Xenophilie als Passung von Merkmalen der Person und dem Stereotyp der Fremdgruppe

Empirisch-experimentelles Praktikum


Hausarbeit, 2015

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Senophilie als Passung von Merkmalen der Person und Merkmalen der Situation

Methoden
Stichprobe
Design
Messinstrumente
Durchführung

Ergebnisse
Deskriptive Statistik
Ergebnisse der Voranalysen
Hauptanalyse

Diskussion

Literatur

Zusammenfassung

Das Phänomen der Xenophobie weist eine lange Forschungstradition in der Sozialpsychologie auf. Hingegen ist das Phänomen der Xenophilie - die Attraktion zu Menschen aus anderen Kulturen - weitestgehend unerforscht. Diese Hausarbeit beschäftigte sich mit der Frage, wann der Kontakt zu Menschen aus anderen Kulturen als Bereicherung empfunden wird. 137 über- wiegend weibliche Studierende der FernUniversität Hagen nahmen an einem Online- Experiment teil. Es wurde untersucht, ob sich die Zufriedenheit mit Kontakt zu Menschen aus fremden Kulturen durch die Passung des Stereotyps einer Fremdgruppe mit den fünf indivi- duellen Kontaktmotiven des Contact Function Inventory (CFI-25) vorhersagen lässt. In dieser Studie wurde die Zufriedenheit mit Kontakt zu Menschen aus Uganda stellvertretend für den subsahara-afrikanischen Kulturkreis (within-subjects-Design) untersucht, der nach dem Stereotype Content Modell von Fiske, Cuddy, Glick und Xu (2002) paternalistische Vorurtei- le erzeugt. Auf Seiten der fünf Kontaktfunktionen hatte nur das Motiv Persönliches Wachs- tum einen Einfluss auf die Zufriedenheit mit Kontakt zu Menschen aus Uganda. Weitere Prä- diktoren stellten das Alter der Versuchspersonen und die wahrgenommene Gefährlichkeit Ugandas dar. Die Befunde weisen darauf hin, dass der Einfluss weiterer Faktoren erforscht werden sollte, um xenophiles Verhalten im Zeitalter der Globalisierung und zunehmend hete- rogener Gesellschaften besser zu erklären und zu fördern.

Xenophilie als Passung von Merkmalen der Person und Merkmalen der Situation

Xenophilie - die Attraktion zu Menschen aus anderen Kulturen - zeigt sich in vielen Berei- chen des menschlichen Zusammenlebens z.B. durch Neugier und Gastfreundlichkeit (Antweiler, 2009). Xenophiles Verhalten lässt sich unabhängig von xenophobem Verhalten - der Angst vor Menschen aus anderen Kulturen - beobachten. Es bedeutet also mehr als die bloße Abwesenheit von Xenophobie, mit der sich die sozialpsychologische Forschung bereits seit langem beschäftigt (Kumar, Seay, & Karabenick, 2011). Das Phänomen der Xenophilie ist hingegen weitgehend unerforscht. Diese Hausarbeit beschäftigte sich daher mit der Frage, wann der Kontakt zu Menschen aus fremden Kulturen als Bereicherung empfunden wird. Ei- ne Frage, die im Zeitalter zunehmend heterogener Gesellschaften an Bedeutung gewinnt.

Der funktionale Erklärungsansatz geht davon aus, dass das Verhalten einer Person davon abhängig ist, welche psychologischen Vorteile sich der Person durch den Kontakt mit Men- schen aus anderen Kulturen bieten (Snyder & Miene, 1994). Dieser Ansatz gilt auch für xeno- philes Verhalten. Auf drei Funktionen (instrumentelle Funktion, symbolische Funktion und soziale Anpassungsfunktion) aufbauend ermittelten Stürmer, Benbow und Barbarino (in press) mit dem Contact Function Inventory CFI-25 fünf individuelle Kontaktmotive.

Die Motive Persönliches Wachstum und Ö konomische Entwicklung haben instrumentellen Nutzen. Der Kontakt zu Menschen fremder Kulturen (Fremdgruppe) bietet Personen die Mög- lichkeit, neue Perspektiven, Wissen und Ressourcen zu generieren, die die Eigengruppe nicht oder in anderer Ausprägung bietet. Die Kontaktmotive Ausdruck eigener Werte und Positive Distinktheit erfüllen dagegen eine symbolische Funktion. Der kulturelle Austausch wird als Bereicherung empfunden, wenn eine Person ihre humanitären Werte (Toleranz, Gleichheit, Ablehnung von Diskriminierung) zum Ausdruck bringen kann. Ebenso wird der Kontakt als Bereicherung empfunden, wenn er der Person die Möglichkeit bietet, sich dadurch einzigartig zu fühlen und/oder sich positiv von der breiten Masse abzuheben. Die Soziale Anpas- sung(sfunktion) basiert auf dem Bedürfnis nach positiver, beständiger und gegenseitiger Zu- neigung und Zugehörigkeit zu Menschen. Dieses Motiv wird gestärkt, indem man einerseits die Werte, Regeln und Erwartungen dieser Personen teilt und andererseits Vorurteile gegen- über Menschen aufrecht erhält, zu denen man kaum oder gar nicht gehören wird (Baumeister & Leary, 1995).

