Fördern Webseiten das historische Lernen in der Sekundarstufe I? Untersuchung von „www.chronik-der-mauer.de“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

15 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Hypermedia-Begriff

3. Chancen und Hemmnisse eines multimedialen Hypertextes

4. Äußere Quellenkritik

5. Überprüfung der Website anhand fachdidaktischer Kriterien
5.1. Multiperspektivität
5.2. Begründete Auswahl (Schülerinteresse)
5.3. Chronologie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis- und Quellenverzeichnis

7.1. Literaturverzeichnis

7.2. Internetquellen

1. Einleitung

Zunehmend gewinnt die Diskussion an Bedeutung, ob digitales Lernen in unserem Zeitalter alltäglich sei, oder gegenüber der herkömmlichen Methode mit Buch und Karteikarten sich nicht durchsetzen könne. Im 21. Jahrhundert ist unsere Welt mit Smartphones, Tablets und E-Books ausgestattet. Aktuell ist die Forschung sehr an diesem Thema interessiert, welche Chancen Hypertexte für das historische Lernen bieten und wo Grenzen sind. Ein endgültiges Ergebnis gibt es jedoch momentan nicht, da es bei der Untersuchung zum Thema: Lernen im Internet, einer Überprüfung nicht nur unter dem geschichtlichem Aspekt bedarf, sondern weiterführend auch auf die Frage geantwortet werden muss, was beim Lernenden dieser Lernprozess bringt.[1] Hierbei ist es wichtig auch den Wissenserwerb des Users festzustellen. Es kommt trotz der Diskussionen, immer häufiger vor, dass Kinder mit Hilfe des Internets und den darin zu findenden multimedialen Hypertexten lernen.[2] Diese Texte sind mit Verlinkungen versehen, die für den User ein multimediales Angebot bereithalten und es ermöglichen, dass der Benutzer seinen eigenen Lernpfad festlegt. Im Folgenden soll die Website www.chronik-der-mauer.de untersucht werden. Kann die Website Chronik der Mauer für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe 1 verwendet werden? Werden die fachdidaktischen Kriterien erfüllt? Ist es möglich, das historische Lernen mit Hilfe dieser Website zu fördern? Um diese Fragen zu beantworten, analysiere ich im Folgenden eine Website aus geschichtsdidaktischer Perspektive. Es handelt sich hierbei um ein komplexes Thema, welches nur eine Untersuchung eines kleinen Abschnittes des Themas zulässt. Das Ziel der Arbeit ist es, einen inhaltlichen Eindruck von der Seite zu bekommen und zu erkennen, ob mit dieser Website historisches Lernen möglich ist und ob vorrangig Kinder in der Sekundarstufe 1, ihr Geschichtsbewusstsein hierdurch erweitern. Nachdem die Seite Chronik der Mauer im Voraus beschrieben und eine Klärung des Begriffs multimedialer Hypertext vorgenommen wird, soll es darum gehen, inwieweit sich vor allem die Potenziale aber auch Hemmnisse eines solchen Textes in einem Beispiel erkennen lassen. Die Seite Chronik der Mauer bietet das zurzeit umfangreichste multimediale Informationsangebot zum Thema Mauer.[3] Um eine Analyse der Website vorzunehmen, wird anhand von drei Aspekten überprüft, ob diese Seite das historische Lernen fördert. Es ist zu umfangreich alle Texte der Seite auf dieses Kriterium hin zu untersuchen.

