Prostitutionsverbot in der frühneuzeitlichen Stadt. Ursachen und Konsequenzen


Seminararbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ein Blick zurück Frauenhausgründungen

3. Verbot der Prostitution
3.1. Schließung der Frauenhäuser

1. Einleitung

Den Stadträte, der Obrigkeit oder auch der Kirche gelang es im Verlauf der Geschichte nie, die Prostitution vollkommen aus dem Stadtbild zu beseitigen. Und auch wenn diese Institutionen unentwegt bestrebt waren dies zu erreichen, so fand die Prostitution doch weiterhin im Verborgenen statt.[1]Eine Untersuchung der Prostitution in der Frühen Neuzeit gestaltet sich als schwierig. Sie war zu Beginn des 15. Jahrhunderts teilweise geduldet und in Frauenhäusern angesiedelt. Später ist sie dann jedoch generell kriminalisiert und in die Anonymität abgedrängt worden.[2]In der gesellschaftlichen Ordnung der frühneuzeitlichen Stadt wurde die Prostituierte zu den Randgruppen gezählt. Diese soziale Gruppe ist jedoch so vielschichtig, dass sie kein genaues Bild der Prostituierten im Einzelnen bietet. Vielmehr fasst dieser Begriff die gesamten, von der Gesellschaft ausgestoßenen, Personenkreise zusammen wie etwa Scharfrichter, Abdecker, Zigeuner, Juden oder auch die Prostituierten.[3]

Es gab in den vergangenen Jahren nur eine sehr dünne Schicht an Neuerscheinungen, die das Thema Prostitution in der Frühen Neuzeit behandelten, die neuste Literatur dazu ist zehn bis 20 Jahre alt. Die wohl neueste Veröffentlichung über das benannte Thema ist Lotte van de Pols „Der Bürger und die Hure“ eine Abhandlung über die Prostitution im frühneuzeitlichen Amsterdam. Eine vergleichbare Institution wie das städtische Frauenhaus in Deutschland bietet dieses Werk nicht (die Bordelle waren dort im Privatbesitz), doch war das Verfahren der Obrigkeit gegen die Prostitution nach 1500 ähnlich dem im Nachbarland Deutschland. Im Zuge dieser Arbeit werden zu den Beschreibungen der institutionalisierten Prostitution im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die neueren Erkenntnisse Pols hinzugezogen. Für die Frauenhäuser in Deutschland und deren spätere Schließungen wird sich diese Arbeit hauptsächlich auf Peter Schusters „Frauenhäuser“ und Beate Schusters „Die freien Frauen“ stützen.

Der Großteil der kürzlich veröffentlichten Literatur bezieht sich auf die Prostitution im Mittelalter, dort hat das städtische Frauenhaus seine Wurzeln. Da die Grenze des Mittelalters zur Frühen Neuzeit eher fließend verläuft, lässt sich nicht endgültig festlegen, wie weit die beschriebenen Phänomene im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit liegen. Die Zeitspanne, der sich diese Arbeit widmet, wird den Beginn der Frühen Neuzeit (ca. von 1500 bis 1650) umfassen und einen kurzen Blick darüber hinaus werfen. Zu dieser Zeit fand der Bruch der Städte mit ihren Frauenhäusern statt und sie wurden nach und nach geschlossen. In einigen Gebieten eher als in anderen, das zeigt ein Vergleich zwischen dem Umgang mit Frauenhäusern in katholischen und in reformierten Gebieten.

Wie kam es, dass innerhalb eines Jahrhunderts alle städtischen Frauenhäuser ihre Türen schlossen? Wie kam es zu diesem Bedeutungswandel, den diese Institution erlebte? Und welche Konsequenzen ergaben sich daraus für die Prostituierten? Zur Beantwortung dieser Fragen soll vorerst geklärt werden, warum Städte Frauenhäuser bauten und welche Folgen sie sich davon versprachen.

2. Ein Blick zurück Frauenhausgründungen

Frauenhäuser zählten im 14. Jahrhundert zu den städtischen Einrichtungen, sie waren wie etwa in Köln, Augsburg, Leipzig oder München Eigentum der Stadt. Die Stadträte gründeten Frauenhäuser in dem Bemühen, die Prostitution durch diese Institutionalisierung zu kontrollieren und einzudämmen. Meist hatte der Scharfrichter dann die Aufsicht über die Frauenhäuser, was ihnen einen zusätzlichen Verdienst einbrachte.[4]Die Nähe des Frauenhauses zum Scharfrichterhaus und zum Stadtrand wies schon vor der Kriminalisierung der Prostitution auf die geringe gesellschaftliche Stellung der Prostituierten hin.[5]

Eine Gründungswelle der Frauenhäuser lässt sich in das 15. Jahrhundert einordnen. Das erste Frauenhaus, das im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gegründet wurde, war das Frauenhaus von Luzern 1318. Zahlreiche Städte folgten binnen eines Jahrhunderts. Doch gab es auch Ausnahmen, wie beispielsweise in den Städten Soest (1526), Köln (1527) oder Trier (1556). Dort wurden erst Frauenhäuser gegründet, als sie andernorts bereits geschlossen wurden. Es lässt sich wohl annehmen, dass ab 1500 jede größere Stadt im Besitz eines Frauenhauses war.[6]

Trotz der niederen gesellschaftlichen Stellung der Prostituierten und der allgemeinen Abneigung gegen die Prostitution[7]wurden dennoch Frauenhäuser gegründet. Die Argumente, die die Stadträte für die Notwendigkeit der Eröffnung eines Frauenhauses in der Stadt angaben, waren vielfältig. Peter Schuster führt den Gründungsbrief des Frauenhauses in München aus dem Jahre 1433 an, der die Beweggründe des Stadtrates vor Augen führt. Darin steht, dass das Frauenhaus zum Schutz der ehrbaren Frauen eingerichtet werden sollte. Auch der Rat der Stadt Lübeck hatte 1472 ähnlich argumentiert. Dass der Ruf nach Frauenhäusern zur Verhinderung eines „größeren Übels“ in mindestens einem Fall auch von der Obrigkeit ausging zeigt der Fall von Castelnaudary in Frankreich. Charles VI. regte die Einrichtung eines Frauenhauses an, um die Junggesellen davon abzuhalten ehrbare Frauen anzugreifen, also ebenfalls um dieses ‚Übel‘ zu vermeiden. Einige Städte wie Nürnberg oder Nördlingen stützten sich bei der Verteidigung der Frauenhäuser darauf, dass die Kirche diese in den Städten zulasse, demnach nicht falsch oder sittenwidrig sein könne.[8]Was Schuster jedoch generell ablehnt ist die Vermutung, Frauenhäuser seien aus finanziellen Gründen errichtet worden. Denn die Städte erhielten aus den Frauenhäusern nur so viel Geld, wie sie zur Unterhaltung der Einrichtungen benötigten, beispielsweise zu Reparaturzwecken.[9]

3. Verbot der Prostitution

Im Laufe des folgenden Jahrhunderts wurde die Prostitution jedoch kriminalisiert und verboten. Das führte zu einer landesweiten Schließungswelle der Frauenhäuser, die sich über ein Jahrhundert zog.

3.1. Schließung der Frauenhäuser

Wie für die Gründungen, lässt sich auch für die Schließung der Frauenhäuser kein allgemein gültiger Zeitraum datieren. Untersucht man die Zeitpunkte der Schließungen in den deutschen Städten, so lassen sie sich doch größtenteils auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts festlegen. In dieser Zeit schlossen die meisten Städte ihre Frauenhäuser. Die erste Stadt, von der das Schließungsdatum ermittelt werden konnte, war Altenburg im Jahre 1520.

Zu dieser Zeit gab es einige Städte, die zunächst ihre Frauenhäuser schlossen, kurze Zeit später wieder öffneten und sie erst dann endgültig aufgaben. Dazu gab es noch zahlreiche Städte, die erst im späten 16. Jahrhundert die Entscheidung zur Schließung durchsetzten, wie beispielsweise Köln (1591) als eine der letzten Städte. Doch zählt diese Stadt wohl zu den Sonderfällen, denn es war eine der Städte, die gerade 70 Jahre vorher ihr Frauenhaus eröffnet hatten.[10]

Die Abschaffung des Nürnberger Frauenhauses gibt ein exemplarisches Beispiel und gleichzeitig einen Überblick über den langwierigen Prozess der Frauenhausschließung in einigen Städten.

