lehrenden wecken entsteht für die Lehrende ein effektiver Unterricht und es ergibt sich subjektiv das Gefühl, nicht nur im Unterricht was gelernt zu haben, sondern auch persönlich bereichert zu sein . "Ich habe etwas Neues gelernt, was ich vorher nicht wusste..." 11 Ein weiterer Indikator ist neben der Persönlichkeit, die Aufrechterhaltung der Konzentration, was zur Effektivität des Unterrichtes beiträgt. Hierbei ist die Anführung von Beispielen oder Vergleichen und Unterricht im Dialog- oder Diskussionsstil sinnvoll. Arbeitsblätter hingegen tragen nicht zum effektiven Unterricht bei und werden höchstens als Unterstützung für Hausarbeiten oder ähnliches angesehen. Ein abwechslungsreicher Unterricht mit verschieden eingesetzten Medien steigert nach Schülermeinung auch die Effektivität. Allerdings werden diese Variationen noch beim Punkt "Methodenvielfalt " gesondert betrachtet

Mit der Aussage:"Effektiver Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass die Schüler am Ende das Gefühl haben etwas gelernt zu haben, der Unterricht keine Zeitverschwendung war und die Schüler den Unterricht als persönliche Bereicherung empfinden" 12 ist die Meinung nahezu deckungsgleich zwischen Lehrkraft und Lernender. Effektivität im Lehr- Lernprozess bedeutet auch ein adäquates angeeignetes Wissensniveau abrufen zu können und durch theoretische und praktische Transferleistung zu manifestieren. Im Lernprozess sollten verschiedene Ebenen angesprochen werden Informationsaufnahme durch ein neues Thema, Speicherung und Abrufbarkeit durch Wiederholungen und als letztes Transferleistungen von Grundprinzipien in der Theorie und Praxis. Die Wirksamkeit des Unterrichtes lässt sich auch durch eine feine Justierung und Balance zwischen Überforderung- und Unterforderung der jeweiligen Schüler beziehungsweise der Gruppe erhöhen. Grundsätzlich sollte das jeweilige Thema spannend und lerngerecht vermittelt werden.

3.3.Lernförderliches Klima

Für das Unterrichtsklima steht an oberster Stelle gegenseitiger Respekt zwischen Lernenden und Lehrkräften. Gegenseitiges zuhören, ausreden lassen und sich Zeit nehmen ist ein Prädikat für ein gutes Unterrichtsklima. Interessanterweise werden unaufmerksame Mitschüler die unqualifizierte Äußerungen von sich geben und durch ihre mangelnde Konzentration Fragen zum längst abgeschlossenen Themengebiet stellen als störend empfunden. Als optimales Klima wird eine Lehrkraft mit guter Laune und Motivation für sein Fach und für die Klasse beschrieben. Die Präsens des Lehrenden verbunden mit seinem didaktischen Fachwissen, mit pädagogischem Geschick es versteht das Konzentrationsniveau der Lernenden konstant hoch zu halten und alle Schüler mit einbezieht schafft ein lernförderliches Klima.

Die Lehrkraft sieht es auch als Ziel an die Konzentration während des gesamten Unterrichtes konstant auf einem adäquaten Niveau zu halten. Das Niveau der Konzentration ist wohl sehr von der Tageszeit, Vormittag oder Nachmittag und von der Tagesform der Schüler abhängig. Um diese Schwankungen so minimal wie möglich werden zu lassen versucht die Lehrkraft den Unterricht variabel zu gestalten. Abwechslung durch Gruppenarbeit, Eigenaktivität in Form von Schülerpräsentation bis hin zur Improvisation der Lehrkraft schafft ein Lernförderliches Klima innerhalb des Unterrichtes. Grundsätzlich sollte eine gegenseitige vertrauensvolle und offene Atmosphäre zwischen Lernenden und Lehrenden bestehen.

Das lernförderliche Klima nimmt innerhalb der Merkmale des guten Unterrichts bei beiden Befragten eine wichtige Position ein. Der hohe Stellenwert eines guten Lernklimas überrascht nicht. So zitiert Meyer:“Das Klima … hat eine katalysierende Wirkung für das Starkmachen der übrigen neun Merkmale guten Unterrichts.“ 13. Dabei stellt die Präsens und Gruppenführung durch den Lehrer, eine besondere Bedeutung dar. Auffällig ist hier, dass beide Befragten die Fürsorgepflicht des Lehrers nicht erwähnen. Dies könnte aus der Altersstruktur resultieren die im Gegensatz zu klassischen staatlichen Schulen, wo überwiegend nur Kinder und nicht wie an beruflichen Schulen junge Erwachsene lernen.