2. Der Hypermedia-Begriff

Bevor eine Analyse der Seite Chronik der Mauer vorgenommen wird und ermittelt wird, ob diese Seite das historische Lernen fördern kann, ist es notwendig eine Klärung des Begriffs Hypermedia vorzunehmen. Das Internet zeigt keine linearen, einfach strukturierten Texte, sondern Texte mit sogenannten Verlinkungen. Diese Texte werden Hypertexte genannt.[4] Der Wandel offenbart beim User oder auch Benutzer eine neue Lesegewohnheit. Mario Riemann nimmt eine genauere Bestimmung des Begriffs vor. Der Begriff Hypermedia, muss laut Riemann in die Worte Hypertext und Multimedia zerlegt werden, um eine weitreichende Erklärung des Begriffs vornehmen zu können. Bernd Weidemann definiert diesen Begriff: „Multimedial seien Angebote, die auf unterschiedliche Speicher- und Präsentationstechnologien verteilt sind, aber integriert präsentiert werden, zum Beispiel auf einer einzigen Benutzerplattform (CD-ROM)“[5]. Riemann sieht das Phänomen darin, dass die wiedergegebenen Inhalte multicodal und multimodal dargestellt werden. Bei multicodalen Anzeigen, werden ungleiche Symbolsysteme, Texte mit Bildern genutzt. Im Gegensatz dazu sind bei monocodalen Angeboten nur Texte zu finden. So sprechen multimodale Angebote differierende, komplexe Sinnebenen an und erreichen unterschiedliche Typen, auch kommt es zu einer impulsiven, gefühlsbetonten Ansprache des Benutzers. Der Begriff multimodal bedeutet audiovisuell und monomodal nur visuell oder nur auditiv. Ein Hypertext zeigt im Vergleich zu einem normalen Text eine nichtlineare Struktur und bietet eine individuelle und zudem endlose, nichthierarchische Informationsauswahl.[6] Lässt man nun diese beiden Begriffe verschmelzen, würde eine Definitionsidee für Hypermedia nach Riemann so formuliert klingen: „Hypermedia ist ein multimediales Hypertextsystem, in dem Verbindungen (Links) nicht nur auf andere Textblöcke verweisen, sondern auch auf Bilder, Video- und Tonsequenzen.“[7]

3. Chancen und Hemmnisse eines multimedialen Hypertextes

Der Begriff Hypermedia steht nach der vorgenommenen Begriffserklärung an dieser Stelle für sich. Um ihn in einen Zusammenhang mit Historischem Lernen zu bringen, soll im Folgenden geklärt werden, welche Chancen und Potenziale ein multimedialer Hypertext für das Historische Lernen bietet. Zugleich sollen auf der anderen Seite die Hemmnisse und Gefahren eines solchen Textes herausgestellt werden. Es muss also aus dieser Gegenüberstellung resultieren, wo der Vorteil liegt, mit Hilfe von multimedialen Hypertexten sich Geschichte anzueignen.

Eine Chance von multimedialen Hypertexten ist, dass man sich individuell aus Mosaikteilen ein eigenes Bild schaffen kann. Somit kann der Benutzer eine eigene Schwerpunktsetzung vornehmen. Diese beiden Möglichkeiten zusammengefasst, ermöglichen ein selbstgesteuertes Lernen und machen den User immer wieder neugierig. Es wird so auch eine intrinsische Motivation beim Benutzer hervorgerufen, sodass er sich selbst motiviert und sich positiv gefühlsmäßig an den Lerngegenstand bindet. Voraussetzung hierzu ist das Interesse des Users und das eigene Interesse des Inhalts.[8] Vor allem liegt die große Chance oder vielmehr der Vorteil multimedialer Hypertexte darin, dass sie multiperspektivisch sind und dass bei solchen Texten großer Wert daraufgelegt werden sollte, sie mit multiperspektivischen Sichtweisen zu gestalten. Eben diese Darstellung ungleicher Perspektiven, Wertvorstellungen und Sichtweisen, welche verbunden mit sozialen Positionen und Stellungen einhergehen, lassen sich in multimedialen Hypertexten in instruktiver Form umsetzen. Zudem ist durch die Multiperspektivität die Integration von verschiedenen Quellenarten unvermeidlich und steht in enger Verbindung damit. Auch ist der Gegenwartsbezug durch aktuelle Befragungen von Historikern und Zeitzeugen ein Potenzial des multimedialen Hypertextes.[9]

Zuerst ist der Begriff lost in cyberspace von Bedeutung. Der Benutzer verliert hierbei den Überblick und befindet sich durch die Verlinkungen zu Bildern, Videos und anderen Texten in einem Durcheinander. Ebenfalls wird beim User durch eine Reizüberflutung, da viele Seiten gleichzeitig geöffnet werden, ein Orientierungsverlust hervorgerufen. Durch das übermäßige Angebot kann der Benutzer seinen Lernpfad nicht mehr nachempfinden und somit tritt eine kognitive Überlastung auf. Die beiden ersten Hemmnisse sind eng miteinander verknüpft. Dadurch, dass diese Reichhaltigkeit an Informationen geboten wird, besteht für den User die Gefahr der Abwendung vom Thema. Der ursprünglich gesuchte Begriff, wird in den nächsten Verlinkungen, womöglich in einem anderen Zusammenhang genannt. Der nächste Hypertext ist für den Benutzer aber wiederum interessant und so findet er sich in einem anderen Thema wieder. Verbunden mit diesem Kriterium ist das Öffnen des nächsten Links. Diese wird kettenartig fortgesetzt und hat so kein Ende. Fasst man diese zwei vorherigen Aspekte zusammen, kann man beim User nach einiger Zeit eine Übermüdung feststellen. Zusammenhängend damit ist auch der Bildschirm des Computers zu nennen, welcher zu der Müdigkeit beiträgt.[10] Hierbei ist das lange Sitzen vor dem PC Bildschirm für den User ermüdend. Die Augen werden durch das Gucken auf den Bildschirm beansprucht und beanspruchen die Konzentration des Benutzers.

Die Chance, historisches Lernen in Verbindung mit multimedialen Hypertexten zu bringen, ist sehr groß. Diese Art von Lernen zeigt viel Potenzial für das Historische Lernen, da aus geschichtsdidaktischer Sicht Punkte wie zum Beispiel Multiperspektivität, Integration historischer Quellen und Problemorientierung in einem multimedialen Hypertext anwendbar sind.

4. Äußere Quellenkritik

Bevor an einer späteren Stelle, fachdidaktische Kriterien dieser Website untersucht werden, wird nun eine äußere Quellenkritik vorgenommen. Die Orientierung der äußeren Quellenkritik erfolgt an einem Raster zur Bewertung einer Website im Internet, von Martin Sachse.[11] Unterteilt wird dieses Raster in drei Hauptkategorien. Kategorie A stellt Fragen zum Autor, Kategorie B Fragen zum Material und Kategorie C Fragen zum User. Der Autor ist unter den jeweiligen Texten im Menüpunkt Chronik nicht angegeben. Unter dem Aspekt Opfer der Mauer, sind die Autoren genannt. Im Impressum findet man eine Auflistung von Mitarbeitern, welche an dieser Seite und dessen Inhalt mitgewirkt haben. Die Qualifikation des Autors für diesen Bereich ist nicht vorhanden, und ein Vermerk, von welcher Bildungseinrichtung oder Organisation der Autor stammt, fehlt ebenfalls. Unter der Rubrik Impressum, sind die drei Beteiligten Projektorganisationen aufgeführt: Zentrum für zeithistorische Forschung e.V., Bundeszentrale für politische Bildung und das Deutschlandradio. Jedoch gibt es keine genaue Zuordnung, welcher Text von wem verfasst wurde. Auch ist keine E-Mail Adresse für Rückfragen an den Autor bekannt. Ob der Text eine Dissertation oder eine andere wissenschaftliche Publikation ist, bleibt ungeklärt sowie das Verhältnis des Autors zum Text. In Kategorie A bei den Fragen des Autors, fehlen alle Angaben zum jeweiligen aufgerufenen Text. Zumindest im Impressum sind Angaben der mitwirkenden Autoren enthalten. Die Zuordnung zu den Texten fehlt jedoch völlig und somit gibt es nur eine allgemeine Zusammenfassung der gemeinsamen Projektteilhaber und Autoren.

[...]


[1] Vgl. Riemann, Mario: Historisches Lernen mit Hypermedia. Methodische Grundüberlegungen in: Schönemann Bernd, Uffelmann Uwe, Voit Hartmut (Hrsg.): Geschichtsbewußtsein und Methoden historischen Lernens, Köln 1998, S.136.

[2] Ebd., S. 120.

[3] http://www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Start/Index/id/783138 (Abgerufen am 09.08.2013)

[4] Vgl. Danker Uwe, Schwabe Astrid: Historisches Lernen im Internet. Zur normativen Aufgabe der Geschichtsdidaktik. aus: GWU Jahrgang 58, Heft 1 2007, S.9.

[5] Weidemann, Bernd: Multicodierung und Multimodalität im Lernprozeß, in: Issing Ludwig J., Klimsa Paul (Hrsg.): Informationen und Lernen mit Multimedia. Weinheim 1995, S.67.

[6] Vgl. Riemann, 1998, S. 120-122.

[7] Ebd., S.121.

[8] Vgl. Riemann, 1998, S. 127.

[9] Vgl. Ebd., 1998, S.129-131.

[10] Vgl. Ebd., 1998, S.123f.

[11] Vgl. Sachse, Martin: Rechts im Netz. Kritischer Umgang mit dem Internet Sek. I/II. in: Geschichte lernen, Heft 89 2002, S.39.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Fördern Webseiten das historische Lernen in der Sekundarstufe I? Untersuchung von „www.chronik-der-mauer.de“
Note
1,3
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V340163
ISBN (eBook)
9783668300729
ISBN (Buch)
9783668300736
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fördern, webseiten, lernen, sekundarstufe, untersuchung
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Fördern Webseiten das historische Lernen in der Sekundarstufe I? Untersuchung von „www.chronik-der-mauer.de“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340163

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