Zentral für diesen Unterrichtsentwurf ist zunächst eine historische Analyse der nationalsozialistischen Erziehungspraktiken, um die inhaltliche Relevanz zu erfassen und eine fachwissenschaftliche Orientierung für die nachfolgende didaktische Analyse zu schaffen. Eine solche Untersuchung nimmt im Anschluss eine Themenbestimmung und eine Betrachtung des didaktischen Potenzials sowie der Lerngruppe vor. Dies bildet wiederum die Ausgangsbasis für eine didaktische Profilierung des Gegenstandes. En Passant sind dabei die Unterrichtsformen sowie Medien von enormer Signifikanz, um die manipulative Wirkung der NS-Propaganda vor Augen zu führen. Im nachfolgenden werden die fachdidaktische Ausarbeitung der Unterrichtseinheit und der Erwartungshorizont beschrieben. Schließlich wird das Ende ein Fazit zieren, in der die Thematik mit Blick auf die fachübergreifende Behandlung sowie der ‚praktische´ lebensweltliche Bezug des Stoffes bewertet wird.
„Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird“, sprach einst Richard VON WEIZSÄCKER am 8. Mai 1985 in Erinnerung an den 2. Weltkrieg. Der damalige Bundespräsident fordert 40 Jahre nach Kriegsende zur Verantwortung gegenüber der Vergangenheit auf und unterstreicht die historische Bedeutung der Befreiung vom Nationalsozialismus (NS), aus der eine neue Friedensordnung hervorging und die den Antagonismus der Nationalstaaten überwand.
Um das ‚neue Europa‘ aufrechtzuerhalten, müssen wir „den Jüngeren helfen, zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wach zu halten. Wir wollen ihnen helfen, sich auf die geschichtliche Wahrheit nüchtern und ohne Einseitigkeit einzulassen, ohne Flucht in utopische Heilslehren, aber auch ohne moralische Überheblichkeit“. Diese Gratwanderung zwischen Verantwortung für Demokratie und Menschenrechte sowie historische Aufarbeitung zu meistern, obliegt heute primär der schulischen Ausbildung. Daher versucht die nachfolgende Unterrichtseinheit ‚Jugend im Nationalsozialismus‘, die das Themengebiet des bayerischen Lehrplans ‚Leben im totalitären Staat‘ anbietet, der genannten Aufgabe exemplarisch anhand der Massenmobilisierung der Hitlerjugend (HJ) und des Bundes Deutscher Mädel (BDM) gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Fachwissenschaftliche Analyse
3. Die didaktische Analyse
a) Das didaktische Potential
b) Die Analyse der Lerngruppe als Bedingungsfaktor der Unterrichtseinheit
c) Die didaktische Profilierung
4. Der Unterrichtsentwurf
5. Die fachdidaktische Ausarbeitung
a) Die Aktivierungsphase
b) Die Erarbeitungs- und Analysephase
c) Die Sicherungsphase 1
d) Die Darbietungs- und Sicherungsphase 2
e) Die Anwendungsphase
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines didaktisch fundierten Unterrichtsentwurfs zum Thema „Jugend im Nationalsozialismus“, um Schülern der 9. Jahrgangsstufe die Manipulationsmechanismen totalitärer Systeme und die Auswirkungen auf den Lebensalltag junger Menschen zu vermitteln. Die Arbeit stellt eine Forschungsfrage dazu, wie eine exemplarische Massenmobilisierung durch Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM) kritisch reflektiert werden kann.
- Historische Analyse der Erziehungspraktiken im Nationalsozialismus
- Untersuchung des Totalitätsanspruchs der HJ als Staatsjugend
- Entwicklung didaktischer Methoden zur Förderung von Urteilskompetenz
- Einordnung der historischen Lebenswelten in den heutigen Bildungsdiskurs
- Didaktische Profilierung der Thematik für den Geschichtsunterricht
Auszug aus dem Buch
2. Die fachwissenschaftliche Analyse
‚Nationalsozialismus ist organisierter Jugendwille‘ hieß damals eine allgemeine Parole, die die Totalität des Hitler-Regimes zum Ausdruck brachte und in der sich die Jugend als Fundament der Volksgemeinschaft wahrnahm. Im Jahre 1926 formierte sich im Zuge der nationalsozialistischen Bewegung die sogenannte Hitlerjugend, die bis zur Machtergreifung eine nahezu unbedeutende Rolle einnahm; aber bereits 1932 umfasste sie ca. 100. 000 Mitglieder, die infolge des‚Jugendpflichtdienstes‘ auf über 8,7 Millionen Hitlerjungen anstieg. In dieser Entwicklung wird evident, wie der Totalitätsanspruch der HJ als Staatsjugend seit 1933 gegenüber konkurrierenden Organisationen sukzessiv internalisiert wurde, indem das Regime möglichst weite Teile der außerschulischen Institutionen usurpierte. Fernab des Schulwesens sollte also mit der HJ eines von vielen Instrumenten der ‚Gleichschaltung‘ des jugendlichen Lebensraumes und damit ein Standbein der Hitlerdiktatur geschaffen werden.