3.4 Inhaltliche Klarheit

Einige der Aspekte dieses Punktes wurden bereits im Punkt " Effektiver Unterricht/Hohe Lernzeit "genannt. Dazu zählen eine natürliche, wenn auch Amtsautorität des Lehrers. Klare Vorgaben zu Unterrichtsbeginn, gegebenenfalls am Ende der Unterrichtseinheit ein kurzes Resümee ob die zu Beginn gesteckten Ziele erreicht wurden. Als wichtig wurden verständliche Erklärungen der Aufgabenbeurteilt. Diese sollten innerhalb des Unterrichtes bei Aufgabenstellung durch Beispiele, Tafelanschrieb, Arbeitsblätter oder mündliche Aufgabenstellung verdeutlicht werden. Erst wenn den Lernenden die Aufgabenstellung klar ist, kann ein Lernprozess optimal laufen und der Unterricht schließt mit einer Punktlandung am vorher ausgegebenen Ziel ab. Sehr positiv werden wohlwollende Rückfragen der Lehrkraft und die Wiedergabe der Aufgabe in den eigenen Worten der Schüler empfunden, da das Verständnis der Aufgabe nochmals überprüft wird.

Interessanterweise legt auch die Lehrkraft große Priorität auf eine Zielvorgabe vor Unterrichtsbeginn erstens: um sich selbst zu evaluieren " ...habe ich mein Ziel für diese Unterrichtseinheit punktgenau erreicht oder total am Ziel vorbei." 14 zweitens: um auch den Lernenden die Relevanz des Unterrichtinhaltes verständlich zu machen sei es kurzfristig bis zum Unterrichtsende oder langfristig im Praktikum oder späteren Berufsausübung. Inhalte/Aufgaben werden so abwechslungsreich wie möglich durch verbale Information, Tafelanschrieb über PowerPoint Präsentation oder Videoaufnahmen vermittelt.

Bei diesem Merkmal sind im Vergleich der beiden Befragten keine wesentlichen Unterschiede auszumachen. Interessant ist, dass es innerhalb dieses Merkmals zwei Faktoren gibt, welche Schülern und Lehrern besonders wichtig sind. Schaut man sich die Ergebnisse an, ist dies nach meinem Verständnis allerdings logisch. Eine anschauliche und verständliche Darstellung des Unterrichtsstoffs ist ohne klare und verständliche Aufgabenstellungen und Arbeitsanweisungen nicht möglich. Diese beiden Faktoren werden als sehr wichtig bzw. wichtig eingestuft. Dies ist für Meyer ebenfalls die zentrale Voraussetzung um inhaltliche Klarheit zu erreichen. 15

3.5 Sinnstiftende Kommunikation

Die freie Meinungsäußerung während und vor allem auch nach dem Unterricht oder in den Pausen ist für die Lernende ein wichtiges Kriterium für eine sinnstiftende Kommunikation. Unterrichtsinhalte können vertiefend erfragt, eine Rückmeldung über das eigene Verständnis des Unterrichtsinhalt bei den Lehrkräften eingeholt und auch Persönliches kommuniziert werden. Informationsaustausch zeugt von gegenseitigem Respekt zwischen Lernenden und Lehrenden, wobei die Initiative des Dialoges auch ohne weiteres vom Schüler initiiert sein kann. Dabei sind essentielle Regeln, wie zum Beispiel gegenseitiges ausreden lassen, obligat. Ein Zusammenhang wird zwischen Konzentration, Aufmerksamkeit und aktiver sinnvoller Kommunikation gesehen: "Wer nicht aufpasst und mit seinen Gedanken woanders ist kann nicht an einer thematischen Kommunikation teilnehmen." 16 Für die Konzentration und Aufmerksamkeit ist auch der Lehrende verantwortlich: Je mehr Motivation und Spaß von der Lehrkraft ausgeht desto höher ist die Konzentration und Aufmerksamkeit der Schüler. Kommunikation ist auch ein Indikator um nicht nur als Schüler sondern auch als Mensch wahrgenommen zu werden. Hier können persönliche Facetten mit allen Themen wie Ängsten, Stress und Freude die ihn beschäftigen aufgezeigt werden. Umgekehrt führt ein Gespräch mit den Lehrern zu Angstreduzierung und steigert das Selbstvertrauen als Lernender und als Mensch.