Ein zweiter funktionaler Ansatz erklärt xenophiles Verhalten gegenüber Menschen fremder Kulturen durch die stereotype Wahrnehmung dieser Fremdgruppe. Stereotype entstehen durch die Interaktion von Menschen. Sie dienen der kognitiven Vereinfachung und werden dann herangezogen, wenn keine differenzierte Einschätzung des Gegenübers stattfindet. Fiske et al. (2002) ermittelten zwei Dimensionen (wahrgenommenes Wettbewerbsverhalten und Status der Fremdgruppe), die die wesentlichen Informationen über Personen zur Ersteindrucksbil- dung beinhalten. Die Dimension Wettbewerb beantwortet die Frage, ob andere Personen gute oder schlechte Absichten hegen. Fremdgruppen werden als warm empfunden, wenn sie nicht mit der Eigengruppe im Wettbewerb stehen. Die Dimension Status gibt Auskunft darüber, inwieweit andere Personen in der Lage sind, ihre Absichten umzusetzen. Fremdgruppen mit hohem Status werden als kompetent empfunden. Aus der Kombination von Status und Wett- bewerb ermittelten Fiske et. al mit dem Stereotype Content Model vier Stereotypen, die mit bestimmten Vorurteilen gegenüber Menschen aus fremden Kulturen einhergehen.

Bewundernde Vorurteile werden durch Fremdgruppen mit niedrigem Wettbewerb und ho- hem Status hervorgerufen. Diese Menschen werden als warm und kompetent angesehen und erzeugen Gefühle von Stolz, Respekt und Bewunderung. Zu dieser Gruppe gehört sowohl die Eigengruppe als auch nahe Verbündete . Verächtliche Vorurteile werden durch Fremdgruppen mit hohem Wettbewerb und geringem Status hervorgerufen. Diese Gruppen werden weder warm noch kompetent eingestuft. Aufgrund des hohen Wettbewerbs (z.B. um Ressourcen) und des niedrigen Status werden sie als Parasiten eines Systems betrachtet und erzeugen Ge- fühle von Ärger und Verachtung . Fremdgruppen mit hohem Wettbewerb und hohem Status werden dagegen als kalt aber kompetent wahrgenommen. Wegen des hohen Status und der geringen Wärme lösen sie gegensätzliche Gefühle aus, aus denen Vorurteile geprägt von Neid und Eifersucht entstehen. Fremdgruppen mit niedrigem Wettbewerb und geringem Status werden als warm und wenig kompetent angesehen. Sie erzeugen paternalistische Vorurteile. Auch hier handelt es sich um gegensätzliche Gefühle - Überlegenheit und Geringschätzung einerseits, Mitleid und Sympathie andererseits (Fiske, Xu, Cuddy, & Glick, 1999; Fiske et al., 2002; Katz & Hass, 1988).

Die vorliegende Hausarbeit ist Teil einer umfangreicheren Studie, die einem interaktionistischen Ansatz folgte, der o.g. Forschungsansätze miteinander in Verbindung brachte. Die zentrale Hypothese der gesamten Studie lautete: Je besser die Passung von individuellen Kontaktmotiven und den stereotypen Merkmalen einer Fremdgruppe, desto höher ist die Zufriedenheit mit dem Kontakt zu dieser Fremdgruppe.

Die gesamte Studie bestand aus vier Teilen, in denen jeweils einer der vier Stereotypen des Stereotype Content Models von Fiske et al. durch Manipulation aktiviert wurde. Diese Haus- arbeit bezog sich auf die Zufriedenheit mit dem Kontakt zu Menschen aus Uganda, stellver- tretend für subsahara-afrikanische Länder (paternalistische Vorurteile). Entsprechend wurde in den anderen drei Teilen die Zufriedenheit mit dem Kontakt zu Menschen aus den USA als Stellvertreter für angloamerikanische Länder (bewundernde Vorurteile), Algerien stellvertre- tend für arabisch-muslimische Länder (verächtliche Vorurteile) und China stellvertretend für süd- und ostasiatische Länder (Vorurteile geprägt von Neid und Eifersucht) ermittelt.

Die fünf spezifischen Hypothesen - bezogen auf Menschen aus Uganda - lauteten wie folgt: Je höher der Wert auf der Skala Persönliches Wachstum, desto höher ist die Zufrieden- heit mit dem Kontakt. Aufgrund des geringen Status erzeugen Menschen aus Uganda ambiva- lente Gefühle. Der Kontakt ist herausfordernder und bietet damit mehr Möglichkeiten, neue Perspektiven zu entwickeln.

