Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Bertholt Brechts Episches Theater. Verfremdungseffekte in "Der gute Mensch von Sezuan"

Title: Bertholt Brechts Episches Theater. Verfremdungseffekte in "Der gute Mensch von Sezuan"

Term Paper , 2014 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Berthold Brechts neu geschaffenes Theatermodell, dass er als nichtaristotelisch bezeichnete, erlangte schnell Berühmtheit. Brecht schrieb zahlreiche lyrische Gedichte und epische Stücke in denen er das Prinzip des Verfremdungseffektes oder V-Effekts, wie er es nannte, auf unterschiedlichste Weise anwandte. Eines dieser Stücke ist die Parabel „Der gute Mensch von Sezuan“ (1938- 1940), in der Brecht anhand eines Experiments von drei Göttern, die versuchen auf der Welt einen guten Menschen zu finden, darzustellen versuchte, dass es unmöglich sei gleichzeitig gut zu sein und doch menschenwürdig leben zu können. Objekt des Experiments ist in diesem Fall das Mädchen Shen Te, die im Laufe des Stückes nicht nur ihre Identität, sondern auch ihr gewohntes Leben verliert.

Im Folgenden dieser Arbeit werden zunächst die Funktionen und Eigenheiten des epischen Theaters Brechts näher betrachtet, um einen Überblick zu erhalten, durch welche Besonderheiten sich diese Theaterform auszeichnet. Nach dieser ersten, allgemeinen Untersuchung wird das Schauspiel Der gute Mensch von Sezuan unter dem Gesichtspunkt verschiedener Verfremdungseffekte analysiert. Es stellen sich die Fragen, welche Methoden eingesetzt werden um V-Effekte zu erzeugen und in wie fern dadurch das Ziel des epischen Theaters, den Zuschauer zu einer kritischen Stellungnahme zu bewegen, unterstützt wird. Zudem gilt es herauszufinden, an welchen Stellen die V-Effekte in dem Stück entstehen und zu welchem Zweck sie, in der jeweiligen Situation, mit Blick auf den Kontext, erzeugt wurden, d.h. welche Funktion sie jeweils erfüllen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bertolt Brechts Episches Theater

3. Verfremdungseffekte in Der gute Mensch von Sezuan

3.1 Gestus des Zeigens

3.2 Historisierung

3.3 Musik

3.4 Sprache

3.5 Strukturaufbau

4. Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Prinzip der Verfremdung in Bertolt Brechts Parabelstück "Der gute Mensch von Sezuan". Das Ziel ist es, die spezifischen Techniken des epischen Theaters – wie den Gestus des Zeigens, die Historisierung, musikalische Einlagen und die Gestaltung der Sprache – zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese Methoden den Zuschauer dazu anregen sollen, gesellschaftliche Missstände kritisch zu reflektieren, anstatt sich lediglich in eine Handlung einfühlen zu lassen.

  • Grundlagen des epischen Theaters nach Brecht
  • Die Funktion der Verfremdung (V-Effekt) im dramatischen Kontext
  • Analyse der verschiedenen Verfremdungsmethoden in "Der gute Mensch von Sezuan"
  • Der Einfluss sozioökonomischer Zwänge auf das menschliche Handeln
  • Die Rolle des Zuschauers als aktiver Betrachter und kritischer Reflexor

Auszug aus dem Buch

3.1 Gestus des Zeigens

Die Zeige-Funktion des Schauspielers äußert sich im Stück besonders durch zwei Methoden. Die erste ist das Heraustreten aus der eigentlichen Handlung direkt vor den Zuschauer. Damit wird die Illusion, der Schauspieler sei die gespielte Person, zerstört. Dies geschieht, um eine mögliche Einfühlung des Zuschauers mit der gespielten Rolle zu verhindern, da es für die Zielerreichung des epischen Theaters von elementarer Bedeutung ist, dass der Zuschauer versteht, dass die Rolle nicht echt ist. Diese Methode wird besonders deutlich in einem Zwischenspiel vor dem Vorhang, abseits vom eigentlichen Stück, wo Shen Te sich direkt vor den Zuschauern in ihren Vetter Shui Ta verwandelt. Während sie Das Lied von der Wehrlosigkeit der Götter und Guten begleitend und kommentierend singt (zu diesem Aspekt mehr in Punkt 3.3), vollzieht sie die Verwandlung in den bösen Vetter Shui Ta, der ihre aussichtslose Situation retten soll.