Offenheit und angstfreie Kommunikation ist für die Lehrkraft auch von basaler Wichtigkeit. Nur durch gegenseitiges Zuhören und aktives Eingehen auf den einzelnen Schüler oder die Gesamtheit der Gruppe können dann mögliche Kompromisse gefunden werden. Diese Interaktion ist auch wichtig um das gemeinsame Ziel der Klasse und des Lehrers innerhalb des Unterrichtes oder der Ausbildung nicht aus den Augen zu verlieren und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Schwierig wird eine sinnstiftende Kommunikation, wenn zu viel und unkontrolliert, das heißt ohne Meldung oder Handzeichen, geredet wird. Dadurch besteht die Gefahr vom Thema der Unterrichteinheit abzudriften und das Unterrichtsziel zu verfehlen. Wichtig ist auch eine Ausgewogenheit der Beteiligten, alle Schüler einer Klasse zur Kommunikation etwas beitragen sollen und dürfen. Die Kommunikation oder auch die Rückmeldung der Lernenden wird auch zur eigenen Reflexion benutzt um zu evaluieren was hat in Unterricht funktioniert hat, was ist bei den Schülern überhaupt nicht angekommen. Schlussendlich was vom Unterrichtsinhalt zunächst als Information aufgenommen wird und im weiteren Prozess gespeichert wird.

Bei diesem Merkmal ergibt "sinnstiftenden Kommunizieren " drei Faktoren. Diese drei Faktoren sind die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung, die Akzeptanz der Schülermeinungen durch den Lehrer sowie das Eingehen des Lehrers auf die Schülerfragen. Wichtig aber nicht so stark stellt sich dabei der Faktor dar, welchen Meyer als „Feedbackkultur“17 bezeichnet. Die Rückmeldungen sind dennoch für beide Parteien wichtig. Für die Schüler um ihren Leistungsstand richtig einzuschätzen und für die Lehrkraft den Lehr-Lernprozess so optimal als möglich zu gestalten und um damit auch einen guten Unterricht zu gewährleisten. Die Schülerin legt auch Wert darauf nicht nur als Lernende sondern auch Mensch respektiert und wahrgenommen zu werden, was in den Aussagen der Lehrkraft nicht deutlich zum Ausdruck kam. Bei ihr war eher der Lernprozess während des Unterrichtes im Vordergrund.

[...]


1 Helmke, Andreas (2010) Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Friedrich Verlag GmbH Seelze

2 Ost, Günter (2015) Studiengang Schulpädagogik Herbert Utz Verlag GmbH, München

3 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin

4 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S.7.

5 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S.16.

6 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin Vgl. S.23 – 126.

7 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S.17

8 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S.29

9 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S. 29.

10 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S. 36.

11 Interviewfrage Schülerin Merkmal : Effektiver Unterricht / Hohe Lernzeit "Was macht effektiven Unterricht aus?"

12 Interviewfrage Lehrkraft Merkmal : Effektiver Unterricht / Hohe Lernzeit "Was macht effektiven Unterricht aus?"

13 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S. 53

14 Interviewfrage Lehrkraft Merkmal Inhaltliche Klarheit "Wie machen Sie den Lernenden klar, welche Aufgaben von Ihnen erwartet werden?"

15 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S.59

16 Interviewfrage Schülerin Merkmal Sinnstiftendes Kommunikation "Was macht die Akzeptanz von Schülermeinungen aus?"

17 Meyer, Hilbert (2014) Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co KG Berlin S. 70

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Details

Titel
Was ist guter Unterricht? Was stellen sich Schüler und Lehrkräfte unter gutem Unterricht vor?
Untertitel
Interview mit Lehrenden und Lernenden
Veranstaltung
Allgemeine Didaktik und Unterrichtsplanung
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V339773
ISBN (eBook)
9783668296763
ISBN (Buch)
9783668296770
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Merkmale guter Unterricht, Hilbert Meyer, Interview, Gesundheitspädagogik, Unterrichtsplanung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Was ist guter Unterricht? Was stellen sich Schüler und Lehrkräfte unter gutem Unterricht vor?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339773

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