Die ideologische Basis formulierte Hitler bereits in seiner Kampfschrift, das das Idealpostulat und Wertesystem aus Kameradschaft, Pflichterfüllung und Aufopferung der ‚völkischen Jugend‘ für den Staat vorgab: „Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie herrliche Raubtier muss erst wieder aus ihren Augen blitzen […] Ihr sollt sein: Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie Windhunde". Somit formierten sich von Beginn an alle Jugendverbände als Nachtwuchsorganisationen der NSDAP, wodurch sie verfassungsrechtlich im NS-Staat verankert waren. Insbesondere darin wird das vorrangige Telos der allgegenwärtigen Indoktrination sichtbar, also den Einfluss originärer Sozialisationsinstanzen wie der Familie auszuschalten und die Jugend „dicht an der nationalsozialistischen Gesellschaft“ zu erziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Thematik für die politische Bildung und skizziert das Forschungsziel, die Massenmobilisierung der Jugend exemplarisch anhand von HJ und BDM aufzuarbeiten.
2. Die Fachwissenschaftliche Analyse: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung der Hitlerjugend und die ideologischen Grundlagen, durch die der Nationalsozialismus den jugendlichen Lebensraum unter Kontrolle brachte.
3. Die didaktische Analyse: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem didaktischen Potenzial des Themas, der Lerngruppe und der methodischen Profilierung für den Geschichtsunterricht.
4. Der Unterrichtsentwurf: Hier wird der konkrete Ablauf der geplanten Unterrichtseinheit in tabellarischer Form dargestellt, unterteilt in verschiedene Phasen vom Einstieg bis zur Anwendung.
5. Die fachdidaktische Ausarbeitung: Das Kapitel bietet eine tiefgehende Begründung und Beschreibung der einzelnen Unterrichtsphasen, inklusive Quellenarbeit und Medieneinsatz.
6. Fazit: Das Fazit bewertet das didaktische Potenzial des Themas im Kontext des Geschichtsbewusstseins und zieht eine abschließende Bilanz zur Bedeutung der Thematik für die demokratische Erziehung.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Hitlerjugend, HJ, Bund Deutscher Mädel, BDM, Geschichtsunterricht, Totalitarismus, Didaktik, Indoktrination, Massenmobilisierung, Jugend, Erziehung, Propaganda, Unterrichtsentwurf, Historisches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der Massenmobilisierung der Jugend durch den Nationalsozialismus, speziell am Beispiel der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die nationalsozialistischen Erziehungspraktiken, die Indoktrination der Jugend, der Totalitätsanspruch des Regimes und die methodische Umsetzung dieses komplexen Themas im Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung eines praxisnahen Unterrichtsentwurfs, der Schülern ein kritisches Verständnis für totalitäre Strukturen und manipulative Propaganda vermittelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine fachdidaktische Analyse durchgeführt, die historische Quellen und Erkenntnisse der Geschichtsdidaktik mit einem konkreten unterrichtspraktischen Entwurf verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine didaktische Reflexion und einen detaillierten Unterrichtsverlaufsplan inklusive der fachdidaktischen Begründung der Phasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Totalitarismus, Jugendsozialisation, Propaganda, Geschichtsbewusstsein und Handlungsorientierung charakterisiert.
Wie ist die Rolle von Jungen und Mädchen im Nationalsozialismus in der Arbeit definiert?
Der Entwurf betrachtet die geschlechtsspezifische Ausbildung – Jungen zur Wehrhaftigkeit und Soldatenethik, Mädchen als künftige Mütter und Erhalterinnen des Volkes – als Instrumente der Ideologie.
Welche Funktion hat das im Anhang aufgeführte Werbeschreiben?
Das Werbeschreiben dient als motivierender Einstieg (kognitive Dissonanz), um die Schüler unmittelbar mit dem Druck und der Ideologie des NS-Regimes zu konfrontieren.
Warum ist der Bezug zur Gegenwart für den Unterrichtsentwurf essenziell?
Der Autor argumentiert, dass durch den Vergleich mit heutigen, teilweise extremistischen Organisationen eine kritische Horizonterweiterung stattfindet, die das historische Modell für Schüler greifbar macht.
- Arbeit zitieren
- Markus Hofbauer (Autor:in), 2015, Erziehung im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340110