Wenn die Müllabfuhr streikt. Frankreich im Abfall- statt Fussball-Fieber (Geographie Berufsfachschule)


Unterrichtsentwurf, 2016

10 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Bedingungsfelder
1.1 Lerngruppe
1.2 Einordnung des Themas in den Lehrplan und in den laufenden Unterricht

2. Entscheidungsfeld
2.1 Didaktische Vorüberlegungen und Relevanzanalyse
2.2 Didaktisch-methodische Entscheidungen

3. Leitidee und Lernziele

4. Geplanter Unterrichtsverlauf

5. Litertaturangaben/Quellen

Anhang

1. Bedingungsfelder

1.1 Lerngruppe

Die heutige Unterrichtsstunde findet in der Unterstufe der zweijährigen Berufsfachschule I mit der Fachrichtung Wirtschaft statt. Diese Klasse besteht aus 12 Schülerinnen und 14 Schülern. Ich unterrichte die Klasse seit Beginn des Schulhalbjahres mit zwei Wochenstunden im Zweiwochen-Takt im Unterrichtsfach Wirtschaftsgeographie. Das Leistungsvermögen der Schüler*innen ist sehr heterogen. Dies zeigt sich vor allem in der Qualität und Quantität der Schüler*innenbeiträge im Unterricht. Von den Schüler*innen sind einige sehr zurückhaltend und möchten nur aufgrund einer Meldung drangenommen werden bzw. präsentieren, während andere aktive Schüler*innen viel zum Unterricht beitragen. Es herrscht insgesamt ein unruhiges Lern- und Arbeitsklima. Die Unruhe wird bestimmt durch die kontinuierliche Abwesenheit vieler Schüler*innen. Dies erschwert vor allem Partner –oder Gruppenarbeiten über die Unterrichtstunden hinaus fortzuführen, da eine Fortsetzung in der darauffolgenden Stunde häufig bedeutet, dass die Partner bzw. Gruppenmitglieder fehlen und immer dieselben Schüler*innen ihre Ergebnisse präsentieren. Die Schüler*innen verhalten sich meist höflich, gehen aber weniger wertschätzend mit sich selbst und anderen um. Beleidigungen werden selten geäußert, aber häufiger werden eigene Ergebnisse und die der anderen herabgewertet. Zudem sind drei neue Schüler in diese Klasse gekommen, die ich durch ihre Fehlzeiten an der alten Schule auf einem ähnlichen Wissensstand einschätze, wie die anderen kontinuierlich fehlenden Schüler*innen dieser Klasse. Das Verhältnis der Lerngruppe meiner Person gegenüber ist stets respektvoll und freundlich und es bereitet mir viel Freude, in dieser Klasse zu unterrichten.

1.2 Einordnung des Themas in den Lehrplan und in den laufenden Unterricht

Der Lehrplan für die Berufsfachschule I in der Fachrichtung Wirtschaft gliedert sich im Unterrichtsfach Wirtschaftsgeografie in sechs Themenbereiche. Das Stundenthema ist dem Themengebiet „Schonender Umgang mit Ressourcen“ sowie dem Lernfeld 4 „Beschaffung“ zuzuordnen. Die heutige Einheit ist Teil des Themas „Analyse von (Bezugs-) Räumen“. Insgesamt umfasste der Unterricht innerhalb der letzten Wochen das Upcycling, die umweltfreundliche Weiterverwendung von Rohstoffen bzw. Verpackungen, Vermeidung von Abfällen und die Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Entsorgung. Die heutige Unterrichtsstunde beschreibt die Gefahren für verschiedene Akteure im missglückten Entsorgungsprozess von Abfällen in Paris. Die Schüler werden sich mit den unterschiedlichen Folgen des Streiks seitens der Müllabfuhr in Frankreich beschäftigen. Sie erarbeiten die Folgen und Vorsorgemaßnahmen im Umgang mit der französischen Situation. Dabei soll Paris während dieser Unterrichtseinheit als „Raum als Kategorie der Sinneswahrnehmung“ und als „Raum als Konstrukt“ fungieren und von den Schülern aus der wahrnehmungsgeographischen und konstruktivistischen Perspektive betrachtet werden. Insgesamt umfasst der Unterricht innerhalb der nächsten Wochen die ökonomischen und ökologischen Entscheidungskriterien im Beschaffungs-, Absatz- und Globalisierungsprozess und der damit verbundenen schonenden Umgang mit Ressourcen.

