Die vorliegende historisch-sprachwissenschaftliche Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der textologischen Analyse fünf ausgewählter Urkunden aus der zweiten Hälfte des 17. Jh., die im Rahmen der Eggenberger Hofkanzlei in Böhmisch Krumau [Český Krumlov] ausgestellt wurden und auf deren Grund die historischen Ereignisse der böhmerwaldischen Stadt Winterberg [Vimperk] und deren Umgebung der betroffenen Zeit wiederspiegelt werden.
Die Arbeit gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil wird der historische Hintergrund dargelegt: Am Anfang wird die Geschichte des Fürstengeschlechtes von Eggenberg und seine Beziehung zu Böhmen und der Herrschaft Winterberg aufgeführt. Ebenfalls werden dabei die Aussteller der analysierten Urkunden, die Situation in der Stadt Winterberg während der Jahre 1630–1719 und die Tätigkeit und Produktion der Kanzleien des 17. Jh. beleuchtet. Der zweite Teil der Arbeit konzentriert sich dann auf die textologische Analyse der ausgewählten Schriftstücke – es wird sowohl die Makrostruktur, in der die einzelnen Urkundenteile mit einer Musterstruktur sowie auch untereinander selbst verglichen werden, als auch die Mikrostruktur der analysierten Archivalien behandelt, in welcher die sprachlichen Mittel und die Lexik der in den Urkunden vertretenen Formeln präsentiert werden. Aufgrund der textologischen Analyse soll die Arbeit als Beitrag zu den Erkenntnissen über die deutsche Sprache in Böhmen verstanden werden.
Prag 2016, 90 Seiten + Anhang (xxx). Mit tschechischem und englischem Resümee.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Die Eggenberger und ihre böhmerwaldische Herrschaft Winterberg
3. 1 Zur Geschichte des Fürstengeschlechts von Eggenberg
3. 2 Die Eggenberger in Böhmen im 17. Jahrhundert
3. 2. 1 Anna Maria von Eggenberg (1609–1680)
3. 2. 2 Johann Christian von Eggenberg (1641–1710)
3. 3 Die Stadt Winterberg im Böhmerwald und ihre unmittelbare Umgebung unter der eggenbergischen Herrschaft zwischen 1630–1719
3. 4 Die Kanzlei: Begriff, Struktur, Tätigkeit und Sprachen
3. 4. 1 Die Kanzlei der Stadt Winterberg zwischen 1630–1719
3. 4. 2 Die eggenbergische Hofkanzlei
4. Urkunden der Eggenberger als historiolinguistisches Forschungsmaterial
4. 1 Beschreibung der untersuchten Urkunden
4. 2 Zu textologischen Aspekten der eggenbergischen Urkunden
4. 2. 1 Die Textsorte Urkunde: Definition und Musterstruktur
4. 2. 2 Struktur der eggenbergischen Urkunden im Vergleich
5. Zusammenfassung
6. Resumé
7. Summary
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schreibkultur der eggenbergischen Hofkanzlei im 17. Jahrhundert anhand einer textologischen Analyse von fünf ausgewählten Urkunden, die einen inhaltlichen Bezug zur Stadt Winterberg aufweisen, um Erkenntnisse über die Entwicklung der deutschen Sprache in Böhmen zu gewinnen.
- Historischer Hintergrund des Fürstengeschlechts von Eggenberg
- Die Herrschaft der Eggenberger in der Stadt Winterberg
- Struktur und Arbeitsweise der eggenbergischen Hofkanzlei
- Textsortenanalyse von historischen Urkunden
- Historisch-sprachwissenschaftliche Einordnung deutschsprachiger Urkunden in Böhmen
Auszug aus dem Buch
3. 1 Zur Geschichte des Fürstengeschlechts von Eggenberg
Die Anfänge der Adelsfamilie zu Eggenberg bleiben bis zum heutigen Tag unklar. Bereits im Laufe des 17. Jh. bemühten sich einige eggenbergische Beamte den Ursprung des fürstlichen Hauses aufzuspüren. Einer vieler Versuche, den Familienstammbaum abzuleiten, wurde bereits im Jahre 1683 von Marcus von Perizhoffs niederschrieben, welcher die Geschlechtswurzeln bis in das 12. Jh. festsetzte. Dieser Theorie nach soll der Familienursprung bis auf einen Herrn von Heggenberg zurückgeführt werden. Gemäß der Familientradition, welche sich auf die spätere Grabsteininschrift von Christoph von Eggenberg aus dem Jahre 1551 stützt, kann ebenfalls auch Partlmä Egkhenperger als deren potenzieller Urahn angesehen werden.
Ulrich Eggenberger (†1448), das erste historisch belegte Mitglied des Eggenberger Hauses, der vermutlich aus Radkersburg in die Hauptstadt der Steiermark gekommen sein soll, wird urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1432 erwähnt. In diesem Jahre war er als Grazer Ratsherr tätig. Drei Jahre später trat dieser dann schriftlich als Bürge einer Schuldverschreibung von Erhart Gundacker von Neundorf auf und 1436 erhielt er eine Berechtigung zum Münzwechsel. Damit trat zu seiner Handelstätigkeit auch das Finanzwesen hinzu. Er brachte mit seiner Ehefrau Barbara, einer Tochter des Grazer Hubmeisters Thomas Giebinger, insgesamt 16 Kinder zur Welt. Davon sind ihre drei Söhne – Balthasar, Hans und Stephan, der sich auf den Weg eines Geistlichen begab, am bekanntesten. Die Brüder Balthasar und Hans können dann aus der heutigen Sicht als Gründer zweier Hauptlinien des Eggenberger Geschlechts angesehen werden. Der ältere Bruder Hans (†1481) setzte sich in Radkersburg nieder, wo er lebenslang seinen Handel trieb. Mit seiner Ehefrau Kunikunde von Polheim aus Leibnitz hatten sie einen Sohn Andreas (†1517), der später zum Stadtrichter von Radkersburg wurde. Später hatte er mit seiner Gemahlin Anna, einer Tochter des Kaufmanns Bartlmä Senuss aus Villach, noch den Sohn Christoph.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Arbeit, bedingt durch seine Herkunft aus der Winterberger Region und das wissenschaftliche Interesse an der eggenbergischen Ära.
2. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der historisch-sprachwissenschaftlichen Untersuchung der Schreibkultur und beschreibt die methodische Vorgehensweise anhand von fünf Urkunden.
3. Die Eggenberger und ihre böhmerwaldische Herrschaft Winterberg: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext zur Adelsfamilie, ihrer Expansion nach Böhmen sowie der Situation und Verwaltung der Stadt Winterberg unter eggenbergischer Herrschaft.
4. Urkunden der Eggenberger als historiolinguistisches Forschungsmaterial: Dieser Teil beschreibt die Kriterien der Urkundenauswahl sowie die theoretischen Grundlagen der linguistischen Textanalyse.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse der textologischen Analyse bezüglich der Makro- und Mikrostruktur der untersuchten Urkunden und deren linguistische Bedeutung.
Schlüsselwörter
Eggenberger, Winterberg, Vimperk, Urkundenanalyse, Historische Linguistik, Hofkanzlei, Sprachgeschichte, Böhmen, 17. Jahrhundert, Textsorte, Paläographie, Textologie, Adelsfamilie, Herrschaft, Kanzleisprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historisch-sprachwissenschaftlichen Untersuchung von fünf Urkunden des Fürstengeschlechts von Eggenberg, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgestellt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Geschichte des Adelsgeschlechts von Eggenberg, die Verwaltung der Stadt Winterberg sowie die historiolinguistische Analyse von Kanzleisprachen in Böhmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zur Erforschung der Schreibkultur böhmischer Hofkanzleien beizutragen und die deutsche Sprache in Böhmen durch eine textologische Analyse zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt die historiolinguistische Methode der textologischen Analyse, unterteilt in die Untersuchung von Makrostruktur und Mikrostruktur der ausgewählten Dokumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Teil über die Eggenberger und Winterberg sowie einen sprachwissenschaftlichen Teil, der die ausgewählten Urkunden formal und inhaltlich analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Eggenberger, Winterberg, Urkundenanalyse, Kanzleisprache, Textsorte und Sprachgeschichte.
Welche Bedeutung kommt dem Dreißigjährigen Krieg in der Untersuchung zu?
Der Krieg wird als Zäsur für die demografische und wirtschaftliche Lage Winterbergs sowie für die Neuorganisation der Verwaltung nach 1630 diskutiert.
Warum wurde die Stadt Winterberg als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Der Autor wählte Winterberg aufgrund seiner eigenen Herkunft und des Mangels an wissenschaftlichen Informationen über diesen speziellen Zeitabschnitt unter der Herrschaft der Eggenberger.
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- Václav Kříž (Author), 2016, Die Stadt Winterberg und ihre Umgebung im Spiegel der deutsch geschriebenen Urkunden des Fürstengeschlechtes von Eggenberg aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340812