Der Einfluss sozialer Umweltfaktoren auf die Entwicklung des Menschen. Die Begriffe des „homo clausus“ und „homines aperti“ von Norbert Elias


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

10 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen „Entwicklung“
2.2 Der Prozesscharakter des Menschen (Elias)

3. Soziale Umwelteinflüsse

4. Von „Homo clausus“ zu „Homines aperti“

5. Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung

In dieser Seminararbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, ob die Entwicklung des Menschen und die Rolle der Umwelt dabei realitätsgerecht verstanden werden.

Dabei werde ich zuerst auf die verschiedenen Definitionen von Entwicklung eingehen und sie auf ihre Gültigkeit untersuchen. Daraufhin werde ich ein paar Modelle, die sich mit der Entwicklungsphysiologie beschäftigen, vorstellen und diese in Bezug zu Norbert Elias Theorie zu dem Thema menschliche Entwicklung, setzen. Außerdem werde ich in diesem Zusammenhang die von ihm geprägten Begriffe „homo clausus“ und „homines aperti“ näher erläutern. Dabei werde ich kurz auf den Aspekt des Prozesscharakters von Menschen eingehen, der ebenfalls von Norbert Elias definiert wurde und zum Allgemeinverständnis der Entwicklung hilfreich ist.

2. Theoretischer Hintergrund

Zunächst gehe ich auf die unterschiedlichen Definitionen des Entwicklungsbegriffes ein, um eine genaue Vorstellung davon zu reproduzieren. Weiter beschreibe ich den Begriff des Prozesscharakters, der von Norbert Elias geprägt wurde. Daraufhin stelle ich Modelle über die Zusammensetzung von Einflüssen bei der Entwicklung vor, die zu dem nächsten Kapitel überleiten, da ich sie an der Stelle in den Zusammenhang mit Elias Bild des „Homo clausus“ setzen werde.

2.1 Definitionen „Entwicklung“

Die traditionelle Definition von Entwicklung beschreibt eine „Folge von Veränderungen mit mehreren Schritten (…), die eine Richtung auf einen Endzustand aufweist" (Montada (1998:3)). Dabei müsse der Endzustand einen hochwertigeren Zustand haben, als der Ausgangszustand, die Entwicklungsschritte unumkehrbar und nicht quantitativer, sondern qualitativer Art (Vgl. Ebd.: 3).

Montada sieht die Entwicklung des Menschen demnach als einen Vorgang, der einen Anfang und ein Ende hat. Am Ende der Entwicklung bleibt ein qualitativ hochwertigerer Zustand, der bis zu der nächsten Entwicklungsphase besteht.

Erich Stern geht in seiner Definition zusätzlich auf die Einwirkung von Umweltfaktoren ein:

„Entwicklung ist die unter Einwirkung äußerer Faktoren erfolgende Entfaltung von Anlagen, wobei die Entfaltung nach einer inneren Gesetzmäßigkeit erfolgt und den äußeren Faktoren die Bedeutung des Auslösers zukommt.“ (Zitat aus: Bäumler 1974: 34)

Nach Sterns Definition ist die Entwicklung des Menschen maßgeblich durch biologische Vorgaben bestimmt, die entfaltet werden. Äußere Faktoren sind dabei Auslöser der ohnehin vorhandenen Entwicklungsgrundlagen.

Beide Definitionen machen im Denken eine klare Trennung zwischen der Umwelt und den Menschen in ihrer Entwicklung. Dies wird nach der heutigen Auffassung von dem Menschen aufgrund der fehlenden Berücksichtigung des Zusammenspiels umweltbezogener, kultureller und zwischenmenschlicher Einflüsse nicht gerecht.

Die aktuelle Definition von Entwicklung legt Wert auf den Einfluss der Umwelt auf den Menschen auch auf kulturbedingter und interindividueller Ebene, sowie eine kontinuierliche anstelle einer temporären Entwicklung (Vgl. Trautner (1995: 27)). Denn die „soziale Umwelt und ihre soziokulturellen Faktoren nehmen entscheidenden Einfluss auf die menschliche Entwicklung“ (Schmid & Wallimann (1998: 86))

Auch Norbert Elias definiert die Entwicklung als stetigen Vorgang. Entwicklung sei eine „immanente Ordnung der kontinuierlichen Abfolge, in der jeweils eine spätere Gestalt aus der früheren, in der etwa Jugend aus der Kindheit, Erwachsensein aus der Jugend ohne Unterbrechung hervorgeht“ (Elias (2009:127)).

2.2 Der Prozesscharakter des Menschen (Elias)

Die Hervorhebung der fortlaufenden und nicht sporadischen Entwicklung des Menschen ist eine der zentralen Aussagen von Norbert Elias Werken. Ein Beispiel aus seinem Buch „Was ist Soziologie?“ verdeutlicht den Gedanken: Man sagt, der Wind weht. Obwohl der Satz im Grunde richtig ist, wird dabei suggeriert, dass der Wind statisch wäre und existieren könne, ohne zu wehen. Dasselbe statische Bild entsteht, wenn man sagt, „der Mensch entwickelt sich“. Der Mensch wäre kein Mensch ohne Entwicklung. Viele unserer Ausdrücke sind nach diesem Muster aufgebaut und unterstützen damit die Vorstellung von Inaktivität. (Vgl. Elias, N. (2009: 127))

Elias hält es also für angemessener, sich den Menschen als Prozess vorzustellen, und nicht den Mensch in einem Prozess zu sehen. Dieses Verständnis nennt er den „Prozesscharakter des Menschen“ (Ebd. (2009:127)).