Um 1542 verordnete der Nürnberger Stadtrat, dass das Frauenhaus erst am Nachmittag geöffnet werden sollte. Ein Jahr später schottete dann ein Tor das Frauenhaus von der Nachbarschaft ab, da diese Beschwerden beim Rat eingereicht hatten. Drei Jahre danach durften die Prostituierten nicht mehr auf Tänze gehen, binnen einer Woche wurde dieses Verbot für das Betreten der gesamten Stadt erweitert. Auch den Gottesdiensten durften die Prostituierten nicht mehr beiwohnen, obwohl es mancher Orts in den Jahren zuvor sogar als Pflicht gesehen wurde (Ulm 1530[11]). Kurz vor der Schließung des Bordells wurden die Öffnungszeiten in die Nacht hinein verlegt. Bis im Jahre 1562 der endgültige Beschluss gefasst war, dass Nürnberger Frauenhaus zu schließen. Vorher wollte die Stadt jedoch noch untersuchen lassen, ob in anderen Städten, deren Frauenhäuser bereits geschlossen waren, die Zahl der Sexualdelikte ohne ein Frauenhaus zugenommen hatte.[12]Diese Untersuchung zeigte, dass die Duldung des Frauenhauses eher den Ruf einer Stadt minderte und nicht wie erhofft die Zahl der Übergriffe auf Frauen.[13]Der Prozess der Schließung, von der anfänglichen Abschottung der Prostituierten aus dem Stadtbild bis hin zur Auflösung der Institution umfasste in Nürnberg fast 20 Jahre.

Auch zu Großereignissen wurden in den Bordellen nun nicht mehr zusätzliche Prostituierte untergebracht, um der Besucherflut gerecht zu werden. Die Frauenhäuser wurden für diesen Zeitraum geschlossen und das Vorhandensein einer solchen Institution wurde nahezu vor der auswertigen Öffentlichkeit versteckt. So beispielsweise in Frankfurt, dort schloss zu der Reichsversammlung 1557 das Frauenhaus, weil die Gefahr bestand, es könnte der Stadt einen schlechten Ruf einbringen.[14]

Doch wie kam es, dass die Prostitution auch in den städtischen Frauenhäusern zunehmend in die Randständigkeit gedrängt wurde, galten sie doch vorher als fest integrierter Teil der Stadtbevölkerung?

[...]


[1]vgl. Schuster, Beate: Die freien Frauen,(1995), S. 396, sowie Pol, Lotte: Der Bürger und die Hure (2006), S. 104.

[2]vgl. Roeck, Bernd: Außenseiter, Randgruppen, Minderheiten (1993), S.128.

[3]vgl. Nowosadtko, Jutta: Scharfrichter und Abdecker (1994), S. 12.

[4]vgl. Nowosadtko, Jutta: Scharfrichter, S. 53-65.

[5]vgl. Stuart, Kathy: Unehrliche Berufe (1999) , S. 90.

[6]vgl. Schuster, Peter: Frauenhaus, (1992) S. 36-39.

[7]vgl. Roeck, Bernd: Außenseiter, S. 123

[8]vgl. Schuster, Peter: Frauenhaus, S. 40-42.

[9]Ebenda, S. 45f.

[10]Ebenda, S.182f.

[11]Ebenda, S. 191.

[12]Ebenda, S, 192-194.

[13]Ebenda, S. 197.

[14]Ebenda, S. 193.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Prostitutionsverbot in der frühneuzeitlichen Stadt. Ursachen und Konsequenzen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die frühneuzeitliche Stadt
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V339960
ISBN (eBook)
9783668295865
ISBN (Buch)
9783668295872
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prostitutionsverbot, stadt, ursachen, konsequenzen
Arbeit zitieren
Manuela Klagge (Autor), 2010, Prostitutionsverbot in der frühneuzeitlichen Stadt. Ursachen und Konsequenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/339960

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