Je höher der Wert auf der Skala Ö konomische Entwicklung, desto niedriger ist die Zufriedenheit mit dem Kontakt. Durch den niedrigen Status bieten Menschen aus Uganda wenig Ressourcen, die zur ökonomischen Entwicklung einer Person beitragen.

Je höher der Wert auf der Skala Ausdruck eigener Werte, desto höher ist die Zufriedenheit mit dem Kontakt. Aufgrund ihres niedrigen Status werden Menschen aus Uganda eher als inkompetent und bedürftig empfunden. Eigene humanitäre Werte wie Toleranz, Gleichheit sowie Ablehnung von Diskriminierung lassen sich somit gut zum Ausdruck bringen.

Je höher der Wert auf der Skala Positive Distinktheit, desto höher ist die Zufriedenheit mit dem Kontakt. Da Menschen aus Uganda nicht im Wettbewerb zur Eigengruppe stehen, bieten sich einer Person mehr Möglichkeiten, Hilfe anzubieten und sich dadurch einzigartig zu fühlen oder sich positiv vom Mainstream abzuheben.

Je höher der Wert auf der Skala Soziale Anpassung, desto höher ist die Zufriedenheit mit dem Kontakt. Aufgrund des niedrigen Status und Wettbewerbs werden Menschen aus Uganda weder als kontrovers noch feindlich empfunden. Der Kontakt zu Menschen aus Uganda ge- fährdet also nicht die soziale Anpassung an die Werte und Normen der Eigengruppe (Stürmer et al., in press).

Methoden

Stichprobe

Hundertfünfundfünfzig Studierende der FernUniversität Hagen des Studiengangs B. Sc. Psychologie wurden über das virtuelle Labor des Instituts Psychologie rekrutiert. Ausge- schlossen wurden Teilnehmer mit inkonsistenten Bearbeitungszeiten (Reips, 2002). Ebenso wurden Versuchspersonen ausgeschlossen, die sie sich nicht dem angloamerikanischen, deutschsprachigen, nord- oder westeuropäischen Kulturkreis zugehörig fühlten oder keine Angaben zu kultureller Zugehörigkeit und zur Staatsangehörigkeit machten. In beiden Fällen konnte nicht sichergestellt werden, dass die Manipulation erfolgreich war. Es wurden 18 Fälle ausgeschlossen, so dass die endgültige Zahl der Teilnehmenden 137 betrug. In der Stichprobe überwog der Anteil der Frauen mit 84.4 Prozent (114 Frauen, 21 Männer, 2 keine Angabe). Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 32.37 Jahren (SD = 10.37 Jahren, Spannweite = 18 bis 64 Jahre). 32.1% der Teilnehmer war nicht berufstätig, 24.1% arbeitete im sozialen, erzie- henden oder pflegerischen Bereich. Der geringste Anteil entfiel auf Versuchspersonen aus dem praktisch-technischen Bereich (4.4%). Die restlichen Versuchspersonen verteilten sich auf andere Berufsgruppen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer bezog ein monatliches Ein- kommen bis maximal 1.500 Euro (56.9%). Kein Einkommen verzeichneten 10.2% der Ver- suchspersonen, 2.2% verdienten über 6.000 Euro. Eine Versuchsperson hatte bereits Erfah- rungen mit Uganda gemacht, 18.2% Erfahrungen mit subsahara-afrikanischen Ländern (ja = 25, nein = 109, keine Angabe = 3). Eine Reise nach Uganda wurde von 56.3% der Versuchs- personen als gefährlich eingestuft (ja = 76, nein = 59, keine Angabe = 2). 29.2% der Teilneh- mer hatten bereits an dieser oder einer ähnlichen Studie teilgenommen.

Design

In einem Online-Fragebogen wurden zunächst als unabhängige Variablen die fünf Kontaktfunktionen des CFI-25 erfasst. Anschließend erfolgte im Rahmen eines 2 (Status: hoch vs. niedrig) x 2 (Wettbewerb: hoch vs. niedrig) between-subjects-Design die Manipulation des Stereotyps der Fremdgruppe und deren Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit Kontakt im Vergleich zu den Stereotypen der anderen drei Gruppen. Probanden wurden zufällig einer der vier Bedingungen zugeteilt. Diese Hausarbeit beschränkte sich auf die Bedingung geringer Wettbewerb und niedriger Status (within-subjects-Design).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Xenophilie als Passung von Merkmalen der Person und dem Stereotyp der Fremdgruppe
Untertitel
Empirisch-experimentelles Praktikum
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V340580
ISBN (eBook)
9783668300965
ISBN (Buch)
9783668300972
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
xenophilie, passung, merkmalen, person, stereotyp, fremdgruppe, empirisch-experimentelles, praktikum
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Xenophilie als Passung von Merkmalen der Person und dem Stereotyp der Fremdgruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340580

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