Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwiefern die Constitutio Antoniniana als Symptom der Soldatenkaiserzeit angesehen werden kann und ob sie tatsächlich zur damaligen Reichskrise beigetragen hat. Dazu werden zunächst der Inhalt des Edikts sowie die Umstände und mögliche Gründe für diese kaiserliche Verfügung vorgestellt. Die anschließende Analyse antiker Quellen soll dabei als Grundlage für eine Diskussion der beiden Thesen von Ludwig Mitteis und Ernst Schönbauer dienen, um abschließend das Edikt des Kaisers Caracalla aus dem Jahr 212 nach Christi in einen größeren historischen Kontext einordnen zu können.
Mit der Constitutio Antoniniana, einem Edikt aus dem Jahr 212 n. Chr., verlieh Kaiser Caracalla das römische Bürgerrecht an alle freien Bewohner des Imperium Romanum. Die Tatsache, dass die Verfügung in der Soldatenkaiserzeit erlassen wurde und nähere Einzelheiten über dieses historische Ereignis nicht überliefert sind, haben in der Geschichtswissenschaft Spekulationen darüber hervorgerufen, inwieweit diese kaiserliche Maßnahme ihren Teil zur damaligen Reichskrise, die sich bereits im Bereich des Militärs, der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft bemerkbar machte, beigetragen hat.
Ludwig Mitteis ist davon überzeugt, dass mit der reichsweiten Ausdehnung des römischen Bürgerrechts auch eine Nivellierung der provinzialen Rechtsordnung einher ging, weil die lokalen Volksrechte durch das römische Recht ersetzt worden seien. Da es Kaiser Caracalla jedoch versäumt habe, eine entsprechende Justizreform zu erlassen, hätte dies dem römischen Rechtswesen gewaltige Strukturprobleme bereitet und damit die Krise jener Zeit verstärkt. Ernst Schönbauer dagegen bestreitet die Ansicht Mitteis´, dass mit der Constitutio Antoniniana eine reichsweite Änderung der Rechtsordnung einher ging.
Inhaltsverzeichnis
1. Die römische Soldatenkaiserzeit: Merkmale einer Krise
2. Die Constitutio Antoniniana
3. Die Folgen der Constitutio Antoniniana für das römische Rechtswesen
3.1. Die These von Ludwig Mitteis
3.2. Ernst Schönbauers Gegenthese zu Mitteis
3.3. Antike Autoren über die Herrschaft des Caracalla und die Constitutio Antoniniana
3.3.1. Cassius Dio
3.3.2. Herodian
3.3.3. Die Historia Augusta
3.4. Auswertung
4. Die Beurteilung der Constitutio Antoniniana aus heutiger Sicht
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung der Constitutio Antoniniana aus dem Jahr 212 n. Chr. im Kontext der römischen Soldatenkaiserzeit. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob das Edikt als Symptom für die damalige Reichskrise zu werten ist und inwiefern es tatsächlich zu weitreichenden, destabilisierenden Umwälzungen im römischen Rechtswesen geführt hat, wie sie von Historikern wie Ludwig Mitteis postuliert wurden.
- Historische Einordnung der Soldatenkaiserzeit und ihrer Krisenmerkmale
- Analyse und Diskussion der rechtshistorischen Thesen von Ludwig Mitteis und Ernst Schönbauer
- Untersuchung der Beweggründe für das Edikt Caracallas anhand antiker Quellen
- Beurteilung der Folgen der Constitutio Antoniniana für das römische Rechtssystem
- Historische Einbettung der römischen Bürgerrechtspolitik vom Prinzipat zum Dominat
Auszug aus dem Buch
3.1. Die These von Ludwig Mitteis
Ludwig Mitteis geht davon aus, dass die Constitutio Antoniniana das römische Bürgerrecht in ein allgemein gültiges Reichsrecht umwandelte und deshalb eine „ungeheure Umwälzung in den Fundamenten der Rechts- und Gerichtsverfassung“ bewirkt hat. Denn schließlich war den Provinzen bis zum Erlass jener kaiserlichen Verfügung der Fortbestand ihrer jeweiligen Volksrechte garantiert worden. Nun trat jedoch – nach Meinung Mitteis´ - das römische Recht in Konkurrenz zu diesen, was dem römischen Rechtswesen gewaltige Strukturprobleme bereitet und somit die Krise des römischen Reiches in der Soldatenkaiserzeit weiter verschärft haben muss.
Die Schuld hierfür gibt Mitteis Kaiser Caracalla, dem Initiator des Ediktes, da dieser sich bei dessen Umsetzung zu wenig gekümmert und über den genauen Gültigkeitsbereich des neuen Reichsrechts gegenüber den traditionellen Volksrechten nichts verfügt habe. Eine solche weitreichende Maßnahme wie die Verleihung des römischen Bürgerrechts an alle freien Einwohner des Imperium Romanum hätte – nach Mitteis – nur im Zusammenhang mit einer reichsweiten Justizreform ergehen dürfen. Statt dessen habe der Princeps „die Handhabung des nunmehrigen Reichsrechts der natürlichen Entwicklung der Dinge überlassen“ und die Verantwortung für neue Rechtsfragen, die sich aus dem ungeklärten Verhältnis zwischen Reichs- und Volksrecht ergaben, denen übertragen, „welche gezwungen waren, sich damit zu beschäftigen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die römische Soldatenkaiserzeit: Merkmale einer Krise: Dieses Kapitel definiert die Soldatenkaiserzeit als eine Periode tiefgreifender politischer, militärischer und wirtschaftlicher Krisen, die den Übergang vom Prinzipat zum Dominat einleiteten.
2. Die Constitutio Antoniniana: Hier wird das Edikt des Kaisers Caracalla aus dem Jahr 212 n. Chr. vorgestellt, welches allen freien Bewohnern des Reiches das römische Bürgerrecht verlieh, wobei die tatsächlichen Beweggründe kritisch beleuchtet werden.
3. Die Folgen der Constitutio Antoniniana für das römische Rechtswesen: Dieses zentrale Kapitel analysiert die wissenschaftliche Debatte um das Edikt, insbesondere die gegensätzlichen Ansichten von Ludwig Mitteis und Ernst Schönbauer anhand antiker Quellen.
4. Die Beurteilung der Constitutio Antoniniana aus heutiger Sicht: Das Kapitel ordnet das Edikt in den langfristigen historischen Prozess der römischen Bürgerrechtspolitik ein und kommt zu dem Schluss, dass es keine Zäsur, sondern das Ende einer längeren Entwicklung darstellt.
5. Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das Edikt zwar symptomatisch für die Krise der Zeit ist, aber nicht die Ursache für eine Destabilisierung des Rechtswesens darstellte.
Schlüsselwörter
Soldatenkaiserzeit, Constitutio Antoniniana, Caracalla, römisches Bürgerrecht, Rechtswesen, Ludwig Mitteis, Ernst Schönbauer, Prinzipat, Dominat, Reichsrecht, Volksrecht, Antike Quellen, Krisensymptom, Römische Geschichte, Bürgerrechtspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Constitutio Antoniniana von 212 n. Chr. auf das römische Rechtswesen während der krisengeprägten Soldatenkaiserzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des römischen Bürgerrechts, die rechtliche Transformation des Reiches und die Interpretation antiker Quellen zur Regierungszeit des Kaisers Caracalla.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Prüfung der These, ob das Edikt Caracallas als Ursache oder Symptom der Reichskrise zu verstehen ist und ob es tatsächlich die traditionellen Volksrechte zerstörte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Berichte (Cassius Dio, Herodian, Historia Augusta) und einer vergleichenden Untersuchung moderner rechtswissenschaftlicher Theorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Edikts, die Gegenüberstellung der Thesen von Mitteis und Schönbauer sowie die Auswertung antiker Schriften hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und inhaltlichen Aussagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Soldatenkaiserzeit, Constitutio Antoniniana, römisches Bürgerrecht, Rechtsangleichung und historische Krisenforschung charakterisiert.
Warum wird die religiöse Begründung des Edikts durch Caracalla als fragwürdig eingestuft?
Aufgrund der Berichte antiker Historiker, die den vom Kaiser behaupteten Notwehr-Zusammenhang bei der Ermordung seines Bruders Geta in Zweifel ziehen, erscheint die religiöse Dankes-Motivation als bloßer Vorwand.
Inwiefern stützt das Urkundenmaterial die These von Ernst Schönbauer?
Das Urkundenmaterial belegt, dass lokale Rechtsstrukturen und die städtische Selbstverwaltung auch nach 212 n. Chr. in den Provinzen fortbestanden, was der Behauptung einer vollständigen Ersetzung durch das römische Recht widerspricht.
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- M.A. Tabea Roth (Autor), 2006, Die Constitutio Antoniniana. Ein Krisensymptom der römischen Soldatenkaiserzeit?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340131