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Gibt es den Heldentod in Herborts von Fritzlar "Liet von Troje"?

Title: Gibt es den Heldentod in Herborts von Fritzlar "Liet von Troje"?

Term Paper , 2014 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anna Schenck (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Herborts von Fritzlar um 1190 entstandener Antikenroman das „Liet von Troye“ ist eine Wiedererzählung des trojanischen Kriegs. Durch eine Neukonzeptionalisierung der antiken Stoffe dringen die Leitthemen des höfischen Romans in die Antikenmaterie ein. Dazu zählen in erster Linie Ritterschaft und Minne2, außerdem unterläuft der Stoff einer Christianisierung. Hieraus ergeben sich einige Leitfragen, die von der Forschung ausführlich besprochen wurden, woraus die häufig vertretene These entstand, dass es sich beim „Liet von Troje“ um ein Antikriegsepos handelt. Dies als Grundlage annehmend, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Thematik des Heldentodes. Ist die Glorifizierung des Helden durch seinen Tod auf dem Schlachtfeld in einem Antikriegsepos überhaupt möglich?

Einen Heldentod zu sterben, ist für den Helden von immenser Bedeutung: „Der letzte Akt in der Lebensgeschichte des Helden ist der Tod oder der Fortgang. Darin findet der ganze Sinn seines Lebens sein Denkmal.“ Der klassisch antike Heldentod unterliegt bestimmten Bedingungen, wozu die sogenannte Versöhnung mit dem Grab zählt. RENEHAN zufolge konfrontiert in heroischen Kulturen der Held seinen Tod mit der Würde seiner angeborenen Tapferkeit, ohne Angst und ungeschlagen bis zum Ende. In der Gewissheit des Todes eines jeden Menschen verspricht der öffentliche Tod in der Schlacht ewigen Ruhm: „the hero is granted [...] the single privilege of dying a hero's death, not a random or undignified one.“

Der Erwerb des pris durch den heldenhaften Tod ist also ein Konzept, das auch Herbort keineswegs fremd ist. So wird zwar der Topos des Heldentodes von Herbort aufgegriffen, interessant ist aber, wie der Autor damit umgeht. Das Ziel dieser Arbeit ist es, die sich ergebende zweigeteilte Problematik aufzuzeigen, die in Herborts Text entsteht: Es gibt als Helden bezeichnete Krieger oder auch Ritter, die einen wenig glorreichen, brutalen oder makaberen Tod sterben, sind diese dennoch Helden? Mit anderen Worten: Wie ausschlaggebend ist der Tod an sich für die Heldenehrung? Und: Andere Helden, stellen ihr Heldentum durch ihre Taten massiv in Frage.

Wird ihnen dennoch ein Heldentod gewährt? Wirkt sich ein heldenhafter Tod positiv auf ihre Rezeption aus? Dies als Richtlinie nehmend, sollen in dieser Arbeit sechs Tode genauer betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Philomenis – Der erste namenhafte Tod

3 Patroclus – Ein Tod aus Selbstüberschätzung und der Beginn des Rachedurstes

4 Hector – Der Tod des größten Helden

5 Achilles – Der Mord im Tempel

6 Paris – Des schönen Mörders Tod

7 Ayax – Der Mord im Dunkeln und keine Heldentode außerhalb des Krieges

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Thematik des Heldentodes in Herborts von Fritzlar „Liet von Troye“, wobei die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern eine Glorifizierung der Helden durch ihren Tod auf dem Schlachtfeld in einem Antikriegsepos möglich ist. Dabei wird analysiert, ob der Tod tatsächlich als letzter, sinnstiftender Akt heldischen Lebens fungiert oder ob Herbort die höfischen Idealvorstellungen durch die Darstellung von Brutalität und Makabrem demontiert.

  • Analyse von sechs ausgewählten Todesfällen unter Berücksichtigung der höfischen Ideale.
  • Untersuchung der Widersprüche zwischen Heldentum und realer, oft brutaler Kriegserfahrung.
  • Evaluation des Einflusses von christlichen und höfischen Werten auf die Antikenmaterie.
  • Kontrastierung von Herborts Darstellung mit der literarischen Tradition des antiken Epos.
  • Kritische Würdigung der Rachemotivation und des ritterlichen Ethos.

Auszug aus dem Buch

4 Hector – Der Tod des größten Helden

Hector ist einer der unumstrittenen Helden. Da er Beschützer Trojas, Heerführer und bester Kämpfer ist, weder durch Angst noch Liebe korrumpierbar, stellt sich die Frage, wie man solch einen Helden zu Fall bringen kann. Achilles ist der einzig würdige Gegner, was in fünf Kämpfen etabliert wird, die für beide mal in Sieg, mal in Niederlage, jedoch nicht im Tod eines der Helden enden. Dadurch wird zwar der abschließende Vergeltungskampf hinausgezögert, wie SIEBER richtig feststellt, jedoch ist eine Verbindung zum Tod Patroclus' keineswegs zu leugnen.

Es scheint auf Patroclus Rüstung zurückzuführen, die Hector trägt, dass es heißt: Ich gesach uch also rechte nie / So in dirre stat hie / Um daz ich zu uch haben haz [V. 8229-8231]. Ob dies nun bedeutet, dass Achilles vorher nicht wusste, dass Hector seinen Freund getötet hat, oder ob Hectors Dreistigkeit, Patroclus Rüstung zu tragen, ihn zornig macht, ist hierbei schwer auszumachen. Jedoch erklärt diese Aussage das Herauszögern des letzten entscheidenden Kampfes und bringt die Motivation, beim nächsten Aufeinandertreffen nicht wieder abzulassen. Hector, der sich nicht in seinem eigenen Land beleidigt sieht, fühlt sich gezwungen verbal zu parieren sonst sei er immer ein zage [V. 8242]. Er provoziert Achilles bis aufs Blut. Dieser kann seinen Zorn kaum halten und bricht beinahe den Frieden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das „Liet von Troye“ als Antikenroman, der durch höfische Einflüsse und Christianisierung transformiert wurde, sowie Vorstellung der Thematik des Heldentodes.

2 Philomenis – Der erste namenhafte Tod: Analyse des ersten Kampfes, der weniger den Heldentod glorifiziert, als vielmehr Ulixes' Stärke betont und Elemente der Leichenbergung und Klage etabliert.

3 Patroclus – Ein Tod aus Selbstüberschätzung und der Beginn des Rachedurstes: Untersuchung der fatalen Fehleinschätzung des Patroclus, die als Auslöser der zentralen Feindschaft zwischen Hector und Achilles fungiert.

4 Hector – Der Tod des größten Helden: Betrachtung des Kampfes zwischen Hector und Achilles, in dem trotz ritterlicher Opferungsbereitschaft die brutale Darstellung des Leidens die Glorifizierung konterkariert.

5 Achilles – Der Mord im Tempel: Analyse des Anti-Helden Achilles, dessen Rückzug aufgrund von Liebeskrankheit und dessen heimtückischer Tod im Tempel seine Heldenpose dekonstruieren.

6 Paris – Des schönen Mörders Tod: Beschreibung des Untergangs von Paris, dessen Schönheit und Schwäche durch einen makabren, aber ästhetisierten Tod kontrastiert werden.

7 Ayax – Der Mord im Dunkeln und Keine Heldentode außerhalb des Krieges: Behandlung der chaotischen und ehrlosen Nachkriegsereignisse, in denen das Konzept des Heldentodes vollends seine Gültigkeit verliert.

8 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Herbort den Heldentod durch eine negative Ethik und die Darstellung von brutaler Wirklichkeit als höfische Utopie demontiert.

Schlüsselwörter

Herbort von Fritzlar, Liet von Troye, Heldentod, Mittelalter, Höfische Literatur, Antikenroman, Trojanischer Krieg, Achilles, Hector, Rittertum, Minne, Feindschaft, Entheroisierung, Gewalt, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung des Sterbens von Helden im „Liet von Troye“ von Herbort von Fritzlar und hinterfragt, ob der Tod auf dem Schlachtfeld in diesem Werk als klassischer Heldentod glorifiziert wird.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von ritterlichen Idealen, höfischer Minne, der Kriegsdarstellung sowie die Dekonstruktion dieser Konzepte durch extreme Brutalität und moralische Abgründe.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem literarischen Topos des glorreichen Heldentodes und der tatsächlichen, oftmals ernüchternden oder makabren Darstellung dieser Tode in Herborts Epos aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die auf den Versen des „Liet von Troye“ basiert und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur die epische Struktur und Moralität untersucht.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Tode von Philomenis, Patroclus, Hector, Achilles, Paris und Ayax, wobei jeder Fall einzeln auf seine spezifische narrative Gestaltung und Bedeutung hin geprüft wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Entheroisierung, Antikriegsepos, negative Ethik, höfische Diskurse und die Demontage heroischer Ideale charakterisieren.

Wie unterscheidet sich Herborts Darstellung von der Ilias?

Im Gegensatz zu Homer, der den Heldentod oft als heroischen Idealzustand zeichnet, führt Herbort Elemente der Christianisierung und der höfischen Dekonstruktion ein, die das Handeln der Helden oft weniger glorreich erscheinen lassen.

Warum wird der Tod von Achilles bei Herbort kritisch gesehen?

Da Achilles nicht im offenen, fairen Kampf auf dem Schlachtfeld stirbt, sondern durch einen heimtückischen Mord in einem Tempel, wird ihm der für einen Helden notwendige, öffentliche Heldentod verwehrt, was ihn eher als Opfer seiner Taten und der Liebe erscheinen lässt.

Welche Rolle spielt die Brutalität bei der Darstellung des Todes?

Die detaillierte und oft drastische Schilderung der Gewalt und der Verstümmelungen führt laut der Autorin dazu, dass der Leser den Schrecken des Todes stärker wahrnimmt als das heroische Ideal.

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Details

Title
Gibt es den Heldentod in Herborts von Fritzlar "Liet von Troje"?
College
University of Leipzig  (Germanistik)
Course
Vertiefungsmodul Mediävistik
Grade
1,7
Author
Anna Schenck (Author)
Publication Year
2014
Pages
19
Catalog Number
V340899
ISBN (eBook)
9783668303713
ISBN (Book)
9783668303720
Language
German
Tags
Troja Heldentum Herbort von Fritslar Liet von troje
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Schenck (Author), 2014, Gibt es den Heldentod in Herborts von Fritzlar "Liet von Troje"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/340899
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