„Shen Te tritt auf, in den Händen die Maske und den Anzug des Shui Ta und singt [Sie beginnt zu singen]. Sie legt den Anzug des Shui Ta an und macht einige Schritte in seiner Gangart. [Sie singt weiter]. Sie setzt die Maske des Shui Ta auf und fährt mit seiner Stimme zu singen fort.“

Der Zuschauer erfährt auf diese Weise ganz eindeutig, dass Shen Te zugleich Shui Ta ist und der Schauspieler auf der Bühne eine Doppelrolle spielt. Unterstützt wird diese Erkenntnis zusätzlich durch die Veränderung der Stimme, dem Wechsel der Kleidung und dem Anlegen einer Maske, die die Veränderung unübersehbar machen. Eine Identifikation mit der Rolle bzw. mit der Rolle der gutmütigen Shen Te, ist somit nicht mehr möglich, da sie nun ihre Persönlichkeit in zwei Personen gespalten hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Begriff der Verfremdung nach Viktor Šklovskij und dessen Übertragung auf die Literatur und das epische Theater.

2. Bertolt Brechts Episches Theater: Erläuterung der politischen Ziele und strukturellen Besonderheiten des nichtaristotelischen Theaters, das den Zuschauer zum aktiven Betrachter macht.

3. Verfremdungseffekte in Der gute Mensch von Sezuan: Analyse spezifischer Techniken wie dem Gestus, der Historisierung, der Musik, der Sprache und dem Aufbau, anhand derer Brecht Distanz und Reflexion erzeugt.

3.1 Gestus des Zeigens: Untersuchung der Methode, bei der der Schauspieler durch Unterbrechung der Illusion seine Rolle offenlegt und den Zuschauer distanziert.

3.2 Historisierung: Analyse der Verfremdung durch die räumliche Verortung in China sowie durch Rückblicke, die das Dargestellte kritisch beleuchten.

3.3 Musik: Betrachtung der Lieder als Mittel zur inhaltlichen Verstärkung, zur Kommentierung und zum Ausbruch aus der kontinuierlichen Handlung.

3.4 Sprache: Untersuchung unterschiedlicher Sprachebenen, Kommunikationsformen und bildhafter Vergleiche zur Erzeugung von Irritation und Aufmerksamkeit.

3.5 Strukturaufbau: Analyse der symmetrischen Dramenstruktur mit zahlreichen Unterbrechungen durch Zwischenspiele, die das Weltbild verdeutlichen.

4. Resümee: Zusammenfassende Einschätzung des Werkes und seiner generationenübergreifenden Relevanz für die kritische Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, Episches Theater, Verfremdungseffekt, V-Effekt, Gestus des Zeigens, Historisierung, Shen Te, Shui Ta, Parabel, Kapitalismus, Soziale Kritik, Theateranalyse, Dramentheorie, Doppelrolle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Verfremdungseffekten in Bertolt Brechts Theaterstück "Der gute Mensch von Sezuan" und untersucht, wie diese zur kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft beitragen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Theorie des epischen Theaters, die Mechanismen der Zuschauer-Distanzierung, das Verhältnis von Individuum und kapitalistischer Gesellschaft sowie die sprachliche und strukturelle Gestaltung des Stücks.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, mit welchen spezifischen Methoden Brecht V-Effekte erzeugt, um den Zuschauer zu einer aktiven, kritischen Stellungnahme gegenüber den im Stück dargestellten sozialen Verhältnissen zu bewegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf theoretischen Grundlagen von Bertolt Brecht und Viktor Šklovskij basiert und diese auf das Textmaterial sowie ausgewählte Sekundärliteratur anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert fünf Kernbereiche der Verfremdung: den Gestus des Zeigens, die Historisierung, die Funktion der Musik, die Sprachebenen und den strukturellen Aufbau des Stückes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Verfremdungseffekt, epische Theaterform, Doppelrolle, Parabel, gesellschaftliche Reflexion und kritische Distanz.

Warum ist die Identifikation mit der Figur Shen Te für Brecht problematisch?

Eine Identifikation würde dazu führen, dass der Zuschauer die Handlung lediglich emotional miterlebt, anstatt die strukturellen, gesellschaftlichen Ursachen hinter dem Schicksal der Figur kritisch zu hinterfragen.

Welche Rolle spielen die Götterträume für das Stück?

Die Götterträume dienen als zusätzlicher Erzählstrang, der den Zuschauer kontinuierlich über Shen Tes Verfall informiert und verdeutlicht, dass die Welt in ihrem derzeitigen Zustand für einen "guten Menschen" unbewohnbar ist.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Bertholt Brechts Episches Theater. Verfremdungseffekte in "Der gute Mensch von Sezuan"
Grade
2,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2014
Pages
24
Catalog Number
V339783
ISBN (eBook)
9783668295148
ISBN (Book)
9783668295155
Language
German
Tags
bertholt brechts episches theater verfremdungseffekte mensch sezuan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2014, Bertholt Brechts Episches Theater. Verfremdungseffekte in "Der gute Mensch von Sezuan", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339783
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint