Heinrich Schütz hat zwei Vertonungen des Kirchenliedes Verleih uns Frieden konzipiert: Zum einen diese, welche in die Symphoniae sacrae II (1647) eingebunden wurde, zum anderen jene, welche in Form der vierten Motette in der Geistlichen Chormusik (1648) wiederzufinden ist. Diese Tatsache bietet eine gute Arbeitsgrundlage, um die verschiedenen Kompositionstechniken der zwei Fassungen zu analysieren und sie schlussendlich miteinander zu vergleichen.
Somit setzt sich diese Arbeit das übergeordnete Ziel, den großen Stilwandel um 1600 zu untersuchen, um anhand der dadurch gewonnen Ergebnisse Rückschlüsse auf die Entwicklung des Text-Ton-Verhältnisses in Schütz’ Werken ziehen zu können.
Der Arbeit liegen hierbei vorrangig zwei Werke zu Grunde: zum einen die Komponisten-biographie von Martin Gregor-Dellin und zum anderen die im Jahre 2015 erschienene Werkeinführung zur Geistlichen Chormusik des Hamburger Musikwissenschaftlers Sven Hiemke.
Über das gesteckte Ziel dieser Arbeit hinausgehend, lässt sich in der Forschung ein Trend ausmachen, welcher versucht, die Veröffentlichung der Geistlichen Chormusik und das Ende des Dreißigjährigen Krieges in Verbindung zu setzen. Somit gelte die Motette Verleih uns Frieden in diesem Kontext als Schütz’ musikalischer Kommentar auf den sich herauskristallisierenden Westfälischen Frieden im Jahre 1648 .
Inhaltsverzeichnis
Aufgabe 1: Ein Programmhefttext
Aufgabe 2: Heinrich Schütz - Verleih uns Frieden SWV 354 & 372
Der Wandel vom stile antico zum stile moderno und seine Auswirkungen auf das Text-Ton-Verhältnis
1. Einführung
2. Analysen
2.1 Die Kirchenweise Verleih uns Frieden
2.2 Musikalische Analyse von SWV 372
2.3 Musikalische Analyse von SWV 354
3. Musikhistorische Einordnung
3.1 Stilgeschichte
3.2 Das Text-Ton-Verhältnis
4. Gattungsgeschichtliche Terminologie
4.1 Die Motette
4.2 Das Geistliche Konzert
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des musikalischen Stilwandels um 1600 anhand zweier Vertonungen von Heinrich Schütz. Dabei wird analysiert, wie sich der Übergang vom stile antico zum stile moderno auf das Text-Ton-Verhältnis in den Werken "Verleih uns Frieden" auswirkt, um Rückschlüsse auf die kompositorischen Entwicklungen des 17. Jahrhunderts zu ziehen.
- Vergleich der Kompositionstechniken in unterschiedlichen Gattungen
- Analyse des Einflusses des Stilwandels um 1600 auf Schütz' Schaffen
- Untersuchung des Text-Ton-Verhältnisses als zentrales Ausdrucksmittel
- Kontrastierung von polyphoner Motette und monodischem Geistlichen Konzert
Auszug aus dem Buch
2.2 Musikalische Analyse von SWV 372
In Hinblick auf das eben beschriebene Kirchenlied kann man nun Schütz Kompositionen, die aus diesem Basismaterial entstanden sind, analysieren.
Das Werk aus der Geistlichen Chormusik 1648 (SWV 372) ist fünfstimmig komponierte Vokalmusik mit notiertem, allerdings nicht ausgesetztem Generalbass. Das Stück weist eine sehr engmaschige, flächige Struktur auf, welche zur Folge hat, dass es nahezu unmöglich scheint, die Musik horizontal zu gliedern. Dieser Aufbau kommt zu Stande, da Schütz die Verszeilen fließend ineinander übergehen lässt, anstatt den Enden einzelner Phrasen mittels eines homophonen Einschnitts deutliche Zäsuren zu verleihen. Somit kann lediglich der Text herangezogen werden, um eine formale Einteilung der Motette vorzunehmen.
Davon ausgehend ist festzustellen, dass die Verszeilen 1+2 sowie 4+5 miteinander verwoben sind, während die dritte isoliert zwischen ihnen steht. Dies könnte als Indikator gewertet werden, aus dem sich ein dreiteiliger Aufbau des Stückes ableiten ließe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, den Stilwandel um 1600 anhand von zwei Schütz-Vertonungen zu untersuchen und deren Auswirkung auf das Text-Ton-Verhältnis zu bestimmen.
2. Analysen: Hier werden die musikalischen Strukturen der Kirchenweise sowie der beiden spezifischen Schütz-Vertonungen (SWV 372 und SWV 354) detailliert analysiert und miteinander verglichen.
3. Musikhistorische Einordnung: Dieses Kapitel bettet die Ergebnisse in den größeren Kontext der Musikgeschichte ein und beleuchtet die Begriffe stile antico und stile moderno sowie deren Bedeutung für das Text-Ton-Verhältnis.
4. Gattungsgeschichtliche Terminologie: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung der Begriffe Motette und Geistliches Konzert als musikalische Gattungen im 17. Jahrhundert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Vergleich der beiden Werke trotz unterschiedlicher stilistischer Zuordnungen die prägende Kraft des Stilwandels auf das kompositorische Handeln von Schütz belegt.
Schlüsselwörter
Heinrich Schütz, Verleih uns Frieden, stile antico, stile moderno, Geistliche Chormusik, Symphoniae sacrae, Text-Ton-Verhältnis, Motette, Geistliches Konzert, Kontrapunkt, Monodie, Musikgeschichte, 17. Jahrhundert, Kompositionstechnik, Figurenlehre
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt zwei Vertonungen des Kirchenliedes "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz, um den musikhistorischen Stilwandel um 1600 zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Kontrast zwischen stile antico und stile moderno sowie die Analyse von kompositorischen Techniken in Motetten und Geistlichen Konzerten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Stilwandel um 1600 zu untersuchen und anhand der Analyseergebnisse Rückschlüsse auf das Text-Ton-Verhältnis in den Werken von Schütz zu ziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse musikalischer Strukturen und bezieht sich dabei auf musikwissenschaftliche Fachliteratur und Werkeinführungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse des Ausgangsmaterials, die detaillierte Untersuchung der beiden Schütz-Vertonungen, eine stilgeschichtliche Einordnung sowie terminologische Erklärungen zu den Gattungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie stile antico, stile moderno, Geistliche Chormusik, Text-Ton-Verhältnis und Kompositionstechnik geprägt.
Warum spielt das "Text-Ton-Verhältnis" eine so große Rolle in der Untersuchung?
Weil Schütz als Komponist bekannt dafür ist, den Text durch musikalische Figuren und Strukturen intensiv auszudeuten, was ein Schlüssel zum Verständnis seines Stils ist.
Wie unterscheidet sich die Vertonung in der Geistlichen Chormusik von der in den Symphoniae sacrae?
Während die Motette aus der Geistlichen Chormusik dem stile antico mit strenger Polyphonie zugeordnet wird, repräsentiert die Fassung in den Symphoniae sacrae den stile moderno mit monodischen Elementen.
Welche Rolle spielt der Dreißigjährige Krieg für das Verständnis der Kompositionen?
Die Arbeit diskutiert, inwiefern Schütz die unruhigen Zeiten durch "aufgewühlte" musikalische Gestaltung oder gezielte Kontraste in der Vertonung als Kommentar auf die Zeitgeschichte nutzt.
- Quote paper
- Christoph Platzek (Author), 2016, Der Wandel vom stile antico zum stile moderno und seine Auswirkungen auf das Text-Ton-Verhältnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340700