Mögliches Therapieschema einer altersbedingten Gonarthrose eines Gesundheitssportlers

Nach dem Therapiemodell von Hannspeter Meier


Studienarbeit, 2015
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Analyse
2.1 Zielgruppenanalyse
2.2 Spezifische Zielgruppenanalyse
2.2.1 Patientenanalyse
2.2.2 Krankheitsbild
2.2.3 Physiologische Veränderungen
2.3 Bedingungsanalyse

3 Lang- und mittelfristige Therapieplanung
3.1 Langfristige Planung
3.2 Gesamtzielstellung für den Patienten
3.3 Ziele und Inhalte der einzelnen Therapiephasen

4 Kurzfristige Planung der einzelnen Therapiephasen
4.1 Therapiephase 1 – Automobilisation
4.2 Therapiephase 2 – Anbahnung
4.3 Therapiephase 3 – Ausdauer und Kraftausdauer
4.4 Therapiephase 4 – Hypertrophie
4.5 Therapiephase – Umsetzung
4.6 Therapiephase 6 - Spezialisierung

5 Weiterer Verlauf und Ausblick

6 Quellenverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Nicht zuletzt aufgrund des steigenden Anteils älterer Menschen in unserer Gesellschaft leiden immer mehr Menschen an Arthrose, wobei das Knie das am meisten betroffene Gelenk im menschlichen Körper darstellt. Deshalb kommt die Behandlung von chronisch-degenerativen Gelenkerkrankungen wie der Gonarthrose (Kniearthrose) eine immer größeren Bedeutung zu (vgl. Merk et al., 2011). In den letzten Jahrzehnten hat ein Umdenken hinsichtlich des Umgangs mit Arthrose stattgefunden, weg von Schonung des betroffenen Gelenks und hin zu aktiven Rehabilitationsmaßnahmen, wobei sich im Besonderen die Sporttherapie bewährt hat. Dies ist auch dadurch bedingt, dass viele Menschen auch im höheren Alter noch Ziele verfolgen, die eine hohe Aktivität und Mobilität voraussetzen, wie beispielsweise das Reisen (Merk & Horstmann, 2013). Eine professionelle Trainingstherapie hat sich bei der Behandlung von Kniegelenksarthrose fest etabliert und folgt mittlerweile festen trainingspraktischen Grundsätzen und Inhalten, wonach sich die Trainingstherapie richtet.

Diese Arbeit gibt einen Überblick über ein beispielhaftes Behandlungs- und Therapieschema, welches sowohl die lang- und mittelfristige Planung, als auch die kurzfristige Planung mit konkreten Übungen und Belastungsnormativen miteinbezieht. Dafür wird zunächst einmal eine konkrete Zielgruppenanalyse erstellt, welche ein genaues Bild der Zielperson sowie das genaue Krankheitsbild beschreibt. Umgesetzt wird das Therapieschema auf Basis des 6-Phasenmodells der Medizinischen Trainingstherapie von Hannspeter Meier (1997), welches eine genaue Differenzierung der einzelnen Therapieabschnitte und deren Inhalte vorsieht, um optimale Fortschritte zu gewährleisten.

2 Analyse

In den folgenden Abschnitten wird eine genaue Analyse der Gegebenheiten vorgenommen in Bezug auf die Zielgruppe und die konkrete zu behandelnde Person, auf das Krankheitsbild sowie auf die Bedingungen und die Umgebung während der Therapie. Die Studienarbeit befasst sich mit einem möglichen Therapiemodell zu einer Arthrose im fortgeschrittenen Stadium in den Kniegelenken eines 55-jährigen Mannes und Gesundheitssportlers. Im Sinne der Medizinischen Trainingstherapie werden hinsichtlich der Erstellung des Therapieplans alle Kriterien beachtet, die die Inhalte, die Methodik und Didaktik maßgeblich beeinflussen.

2.1 Zielgruppenanalyse

Eine Arthrose ist die degenerative Zerstörung des Gelenkknorpels der knöchernen Gelenkanteile, wobei die knorpeligen Strukturen verkalken und sich Knochenvorsprünge (Osteophyten) bilden, wodurch das Gelenk insgesamt inkongruent wird und sich der gelenkspalt meist verschmälert. Ursachen für eine Arthrose sind meist die physiologische Knochenalterung, infektöse und rheumatische Erkrankungen, allgemeine Instabilität, chronische Fehl- oder Überlastung oder auch chronische Fehlformen, wie beispielsweise verschobene Beinachsen (vgl. Buchbauer & Steininger, 2008, S. 251).

Bei einem Verschleiß des Kniegelenks liegt allgemein ein Missverhältnis zwischen Belastbarkeit des Knorpels und der auf ihn wirkenden Beanspruchung zugrunde, wobei der Knorpel aufraut und die Gelenkschleimhaut gereizt wird. Infolge dessen kommt es zu Entzündungsreaktionen im Gelenk. Allgemein können Menschen entweder von einer primären oder einer sekundären Arthrose in jedem Gelenk des Körpers, in diesem Fall des Knies, betroffen sein. Die primäre Arthrose ist ein altersbedingter Verschleiß der Gelenkflächen, bei der sekundären Arthrose handelt es sich um einen angeborenen oder erworbenen Schaden, beispielsweise durch Inkongruenz der Gelenkpartner, Wachstumsstörungen, posttraumatische Zustände, Achsenfehlstellungen oder auch durch beeinflussende Krankheiten entstehen. Arthrose im Knie äußert sich in morgendlichen Anlaufschmerzen, Schmerzen, die schubweise auftreten sowie Einschränkungen der Beweglichkeit. Im Laufe des Krankheitsverlaufs nimmt der Arthroseschmerz zu und beeinflusst den Alltag entscheidend, so dass motorische Hauptbeanspruchungsformen negativ beeinflusst werden. (Diemer & Sutor, 2011; Hassenpflug, 2007). Hassenpflug (2007) präzisiert:

„Die ‚langsame‘ (tonische) Muskulatur kontrahiert, die ‚schnelle‘ (phasische) Muskulatur dekonditioniert. Muskuläre Dysbalancen sind die Folge. Es kommt zu einer verminderten Beweglichkeit. Die Propriozeption verschlechtert sich, was letzten Endes einen negativen Einfluss auf die Koordination haben kann. Aber auch die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-systems verschlechtert sich durch den Bewegungsmangel der Patienten.“

Diese Beeinträchtigungen führen nicht zuletzt zu sozialer Isolation und zu einer negativen Beeinflussung des kompletten Arbeit- und Alltags, wobei es auf psycho-sozialer Ebene zu Bewegungs- und Belastungsangst, zu eingeschränkter Bewegungsspontanität, Leistungsverlust, Bedrohung wirtschaftlicher Existenz und Frühberentung kommen kann (Schüler & Huber, 2004).

2.2 Spezifische Zielgruppenanalyse

Neben allgemeinen Informationen zur „Volkskrankheit“ Arthrose sind zur Behandlungs- und Therapieplanung noch die spezifischen Informationen zum Patienten erforderlich, um nicht nur trainingsmethodisch, sondern auch pädagogisch-didaktisch zielgerichtet arbeiten zu können. Deshalb erfolgt in den nächsten Abschnitten eine genaue Beschreibung des Patienten sowie eine genaue Analyse des vorliegenden Verletzungsbildes. In diesem Fallbeispiel handelt es sich um einen 55 jährigen Mann, Herr K., der bereits seit 10 Jahren unter Schmerzauftreten, aufgrund von medialer und lateraler Arthrose in beiden Knien leidet. Aufgrund der zusätzlichen O-Beinstellung (Genu varum) ist die Arthrose medial stärker ausgeprägt (vgl. Diemer & Suter, 2011, S. 334).

2.2.1 Patientenanalyse

Der Patient Herr K. spielte bis zu seinem 40 Lebensjahr Fußball. Er gibt selber an, keinen Ausgleichssport und zusätzliches Beweglichkeitstraining betrieben zu haben. Aufgrund dessen verkürzte die Hüft- und Beinmuskulatur (insbesondere Wadenmuskulatur, Beinbeuger und –strecker, Hüftbeuger) immer mehr. Im Alter von 40 Jahren und ersten auftretenden Knieschmerzen gab der Patient das Fußballspielen auf und ist seitdem sportlich inaktiv. In den letzten Jahren folgte eine Gewichtszunahme von 80 auf 105 kg bei einer Körpergröße von 1,83 m. Herr K. ist verheiratet und hat zwei Kinder sowie einen Enkel, der selbst gerne sportlich aktiv ist. Aktivitäten mit seiner Familie kommen für ihn zu kurz, da er durch seine Kniearthrose sehr eingeschränkt in Bezug auf Freizeitaktivitäten ist. Den Weg zur Arbeit legt er nicht mehr mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto zurück. Die Freizeitgestaltung des Patienten beschränkt sich größtenteils auf sitzende Tätigkeiten. Als Resultat der fortschreitenden Isolierung in den letzten 10 Jahren leidet Herr K. immer wieder unter depressiven Phasen, während sich der Schmerz in den Kniegelenken von Jahr zu Jahr verschlimmert hat. Da er bis zur Entstehung der Arthrose stets sportlich war, gute konditionelle und koordinative Fähigkeiten aufwies, ist die momentane Situation für ihn umso frustrierender. Vor drei Jahren ließ er sich bereits per Arthroskopie an beiden Knien operieren. Dabei wurden die Gelenke gespült, die Knorpel glattgeschliffen und die Osteophyten im Gelenkspalt abgetragen (Kolster, B., Van den Berg, F. & Wolf, U., 2003)

2.2.2 Krankheitsbild

Bei dem hier dargestellten Fall handelt es sich um eine sekundäre Arthrose durch einen erworbenen Schaden. Die Arthrose entstand durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastungsfähigkeit beiden Kniegelenke, vor allem bedingt durch das jahrzehntelange Fußballspielen und die einseitige Belastung. Daraus entwickelte sich eine Beinachsenfehlstellung. Die O-Bein-Stellung (Genu varum), mangelhafte Beweglichkeit und muskuläre Dysbalancen führten zu einer Arthrose beider Kompartiments des Kniegelenks, wobei das mediale Kompartiment bedingt durch die Achsenfehlstellung besonders betroffen ist. Zudem verschlimmerte sich die Arthrose durch eine starke Gewichtszunahme in der Zeit nach dem Sport und der damit einhergehenden erhöhten Belastung auf das Kniegelenk. Jahre nach der letzten Arthroskopie ist der Knorpel wieder abgerieben und es bildeten sich Osteophyten. Verstärkt am medialen Kompartiment beiden Knie ist das knorpelmaterial sehr dünn und eingerissen. Die Knie sind geschwollen.

2.2.3 Physiologische Veränderungen

Die fortgeschrittene Arthrose geht mit vielen Einschränkungen einher. Das Kniegelenk ist hypomobil, Flexion und Extension sind eingeschränkt. Die Muskulatur der unteren Körperhälfte ist bedingt durch die Bewegungseinschränkung atrophiert, dazu zählt insbesondere der m. quadriceps, womit eine Abschwächung der Muskulatur einhergeht. Aus den muskulären Dysbalancen resultierende Fehlhaltungen führen längerfristig zu Muskelverkürzungen. Außerdem liegt beim Patienten eine gestörte Propriozeption vor. Der Patient leidet sowohl an Bewegungsschmerzen, den sogenannten „Anlaufschmerzen“, als auch an Schmerzen in Ruhe, da sich die Arthrose in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Besonders am Morgens tritt Steifigkeit und ein Blockierungsgefühl auf (Diemer & Sutor, 2011; Hassenpflug, 2007; Buchbauer & Steininger, 2008). Durch den daraus entstehenden Bewegungsmangel kommt es zur weiteren Abschwächung der Muskulatur, zu einer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit des kardiovaskulären Systems und zu. Bei einer Gonarthrose ist eine medizinische Trainingstherapie indiziert, sofern der Sport regelmäßig und maßvoll betrieben wird (Hassenpflug, 2007). Studien zeigen, dass durch eine Trainingstherapie Kraftzuwächse von bis zu 35 % erzielt werden können. Darüber hinaus kam eine Studien von Fisher und Pendergast zu dem Ergebnis, dass eine Trainingstherapie mit einbegriffenem Krafttraining bei 90 % der betroffenen Menschen zu einer Schmerzlinderung führte (Merk, 2005, S. 20).

2.3 Bedingungsanalyse

Der Patient wird in den Räumlichkeiten eines Gesundheitssportvereins betreut. In den Räumlichkeiten, die auf Sporttherapie ausgelegt sind, befinden sich folgende Trainingsmöglichkeiten:

- Gewichtsmanschetten
- Großgeräte (Beinbeuger/ -strecker, Rückenextension etc.) – Kabelzüge - „Redcord“ Schlingentrainer
- Kurzhanteln
- Kleingeräte wie Deuser-Bänder, große und kleine Gymnastikbälle
- Matten und Bänke

Der Gesundheitssportverein ist an ein Zentrum für Sportmedizin angeschlossen, wo eine aufwendige Leistungsdiagnostik möglich ist. Vor Beginn der Therapie wird der Patient zunächst einmal orthopädisch untersucht. Zudem überprüft ein Sportwissenschaftler im Vorfeld die Beweglichkeit des Patienten. Die Therapie erfolgt unter Aufsicht eines Sportwissenschaftlers oder Physiotherapeuten.

3 Lang- und mittelfristige Therapieplanung

In den folgenden Abschnitten werden die Abschnitte der Sporttherapie, deren allgemeine Ziele wobei die spezifischen Inhalte und Ziele der einzelnen Rehaabschnitte erläutert. Generell ist eine Sporttherapie beim Krankheitsbild der Kniearthrose indiziert. In vielen Beiträgen der Fachliteratur wird darauf hingewiesen, dass eine Sporttherapie immer eine mehrdimensionale Therapie ist, die sich deutlich von der Bewegungstherapie unterscheidet, die ausschließlich auf die Verbesserung der motorischen Hauptbeanspruchungsformen abzielt. Merk (2005) beispielsweise betont in Bezug auf eine Sporttherapie bei Kniearthrose neben der körperlichen Aktivität vor allem die Wichtigkeit von Beratungen zum Selbstmanagement und eine Gewichtsabnahme bei Adipositas. Eine allgemeine Aufteilung in drei Ebenen verdeutlicht die Grafik von Schüle und Huber (2004).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Dimensionen der Sporttherapie (nach Schüle & Huber, 2004)

Die funktionelle Dimension bezieht sich auf die Wiederherstellung beziehungsweise Erhaltung der Kniegelenkfunktion. Diese besteht im Groben in der funktionellen Beugung und Streckung des Knies sowie der Stabilisation des Kniegelenks bei auftretenden Krafteinwirkungen. Letzten Endes resultiert dies in einer Verbesserung von Bewegungsmustern zur Ausführung alltäglicher Bewegungen und einer verbesserten Funktion der Herz-Kreislauf-Systems aufgrund erhöhter körperlicher Aktivität. Laut Merk (2005) liegen in funktioneller Dimension Grunddefizite im neuromuskulären System (muskuläre Kraft, Gleichgewicht und Gangbild) und im kardiovaskulären System (allgemeine Ausdauer und Fitness) vor. Auf pädagogisch edukativer Ebene sollen dem Patienten Handlungs- und Krankheitskompetenzen vermittelt werden. Er soll sowohl Wissen über seine Krankheit vermittelt bekommen, als auch Strategien zur Vermeidung von Risikoverhalten. Die psycho-soziale Dimension sieht vor, dass der Patient psychisch gestärkt wird, um so wieder Anschluss in aufgegebene Lebensbereiche zu erhalten. Gerade mithilfe der anderen beiden Dimensionen kann zu physischer Unabhängigkeit, sozialer Integration, Beschäftigung und ökonomischer Eigenständigkeit führen (Fialka-Moser, 2013). Durch funktionelle Verbesserungen wird auf psycho-sozialer Ebene vor allem das Selbstvertrauen des Patienten gestärkt.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mögliches Therapieschema einer altersbedingten Gonarthrose eines Gesundheitssportlers
Untertitel
Nach dem Therapiemodell von Hannspeter Meier
Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Veranstaltung
Rehabilitation
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V340747
ISBN (eBook)
9783668305748
ISBN (Buch)
9783668305755
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Therapie, Arthrose, Knie, Gelenkerkrankungen, Sporttherapie, Gelenke, Trainingstherapie
Arbeit zitieren
Johannes Boldt (Autor), 2015, Mögliches Therapieschema einer altersbedingten Gonarthrose eines Gesundheitssportlers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340747

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