Wenn man die Tabelle des Psychoanalytikers Erik H. Erikson (s. Abb. 1) studiert, fällt auf, dass auch dort das ganze Leben eines Menschen in Entwicklungsphasen aufgeteilt wurde. Es gibt kein Lebensalter, in dem keine Entwicklung vorgesehen ist. Auch andere Psychologen entwarfen Entwicklungstabellen wie diese (vgl. Havighurst, R. (1948)), auch wenn ihnen die Bedeutung, die daraus hervorgeht, dass der Mensch ohne Entwicklung nicht existent wäre, und dass sie sich damit der Prozesscharaktertheorie Elias´ anschlossen, vermutlich zunächst nicht bewusst war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklungsaufgaben (Erikson, E. (1966))

3. Soziale Umwelteinflüsse

Das Modell (Abb.2) stellt die möglichen Arten von Beziehungsgefügen dar, die in der Entwicklungsphysiologie unterschieden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sieben Arten von Entwicklungsbegriffen (aus: Edelmann, 1980, 30)

Legende: 1: Anlage; 3: Umwelt; 5: Individuum; 2: Anlage und Umwelt; 4: Umwelt und Individuum; 6: Individuum und Anlage; 7: Wechselbeziehung zwischen allen Faktoren

Die drei Grundmöglichkeiten des Modells sind, dass Entwicklung durch die reine biologische Anlage beeinflusst wird, dass nur Umwelteinflüsse wirken, oder nur Einflüsse, die in dem Individuum stecken. Diese Modelle sind nicht realitätsgerecht, da, wie in dem Kapitel über die Definition von Entwicklung bereits deutlich wurde, das Zusammenspiel der Person mit ihrer Umwelt eine wichtige Rolle in der Entwicklung spielt. Auf der zweiten Ebene stehen die drei Möglichkeiten der Kombination von Anlage und Umwelt, Umwelt und Individuum und dem Individuum mit der Anlage. Auch diese Kombinationen werden dem realen Entwicklungsbegriff nicht gerecht, da jeweils eine Komponente fehlt. Die letzte Version (Nummer 7) beschreibt den wechselseitigen Zusammenhang von Anlage, Umwelt und Individuum.

Aufgrund der Vielfalt von entwicklungspsychologischen Ansätzen unterscheidet Trautner (1997:22) vier Gruppen von Entwicklungstheorien:

1. Biogenetische Entwicklungstheorien:

Diese Theorien sagen aus, dass die Entwicklung maßgeblich durch die biologischen Anlagen beeinflusst wird. Sie beschäftigen sich dementsprechend größtenteils mit den körperlichen Vorgängen.

4. Psychoanalytische Entwicklungstheorien: Hier wird die Thematik der Persönlichkeitsentwicklung durch exogene Faktoren, also sozialen Einflüssen, in Wechselwirkung mit den genetischen Einflüssen behandelt. Auch emotionale und triebgerichtete Vorgänge gehören zu diesem Themenbereich.

5. Lerntheorien der Entwicklung: Diese Annahmen drehen sich um Lernprozesse und Handlungsweisen auf sozialer Ebene. Die Entwicklung ist hiernach vornehmlich durch exogene Einflüsse gesteuert.

6. Kognitive Entwicklungstheorien: Der Gegenstand dieser Theorien ist der kognitive Lernprozess, der durch Interaktion mit Umwelterfahrungen und -einflüssen vorangetrieben wird. Entwicklung wird hier als „fortschreitender Aufbau der Erkenntnis“ (Trautner (1997: 22)) verstanden. (Vgl. Ebd. (1997:22))

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Typologie von Entwicklungstheorien (aus: Steinebach (2000: 25))

Abbildung 3 zeigt eine ähnliche Ordnung der Theorien. In dieser Darstellung wird zusätzlich die Trennung von aktiver und passiver Entwicklung gemacht. Dabei bedeuten die aktiven Ansätze, dass Einflüsse ausgeübt werden und die Passivität bedeutet Entwicklung aus der Veranlagung.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss sozialer Umweltfaktoren auf die Entwicklung des Menschen. Die Begriffe des „homo clausus“ und „homines aperti“ von Norbert Elias
Note
2,3
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V340175
ISBN (eBook)
9783668298644
ISBN (Buch)
9783668298651
Dateigröße
1054 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, umweltfaktoren, entwicklung, menschen, begriffe, norbert, elias
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Der Einfluss sozialer Umweltfaktoren auf die Entwicklung des Menschen. Die Begriffe des „homo clausus“ und „homines aperti“ von Norbert Elias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340175

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