2. Entscheidungsfeld

2.1 Didaktische Vorüberlegungen und Relevanzanalyse

Das Thema „Wenn die Müllabfuhr streikt: Frankreich im Abfall-Fieber statt Fußballfieber“ hat für die Berufsfachschüler in der Fachrichtung Wirtschaft neben dem Berufsbezug vor allem einen Lebensweltbezug. In der zukünftigen betrieblichen Praxis werden die Schüler mit betrieblichen Schwierigkeiten und möglichen Streiks konfrontiert werden. Das Abwägen von Handlungen durch den Einbezug von Folgen kann rationales Entscheiden bewusst lenken. Im Privatleben werden die Schüler tagtäglich mit der Fußball-EM in Frankreich konfrontiert, sei es durch Gespräche in der Schule, Werbung und Nachrichten im Fernsehen oder Radio. Da die Schüler schon die Fußball-WM in Katar als Unterrichtsgegenstand hatte, bezogen auf Klima und der wirtschaftlichen Problematik für Deutschland durch die Verlegung in den Winter, ist es wichtig die Abfallproblematik in Paris, die durch die EM verstärkt wird, zu beleuchten. Kenntnisse über die Verstärkung unterschiedliche Problematiken von Veranstaltungen in dieser Größe helfen diese aus einer anderen Perspektive zu betrachten und ist unerlässlich. Die Auswahl des Raumbeispiels „Frankreich“ begründet sich neben der räumlichen Nähe zu Deutschland aus den derzeitigen Gesprächsgegenständen der Schüler.

2.2 Didaktisch-methodische Entscheidungen

Im Einstieg beginnt die kognitive Aktivierung der Schüler im subjektiven Konzept mittels zweier Bilder vom „Café de Flore“. Es handelt sich dabei um ein Café im Quartier Saint-Germain-des-Prés, welches für Touristen, aber auch Einheimische, ein beliebtes Ausflugsziel darstellt, da es bekannt ist für „hohen“ Besuch. An dieser Stelle bekommen die Schüler die Gelegenheit, mittels der Frage „Woran denken Sie, wenn Sie sich diese beiden Bilder anschauen?“, eigene Gedanken in den Unterricht einzubringen. Mittels der Think-Pair-Share-Methode befinden sich die Schüler in der Erarbeitungsphase I und notieren erst in Einzelarbeit ihre Gedanken und ergänzen diese in der Partnerarbeit, bevor sie ihre Lösungen im Lehrer-Schüler-Gespräch mitteilen. Schlagwörter werden an der Tafel festgehalten und dienen, wenn möglich, dem weiteren Verlauf der Stunde, indem auf einzelne Aspekte noch einmal zurückgegriffen werden kann. Das Thema der Stunde wird durch die Schüler benannt und an die Tafel geschrieben. Die Einordnung des Themas lässt die Einordnung Frankreichs auf der stummen Karte mit den Farben der französischen Flagge zu. Da die Schüler die Einordnung Frankreichs beherrschen sollten, wird dies durch einen freiwilligen Schüler passieren und auf eine Einzelarbeit verzichtet. Wichtiger ist in diesem Zusammenhang das richtige Einzeichnen der Farben, die im Bezug zum Thema „EM in Frankreich“ kurz erscheinen sollen. Die Frage: „Was denken Sie, wenn ich behaupte, dass Sie ebenfalls Betroffene der Pariser Situation sind?“ soll den nachfolgenden Arbeitsauftrag einleiten.

Für die Erarbeitungsphase II wird jeder der Schüler aufgefordert ein Los zu ziehen. Auf jedem Los steht ein Begriff aus dem letzten Unterrichtsgeschehen. Die Schüler kommunizieren Ihre Begriffe und können sich selbstständig in ihre Gruppen einteilen, da die Gruppenbegriffe einen unmittelbaren Zusammenhang haben. Aufgrund der unregelmäßigen Anwesenheit der Schüler in dieser Klasse wird die Größe der einzelnen Gruppe spontan entschieden und das Losverfahren dementsprechend angepasst.

Nach der Gruppenfindung werden die Schüler mit ihren Materialien an den Gruppentischen versorgt. Durch die zufällige Gruppeneinteilung werden die bereits bekannten Gruppen aufgebrochen und möglicherweise leistungsstarke mit leistungsschwachen Schülern zusammengesetzt. Sollte die Gruppeneinteilung nicht heterogen genug sein, sodass einige Gruppen auf Hilfe angewiesen sind, werden vorsorglich Ampelkarten verteilt, die auch später in der Reflexionsphase zum Einsatz kommen sollen. Ihre Bedeutung wird vor der Gruppenerarbeitungsphase geklärt.Damit werden die Schüler vom LiV aufgefordert ihr Verständnis oder Interesse mittels ihrer Ampel anzuzeigen. Dabei steht in der Gruppenarbeit Grün für „Wir haben alles verstanden, wir kommen voran“, Gelb steht für „Wir haben einiges noch nicht verstanden“ und Rot steht für „Wir verstehen fast gar nichts und kommen nicht voran.“ Erblickt der LiV überwiegend grüne Ampelkarten, ist dies ein Zeichen, dass die Schüler alles verstanden haben, sollte der LiV gelbe oder sogar rote Ampelkarten erblicken, wird der LiV gezielt bei den Schülern nachfragen und den Arbeitsauftrag anders formulieren bzw. zum Textverständnis beitragen.

Durch den Hinweis, dass jeder zum Präsentieren drangenommen werden könnte, werden Verbindlichkeiten geschaffen, damit die Gruppenarbeit zielführend verläuft. Zunächst bekommen die Schüler Zeit, sich in Einzelarbeit den Informationstext durchzulesen. Somit bekommt jeder der Schüler die Möglichkeit, sich selbst Gedanken über das Gelesene zu machen und kann sich in der Austauschphase einbringen. Die Erarbeitungsphase II soll das systematische Denken der Schüler fördern. Danach klären sie mit ihren Gruppenmitgliedern mögliche Fragen und bearbeiten gemeinsam die Aufgaben. Das Erarbeiten eines gemeinsamen Gruppenergebnisses macht die Schüler voneinander abhängig, was die Ergebnisse und den Lernerfolg betrifft. Sie übernehmen Verantwortung für sich, ihre Kleingruppe und die gesamte Klasse.

In der Sicherungsphase stellen mindestens zwei Schüler als Vertreter jeder Gruppe die Ergebnisse vor. Zu zweit können sie sich gegenseitig absichern und unterstützen. Zu jeder Präsentation bekommen die zuhörenden Schüler den Verarbeitungsauftrag, sich eine Frage an die präsentierende Gruppe zu überlegen oder Ergänzungen vorzunehmen und zu verschriftlichen. Nach jeder Präsentation bekommen die Schüler dafür eine Minute Zeit. Da jede Gruppe denselben Arbeitsauftrag erhalten hat, ist jede Gruppe eine Kontrollgruppe, die Ergänzungen vornehmen oder eigene neue Ideen präsentieren kann. Falls die Zeit ausreicht, wird der LiV auch die Kontrollgruppen präsentieren lassen. Dadurch bekommen die Schüler eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Ideen zu präsentieren, um zu erkennen inwieweit ihre Ideen von den Ideen der anderen Gruppe abweichen.

Zum Ende der Unterrichtsstunde reflektieren die Schüler ihren Lernprozess. Mittels der Ampelmethode wird die Reflexion mündlich erfolgen, um innerhalb einer kurzen Zeit vielen Schülern die Möglichkeit geben zu können, ihren Lernzuwachs zu kommunizieren. Dafür werden weitere Ampelkarten verteilt, sodass jeder Schüler in Besitz von drei farbigen Karten ist. Reflektiert werden Statements wie „Ich habe mich während der Gruppenarbeit wohl gefühlt“, „Den heutigen Lerninhalt fand ich interessant“ und „Ich bin zufrieden mit meiner heutigen Leistung“. An dieser Stelle steht Grün für „Stimme ich zu“, Gelb für „Ich stimme teilweise zu“ und Rot für „Ich stimme nicht zu“. Das Heben der Karten ermöglicht ein überschaubares Klassenergebnis und das Nachfragen bei einzelnen Personen. Die Schüler könnten, wenn sie eine rote Karte halten, z. B. mitteilen, wie sie sich in der Gruppenarbeit gefühlt haben, ob es an Motivation gefehlt hat und wie sie ihre eigene Leistung einschätzen. Dem LiV dienen diese Informationen zur eigenen Reflexion seiner Stunde, der Planung für die nächste Unterrichtsstunde und zum Reagieren auf wohlmögliche Missstände die den Unterricht betreffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wenn die Müllabfuhr streikt. Frankreich im Abfall- statt Fussball-Fieber (Geographie Berufsfachschule)
Veranstaltung
Ausbildungsberatung
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V340137
ISBN (eBook)
9783668326613
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wenn, müllabfuhr, frankreich, abfall-, fussball-fieber, geographie, berufsfachschule
Arbeit zitieren
Cennet Aktas (Autor:in), 2016, Wenn die Müllabfuhr streikt. Frankreich im Abfall- statt Fussball-Fieber (Geographie Berufsfachschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340137

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wenn die Müllabfuhr streikt. Frankreich im Abfall- statt Fussball-Fieber (Geographie Berufsfachschule)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden