Schon vor der französischen Revolution kam es im 17. Jahrhundert in England zu gravierenden politischen Umwälzungen. Wie selbstverständlich werden auch diese politischen Umbrüche als Revolution bezeichnet. Dabei ist sogar in der fachwissenschaftlichen Literatur eine klare und eindeutige Definition zu diesem laut Enzmann (2013: 206) sehr „facettenreichen Phänomen“ schwer zu finden.
Eine präzise Definition des Begriffs, ist jedoch essentiell wichtig zur Einordnung, Beurteilung und Analyse eines politischen Ereignisses. Oft bleibt nämlich unklar, ob es sich bei einem bestimmten politischen Ereignis tatsächlich um eine Revolution handelt oder ob zur Beschreibung dieses Ereignisses besser eines dem Begriff Revolution verwandtes Wort, wie etwa Aufstand, Rebellion, Staatsstreich, Reform, Protest, Widerstand, Invasion genutzt werden sollte. Auch aufgrund der fehlenden allgemein anerkannten Definition sind sich viele Autoren uneinig darüber, ob es sich bei den angesprochenen historisch bedeutenden politischen Umwälzungen, die den Begriff Revolution im Namen tragen, tatsächlich um Revolutionen handelt oder nicht.
Das Ziel dieser Arbeit ist daher eine kritische Überprüfung der Ereignisse vorzunehmen. Dafür werden im ersten Schritt zunächst die historisch-politischen Ereignisse beschrieben. Anschließend wird sich die Arbeit ausführlich mit der revolutionstheoretischen Einordnung des Begriffs Revolution beschäftigen. Es wird also zu klären sein, welche Bedingungen, Kriterien, Merkmale erfüllt sein müssen, um bei einem umwälzenden politischen Ereignis tatsächlich von Revolution sprechen zu können.
Aus verschiedenen Definitionen und revolutionstheoretischen Überlegungen aus der Fachliteratur werden nach dem Prinzip der größten Schnittmenge besonders häufig genannte Bedingungen und Kernmerkmale für eine Revolution hergeleitet und als hinreichende oder notwendige Bedingung gekennzeichnet. Im dritten Schritt wird dann die Bedingungsanalyse folgen. Diese wird dazu dienen die zuvor herausgearbeiteten Bedingungen mit den Ereignissen in England abzugleichen und zu prüfen, ob die Ereignisse die aus Sicht der modernen Revolutionsforschung an eine an eine Revolution gestellten Bedingungen erfüllen oder nicht. Hieraus kann dann abschließend geschlussfolgert werden, ob es vor diesem Hintergrund formal zutreffend oder unzutreffend ist die Ereignisse als Revolution zu kategorisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Englands politische Umwälzungen im 17. Jahrhundert
2.1 Der erste große politische Umbruch (1629–1660): Die sog. puritanische Revolution
2.2. Der zweite große politische Umbruch (1688–1689): Die sog. glorreiche Revolution
3. Theoriesynthese: Begriffsdefinition und Herleitung der an eine Revolution gestellten Bedingungen aus der Revolutionsforschung
3.1 ‚Ergebnis‘ als übergeordnete Bedingungskategorie von Revolutionen
3.2 ‚Akteure‘ als übergeordnete Bedingungskategorie von Revolutionen
3.3 ‚Mittel, Motivation, Organisation‘ als übergeordnete Bedingungskategorie von Revolutionen
3.4 Prozesse und Ereignisse als übergeordnete Bedingungskategorie von Revolutionen
3.5 Zwischenfazit: Eigene Definition von Revolution
4. Bedingungsanalyse und Schlussfolgerungen
4.1 Bedingungsanalyse und Schlussfolgerungen zum ersten großen politischen Umbruch (1629–1660)
4.2 Bedingungsanalyse und Schlussfolgerungen zum zweiten großen politischen Umbruch (1688–1689)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung der englischen politischen Umwälzungen im 17. Jahrhundert, um festzustellen, ob diese Ereignisse anhand theoretischer Kriterien der modernen Revolutionsforschung als Revolutionen kategorisiert werden können.
- Herleitung einer präzisen, theoriegeleiteten Arbeitsdefinition von "Revolution"
- Analyse der Ereignisse der puritanischen Revolution (1629–1660) anhand von Bedingungskategorien
- Untersuchung der glorreichen Revolution (1688–1689) im Kontext revolutionstheoretischer Maßstäbe
- Gegenüberstellung und Bewertung der Umbruchsprozesse als Revolution vs. Machtkonflikt
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des Revolutionsbegriffs auf die englische Geschichte
Auszug aus dem Buch
3. Theoriesynthese: Begriffsdefinition und Herleitung der an eine Revolution gestellten Bedingungen aus der Revolutionsforschung
Nach der Beschreibung der Ereignisse, folgt nun die theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Revolution. Wie lässt sich der Begriff präzise und trennscharf definieren und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein politischer Umbruch als Revolution gelten kann? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach, denn Revolution als Konzept, bei dem viele verschiedene Faktoren und Wechselwirkungen eine Rolle spielen (Enzmann2013: 213; Lawson2016: 110,112), ist nur schwer greifbar (Harrison2014:1673;vgl. Motyl1999:23).
Etymologisch betrachtet stammt der Begriff Revolution aus dem spätlateinischen und bedeutet allgemein „Zurückwälzen, Umdrehung, Umwälzung“ (o.A. 1998, S.563; vgl. Wende 2000: 10-14). Es ist ein vielfältig verwendeter Begriff, der durch die heutzutage inflationär hohe Verwendung – ein kurzer Blick in Populärmedien genügt – inzwischen sehr verwässert ist. Eine allgemeine aber für eine politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff auch noch zu ungenaue Definition, welche wohl aber gerade deshalb das Alltagsverständnis von Revolution widerspiegelt, findet sich bei Waschkuhn (2002: 380), der in einer Revolution „eine Umwälzung oder Veränderung tiefgreifender Art“ sieht und damit im Grunde den kleinsten gemeinsamen Nenner der unzähligen Definition auf den Punkt bringt.
Durchforstet man die zahlreichen Definitionen und theoretischen Ausführungen unterschiedlicher Autoren zum politischen Begriff Revolution, so lassen sich im Grunde vier übergeordnete Bedingungskategorien für die Entscheidung, ob es sich bei einem umwälzenden politischen Ereignis um eine Revolution handelt oder nicht, erkennen: (1) Ergebnis, (2) Akteure, (3) Mittel – Motivation – Organisation, (4) Prozesse – Ereignisse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik einer fehlenden einheitlichen Revolutionsdefinition und legt das Ziel der kritischen Überprüfung der englischen Umbrüche des 17. Jahrhunderts fest.
2. Englands politische Umwälzungen im 17. Jahrhundert: Das Kapitel liefert einen wertneutralen historischen Überblick über die puritanische Revolution (1629–1660) und die glorreiche Revolution (1688–1689).
3. Theoriesynthese: Begriffsdefinition und Herleitung der an eine Revolution gestellten Bedingungen aus der Revolutionsforschung: Hier werden vier zentrale Bedingungskategorien – Ergebnis, Akteure, Mittel/Motivation/Organisation sowie Prozesse/Ereignisse – aus der Fachliteratur extrahiert, um eine eigene Arbeitsdefinition zu formulieren.
4. Bedingungsanalyse und Schlussfolgerungen: Auf Basis der hergeleiteten Definition erfolgt die Überprüfung beider historischer Umbrüche, wobei differenziert wird, ob diese als Revolution oder Machtkonflikt einzustufen sind.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass lediglich die glorreiche Revolution die Kriterien einer Revolution vollständig erfüllt, während der erste Umbruch primär als Bürgerkrieg zu werten ist.
Schlüsselwörter
Revolution, puritanische Revolution, glorreiche Revolution, England, 17. Jahrhundert, Bedingungsanalyse, Revolutionsforschung, Oliver Cromwell, James II., Machtkonflikt, Volkssouveränität, politische Umwälzung, Elitenwechsel, Bill of Rights, Staatsstreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die beiden großen politischen Umbrüche in England im 17. Jahrhundert unter dem Gesichtspunkt, ob sie nach wissenschaftlichen Standards als "Revolutionen" bezeichnet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die politikwissenschaftliche Revolutionsforschung, die englische Geschichte des 17. Jahrhunderts sowie die theoretische Herleitung von Kriterien für revolutionäre Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine kritische Überprüfung, ob die Ereignisse von 1629–1660 und 1688–1689 die theoretischen Bedingungen einer Revolution erfüllen oder eher als Machtkonflikte oder Bürgerkriege zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete Bedingungsanalyse angewendet, bei der nach dem Prinzip der größten Schnittmenge aus der Fachliteratur Kriterien extrahiert und auf die historischen Ereignisse angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Theoriesynthese zur Definition von Revolutionen sowie die detaillierte Bedingungsanalyse der beiden englischen Umbrüche im Vergleich zu diesen theoretischen Kriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Revolution, puritanische Revolution, glorreiche Revolution, England 17. Jahrhundert, Bedingungsanalyse, politische Umwälzung und Elitenwechsel.
Warum wird die puritanische Revolution im Fazit kritisch betrachtet?
Da zentrale Bedingungen wie die Neutralität der Sicherheitskräfte nicht erfüllt wurden und der Umsturz militärisch durch einen Bürgerkrieg erzwungen wurde, stuft der Autor sie eher als Bürgerkrieg denn als Revolution ein.
Warum gilt die glorreiche Revolution als "erste moderne Revolution"?
Die Arbeit verweist auf Pincus, wonach die glorreiche Revolution durch die Etablierung moderner staatlicher Prinzipien und die Erfüllung der theoretischen Kriterien als erste moderne Revolution der Geschichte angesehen werden kann.
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- Saleem Arif (Author), 2016, Die englische(n) Revolution(en) im 17. Jahrhundert. Kritische Überprüfung der Ereignisse durch eine theoriegeleitete Bedingungsanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340628