Die Stadt Winterberg und ihre Umgebung im Spiegel der deutsch geschriebenen Urkunden des Fürstengeschlechtes von Eggenberg aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts

Ein Beitrag zur deutschen Sprache in Böhmen


Bachelorarbeit, 2016

123 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Die Eggenberger und ihre böhmerwaldische Herrschaft Winterberg
3. 1 Zur Geschichte des Fürstengeschlechts von Eggenberg
3. 2 Die Eggenberger in Böhmen im 17. Jahrhundert
3. 2. 1 Anna Maria von Eggenberg (1609-1680)
3. 2. 2 Johann Christian von Eggenberg (1641-1710)
3. 3 Die Stadt Winterberg im Böhmerwald und ihre unmittelbare Umgebung unter der eggenbergischen Herrschaft zwischen 1630-1719
3. 4 Die Kanzlei: Begriff, Struktur, Tätigkeit und Sprachen
3. 4. 1 Die Kanzlei der Stadt Winterberg zwischen 1630-1719
3. 4. 2 Die eggenbergische Hofkanzlei

4. Urkunden der Eggenberger als historiolinguistisches Forschungsmaterial
4. 1 Beschreibung der untersuchten Urkunden
4. 2 Zu textologischen Aspekten der eggenbergischen Urkunden
4. 2. 1 Die Textsorte Urkunde: Definition und Musterstruktur
4. 2. 2 Struktur der eggenbergischen Urkunden im Vergleich

5. Zusammenfassung

6. Resumé

7. Summary

8. Abkürzungsverzeichnis

9. Quellen- und Literaturverzeichnis
9. 1 Urkundenverzeichnis
9. 2 Literaturverzeichnis
9. 3 Internetquellen

10. Anhang
10. 1 Abbildungen
10. 1. 1: Heinrich de Veerle: Winterberg 1686 (NPÚ SZ Vimperk)
10. 1. 2: Anna Maria (NPÚ SHZ Český Krumlov)
10. 1. 3: Johann Christian (NPÚ SHZ Český Krumlov)
10. 2 Stammbaum des fürstlichen Zweigs der Familie von Eggenberg
10. 3 Ortsnamenverzeichnis zur eggenbergischen Herrschaft Winterberg (bis 1719)
10. 4 Kopien der Urkunden A - E
10. 5 Richtlinien der Transliteration
10. 6 Transliterationen der Urkunden A - E

1. Vorwort

Als Fürst Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) im Jahre 1622 vom Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) die Herrschaft Böhmisch Krumau [Český Krumlov] erhielt, trat diese steierische Adelsfamilie den böhmischen Ländern bei. Zu den damaligen eggenbergischen Gütern zählte seit dem Jahre 1630 auch die Herrschaft Winterberg [Vimperk] - eine historische Stadt inmitten der böhmerwaldischen Wälder mit einem altertümlichen Schloss, u. A. auch meine Heimatstadt, in der ich geboren worden bin. In der Geschichte der Stadt stehen allerdings die Eggenberger im Vergleich zu den Herren von Rosenberg und später auch den Herren zu Schwarzenberg im Hintergrund: Die eggenbergische Ära der Stadt (1630-1719) wird von Seiten der Historiker infolge des Dreißigjährigen Krieges als „germanisierend“ bezeichnet und in den wissenschaftlichen Publikationen wird ihr keine größere Aufmerksamkeit gewidmet. Aus dem Grunde, dass ich mich für die Geschichte der Winterberger Region interessiere, war für mich eine derartig große Lücke und der Mangel an Informationen über diesen Zeitabschnitt der Winterberger Geschichte Anlass und Herausforderung zum Verfassen meiner Abschlussarbeit. Auf dem tschechischen Forschungsgebiet haben in den letzten Jahren den Erkenntnissen über die Eggenberger Fürstenfamilie in Böhmen v. a. prof. PhDr. Václav Bok, CSc. und Mgr. Anna Kubíková beigetragen; u. a. sollten an dieser Stelle die Publikationen

Berichtüber die Reise Johann Christians und Johann Seyfrieds von Eggenberg durch die Länder Mittel-, West- und Südeuropas in den Jahren 1660 - 1663: eine kommentierte Edition. (BOK; KUBÍKOVÁ 2012) und Eggenberkov é . Z bank éř sk é lavice na kn íž ecístolec. (KUBÍKOVÁ 2016) hervorgehoben werden. Beide Publikationen gehören dabei zu den wichtigen Informationsquellen, welche für diese Abschlussarbeit, die in Bezug auf mein Germanistikstudium auf der sprachhistorischen Analyse fünf ausgewählter eggenbergischen Urkunden beruht, prägend waren.

Die vorliegende Arbeit entstand mit Hilfe und Unterstützung vieler Leute und Institutionen: Der größte Dank gebührt jedenfalls PhDr. Lenka Vodrážková, Ph.D. vom Institut für germanische Studien an der Karlsuniversität in Prag - der Betreuerin meiner Bachelorarbeit - die mich am Schreiben die ganze Zeit geduldig unterstützte und mir bei jeder einzelnen meiner Fragen zur Verfügung stand. Vom Institut für historische Hilfswissenschaften und das Archivwesen an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag möchte ich mich ebenfalls bei doc. PhDr. Ivana Ebelová, CSc. und doc. PhDr. Jiří Šouša, CSc. für ihre Hilfe bei den Zweifelsfällen der Transliteration der untersuchten Urkunden herzlich bedanken. Für das großzügige Entgegenkommen von Seiten der Archive, in denen das untersuchte Forschungsmaterial derzeit aufbewahrt wird, danke ich v. a. PhDr. František Kotěšovec vom Staatlichen Kreisarchiv in Prachatice (Státníokresníarchiv Prachatice) und Mgr. Eliška Hospasková gemeinsam mit Mgr. Anna Kubíková vom Staatlichen Gebietsarchiv in Český Krumlov (Státníoblastníarchiv T ř ebo ň - odd ě lenísprávy fond ů a sbírek Č esk ý Krumlov). Mein Dank richtet sich ebenfalls an die Landesdenkmalbehörde der Tschechischen Republik (Národnípamátkov ý ú stav Č esk é republiky), namentlich an Mgr. Vojtěch Brož vom Staatlichen Schloss Winterberg (Státnízámek Vimperk) und PhDr. Pavel Slavko mit Hana Mertová von der Staatlichen Burg und Schloss Krumau (Státníhrad a zámek Č esk ý Krumlov), für die Genehmigung und Leihgabe des für die Arbeit benutzten Bildmaterials und anderer Informationsquellen. Nicht zuletzt gebührt dann mein großer Dank für die sprachliche Revision der Arbeit auch Dr. med. Viola von Glasenapp aus Passau.

2. Einleitung

Die vorliegende historisch-sprachwissenschaftliche Bachelorarbeit strebt danach, zur Schreibkultur der Hofkanzleien des 17. Jh. am Beispiel der Eggenberger Hofkanzlei in Böhmisch Krumau beizutragen. Die Arbeit nimmt dabei Rücksicht auf den historischen Hintergrund der Stadt Winterberg und stützt sich dabei auf die textologische Analyse fünf Urkunden aus der betroffenen Zeit, die alle inhaltlich mit dieser böhmerwaldischen Stadt und ihrer Umgebung verbunden sind. Aufgrund dessen soll die Arbeit als Beitrag zu den Erkenntnissen über die deutsche Sprache in Böhmen verstanden werden, was u. a. auch zu dem Profil der tschechischen Germanistikforschung gehört.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil wird der historische Hintergrund dargelegt: Am Anfang wird die Geschichte des Fürstengeschlechtes von Eggenberg und seine Beziehung zu Böhmen und der Herrschaft Winterberg aufgeführt. Dabei werden ebenfalls die Aussteller der analysierten Urkunden näher erklärt - nämlich die Fürstin Anna Maria (1609-1680) und der Fürst Johann Christian von Eggenberg (1641-1710). Nachfolgend wird die Situation in der Stadt Winterberg während der Jahre 1630-1719 beschrieben, in denen sich dieser Ort in Böhmerwald unter der eggenbergischen Herrschaft befand. Abschließend wird in dem ersten Teil der Arbeit die Tätigkeit und Produktion der Kanzleien beleuchtet, wobei hier sowohl die Stadtkanzlei von Winterberg als auch die eggenbergische Hofkanzlei berücksichtigt wird.

Im zweiten Teil der Arbeit werden dann die ausgewählten fürstlichen Urkunden aus den Jahren 1652-1695 als historiolinguistisches Forschungsmaterial behandelt. Ihre Auswahl erfolgte nach den folgenden Kriterien: die Textsorte Urkunde, die Fürsten von Eggenberg als deren Aussteller, die Stadt Krumau als Ort der Ausgabe, das Deutsche als Verfassungssprache und der inhaltliche Bezug auf die Stadt Winterberg und ihre unmittelbare Umgebung der betroffenen Zeit. Anfänglich kommt es zur formalen und inhaltlichen Beschreibung des untersuchten Materials, gefolgt von der theoretischen Einführung in die textologische Analyse - an dieser Stelle handelt es sich v. a. um die Definition der Urkunde als Textsorte und die Vorstellung der Musterstruktur derselben, die als Ausgangsbasis für die eigene Analyse dient. Diese stellt dann den Kern und damit auch den umfangreichsten Teil der ganzen Bachelorarbeit dar, in dem die theoretischen Erkenntnisse praktisch angewendet werden. Im Rahmen der textologischen Analyse beschäftigt sich das Kapitel sowohl mit der Makrostruktur als auch mit der Mikrostruktur des Ausgangsmaterials: Auf der Ebene der Makrostruktur wird untersucht, in welchem Maße die analysierten Schriftstücke mit der vorgestellten Musterurkunde übereinstimmen oder divergieren. In Bezug auf die Mikrostruktur der Urkunden werden dann die vorkommenden Sprachmittel beschrieben und analysiert, mit welchen die konkreten Urkundenteile zum Ausdruck gebracht werden. Es wird ebenfalls die Frage gestellt, ob diese im Rahmen des Korpus von Seiten der Hofkanzlei stabil oder variabel benutzt wurden. Die Ergebnisse der Analyse werden schließlich untereinander verglichen und in einem zusammenfassenden Schema präsentiert.

Dem Abkürzungs- und Literaturverzeichnis folgt der Anhang der Arbeit mit den Abbildungen der Aussteller und der Stadt Winterberg im Jahre 1686, der Stammbaum des fürstlichen Zweigs der Familie von Eggenberg sowie ein Ortsnamenverzeichnis zur eggenbergischen Herrschaft Winterberg bis zum Jahre 1719. Ebenfalls werden die Kopien der analysierten Urkunden, die leitenden Richtlinien zur Transliteration und die eigenen transliterierten Texte beigelegt.

3. Die Eggenberger und ihre böhmerwaldische Herrschaft Winterberg

Die Wurzeln des Fürstengeschlechts von Eggenberg sind ursprünglich in der österreichischen Steiermark zu finden. Doch auf Grund der politischen Entwicklung in der ersten Hälfte des 17. Jh. kam es zu dem nachfolgend dargelegten Standortwechsel des Familiensitzes: Als sich der Grazer Zweig des Hauses im Vordergrund mit Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) dem Katholizismus zuwendete und sich damit Prestige beim kaiserlichen Hof des Ferdinand II. sicherte, traten die Grazer Eggenberger auch dem Königreich Böhmen bei und avancierten bald zu den einflussreichsten adeligen Familien Südböhmens. Durch die Konfiszierung des Besitzes mehrerer protestantischen Herren nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 und dank der gewandten Politik der Fürsten von Eggenberg wurden mit dem Erwerb der Herrschaft Krumau im Jahre 1622 die Grundlagen für das eggenbergische Dominium in Südböhmen gelegt. Seit dieser Zeit, in der die Konfessionalisierung der Politik ihren Höhepunkt erreichte, zählen die Fürsten von Eggenberg zum höchsten Adel des Landes und damit auch zum engen Kreis der Aristokratie, welche einen starken Einfluss auf die politische Entwicklung des Königreichs Böhmen besaß.1

3. 1 Zur Geschichte des Fürstengeschlechts von Eggenberg

Die Anfänge der Adelsfamilie zu Eggenberg bleiben bis zum heutigen Tag unklar. Bereits im Laufe des 17. Jh. bemühten sich einige eggenbergische Beamte den Ursprung des fürstlichen Hauses aufzuspüren. Einer vieler Versuche, den Familienstammbaum abzuleiten, wurde bereits im Jahre 1683 von Marcus von Perizhoffs niederschrieben, welcher die Geschlechtswurzeln bis in das 12. Jh. festsetzte. Dieser Theorie nach soll der Familienursprung bis auf einen Herrn von Heggenberg zurückgeführt werden.2 Gemäß der Familientradition, welche sich auf die spätere Grabsteininschrift von Christoph von Eggenberg aus dem Jahre 1551 stützt, kann ebenfalls auch Partlmä Egkhenperger als deren potenzieller Urahn angesehen werden.3

Ulrich Eggenberger (†1448), das erste historisch belegte Mitglied des Eggenberger Hauses, der vermutlich aus Radkersburg in die Hauptstadt der Steiermark gekommen sein soll, wird urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1432 erwähnt. In diesem Jahre war er als Grazer Ratsherr tätig. Drei Jahre später trat dieser dann schriftlich als Bürge einer Schuldverschreibung von Erhart Gundacker von Neundorf auf4 und 1436 erhielt er eine Berechtigung zum Münzwechsel. Damit trat zu seiner Handelstätigkeit auch das Finanzwesen hinzu.5 Er brachte mit seiner Ehefrau Barbara, einer Tochter des Grazer Hubmeisters Thomas Giebinger6, insgesamt 16 Kinder zur Welt.7 Davon sind ihre drei Söhne - Balthasar, Hans und Stephan, der sich auf den Weg eines Geistlichen begab, am bekanntesten.8 Die Brüder Balthasar und Hans können dann aus der heutigen Sicht als Gründer zweier Hauptlinien des Eggenberger Geschlechts angesehen werden. Der ältere Bruder Hans (†1481) setzte sich in Radkersburg nieder, wo er lebenslang seinen Handel trieb. Mit seiner Ehefrau Kunikunde von Polheim aus Leibnitz hatten sie einen Sohn Andreas (†1517), der später zum Stadtrichter von Radkersburg wurde. Später hatte er mit seiner Gemahlin Anna, einer Tochter des Kaufmanns Bartlmä Senuss aus Villach, noch den Sohn Christoph.9

Christoph von Eggenberg (†1551) blieb wie sein Vater in Radkersburg tätig. Im Jahre 1529 soll er sich an der Verteidigung Wiens gegen die osmanischen Truppen beteiligt haben.10 Bereit zu dieser Zeit tritt er mit dem Titel Ritter auf, ohne jeden Nachweis für seine Erhebung in den adeligen Stand.11 Er heiratete die dreifach verwitwete Tochter des Tiroler Adligen Hans Fueger, Helena Benigna. Beide bekannten sich offen zum protestantischen Glauben. Laut der Kaufabrede aus dem Jahre 1543 erwarb das Ehepaar von Graf Georg von Schaumbug die Herrschaft Ehrenhausen südlich von Linz, wo sie später ein Schloss, den Stammsitz der nach ihm genannten Ehrenhausener Linie der Eggenberger, erbauen ließen.12 Christoph Eggenberg verstarb im Jahre 1551 und hinterließ insgesamt fünf Kinder - die Tochter Elisabeth, den Sohn Hans Christoph, der wie sein Vater protestantischen Glaubens war, und die Söhne Andreas, Ruprecht und Bartholomäus, die sich alle dem katholischen Glauben zugewendet haben sollen.13 Von den allen Kindern Christophs von Eggenberg ist heute der drittgeborene Sohn Ruprecht (†1611) am bekanntesten. Als Erzkatholik begann Ruprecht von Eggenberg seine militärische Laufbahn in den Spanischen Niederlanden, wo er als Offizier diente.14 Kurz nach seiner Rückkehr in die Steiermark im Jahre 1593 wurde er zum obersten Kommandanten der kärntnerischen Militärexpedition gegen die Türken ernannt.15 Im Jahre 1593 beteiligte er sich an der Eroberung der Stadt Sisak16, zwei Jahre später an der Eroberung und Befreiung der Stadt Petrinia.17 Ebenfalls beteiligte sich 1597 Ruprecht von Eggenberg an der Belagerung der Festung von Raab in Oberungarn18, die später durch den Freiherrn Adolf von Schwarzenberg erobert wurde. Im Jahre 1598 wurde Ruprecht Eggenberg gemeinsam mit seinen Brüdern Hans Christoph und Bartholomäus, sowie auch mit seinem Cousin Hans Ulrich (†1634) aus der Grazer Linie der Eggenberger vom Kaiser Rudolph II. in den Freiherrenstand erhoben.19 Ruprecht von Eggenberg verstarb in seinem Haus zu Graz am 7. Februar 1611.20

Ulrich Eggenberg (†1448) hatte in seiner Ehe mit Barbara, geb. Giebinger, ebenfalls den Sohn Balthasar (†1493), welcher sein Leben lang in Graz verbrachte21 und dessen Nachkommen sich später in Böhmen niederließen. Vom Kaiser Friedrich III. wurde Balthasar Eggenberg zum Münzmeister des Landes Steiermark ernannt. Er heiratete Radegunde Seidennater (†1478), mit der er sich auf deren Sitz in Algersdorf bei Graz niederließ und die ihm später den Sohn Christoph (†1520) gebar. Christoph Eggenberg, der des protestantischen Glaubens war, heiratete Ursula Langenmantel vom Sparren, genannt Radauerin (†1521), setzte sich in Augsburg nieder und gründete damit die Augsburger Linie der Eggenberger.22 Nachdem Radegunde Seidennater im Jahre 1478 verstarb, heiratete Christophs Vater Balthasar zum zweiten Mal Barbara von Pain (†1518). Aus dieser zweiten Ehe Balthasars ging der Sohn Wolfgang (†1536) hervor.23 Sowie sein Vater blieb auch Wolfgang von Eggenberg in Graz und heiratete später Sybille Panicher († um 1553), Witwe des Christoph von Prämer. Aus der Ehe stammten nachfolgend drei Söhne und zwei Töchter - Balthasar und Levinus, welche aus einem Feldzug gegen die Türken bei Esseg im Jahre 1537 nicht zurückkehrten, den Sohn Seyfried, Christoph und die Söhne Ruprecht und Bartholomäus angegeben, wobei hier im Gegenteil zu Heydendorff (1965, S. 34) der Sohn Ruprecht nicht genannt wird.

welcher zum Stammhalter der Grazer Linie der Eggenberger wurde, und die Töchter Anna und Judith.24

Wie die Biographen des Eggenbeger Hauses behaupten, sollte Seyfried Eggenberg (†1594) bereits in jungen Jahren (um 1555) Bürgermeister von Graz gewesen sein.25 Im Jahre 1558 heiratete er eine Tochter Sigmunds Galler von Schwanberg Anna Benigna († um 1598). Das Ehepaar war des protestantischen Glaubens26 und brachte insgesamt vier Kinder zur Welt - drei Töchter Anna, Sybille und Benigna - und einen Sohn, Hans Ulrich27, mit dem das eggenbergische Fürstengeschlecht am Anfang des 17. Jh. folgend das Königreich Böhmen betrat.

3. 2 Die Eggenberger in Böhmen

Die Geschichte des Fürstengeschlechts von Eggenberger auf dem Gebiet des Königreichs Böhmen begann mit dem Fürsten Hans Ulrich von Eggenberg. Hans Ulrich, der zu den bedeutendsten Mitgliedern des Eggenberger Adelsgeschlechts gezählt wird, wurde im Juni 1568 in Graz geboren. Über seine Kindheit ist bis heute nicht viel überliefert. Im Alter von 15 Jahren unternahm er eine Studienreise durch Süddeutschland, später studierte er an der protestantischen Universität in Tübingen, wo sich in der Matrik für das Jahr 1583 sein Name „Johann Ulrich ab Eckenberg ex Styria“ finden lässt.28 Danach unternahm er eine Bildungsreise in die Niederlande, nach Spanien und Italien, was als eine besondere Zusatzausbildung des jungen Eggenberger vermerkt gelten kann.29 Im Jahre 1595 kehrte Hans Ulrich in seine Heimatstadt Graz zurück, wo er an seiner Karriere zu arbeiten begann.30 Einer der ersten Schritte war die Rückkehr Hans Ulrichs zum katholischen Glauben seiner Vorfahren. Das genaue Jahr seiner Konfessionskonvertierung lässt sich heute nicht feststellen;31 wegen der politischen Lage im Lande, welche aber in den gehobenen Gesellschaftsebenen überwiegend katholisch war, ermöglichte dies ihm allerdings einen steilen Karriereaufstieg. Seit dem Jahre 1597 wurde Hans Ulrich zum Mundschenk am Hofe Erzherzog Ferdinands, des späteren Kaisers Ferdinand II., und ein Jahr danach heiratete er 1598 Sidonia Maria von Thannhausen (1576/77-1614),32 welche sich ebenfalls wie ihr Mann für den Übertritt zum Katholizismus entschieden hatte.33 In demselben Jahr wurde ihm für die Verdienste seines Cousins Ruprecht († 1611) im Kampf gegen die Osmanen der Freiherrenstand erteilt, was ihm einen noch höheren gesellschaftlichen Status brachte:34 Im Jahre 1602 wurde Hans Ulrich von Eggenberg zum Oberstern Hofmeister von Ferdinands Gattin Maria Anna von Bayern und zum Landeshauptmann in der Krain, seit 1603 zum Mitglied des geheimen Rates des Erzherzogs. Am Ende desselben Jahres wurde er vom Erzherzog Ferdinand zum Präsidenten der Hofkammer ernannt. Seit dem Jahre 1615 war er dessen Oberster Hofmeister und seit 1617 dann schließlich Direktor seines geheimen Rates.35 Im Laufe der Zeit gewann Hans Ulrich von Seiten des Kaisers Ferdinand II. unbegrenztes Vertrauen.36 Geschickt verhandelte er mit dem spanischen König Philipp III., von dem er im Jahre 1620 den Orden des Goldenen Vließes erhielt37 und in Italien besorgte er für den Kaiser ein dringend benötigtes Darlehen.38 Nach der Schlacht am Weißen Berg im selben Jahre gehörte er bereits dem höchsten Adel des Landes an. Er nutzte die politische Lage aus und zu seinem Nutzen lehnte er u. A. auch die Versöhnung mit dem meuternden böhmischen Herrenstand ab. Damit zählt er zu denen, welche mit ihrer Wahlstimme über die Hinrichtung der 27 Herren auf dem Altstädter Ring in Prag entschieden.39

Nach dem blutigen Niederschlagen des Ständeaufstandes in Böhmen kam es bald zu weiten Repressionen und Vermögensänderungen.40 Das konfiszierte Vermögen wurde meistens an die treuen Anhänger des Throns aus den Reihen des Adels übergegeben oder als Besitz des Kaisers selbst belassen.41 Fürst Hans Ulrich erwarb im Jahre 1622 von Ferdinand II. für seine Dienste am kaiserlichen Hofe die Herrschaft Krumau, welche sechs Jahre später zu einem Fürstentum mit Herzogstitel erhoben wurde.42 Zu der Krumauer Herschaft gehörten insgesamt 313 weitere Ortschaften; außer der Stadt Krumau selbst handelte es sich noch vorzugsweise um die Städte Prachatitz [Prachatice] und Nettolitz [Netolice], die Zisterzienserstifte Goldenkron [Zlatá Koruna] und Hohenfurt [Vyšší Brod], den Markt Wallern [Volary], die Dörfer Tieschowitz [Těšovice], Rohanow [Rohanov], Pfefferschlag [Fefry], den Markt und Schloss Elhenitz [Lhenice] und das Schloss und Herrschaft Helfenberg [Helfenburk u Bavorova] mit den dazugehörigen Märkten Borau [Bavorov] und Struckhowitz [Strunkovice nad Blanicí].43 In den folgenden Jahren erweiterte Hans Ulrich seinen Besitz in Böhmen um weitere Herrschaften, die meistens eben zum früheren kaiserlichen Konfiskat geworden waren - im Jahre 1623 um Chejnow [Chýnov], Worlik [Orlík] und Klingenberg [Zvíkov], im Jahre 1627 um die Herrschaft Ratibořitz-Bergstadtl [Ratibořické Hory], ein Jahr später um die Herrschaft Drslawitz [Drslavice] und schließlich im Jahre 1630 auch um die Herrschaft Winterberg [Vimperk] mit den dazugehörigen Ortschaften.44

Obwohl der Hofdienst und die politische Karriere dem Fürsten Hans Ulrich keine längeren Aufenthalte in Böhmen erlaubte,45 bedeutete die Aneignung der oben genannten böhmischen Herrschaften eine wesentliche Erweiterung des eggenbergischen Besitzes. Dieser stellte nachfolgend den eigentlichen Kern der gesamten Herrschaft des Grazer Zweigs der Eggenberger dar. Am Ende seines Lebens fiel Hans Ulrich bei dem Kaiser Ferdinand II. in Ungnade. Es lässt sich vermuten, dass dies die Folge seiner Beziehungen zu Albrecht von Wallenstein gewesen sein könnte.46 Der Fürst Hans Ulrich von Eggenberg starb am 18. Oktober 1634 in Laibach [Lublana, heute Slowenien] und wurde in der Familiengruft in der Minoritenkirche zu Graz bestattet. Mit seiner Ehefrau Sidonia Maria von Thannhausen hinterließ er nur einen einzigen Sohn, Johann Anton.47

Johann Anton von Eggenberg (1610-1649) folgte den Spuren seines Vaters und setzte sich dafür ein, die eggenbergische Herrschaft weiter zu vergrößern. So erhielt er von Kaiser Ferdinand III. u. A. im Jahre 1647 das Gut Gradisca im heutigen Slowenien.48 Ähnlich wie bereits sein Vater Hans Ulrich in Prag, so nutzte auch Johann Anton das Recht, eigene Münzen zu prägen, und zwar im Böhmischen Krumau und im steirischen Waldstein.49 Den Höhepunkt seiner diplomatischen und politischen Karriere stellte dann die Funktion Johann Antons als Botschafter des Kaiserhofes zum Papst dar. Für seine diplomatische Reise nach Rom im Jahre 1638 ließ er eine prächtige vergoldete Kutsche herzustellen.50 Als Johann Anton von seiner Romreise zurückkehrte, heiratete er die Markgräfin Anna Maria von Brandenburg-Bayreuth51, mit der er drei Kinder hatte - die Tochter Maria Elisabeth (1640-1715) und die Söhne Johann Christian52 (1641-1710) und Johann Seyfried (1644-1713).53

Nach dem Tode des Fürsten Johann Anton wurde das eggenbergische Dominium der Grazer Eggenberger zwischen den zwei Söhnen aufgeteilt: Johann Christian erhielt die Herrschaften in Böhmen, Nieder- und Oberösterreich, Johann Seyfried erwarb dann das Familienschloss Eggenberg in Graz und die Güter in der Steiermark und Krain.54

Mit der Regentschaft beider Brüder begann das Eggenberger Haus allmählich zu erlöschen. Auf Grund der Kinderlosigkeit der Ehe von Johann Christian mit seiner Gattin Maria Ernestina zu Schwarzenberg (1649-1719) wurden die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Dynastie auf Johann Seyfried und seine Ehefrau Maria Eleonora Rosalia von und zu Liechtenstein (1647-1703) gesetzt. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne, von denen nur Johann Anton (II.) Josef († 1716) das Mannesalter erreichte.55 Aus der zweiten Ehe Johann Antons mit der Gräfin Maria Josefa Antonia von Orsini-Rosenberg (1695-1715) kam eine Tochter Maria Josefa Amalia zur Welt.56 Dem Fürsten Johann Anton (II.) Josef gelang es noch, sich in seinen jungen Jahren in der Politik und Diplomatie zu engagieren. Mit 23 Jahren wurde er zum Landeshauptmann von Krain und später zum Mitglied des Geheimen Rates ernannt.57 Im Jahre 1692 heiratete er Maria Charlotte von Sternberg (1671-1754), mit der er zwei Töchter und später auch den Stammhalter Johann Christian (II.) Seyfried hatte. Als Johann Seyfried in seinem Schloss Waldstein im Jahre 1713 verstarb, war es nicht zu erwarten, dass ihm bereits drei Jahre später auch sein Sohn Johann Anton (II.) Josef ins Grab folgen würde. Mit dem nachfolgenden Tode des dreizehnjährigen Johann Christians (II.) Seyfried, des Enkelkinds Johann Seyfrieds, fand dann schließlich die Eggenberger Dynastie im Jahre 1717 ihr abruptes Ende.58

3. 2. 1 Anna Maria von Eggenberg (1609-1680)

Die Markgräfin Anna Maria von Eggenberg kam auf die Welt im Jahre 1609 als eins der insgesamt fünf Kinder des Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth-Kulmbach (1581- 1655), des Sohnes des im Jahre 1598 gestorbenen Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg,59 und seiner Ehefrau Marie von Preußen (1579-1649), der Tochter des Herzogs Albrecht Friedrich von Preußen.60

Über das Leben der Markgräfin Anna Maria vor ihrer Eheschließung mit dem Fürsten Johann Anton von Eggenberg lassen sich aus den heute zur Verfügung stehenden Quellen keine näheren Angaben entnehmen. Obwohl die Braut mit ihrem 30. Lebensjahr für die damalige Zeit den Alterszenit bereits überschritten hatte, stellte die vorteilhafte Heirat für Johann Anton den Eintritt in den höchsten Reichsadel dar.61 Nachdem der Eggenberger seiner Gattin die ungehinderte Ausübung ihrer protestantischen Konfession versprochen hatte,62 welche er später mit gewissen Einschränkungen ertrug,63 und alle finanziellen Regelungen erledigt worden waren, fand die Trauung am 19. Oktober 1639 in der katholischen Kirche in Regensburg statt. Durch diese Ehe tritt das Haus Eggenberg dank der verwandschaftlichen Beziehungen den Reihen der ältesten Fürstenhäuser Europas bei.64

Aus der Ehe gingen nachfolgend vier Kinder hervor. Als erste war es Prinzessin Maria Elisabeth (1640-1715), welche in ihrem 16. Lebensjahr im Jahre 1656 die Ehe mit dem Fürsten Ferdinand Josef Dietrichstein einging.65 Als zweites Kind wurde Fürst Johann Christian I.66 geboren, zwei Jahre danach folgte die Tochter Maria Franziska, die noch in demselben Jahr (1643) verstarb.67 Als letztes Kind Anna Marias und Johann Antons kam schließlich Johann Seyfried zur Welt.68

Die überwiegende Zeit ihres Lebens nach der Eheschließung verbrachte Anna Maria mit ihren Kindern in der Steiermark.69 Obwohl sie selbst ihrem evangelischen Glauben das ganze Leben getreu blieb, wurden alle ihre Kinder katholisch erzogen.70 Nach dem Tode Johann Antons im Jahre 1649 lehnte sie seinen unvollendeten und damit auch ungültigen letzten Willen schroff ab, und begann, den ganzen Besitz der Grazer Linie der Eggenberger in der Vormundschaft zu verwalten. Diese führte die Witwe gemeinsam mit dem Markgrafen Christian von Brandenburg und Wolf von Stubenberg bis in das Jahr 1664. In diesem Jahr wurden die beiden Brüder Johann Christian und Johann Seyfried als mündig erklärt und es wurde ihnen folgen die Verwaltung der eggenbergischen Herrschaft übergeben.71

Über die Beziehung Anna Marias zu ihren Kindern gibt es nur spärliche Informationen. Allerdings wird es vor Allem aufgrund der Briefkorrespondenz der Fürstenfamilie angenommen, sie soll eine besondere Vorliebe für den jüngeren Sohn Johann Seyfried gehabt haben. So forderte sie z. B. bei dem späteren Brüderstreit um das Erbe ihres Vaters in einem Brief aus dem 19. September 1664 Johann Christian auf, „in die gleiche Teilung zu willigen, Gott werde ihn dafür segnen und beglücken.“72 Dennoch ist es ebenfalls bekannt, dass sie in den Jahren 1666 und 1667 zu Besuch bei Johann Christian auf seiner fürstlichen Residenz in Krumau gewesen sein soll, wobei ihr zu Ehren soll in den Sälen des Krumauer Schlosses eine Theatervorstellung stattgefunden haben soll.73

Die darauffolgenden Jahre lebte die Fürstin Anna Maria von Eggenberg auf dem Schloss Waldstein zu Graz. Im Jahre 1671 übersiedelte sie nach Ödenburg74, wo sie in aller Ruhe ihren evangelischen Glauben ausüben konnte und am 8. Mai 1680 auch verstarb und bestattet wurde.75 Die sterblichen Überreste der entschlafenen Fürstin wurden schließlich zwei Jahre später in die Familiengruft nach Bayreuth überführt.76

3. 2. 2 Johann Christian von Eggenberg (1641-1710)

Johann Christian von Eggenberg wurde als zweites Kind und erster Sohn Johann Antons und Anna Marias am 7. September 1641 geboren. Mit seinem um drei Jahre jüngeren Bruder Johann Seyfried besuchte er das Jesuitengymnasium in Graz und wurde zum Trotz seiner Mutter, die selbst evangelischer Konfession war, streng katholisch erzogen. Am 19. April 1661 begann er mit seinem Bruder das Studium an der Grazer katholischen Universität.77 Johann Christian verlebte seine Jugend überwiegend mit seiner Mutter Anna Maria auf den steirischen Schlössern78, was zur Annahme führt, dass er seine künftige böhmische Herrschaft zu dieser Zeit wohl noch nicht kannte.79

Prägend für das künftige Leben Johann Christians zeigte sich allerdings nicht sein Universitätsstudium80, sondern eine dreijährige gemeinsame Studienreise, die Johann Christian gemeinsam mit seinem Bruder Johann Seyfried im Juni 1660 in Graz antrat. Die Reise führte Johann Christian und Johann Seyfried durch mehrere Länder Mittel-, West- und Südeuropas und endete im Jahre 1663 in Italien. Von diesem letzten Aufenthalt auf ihrer Reise brachten sie sich ein heiliges Souvenir mit - die Reliquien des hl. Kalixtus, welche ihnen persönlich von Papst Alexander VII. geschenkt worden waren und die bis zu den heutigen Tagen in der Georgskapelle von Schloss Krumau zu finden sind.81 Die Europareise und der Studienaufenthalt in Italien spiegeln sich darüber hinaus in den folgenden Jahren vor allem durch den deutlich sichtbaren Einfluss auf die Kultur des fürstlich-eggenbergischen Hofes wider.

Nach dem Tode des Fürsten Johann Anton, der unerwartet am 19. Februar 1649 in Laibach [Lublana, heute Slowenien] verstarb, wurde die eggenbergische Herrschaft wegen der Unmündigkeit beider fürstlichen Brüder unter eine Vormundschaft von Anna Maria gestellt.82 Als dann Johann Christian und Johann Seyfried von ihrer Studienreise zurück nach Graz kamen und Anna Maria ihnen im Jahre 1664 die Verwaltung des eggenbergischen Besitzes übergab, entbrannte auf Grund des Fehlens eines offiziellen Testaments ihres Vaters ein Streit um die Erbteilung. Dieser wurde später mit einem Vertrag vom 30. Juni 1665 auf dem Schloss in Krumau beendet, wobei das Erbe in zwei Hälfte geteilt wurde83: Johann Seyfried wählte für sich die Güter in der Steiermark und der Krain aus und Johann Christian behielt als regierender Fürst alle Besitzungen in Südböhmen84, die Herrschaften Ehrenhausen, Senftenberg und Oberwallsee, sowie auch das Gut Gradisca mit Aquileia auf dem heutigen slowenisch- italienischen Grenzgebiet. Mit den Herrschaften in Nieder- und Oberösterreich war ebenfalls das erbliche Amt des obersten Erbmarschalls verbunden.85 Die langwierigen Streitigkeiten beider Brüder dauerten bis zum Jahre 1672. Die zerrüttete Beziehung zwischen Johann Christian und Johann Seyfried hielt sich bis zum Tode des älteren Bruders; sie näherten sich in ihren Leben nie wieder an, was sich später auch im Testament Johann Christians zeigte.86

Die Verwaltung seines Familienerbes trat Johann Christian bereits im Jahre 1664 an. Im selben Jahre machte er die südböhmische Stadt Krumau zu seiner fürstlichen Hauptresidenz, begann mit einem umfangreichen Umbau des Krumauer Schlosses und fing an, auch die anderen Teile seines Großherzogtums, u. a. auch die Herrschaft Winterberg, zu verwalten. Die genaue Anzahl der Angehörige des Hofes, welche das eggenbergische Ehepaar unmittelbar umgab, lässt sich nur schwer feststellen. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre des 17. Jh. spricht man von über etwa 130 Menschen.87

Zwei Jahre später heiratete Johann Christian die damals siebzehnjährige Komtesse Maria Ernestina zu Schwarzenberg (1649-1719), Tochter des am Wiener Hofe hochangesehenen Grafen Johann Adolf.88 In politischen und diplomatischen Aktivitäten engagierte sich das junge Ehepaar nicht. Umso größere Vorliebe hatten beide allerdings auf dem Gebiet der Kultur. Die Herrschaftszeit Johann Christians und seiner Ehefrau Maria Ernestina zeichnete sich am eggenbergischen Hofe durch die Blüte der Musik, des Theaters, der Malerei und der bildenden Kunst aus.89

Der Musikpflege widmete Johann Christian eine besondere Aufmerksamkeit. Der fürstliche Hof hatte vom Anfang an seine eigene Kapelle, welche das Ehepaar nicht nur auf den Reisen durch die Herrschaft ständig begleitete. Die eggenbergische Kapelle, welche in Krumau an die Tradition der ehemaligen Rosenberger Musikanten anknüpfte, erwarb sich auch in Wien, wohin sie oft zu Feierlichkeiten am kaiserlichen Hofe geladen wurde, einen guten Namen.90 Einzelne Mitglieder dieses Ensembles wie Martin Gladik (†1674), der Winterberger Christian Schmidt (†1691), Matthäus Wenzel Bernhard Čížek aus Holubau [Holubov] (†1707) oder der Kapellmeister italienischer Herkunft Domenico Bartoli (†1711) sind uns bis heute bekannt.91 Musik gab es am fürstlichen Hofe jeden Tag zu hören: So bedienten sich auch alltägliche Messen, Jagden und viele verschiedene Feste des Musikensembles. Offiziell waren die Musiker allerdings nicht als Mitglieder der eggenbergischen Kapelle, sondern als Angehörige der fürstlichen Kanzlei angestellt.92

Zu den Vorlieben Johann Christians und seiner Ehefrau Maria Ernestina gehörte auch das Theater, dessen Blütezeit in den böhmischen Ländern bereits seit den 20er Jahren des 17. Jh. begann.93 In Krumau lassen sich die Aufzeichnungen über Theatervorstellungen bis auf das Jahr 1666 zurückzuführen. In den Jahren 1681-1686 wurde auf dem Krumauer Schloss sogar ein neues eigenständiges Theatergebäude errichtet, das mit einer komplizierten technischen Vorrichtung und aufwendigen Kulissen ausgestattet wurde.94 Hier wurde außer Theater auch die italienische Oper gepflegt, wobei es sich u. a. um die Stücke Carlo Francesco Pollarolos (1653-1723) und Paolo Magnis (ca 1650-1737) handelte. Theater gab es zu dieser Zeit allerdings nicht nur in Krumau: Ein Schlosstheater befand sich ebenfalls auf dem Schloss in Winterberg. Gemeinsam mit dem Theater entstanden zu dieser Zeit auf den aristokratischen Residenzen auch große Bibliotheken. Diese reflektieren dann nicht nur die tatsächlichen Interessen ihrer Besitzer, sondern wurden von adeligen Familien auch für repräsentative Zwecke und zur gewissen Demonstration ihrer Machtstellung bestimmt.95 Die Literatur wurde schließlich auch auf dem eggenbergischen Hofe in Krumau stark gepflegt, wobei nicht nur dem Fürsten Johann Christian selbst, sondern vor allem seiner Ehefrau Maria Ernestina die heutige eggenbergische Krumauer Schlossbibliothek zu verdanken ist.96

Ähnlich offen stand der Hof auch der Malerei und der bildenden Kunst gegenüber. Einer der wichtigsten Künstler im Dienst Johann Christians war der vlämische Maler Heinrich de Veerle (†1690), der zuvor in Linz tätig war. Er malte außer den Theaterkulissen für das Krumauer Schlosstheater auch Veduten der eggenbergischen Städte und Herrschaften. Bis heute sind u. a. die Bilder der südböhmischen Schlösser Kurzweil [Kratochvíle u Netolic] und Winterberg97 [Vimperk] erhalten. Von den Künstlern am Hofe Johann Christians sind weiterhin die Maler Johann Aneis98, seine zwei Söhne Johann und Peter, Johann Melchior Otto, Matthias Leitner, Graveurs Domenico Rosetti, der Bildhauer Johann Worath und die Steinmetzer Ludwig Ferrera aus Kalsching [Chvalšiny] und Johann Plansker aus Krumau zu nennen.99 Die Verwaltung der ganzen Herrschaft Johann Christians von Eggenberg war wirtschaftlich und großzügig. So erteilte er und verbesserte er viele Privilegien einiger seiner Städte und deren Zünfte. Besonders im Böhmerwald gründete er neue Ortschaften, um die unzugänglichen und waldigen Grenzlandschaften zu besiedeln.100 Seit dem Jahre 1649 ließ der Fürst in Krumau seine eigenen Münzen prägen101 und im Jahre 1694 erhielt er wie früher sein Vater den Orden des Goldenen Vließes.102

Obwohl die fürstliche Ehe glücklich gewesen sein soll, blieb sie bis zu ihrem Ende kinderlos. Auch aus diesem Grunde entschied sich Johann Christian bereits im Jahre 1696 sein Testament zu schreiben, in dem er nach den Artikeln Nr. 14 und 17 seine Ehefrau Maria Ernestina zu seiner Universalerbin einsetzte. Nach ihrem Tode sollte der ganze Nachlass dem Fürsten Johann Anton II., dem Sohn von Johann Seyfried, und seinen Nachkommen zufallen. Im Falle, dass auch Johann Anton II. keine Kinder bekäme, sollte das Erbe an den Neffen Johann Christians, den Fürsten Adam Franz von Schwarzenberg, übergegeben werden.

Der Herzog zu Krumau, Johann Christian von Eggenberg, verstarb am 13. Dezember 1710103 im Alter von 69 Jahren in seinem Palais104 auf dem Hradschin in Prag. Sein Leib wurde einstweilig in der St.-Veitskirche in Krumau beigelegt und schließlich in dem Minoritenkonvent Mariahilf zu Graz neben seiner Mutter bestattet. Dem Testament nach verwaltete nach dem Tode Johann Christians die Fürstin Maria Ernestina das eggenbergische Vermögen. Bereits sieben Jahre später starben aber unerwartet auch alle anderen männlichen Mitglieder der Eggenberger, an die das böhmische Erbe ursprünglich weiter übergegeben werden sollte. Gemäß dem Testament ging somit die ganze eggenbergische Herrschaft in Böhmen am Anfang des 18. Jh. in die Hände des Fürstengeschlechts zu Schwarzenberg über, in denen sie schließlich bis zum Jahre 1947 blieb.105

3. 3 Die Stadt Winterberg im Böhmerwald und ihre unmittelbare Umgebung unter der eggenbergischen Herrschaft zwischen 1630-1719

Die Anfänge der böhmerwaldischen Stadt Winterberg sind bis zu den heutigen Tagen nicht geklärt.106 Der erste schriftliche und bis heute erhaltene Beleg über die Existenz der bereits erbauten Burg stammt allerdings zuerst aus dem Jahre 1263. Bis zum 17. Jh. wechselte die Winterberger Herrschaft mehrmals ihren Eigentümer.107 Einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Stadt stellt das Jahr 1479 dar, in dem Winterberg durch den böhmischen König Wladislaus II. (1456-1516) zur Stadt erhoben wurde.108 Im Jahre 1601 geriet Winterberg dann in die Hände der Herren zu Kolowrat. Wegen der listigen Politik109 jener Herren wechselten sich in den folgenden Jahren vor den Stadtmauern Winterbergs mehrere Soldatentruppen ab.110 In den Jahren 1622 bis 1624 folgte dann wegen der vorangegangenen Eroberung der Stadt durch Peter Ernst II. von Mansfeld ein umfangreicher Wiederaufbau des Schlosses Winterberg durch Joachim Nowohradsky von Kolowrat. Aufgrund großer Schulden durch den Bau musste dieser aber schließlich sechs Jahre später die Herrschaft Winterberg an den Fürsten Ulrich von Eggenberg (1568-1634) verkaufen.111

Unter Herrschaft der Eggenberger soll Winterberg nach Josef Walter „wieder zu einer deutschen Stadt geworden sein“.112 Zu dieser Zeit musste sich die Stadt vorrangig aus der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges erholen, bei dem ein großer Teil der Bevölkerung des Böhmerwaldes zu Tode kam. So bemühten sich auch die Fürsten von Eggenberg die Stadt wieder zu bevölkern, und begünstigten daher die Ansiedlung von Deutschen, nämlich der benachbarten Bayern.113 Der Ausklang des Dreißigjährigen Krieges in Winterberg und dessen Umgebung greift noch weit in die Zeit der eggenbergischen Herrschaft hin. Die kaiserlichen und bayerischen Söldner blieben in dieser Gegend seit dem Jahre 1634 praktisch bis zum Ende des Krieges im Jahre 1648. Größere Einquartierungen in- bzw. in der Nähe von Winterberg sind v. a. aus den Jahren 1634-1635, 1639 und 1644-1645 zu erwähnen. Die Unterbringung und Verpflegung der lagernden Soldaten belastete die Winterberger Bevölkerung wirtschaftlich nicht weniger als der Krieg selbst.114 So schildert auch der eggenbergische Beamte Valentin Praun in einem Brief vom 7. September 1639 an den Winterberger Statthalter all die untragbaren Verhältnisse in der Stadt und bittet um Verlegung des Regiments, sowie auch um Ersatz der vielen Unkosten. Am Ende desselben Monats soll Praun seine Bitte nochmal wiederholt haben und sich am 13. Oktober mit dieser Angelegenheit sogar an den Erzherzog Leopold (1614-1662) gewendet haben. Trotzdem verblieben aber die kaiserlichen Truppen weiterhin in der Stadt.115

Über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse Winterbergs in der Nachkriegszeit berichtet die im Jahre 1654 niederschriebene Steuerrolle. Laut dieses Untertanenverzeichnisses betrug der eigene bürgerliche Besitz an Feldern 477 Strich116. Selbst in der Stadt Winterberg werden in der Steuerrolle aus dem Jahre 1654 106 bewohnte und 36 öde, meistens im Laufe des Krieges verlassene Häuser verzeichnet.117 Im Jahre 1671 waren dann alle Häuser wieder aufgebaut und bewohnt, insgesamt gab es zu dieser Zeit in der Stadt 154 Häuser.118

Die Bewohner der Stadt waren zu dieser Zeit, sowie auch in den anderen Teilen des Böhmerwaldes, vorwiegend Ackerbürger und betrieben je eine kleinere oder größere Landwirtschaft. Die Haupterwerbsquelle der Winterberger fand sich aber hauptsächlich im Gewerbe.119 Direkt in der Stadt gab es laut Steuerrolle zehn Fleischer, welche als einzige von den Zünften der Stadt noch im 17. Jh. eine neue Handwerksordnung erhielten,120 weiter acht Lohgerber, sieben Weber, sechs Bäcker, je fünf Schuster und Schmiede, vier Schneider, drei Bräuer, je zwei Maurer und Tischler, einen Sattler, Glaser, Seifensieder, Leinwandfärber, Wagner, Faßbinder, Zimmermann, Bader, Hutmacher, Geschmeiderhändler und einen Pulverhändler. Mit Salz- und Getreidehandel waren dann weitere acht Hauswirte beschäftigt.121 Für die Winterberger Region war natürlich dank ihrer geographischen Lage auch das Jagdwesen von Bedeutung. Es wird bekannt, dass im Jahre 1662 in Winterberg den eggenbergischen Fürsten vier Jäger zur Verfügung stehen sollten.122 Der früher ebenfalls blühende Salzhandel auf dem Goldenen Steig, dessen einer Zweig aus Passau auch nach Winterberg führte, ging während des Dreißigjährigen Krieges völlig zugrunde. Durch den langen Krieg litten auch der Malzhandel, die Bierbrauerei und die Kornbranntweinbrennerei in erheblichem Maß.123 Im Gegensatz dazu ging es zu dieser Zeit allerdings den böhmerwaldischen Glasmachern besonders gut.

Dank der zunehmenden Glasindustrie wurden in der Umgebung der Stadt neue Orte und Güter gegründet, deren Namen in Bezug auf die Glasproduktion mit „Hütte(n)“ zusammengesetzt sind.124 Die bekannteste und wichtigste Hütte in der Winterberger Region war die zuletzt erwähnte Helmbacher Hütte. Hier wurde am Ende des 17. und anfangs des 18. Jh. Michael Müllner125 (†1709) zum Glasmeister, dessen Glas sich einen guten Ruf auf aller Welt eroberte. Entscheidend ist hierbei das Jahr 1683, in dem Michael Müllner die Erzeugung des s. g. Kreidenglases erfand. Dieses Glas zeichnet sich v. a. dadurch aus, dass es „schön weiß verfärbt ist, völlig klar und hart ist und dem Bergkristall ähnlich ist“.126 Ein anderer Erfolg Michael Müllners war die Herstellung des Rubinglases ohne Goldzusatz, die Michael Müllner als Erstem gelang.127 Zu dieser Zeit soll das Glas aus der Winterberger „Hütte am Helmbach“ sogar zum Konkurennten des venezianischen Glases geworden sein und wurde seit dem Jahre 1701 vom Jesuitenmissionar Michael Sabel nach Südamerika ausgeführt.128 Michael Müllner verstarb im Jahre 1709 und wurde später in seiner Familiengruft auf dem alten Winterberger Friedhof bestattet. Mit seinem Tode begann dann die Glasproduktion im Böhmerwald allmählich an Stellenwert zu verlieren.

Außer einigen Schlossbeamten waren in Winterberg im Laufe des 17. Jh. auch viele andere Stadtangestellte zu finden: Lehrer, Schreibführer, Stadtboten, Hirten, Turmmelder, ein Organist und ein Scharfrichter. Der Name dieses Stadthenkers Johannes Zauch ist auf das Jahr 1671 datiert.129

Wegen des Dreißigjährigen Krieges sind die Winterberger Stadtbücher im 17. Jh. lückenhaft. Trotzdem sind uns heute folgende Ereignisse aus der eggenbergischen Stadt bekannt: Noch im Laufe des Krieges, im Jahre 1641, kaufte die Gemeinde Winterberg für 500 Gulden das bisherige Rathaus, welches in der Folge zu einem Bräuhaus umgebaut wurde.130 Das Jahr 1651 soll durch das außerordentlich trockene Wetter gekennzeichnet gewesen sein. Der Stadtrat ermahnte damals die Bewohner der Stadt, dass sie in ihren eigenen Behausungen nur sehr vorsichtig mit dem Feuer umgehen sollten.131 Aus demselben Jahr sind dann noch andere Aufzeichnungen zu finden; erstens wurden die Winterberger Bäcker mit ihrem Zunftmeister vor den Rat vorgerufen, welcher ihnen vorwarf, dass ihr Brot und die Semmeln zu klein und schlecht gebacken seien.132 Zweitens wurde dann ebenfalls vor den Rat gewisser Peter Schönroth gerufen. Er wurde daran erinnert und gemahnt, er sollte das Badehaus herrichten lassen, so dass nicht Männer und Frauen gemeinsam baden, denn dies sei keine christliche, sondern eine heidnische Sitte.133 Schließlich soll sich ein Hauswirt über einen anderen Stadtbürger beschwert haben, welcher seine junge Tochter mit einem Steinwurf stark verletzt haben soll.134 Zehn Jahre später, am 20. Oktober 1663, brach auf dem Hof Andreas Lübelhöfflers ein großer Brand aus, der ihm das ganze Haus und seine Getreidevorräte vernichtete.135 Im Jahre 1677 wurde im Gebiet um Winterberg nach Silber-Erz gegraben. Nach Angaben Josef Puhanis sollte der Herzog Johann Christian von Eggenberg am 26. Januar 1677 den Auftrag136 gegeben haben, dass die Bewohner der Stadt Winterbeg in Zukunft dieses Erz nicht an fremde Kaufleute verkaufen durften, sondern den Burggrafen abliefern müssen.137 Für die Neunziger Jahre des 17 Jh. sind dann im Stadtbuch zwei Ereignisse eingetragen: Im Jahre 1692 wurde die große Winterberger Glocke von Stefan Priquey umgegossen und zwei Jahre später wurden von Veit Anton Marschalek138 die „wälischen Früchte“ nach Winterberg gebracht, wobei es sich vermutlich um die Kartoffeln handelte.139 Im Jahre 1702 lieferte Johann Bernhard Fischer von Erlach eine Skizze des Hauptaltars für die Winterberger Pfarrkirche Mariä Heimsuchung.140 Am 23. Mai des Jahres 1712 gab es in Winterberg ein Hochwasser, bei dem der angeschwollene Forellenbach mehrere Häuser völlig zerstörte und seit dieser Zeit als Mörderbach bezeichnet wurde.141 Im Jahre 1714 wurde von Valentin Müllner am alten Winterberger Friedhof die Vierzehn-Nothelfer-Kapelle mit einer Gruft erbaut, in welcher nachfolgend die sterblichen Überreste der beiden Müllner beigesetzt wurden.142 Ebenfalls im Jahre 1714 erhielt die Winterberger Pfarrkirche eine neue Glocke.143 Die letzte Anmerkung, die im Stadtbuch zur Zeit der eggenbergischen Herrschaft verzeichnet wurde, stammt aus dem Jahre 1715. Damals befiehlt die Fürstin Maria Ernestine von Eggenberg, zurzeit als Witwe des bereits verstorbenen Fürsten Johann Christian, die von Rabitzer144 Bauern gefangenen zwei jungen Bären nach Frauenburg (Steiermark) zu schicken.145

Nähere Informationen zu Aufenthalten der Eggenberger in Winterberg sind unbekannt, obwohl die Fürstenfamilie auf dem dortigen Schloss angeblich „gerne verweilt haben soll“.146 Diese Behauptung, dass die Fürstenfamilie Winterberg nicht nur für eine abgelegte Residenz inmitten der böhmerwaldischen Wälder hielt, sondern sie auch achtete, könnte auch durch einige größere derzeitige Umbauten des Schlosses unterlegt werden: Zuerst wurden die von Joachim von Kolowrat angefangenen und unvollendeten Bauten zu Ende gebracht, denen später weitere Bautätigkeiten147 angeschlossen wurden. Eine Vorstellung, wie das Schloss unter der Herrschaft der Fürsten von Eggenberg aussah, bietet uns heute das Besitzverzeichnis bei der Übergabe der eggenbergischen Herrschaft an die Fürsten von Schwarzenberg an, das schließlich auf 241 800 Goldgulden hochgerechnet wurde.148 Die Herrschaft der Eggenberger in Winterberg endete sowie auch bei den anderen fürstlichen Gütern am 4. April 1719. An diesem Todestag der Fürstin Maria Ernestina wurde dem Testament nach die Verwaltung des ganzen eggenbergischen Besitzes in Böhmen vom Fürsten Adam Franz von Schwarzenberg übernommen. In den Händen der Schwarzenberger verblieb Winterberg dann bis zur dessen Verstaatlichung im Jahre 1947.

3. 4 Die Kanzlei: Begriff, Struktur, Tätigkeit und Sprachen

Seit dem Hohen Mittelalter und besonders in der Frühen Neuzeit oblag die Produktion geschriebener Texte allerlei Art den sog. Kanzleien (auch Schreibstätte genannt). Die Kanzlei stellt somit ein Amt dar, in dessen Rahmen seine Beamten im Auftrag einer bestimmten Person oder Institution schriftliche Agenda erledigen, die mit der Rechts- und Verwaltungsgewalt ihres Inhabers verbunden ist.149 Da diese Behörden im Laufe der Zeit zum Zentrum des Schrifttums wurden, sind sie heute als Quelle für die historiolinguistische Forschung von großer Bedeutung. Den Vorsteher einer Kanzlei stellte ein Kanzler dar, der über andere Hofsekretäre, Schreiber und Dienstboten gebot. Die Typologie der Kanzleien war von den einzelnen Auftraggebern abhängig, in deren Namen die konkrete Kanzlei fungierte und deren Agenda erledigt wurde. Solche Auftraggeber konnten der Kaiser oder König, ein Fürst, eine Stadt, ein Bischof oder ein Kloster bzw. eine Kirche sein.

Der Kanzleitypologie entspricht dann auch die breite Palette der Textarten, die in den Kanzleien verfasst wurden: Außer Urkunden - und damit zusammenhängenden Akten - handelte es sich auch beispielsweise um Stadtbücher, Rechts-, Rechnungs- und Kopialbücher, welche zur Evidenz der amtlichen Agende oder zur Aufnahme wichtiger Ereignisse einer Stadt dienten. Eine wichtige Quelle für den Aufbau der damaligen Herrschaften stellen auch die s. g. Urbare dar, welche Besitzrechte einer Grundherrschaft und Leistungen ihrer Untertanen verzeichneten. Als Aufnahmen amtlicher Verhandlungen wurden diverse Protokolle geführt; ebenfalls entstanden im Rahmen einer Kanzlei Testamente, amtliche sowie auch persönliche Briefe u. Ä.150

Bereits seit der Thronübernahme in Böhmen durch die Habsburger in 1526 rückte in der schriftlichen Agenda zu Lasten des Tschechischen die deutsche Sprache in den Vordergrund, was später zur Zeit der Rekatholisierung der Gesellschaft im Laufe des Dreißigjährigen Krieges noch weiter vertieft wurde.151 Die lateinische Sprache hielt sich dagegen zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich nur noch in der Agenda der Kirche. Die Auswahl der benutzten Sprache hing meistens vom sprachlichen Aspekt des konkreten Empfängers ab;152 im Rahmen der fürstlichen Kanzleien spielte allerdings auch die primäre Sprache des Hofes eine Rolle - beim Fürstengeschlecht der Eggenberger handelte es sich wegen derer ursprünglichen Provenienz in Steiermark um das Deutsche.

3. 4. 1 Die Kanzlei der Stadt Winterberg zwischen 1630-1719

Nach dem vernichtenden Dreißigjährigen Krieg stieg in der Mitte des 17. Jh. das Bedürfnis nach einer grundlegenden Organisation der Zivilverwaltung.153 Dadurch kam es zu dieser Zeit zur außergewöhnlichen Ausbreitung des administrativen Apparats,154 zu dem u. A. auch die Stadtkanzleien gehörten. Diese kümmerten sich ausschließlich um den Verwaltungsbedarf der Stadt und wurden dann direkt dem Inhaber der entsprechenden Herrschaft untergeordnet: Im Falle der Stadt Winterberg waren das zwischen den Jahren 1630 und 1719 die Fürsten von Eggenberg.

Die Agenda der Stadtverwaltung aus dieser Zeit ist bis heute noch immer in großen Anteilen erhalten.155 Es handelt sich vorzugsweise um umfassende Aktenmaterialien, das Gedenkbuch der Stadt156 und die ersten Winterberger Matrikeln. Aus diesem Material lassen sich teilweise auch Namen der damaligen Schreiber der Stadt ermitteln - zwischen den Jahren 1636 und 1642 war das Pavel Jaroš, welcher für seine Arbeit den Lohn von drei Gulden pro Monat bekam. In den Jahren 1646 bis 1654 übte diese Funktion Václav Voneš aus, im Jahre 1650 kurzeitig durch Tomáš Husinecký ersetzt. Weitere Schreiber der Stadt Winterberg bis in das Jahr 1719 waren Gregorius Adalbertus Ziegel (tätig in den Jahren 1659-1679), Veit Anton Marschalek (1682-1696) und Wenzel Ferdinand Mayer (1708-1726).157

Unter der Herrschaft der Fürsten von Eggenberg veränderte sich ebenfalls die Sprache, die im Rahmen der Winterberger Stadtkanzlei benutzt wurde. Dies hing auch mit dem Übergang von tschechischen zu deutschen Stadtschreibern zusammen. Diese eingeführte Einsprachigkeit ermöglichte es, eine fließende und problemlose Kommunikation zwischen der Stadtverwaltung und dem fürstlichen Hof in Krumau zu ermöglichen, der wegen seiner Herkunft und der bestehenden Kontakte zu Österreich und dem kaiserlichen Hof in Wien eben auf Deutsch geführt wurde. Die ersten Schriften, welche im Rahmen der Winterberger Stadtverwaltung ausschließlich in der deutschen anstatt der tschechischen Sprache verfasst wurden, waren die Bürgermeisterrechnungen (Kniha obecních p ří jm ů) der Jahre 1657-1659. Die ersten deutschen Aufzeichnungen in der Winterberger Stadtmatrikel, die bei der dortigen Pfarre geführt wurde, erschienen allerdings bereits zwei Jahre vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, im Jahre 1646.158 Das Ersetzen des Tschechischen durch das Deutsche verlief im Laufe des 17. Jh. allmählich, parallel mit der damaligen allgemeinen Rekatholisierung der Gesellschaft; die tschechische Sprache hielt sich am Winterberger Amt in den Protokollen des Stadtrates teilweise noch bis ins Jahr 1671.159 Alle später verfassten Schriften der Stadt wurden dann nur noch auf Deutsch aufgezeichnet und im Laufe der folgenden 70er Jahre wurde bei amtlichen Verhandlungen das Deutsche als alleinige Amtssprache durchgesetzt.160

3. 4. 2 Die eggenbergische Hofkanzlei

Für das Bedürfnis nach der Verwaltung eines bestimmten Landbesitzes der herrschenden Aristokratie sowie auch für das Erledigen ihrer privaten Korrespondenz entstanden bei einzelnen Höfen bereits seit Hochmittelalter eigene Kanzleien, die über die rechtliche und administrative Macht ihres Inhabers disponierten. Seit Neuzeit geht es dann oft um hoch organisierte und spezialisierte Ämter mit ausgeprägter Kompetenz.161

Über eine voll entwickelte Hofkanzlei der Eggenberger lässt es sich etwa seit dem Jahre 1622 sprechen. Wegen der engen Beziehung dieser adeligen Familie zu Wien übernahm die eggenbergische Kanzlei manche Gewohnheiten des kaiserlichen Hofes. Diese anpasste sie sich nachfolgend ihren eigenen Bedürfnissen.162 Die territoriale Verwaltung der eggenbergischen Güter in Böhmen hatte ihren Hauptsitz auf dem Schloss in Krumau. An der Spitze der Kanzlei stand der Hofkanzler; die Konzeptarbeit wurde von den Hofsekretären erledigt.163 Weiter disponierte die Kanzlei in Krumau über zwei bis vier Schreiber und gewöhnlich auch einen Dienstboten. In der eggenbergischen Hofkanzlei wurden allerlei Urkunden und Briefe ausgefertigt; meistens verschiedene Privilegien für untertänige Städte und Dörfer, deren Zünfte und kirchliche Institutionen, weiter Nobilitationsdiplome, Kaufverträge u. Ä. Den Inhalt der in die Kanzlei gelangenden Urkunden bildeten dann meistens verschiedene Meldungen aus den einzelnen eggenbergischen Gütern, Vorschläge und Bitten aller Art.164

Außer der Haupthofkanzlei in Krumau gab es allerdings auch kleinere regionale Hofkanzleien in einigen größeren eggenbergischen Städten. Eine Zweigstelle der fürstlichen eggenbergischen Hofkanzlei fungierte u. A. auch auf dem Schloss in Winterberg. Unter den Namen der fürstlichen Beamten, die auf dem Winterberger Schloss tätig waren, ist heute der Sekretär Valentin Praun bekannt.165 Die Reste dieser eggenbergischen Fürstenkanzlei mit den dort übrigen Schriften wurden nachfolgend im Jahre 1719 von den Fürsten von Schwarzenberg übernommen, wobei sie später dem dortigen schwarzenbergischen Archiv zugeordnet wurden. Ein Teil dieses schwarzenbergischen Regionalarchivs166 wurde allerdings vom großen Brand des Winterberger Schlosses im Jahre 1857 vernichtet, was vermutlich verursachte, dass es fast alle Schriften, welche auf dem Winterberger Schloss unter der Herrschaft der Fürsten von Eggenberg entstanden, nicht mehr gibt.167

[...]


1 Unter Anderem handelte es sich um die Teilnahme an der Rekatholisierung der böhmischen Gesellschaft nach dem Jahre 1620 durch die (v. a. finanzielle) Unterstützung des Jesuitenordens, sowie auch um die Finanzierung der Karriereanfänge Albrecht von Waldsteins. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 9.

2 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 13.

3 Vgl. ebenda, S. 14.

4 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 14.

5 In Graz besaß er in der Murgasse das Haus Nr. 8; außerhalb der Stadt dann noch einige Grundstücke beim Dorf Algersdorf. Auf diesem Land wurde später das Familienschloss namens Eggenberg gebaut. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

6 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 19.

7 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

8 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

9 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

10 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 30.

11 Vgl. ebenda, S. 30.

12 Vgl. ebenda, S. 31.

13 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 34. Nach Bok und Kubíková (2012, S. 7) hatte Christoph von Eggenberg keine Tochter, sondern fünf Söhne, wobei hier der ertgeborene Sohn Hans Christoph als zwei Menschen (Söhne Hans und Christoph) interpretiert wird. In Kubíková (2016, S. 288) werden wiedermal die Kinder Elisbeth, Hans

14 Am 24. Mai 1587 wurde er zum Obristen eines Regiments hochdeutscher Knechte befördert und erhielt jährliche Pension von 500 Dukaten. HEYDENDORFF 1965, S. 41.

15 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

16 Heute Kroatien, historisch unter dem Namen Sissek bekannt.

17 Aus der heutigen Sicht eine ebenso kroatische Stadt unweit von Sisak, Provenzien Banovina.

18 Ebenfalls unter dem ungarichen Namen Győr bekannt.

19 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

20 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 46.

21 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 7.

22 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 51.

23 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 8.

24 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 56.

25 Vgl. ebenda, S. 56.

26 Vgl. ebenda, S. 56.

27 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 8.

28 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 64.

29 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 8.

30 Vgl. ebenda, S. 8.

31 Vgl. ebenda, S. 8.

32 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 8.

33 Vgl. ŽUPANIČ; STELLNER; FIALA 2001, S. 82.

34 Vgl. ebenda, S. 82.

35 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 9.

36 Vgl. ŽUPANIČ; STELLNER; FIALA 2001, S. 82.

37 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 9.

38 Vgl. ŽUPANIČ; STELLNER; FIALA 2001, S. 82.

39 Vgl. ebenda, S. 83.

40 In der ersten Welle der Konfiskationen in Böhmen wurden insgesamt 724 Menschen verurteilt, davon 114 Herren und 610 Ritter, was etwa eine Hälfte aller angeklagten darstellte. ČORNEJOVÁ; KAŠE; MIKULEC; VLNAS 2008, S. 85.

41 Vgl. ČORNEJOVÁ; KAŠE; MIKULEC; VLNAS 2008, S. 85.

42 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 9.

43 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 150.

44 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 9.

45 Vgl. ebenda, S. 9.

46 Vgl. ebenda, S. 9.

47 Vgl. ebenda, S. 10.

48 Vgl. ŽUPANIČ; STELLNER; FIALA 2001, S. 83.

49 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 10.

50 Diese vergoldete Kutsche ist bis heute auf dem Schloss in Krumau zu finden. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 10-11.

51 Siehe das Kapitel 3. 2. 1: Anna Maria von Brandenburg-Bayreuth (1609-1680).

52 Siehe das Kapitel 3. 2. 2: Johann Christian von Eggenberg (1641-1710).

53 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 11.

54 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

55 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 182.

56 Vgl. ebenda, S. 182.

57 Vgl. ebenda, S. 185.

58 Vgl. ebenda, S. 185.

59 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 161.

60 Vgl. KORD 2012, S. 1.

61 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 11.

62 Der protestantische Glauben war in der Familie der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth-Kulmbach tief verankert: So zählte der Markgrafen Christian (1581-1655) u. a. im Jahre 1608 zu den Mitbegründern der s. g. Protestantischen Union gegenüber der Katholischen Liga. WINKLER, Richard. Bayreuth-Kulmbach,

Markgraftum: Politische Geschichte. Historisches Lexikon Bayerns https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayreuth-

Kulmbach,_Markgraftum:_Politische_Geschichte [Zugang am 16.12.2015].

63 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 11.

64 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 161.

65 Vgl. ebenda, S. 176.

66 Siehe das Kapitel 3. 2. 2: Johann Christian von Eggenberg (1641 - 1710).

67 Vgl. KORD 2012, S. 1.

68 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 11. [online]. Zugänglich auf

69 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 176.

70 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 11.

71 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

72 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 177.

73 Nach den Einträgen im Staatlichen Gebietsarchiv in Třeboň (Abteilung Český Krumlov). KORYCHOVÁ 1996, S. 426.

74 Diese Stadt, die ebenfalls unter dem Namen Sopron genannt ist, ist heute in Ungarn zu finden.

75 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

76 Vgl. ebenda, S. 12.

77 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 176.

78 Über die Art seiner Erziehung ist aber allerdings nur sehr wenig überliefert. HEYDENDORFF 1965, S. 176.

79 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

80 Es gibt allerdings auch keine Belege, ob er wie sein Vater das Bakkalaureat erreichte. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

81 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

82 Vgl. ebenda, S. 12.

83 Vgl. KORYCHOVÁ 1996, S. 425-26.

84 Die Herrshaften Krumau [Český Krumlov], Winterberg [Vimperk], Nettolitz [Netolice], Prachatitz [Prachatice], Worlik [Orlík], Chejnow [Chýnov] und Andere.

85 Vgl. JUŘÍK 2008, S. 116.

86 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 12.

87 Vgl. KORYCHOVÁ 1996, S. 430.

88 Vgl. HEYDENDORFF 1965, S. 181.

89 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 13-14.

90 Vgl. ČORNEJOVÁ; KAŠE; MIKULEC; VLNAS 2008, S. 569.

91 Vgl. ZÁLOHA 1986, S. 539.

92 Vgl. KORYCHOVÁ 1996, S. 427-428.

93 Vgl. ČORNEJOVÁ; KAŠE; MIKULEC; VLNAS 2008, S. 542.

94 Vgl. ebenda, S. 543.

95 Vgl. ČORNEJOVÁ; KAŠE; MIKULEC; VLNAS 2008, S. 543.

96 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 14.

97 Siehe den Anhang 10. 1. 1: Heinrich de Veerle: Winterberg 1686.

98 Im Falle, dass die Lebensdaten nicht angegeben werden, ist es nicht gelungen, sie aufzuspüren.

99 Vgl. ZÁLOHA 1986, S. 542 - 544.

100 Vgl. JUŘÍK 2008, S. 118.

101 Vgl. ebenda, S. 115.

102 Vgl. BOK; KUBÍKOVÁ 2012, S. 13.

103 Vgl. ebenda, S. 15.

104 Heute handelt es sich um das Palais Schwarzenberg auf dem Hradschin-Platz in Prag.

105 Vgl. ZÁLOHA 1969, S. 10.

106 Die vorwiegend deutschen Historiker wie Josef Walter (1887), Josef Puhani (1926), Hans Muggenthaler (1929) oder Eduard Hrabe (1934) setzen die Gründung der ursprünglichen Winterberger Burg und des damit zusammenhängenden Ortes bis in das 12. Jh. Auf der anderen Seite, manche Historiker tschechischer Herkunft wie August Sedláček (1897) , František Mareš (1913) oder Josef Vítězslav Šimák (1938) vermuten, die Burg sei zuerst zwischen den Jahren 1251 und 1260 vom Grafen Burchard von Janowitz († um 1295) gegründet worden. Ausführlicher zu der ältesten Geschichte der Stadt Winterberg BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979, S. 84-85.

107 Bis etwa 1260 die böhmischen Könige, von etwa 1260 - um 1300 Burchard von Janowitz, 1300-1341 die Baworen von Strakonitz, 1341-1370 die Herren von Janowitz, 1370-1375 der römische Kaiser und böhmische König Karl IV., 1375-1377 der Prager Bürger Johannes Rothlöw, 1377- um 1390 der böhmische König Wenzel IV., um 1390-1494 die Herren Kapler von Sulewitz, 1494-1547 die Herren Malowec von Malowic, 1547-1553 der römische Kaiser Ferdinand I., 1553-1554 Joachim von Neuhaus, 1554-1601 die Herren von Rosenberg. Ausführlicher HARWALIK; PIMMER 1995 und BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979.

108 Vgl. URBAN 1989, S. 4-10.

109 Die Herren zu Kolowrat tendierten dazu, sich abwechselnd der Gunst des Herrschers auf einer Seite und der böhmischen protestierenden Stände auf der anderen Seite zuzuneigen.

110 Seit Juni 1619 wurde die Stadt vom kaiserlichen Hauptmann Longueval-Buquoy (1571-1621) besetzt. Im Oktober desselben Jahres wurde sie für zwei Tage von der protestantischen Armee unter dem Anführer Peter Ernst II. von Mansfeld (1580-1626) belagert und am dritten Tag, dem 24. Oktober 1619, gemeinsam mit dem ganzen Schloss erobert und zerstört. Bei diesem Ereignis, bei dem viele Einwohner der Stadt zum Opfer fielen, sollten auch alle älteren Schriften und Dokumente, auf dem Schloss aufbewahrt, verloren gegangen sein. Ausführlicher HARWALIK; PIMMER 1995, S. 603.

111 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 603.

112 Vgl. ebenda, S. 366.

113 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 366.

114 Vgl. ebenda, S. 404.

115 Vgl. ebenda, S. 405.

116 1 Strich = 0,285 ha. ČERVENÝ; ČERVENÁ 2003, S. 9.

117 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 414.

118 Vgl. ebenda, S. 414.

119 Über 70 von 106 Hauswirten der Stadt waren zu dieser Zeit mit einem Handwerk oder Handel beschäftigt. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 407.

120 Siehe die Urkunde A.

121 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 407.

122 Vgl. ebenda, S. 604.

123 Vgl. ebenda, S. 367.

124 Als Beispiele können die Dörfer Korkushütten [Korkusova Huť], Tafelhütte [Táflova Huť], Glashütten [Skláře] oder die Helmbacher Hütte [Michlova Huť] genannt werden. Ausführlicher HARWALIK; PIMMER 1995, S. 367.

125 Die Schreibweise des Namens dieses Glasmeisters ist verhätnismäßig schwangend. In allen deutschen sowie auch in tschehischen Quellen der benutzten Literatur kommt dieser Glasmeister unter dem Namen Michael Müller vor. In den untersuchten eggenbergischen Urkunden mit der Bezeichnung B und E wird dieser aber als Michael (bzw. Michaël) Müllner genannt.

126 Vgl. BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979, S. 154-155.

127 Vgl. ebenda, S. 155.

128 Vgl. ebenda, S. 155.

129 SOA Třeboň (Abteilung Český Krumlov): Sign. V BC 1f, Inv. Nr. 5726. In der Publikation BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979, S. 147 wird dieser falsch als Jan Zoch angeführt.

130 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 603.

131 Vgl. ebenda, S. 411.

132 Sie wurden nachfolgend gefordert, Besseres zu backen, ansonsten drohe ihnen Strafe. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 410.

133 Zwei Jahre später steht dieser wieder vor dem Rat; dieses Mal soll er einen seiner Patienten nicht mehr behandeln wollen haben, dessen Bein er früher ausheilte, der sich aber nachfolgend nicht schonte. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 411.

134 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 603.

135 Vgl. BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979, S. 147.

136 Diese angebliche Urkunde aus dem 26. Januar 1677 ist heute in den Archiven von Prachatitz und Krumau laut Inventarbüchern nicht mehr zu finden.

137 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 604.

138 Es handelte sich um einen der Winterberger Schreibführer, welcher in der Stadt in den Jahren 1682-1696 tätig war. Ausführlicher im Kapitel 3. 4. 1: Die Kanzlei der Stadt Winterberg zwischen 1630-1719.

139 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 604.

140 Vgl. ebenda, S. 604.

141 Vgl. ebenda, S. 605.

142 Der Stiftung dieser Kapelle vier Jahre vorher war noch selbst Glasmeister Michael Müllner anwesend. Außer den beiden Müllners wurden später in der Kapelle auch drei ihre Verwandten namens Eiler, Pexieder und Světecky beigesetzt. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 605.

143 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 605.

144 Ein Ort in unmittelbarer Nähe zu Winterberg.

145 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 605.

146 Vgl. KORYCHOVÁ 1996, S. 429.

147 Auf der Nordseite des ersten Schlosshofes wurden neue Zimmer errichtet, einige Mauern im südlichen Schlossgarten aufgebaut; im Unteren Schloss wurden neue Boden, Decken und ein neuer Kamin gebaut, einige alte Fenster und Türen zugemauert und neue durchgebrochen, neue Gewölbe im Erdgeschoss vom Baumeister Franz Fortini errichtet. Im Jahre 1637 wurde vom Zimmerer Jakub Reps ein neuer Dachstuhl über der Schlossküche, ein offener Gang und einige Verschalung angefertigt; in den 40er Jahren des 17. Jh. wurden einige Veränderungen und Ausbesserungen im Schlossgarten durchgeführt, es wurden die Schlossdächer, der Pferdestall und der Schlossbrunnen auf dem ersten Schlosshof repariert usw. Ausführlicher URBAN 1989, S. 19-21.

148 In dem sog. Oberen Schloss gab es zu dieser Zeit einen großen Saal, ein Fürstenzimmer, ein Gastzimmer, ein Zimmer für den Turmmelder, einen Speiseraum für Schlossbeamte mit zweien anderen Kammern und die Kapelle des hl. Joseph, in welcher seit dem Jahre 1633 auch öffentliche Gottesdienste für die Bürger der Stadt stattfanden. In dem s. g. Mittleren Schloss gab es eine kleine private Fürstenkapelle, ein privates Zimmer der Fürstin Maria Ernestine, zwei andere Fürstenzimmer, drei Kammern, Zimmer für den Lakaien und andere Schlossdiener, eine Badestube und die Schlossküche. Im Uhrturm waren damals ein Zimmer des Hofmeisters, ein Zimmer des Kaplans und andere drei Kammern vorhanden. In dem s. g. Unteren Schloss war dann ein großer gemalter Saal, ein Zimmer des Hauptmanns, einige Kanzleiräume, die Pforte mit der Rüstkammer, Wohnungen des Musketiers, Fischers und Gärtners, ein paar weitere Kammern und schließlich auch die Schlossbrauerei zu finden. ZÁLOHA 1969, S. 13 oder KUBÍKOVÁ 2016, S. 186.

149 Vgl. HLAVÁČEK; KAŠPAR; NOVÝ 2002, S. 203.

150 Vgl. GREULE 2012, S. 21-25.

151 Das Tschechische blieb dagegen zu dieser Zeit v. a. auf der Ebene der gesprochenen Sprache.

152 Vgl. HLAVÁČEK; KAŠPAR; NOVÝ 2002, S. 203.

153 Als führendes Beispiel kann die im Jahre 1654 niederschriebene Steuerrolle (Bernírula) genannt werden.

154 Vgl. BĚLINA; KAŠE; MIKULEC; VESELÁ; VLNAS 2011, S. 268.

155 SOkA Prachatice: Archivfonds Archiv der Stadt Vimperk 1424-1945 (1900), Evid. Nr. 868; Nr. NAD 35.

156 Das Gedenkbuch der Stadt Winterberg aus den Jahren 1479-1670 steht online auf der Seite https://digi.ceskearchivy.cz/DA?lang=cs&menu=3&id=141&page=1 [Zugang am 22. 2. 2016] zur Verfügung und wird heutzutage in SOkA Prachatice unter der Signatur II-34 aufbewahrt.

157 Vgl. STARÝ; KOTĚŠOVEC 2008, S. 9.

158 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 603.

159 Vgl. BENEŠ; STARÝ; SOLAR 1979, S. 144.

160 Vgl. ebenda, S. 143-144.

161 Vgl. HLAVÁČEK; KAŠPAR; NOVÝ 2002, S. 203.

162 Vgl. ZÁLOHA 1988, S. 246.

163 Bis heute sind z. B. die Namen der Sekretäre Jan Boskowsky, Johann Ernst Hammermillner und Sebastian von Liebhaus bekannt. Siehe die Urkunden A bis D.

164 Vgl. ZÁLOHA 1988, S. 248.

165 Vgl. HARWALIK; PIMMER 1995, S. 405.

166 Archiv, dessen Bestätigungsfeld die Stadt Winterberg und deren Umgebung darstellte.

167 Als Ausnahme kann beispielsweise die bis heute erhaltene Urkundeabschrift mit der Signatur VI G Ζ No 1a genannt werden, die sich heute in SOA Český Krumlov befindet.

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Die Stadt Winterberg und ihre Umgebung im Spiegel der deutsch geschriebenen Urkunden des Fürstengeschlechtes von Eggenberg aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts
Untertitel
Ein Beitrag zur deutschen Sprache in Böhmen
Hochschule
Univerzita Karlova v Praze  (Institut für germanische Studien)
Autor
Jahr
2016
Seiten
123
Katalognummer
V340812
ISBN (eBook)
9783668313415
ISBN (Buch)
9783668313422
Dateigröße
2683 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Prag 2016, 90 Seiten + Anhang (xxx). Mit tschechischem und englischem Resümee. Note: "velmi dobře" entspricht ~ der Note: 2,0 (dt. Notensystem)
Schlagworte
Deutsch, Geschichte, Urkunden, Böhmen, 17. Jahrhundert, Eggenberg, Linguistik, Diachronie, Germanistik, Sprachwissenschaft, Sprachgeschichte
Arbeit zitieren
Václav Kříž (Autor), 2016, Die Stadt Winterberg und ihre Umgebung im Spiegel der deutsch geschriebenen Urkunden des Fürstengeschlechtes von Eggenberg aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340812

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